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09.07.10Leser-Kommentare

Identität im Netz: Das Glaubwürdigkeitsproblem anonymer Kritik

Wer im professionellen Teil des Internets anonym Kritik äußert, hat ein zunehmendes Glaubwürdigkeitsproblem. Gefragt sind Diskurse auf Augenhöhe.

 

In der Kommentarspalte zu meinem Artikel "Verlinken tut weh" vom vergangenen Samstag kam es zu einer längeren Diskussion zwischen mir und einem Leser. Persönlich empfand ich seine Kritik einen Tick zu persönlich, aber darüber würde wohl jeder anders urteilen.

Während kritisierende Lesermeinungen einen als Autor natürlich nicht in Hochstimmung versetzen - immerhin wird man mit eventuell gemachten Fehlern konfrontiert, was für keinen Menschen leicht ist - so sind sie dennoch ein notwendiger Teil des Bloggens sowie jeder journalistischen Arbeit und helfen dabei, eigene Aussagen, Meinungen und Vorgehensweisen zu reflektieren. Genau wie Leser (hoffentlich) Neues erfahren, lernt man als Autor ebenfalls ständig dazu, was mitunter ohnehin das Beste am Bloggen ist.

Doch im Rahmen der erwähnten Kommentardebatte erkannte ich einen mir bisher nicht bewussten neuen Anspruch, den ich an Kritiker stelle, die mit ihrer negativen Meinung über einen Artikel kein Blatt vor den Mund nehmen: Transparenz darüber, wer sie sind.

Der angesprochene User vertrat seine Ansicht unter dem Pseudonym "Jan Minoret", welches ich anfänglich gar nicht als solches erkannte, bis ich Google bemühte und einsah, dass es zu diesem Namen keinerlei Suchergebnisse gibt.

Für Ergänzungen zum Inhalt, für neutrale Äußerungen, aber natürlich auch für Lob ist es mir völlig egal, ob Nutzer mit ihrem Klarnamen kommentieren oder dafür auf ein Pseudonym zurückgreifen. Ich kann in beiden Fällen davon ausgehen, dass ein Kommentar ihre tatsächliche Meinung widerspiegelt (mit einer Einschränkung bei offensichtlich werblichen Kommentaren).

Anders sieht es jedoch aus, enthält das Leser-Feedback Kritik am Text oder an der Vorgehensweise zum Text. Hier können sich Blogger und Journalisten nicht darauf verlassen, es mit einer objektiven, konstruktiven und für sie somit wertvollen Lesermeinung zu tun zu haben.

Negative Kommentare können genauso gut den persönlichen Zwecken des kommentierenden Users dienen, sei es, dass er sich im aktuellen oder einem früheren Artikel angegriffen fühlt, eine persönliche Abneigung gegen den Autor hat oder ganz einfach seinen Frust ventilieren will - so genannte "Trolle", die Möglichkeiten zur Meinungsäußerung für alles andere außer für intelligente Partizipation nutzen, sind ein bekanntes Netz-Problem.

Genau weil ich die hinter einem kritisierenden Kommentar steckenden Motive nicht kenne, stelle ich den Anspruch an Verfasser, unter ihrer tatsächlichen Identität aufzutreten, bevorzugt mit Link zu einem persönlichen Blog oder Onlineprofil. Auch da ich selbst mit offenen Karten spiele und mich nicht hinter einer Anonymität verstecke, erwarte ich von Kritikern, dass sie dies ebenfalls tun und mir auf gleicher Augenhöhe begegnen.

Natürlich bedeutet dies nicht, dass ich anonyme Kritik ignoriere. Nur lassen sich dabei Zweifel am Motiv niemals ganz aus dem Weg räumen, im Gegensatz zu einem Kommentar, der mit einer realen Identität verknüpft ist. Nur derartiges Feedback besitzt die Authentizität und den Nachdruck, um bei mir als Autor einen maximalen Effekt zu erreichen. Immerhin steht die jeweilige Person mit ihrem Namen öffentlich für die geäußerte Meinung und kann damit auch über Suchmaschinen gefunden werden, was den netten Nebeneffekt hat, dass Beleidigungen oder ein zu aggressiver Tonfall unwahrscheinlich sind.

Meine Botschaft ist also: Wer einen Beitrag von mir kritisieren und sichergehen will, dafür meine größtmögliche Aufmerksamkeit zu bekommen, tut dies unter der realen Identität. Ich bin mir sicher, dass ich nicht der Einzige Blogger mit diesem Anliegen bin.

Seit einigen Jahren vollzieht sich ein Wandel im Web - aus dem, was einmal dem Wilden Westen glich, wird zunehmend ein professionelles, seriöses Umfeld, in dem User sich nicht länger hinter Pseudonymen verstecken. Das gilt selbstverständlich nicht für alle Teile des Webs, und wie man es mit dem Streben nach Transparenz und realen Nutzeridentitäten übertreiben kann, zeigt gerade der World of Warcraft-Betreiber Blizzard.

Doch abseits vom Bereich der digitalen Unterhaltung verbreitet sich die Einsicht, dass es nicht länger notwendig ist, im Netz die eigene Identität zu verschleiern. Auch deshalb, weil Online- und Offline heute stärker als früher ineinander greifen und das Web für viele nicht mehr der faszinierende "Cyberspace" ist, in den man sich flüchtet, wenn man der realen Welt entkommen möchte.

Eine Ausnahme gibt es für mich: Leser, die regelmäßig, sachlich und seit jeher unter Pseudonymen kommentieren. Bei denen bürgt ihre Loyalität für die Ernsthaftigkeit und Relevanz ihrer Äußerungen.

Randnotiz: Natürlich gibt es weiterhin bestimmte Themenfelder, in denen Anonymität notwendig ist, um sich nicht unnötig Gefahren und Drohungen auszusetzen.

(Foto: Flickr/upeslases, CC-Lizenz)

Kommentare

  • Peter Müller

    09.07.10 (09:25:12)

    Ich kann Sie ja im Ansatz verstehen, Herr Weigert. Deshalb habe ich auch meinen echten Namen angegeben. Viel Spaß beim googlen. ;-)

  • Martin Weigert

    09.07.10 (09:27:28)

    Deshalb ja auch der erwähnte Wunsch nach dem Link zu einem Profil im Netz - gerade bei so exotischen Namen wie Ihrem ;)

  • bosch

    09.07.10 (09:29:16)

    Einerseits verstehe ich den Hintergrund, andererseits schließe ich mich Peter Müller an. Ein eindeutig zuzuordnendes Pseudonym – am besten mit Link zu einer eigenen Seite – sagt mir doch mehr über die Person des Kommentierenden als ein Allerweltsname ohne Link. Auch wenn jemand zum ersten Mal kommentieren sollte.

  • Martin Weigert

    09.07.10 (09:32:40)

    bosch, damit hast du natürlich recht. Auch ein Pseudonym kann ja mit einer Identität verknüpft sein. Sagen wir mal z.B., fefe würde hier kommentieren und auf sein Blog linken. Oder eben du mit "bosch" und einem Link zu deinem Blog. Im übertragenen Sinne geht es einfach darum, unter seiner tatsächlichen Identität zu kommentieren und diese in irgendeiner Form deutlich zumachen. Und zwar nicht als Gefallen an den Blogger, sondern aus dem eigenen Interesse heraus, mit der Kritik auf offene Ohren zu stoßen. Denn das will man ja, sonst würde man sie ja nicht posten.

  • housetier

    09.07.10 (09:42:41)

    [Kommentar wegen zu niedriger Augenhöhe unsichtbar]

  • bosch

    09.07.10 (09:55:39)

    @Martin: Was natürlich für diejenigen, die halt nur Leser sind und über keine eigene Website verfügen, schon wieder eine größere Hürde ist. Facebook-Connect oder openID wären eine denkbare Lösung, haben sich aber in der breiten Masse auch noch nicht durchgesetzt.

  • Martin Weigert

    09.07.10 (09:58:51)

    Die Frage ist: Wie viele User gibt es eigentlich noch, die nicht irgendwo ein öffentliches Profil/Blog/Website/Twitter-Stream haben, auf das sie verlinken können? Gerade in Blogkreisen? Und wenn sie es nicht haben, steht es ihnen natürlich nach wie vor frei, anonym zu kritisieren. Dann müssen sie halt die im Artikel beschriebene Reaktion in Kauf nehmen.

  • bierbauch

    09.07.10 (09:59:17)

    sorry, aber das kann / möchte ich nicht nachvollziehen ...

  • scanlines

    09.07.10 (10:07:16)

    Das Wehklagen über einen weiteren Geburtsfehler des Internets -- wer hätte gedacht, daß die so zahlreich sind? -- , nämlich die leidige (Pseudo-)Anonymität nimmt langsam an Intensität zu. Auch wenn Du das Verhalten rund um WoW als zu übertrieben kritisierst, so willst Du doch im Grunde dasselbe, was in der für mich persönlich unerträglichen de Maizièreschen Aussage kulminiert: "Der freie Bürger zeigt sein Gesicht, nennt seinen Namen, hat eine Adresse." Ich kann bis heute nicht verstehen, welchen Zugewinn man durch die Angabe einer "tatsächlichen Identität" (BTW, welche? Ich bin viele und Du auch) haben soll, wenn man mit einer sachlichen und fundierten Kritik konfrontiert wird. Wertet ein "Dr. med. Wurst" einen solchen Beitrag auf, ein "Hartmut IV Empfänger" diesen ab? Menschen sind vielschichtig und eben nicht nur eine Identität wie bspw. Zuckerberg zu glauben scheint. Ich nehme -- v. a. unbewusst -- unzählige Identitäten an, je nachdem, mit wem ich in eine kommunikative Handlung eintrete. Mit meinen Eltern, mit meinen Großeltern, meiner Freundin, meine Schulfreunden, etc. pp. und differenziert bis zum Exzess. Das ist -- kleiner Exkurs -- übrigens IMO auch eines der großen Probleme der SN: die analoge Granularität, die wir automatisch-spielerisch im Alltag des "RL" in unseren Beziehungen ausleben, lässt sich einfach nicht in Code pressen. Zurück zum Thema. Eine zentrale Überlegung in Deinen Ausführungen, die Du aber nicht explizit herausstellst, scheint mir die "Professionalisierung" des Netzes zu sein. Hier schlägt IMO eben angesprochene "Identitätsselektion" zu: Du denkst und schreibst hier im Kontext des Geschäftsmannes zum Thema Internet. Quasi als Web-Evangelist [Wollte ich schon lange mal schreiben. Endlich!]. Unter Geschäftsleuten ist es Usus, sich namentlich und natürlich unternehmerisch vorzustellen und zu kennen. Das erste, was passiert, ist ja auch bekanntlich Visitenkarten austauschen. Das ist aber nicht unbedingt "natürlich", sondern hat mit der Teilidentität Geschäftsmann zu tun: man will Kontakte für eine Geschäftsbeziehung knüpfen. Das hat mit der/n "Privatidentität/en" erst einmal auch nichts zu tun. Die Frage ist ja bereits aufgetaucht: wie soll ich mich bitte hier zu erkennen geben? OK, Du schlägst einen Link zur eigenen Netzpräsenz, SN, etc. vor. Dieser Link ist aber auch wieder nur selektiv und ich kann Dich dirigieren, wie ich will -- zum einen. Zum anderen kannst/wirst Du aus der Präsenz irgendetwas herauslesen, hineininterpretieren, was ich nicht steuern kann. Daraus ziehst Du Rückschlüsse auf bspw. einen Kommentar hier. Es ist kompliziert. Zudem mal wieder: wieso wird für das Netz gerne mehr gefordert als "da draußen"? Verlangst Du von jeder Bekanntschaft erst einmal den Personalausweis? Den Lebenslauf? Das wäre doch recht unhöflich. Ich würde Dich vermutlich stehenlassen. Exkurs 2: Genauso wie mich übrigens die beliebte zweite Frage "Was machst Du so?" nervt, die auf die Erwerbsarbeit abzielt und alle immer blöde schauen, wenn ich sage: "Fotografieren find ich zum Beispiel toll." Wie oft kommt es vor, daß man jemanden sympathisch findet, sich unterhält und erst nach einer ganzen Weile feststellt, daß man sich noch nicht namentlich vorgestellt hat. Ooops, das ist ja sogar noch viel weniger als im Netz: da ist für Kommentare fast immer das Namensfeld "Pflicht". Die Idee hinter "On the internet noone knows you're a dog" ist doch diskordianisch-utopisch schön: nicht die Person als Person mit Herkunft, Geschlecht, Titel, wasweißich zählt ("Worte"), sondern was sie schreibt ("Taten"). Mir ist dieses Konzept sehr sympathisch und sehe mit wachsendem Unbehagen wie immer schwerere Geschütze aus unterschiedlichsten Richtungen mit unterschiedlichen Begründungen aufgefahren werden, um die "Bedrohung Anonymität" sturmreif zu schießen. P.S.: Diesen Kommentar schreibe ich unter meinem Pseudonym/(Netz)identität "Scanlines", weil ich dieses Thema als v. a. netzbezogen erachte und diese Facette meiner Person da am besten zu passt.

  • Yu Li

    09.07.10 (10:52:33)

    Ich glaube nicht, daß die Forderung, einen Klarnamen anzugeben, die Kommentare verbindlicher macht. Schließlich ist es immernoch meine persönliche Enscheidung, ob ich meinen wirklichen Namen angebe, oder den meines Nachbarn. Endet die Netzneutralität bei der Bereitschaft, sich persönlich nackt zu machen? Ist es nicht auch Diskiminierung, Menschen vom Diskurs, von der "Teilhabe" auszuschließen, weil sie eben nicht gegoogelt werden wollen? Wenn die Kritik sachlich und sinnvoll ist, dann wird sie auch Gehör finden, aber eine persönliche Beledigung wird nicht wichtiger, weil sie mit einem Klarnamen garniert ist. Liebe Grüße, Yu Li

  • Snoopy

    09.07.10 (10:57:42)

    @scanlines: Ein SEHR guter und lesenswerter Kommentar!!!

  • Martin Weigert

    09.07.10 (11:11:50)

    @ scanlines Wertet ein “Dr. med. Wurst” einen solchen Beitrag auf, ein “Hartmut IV Empfänger” diesen ab Darum geht's hier wirklich nicht! Lies mal das hier: http://netzwertig.com/2010/07/01/verlust-von-privilegien-bremst-klassendenken-die-digitalisierung/ Verlangst Du von jeder Bekanntschaft erst einmal den Personalausweis? Den Lebenslauf? Das wäre doch recht unhöflich. Ich würde Dich vermutlich stehenlassen. Nein, ich verlange im realen Leben, dass die Person mir in die Augen schaut, während sie mir die Dinge sagt, die sie loswerden will. Ich kenne nicht ihren Namen, aber ich erkenne sie. Im Internet geht dies nicht, also benötigt man ein Hilfsmittel, um zu vermeiden, dass eine Person aufgrund der vermeintlichen Anonymität (vermeintlich deshalb, um Kommentaren vorzubeugen, man sei im Internet ohnehin nicht anonym) in eine Rolle schlüpft und Äußerungen tätigt, die sie sich bei einem Kontakt von Angesicht zu Angesicht nicht trauen würde. Dass Menschen die Tendenz haben, sich anders zu verhalten, wenn man sie im Nachhinein nicht für ihre Aussage verantwortlich machen kann, ist denke ich kein Geheimnis. Im Kontext von Unterhaltung oder gar (Rollen-)Spielen mag das kein Problem sein oder sogar Ziel der Übung sein. Aber im professionellen und geschäftlichen Kontext diskutiert man Probleme des realen Lebens, und diese Diskussionen können nur dann zielführend sein, wenn dabei von den Beteiligten nicht fiktive/beliebige Rollen eingenommen werden. @ Yu Li Wie weiter oben schon erwähnt - niemand wird ausgeschlossen. Der Kommentarverfasser entscheidet selbst, ob er sich zu erkennen gibt oder anonym kommentiert, und hat damit Einfluss darauf, welchen Effekt der Kommentar auf den Autor bzw. die Diskussion hat. Ich gebe eben nur zu bedenken, dass der Effekt bei der Verknüpfung mit einer realen Identität größer sein kann.

  • martin lindner

    09.07.10 (11:47:32)

    das interessante und dich (zu recht) irritierende an dem Jan Moniret-kommentar war ja nicht eigentlich, dass es sich um kritik handelte, sondern der persönliche gestus: "Hey, Martin," im text dann weitere nennung des vornamens, am ende "Grüße, J.M." hier hat jemand gezielt signale für "authentizität" und "persönliche beziehung" gesetzt, und dann allerdings auf der eigenen seite ebenso gezielt diesen kontrakt nicht eingehalten. das ist ein ziemlich schroffer bruch der konversationsregeln, und man fragt sich automatisch, wer so etwas warum macht. das ist aber ein interessanter ausnahmefall und hat IMHO mit 99% der unter web-pseudonymen geäußerten kritik in ganz normalen blogkommentaren nichts zu tun.

  • Martin Weigert

    09.07.10 (12:21:14)

    Interessante Analyse, das ist mir gar nicht bewusst aufgefallen. Anyway, das war auch nur ein Beispiel. In den drei Jahren der Bloggerei sind mir schon genug anonyme Kommentare untergekommen, bei denen ich mir sicher bin, dass sie anders geklungen hätten, wären sie mit einer Identität verknüpft gewesen.

  • martin lindner

    09.07.10 (12:29:50)

    diese ausweitung verstehe ich eben nicht: ein kommentar ist erst einmal ja nur eine aussage, die für sich selbst steht. dunkle buchstaben auf hellem grund. was hättest du an diesen kommentaren ändern wollen? "anonymität" heißt im zusammenhang in der web-kultur ja nur soviel wie: "meine bürgerliche identität tut hier nichts zur sache" und vor allem "ich möchte genau derjenige sein, der zwischen den zeilen der texte erscheint, die ich hier öffentlich schreibe". "blogging yourself into existence" (David Weinberger) gilt auch für kommentare. diese neue form von "anonymität" halte ich für ein feature, keinen bug. ein kultureller mehrwert des web, ohne den es diesen flow, die zirkulation, die verketteten impulse so gar nicht gäbe. und dafür kann man leicht die paar negativen aspekte in kauf nehmen.

  • Martin Weigert

    09.07.10 (12:32:15)

    Sorry, ich kann es einfach nicht noch genauer erläutern, als ich es schon gemacht habe. Aber egal ob du meine Beweggründe nun nachvollziehen kannst oder nicht - du erfüllst ja das, was ich mir wünsche, insofern: sei es drum ;)

  • martin lindner

    09.07.10 (12:36:55)

    aber wenn ich das oben alles unter meinem web-pseudonym jurijmlotman geschrieben hätte, und es ist eher zufall, dass ich es nicht getan habe: was hätte das geändert?

  • Martin Weigert

    09.07.10 (12:46:24)

    Nichts. Es geht mir nur um kritisierende Äußerungen. Ich versuche es noch einmal zu verbildlichen: Ich würde mich im realen Leben nicht von einer vermummten Person mit Sonnenbrille über irgendeinen thematischen Aspekt belehren bzw. kritisieren lassen, ohne zu wissen, wer diese Person ist und welche Kompetenz sie hat. Ich würde vermutlich nicht einmal eine solche Diskussion eingehen, wenn die Person nicht vermummt wäre, ich aber nicht wüsste, welchen Hintergrund er/sie hat. Das ist wichtig für mich, um bewerten zu können, inwieweit da jemand Schwachsinn erzählt oder tatsächlich Ahnung hat von dem, was er sagt. Im Netz ist das nicht viel anders. Der einzige Unterschied ist, dass das oben erwähnte Szenario mit der Vermummung niemals stattfindet.

  • Bastian Nutzinger

    09.07.10 (12:47:49)

    Ich halte die "Forderung" von Martin für durchaus nachvollziehbar und würde sie auch unterstützen, ja sogar ausweiten. Das man derzeit im Internet in der Lage ist ohne Aufwand seine Identität zu verheimlichen, ja im Gegenteil, sogar einen Aufwand betreiben muss um sich in irgendeiner Form greifbar zu machen hat mindestens genauso viele Nachteile wie Vorteile. Ja, das Argument, dass erstmal jeder gleichberechtigt ist und Dinge wie Nationalität, Geschlecht, Alter und so weiter nicht mit bewertet werden können ist sicherlich ein riesen Vorteil. Das steht für mich außer Frage. Das aber jeder, alles tun kann (und in einem Blog ein wenig Herumtrollen ist noch eine der harmloseren denkbaren Aktionen) ohne dafür persönlich "haftbar" zu sein ist auch ein großes Problem. Wenn ich öffentlich kommuniziere, dann muss ich auch persönlich für meine Aussagen gerade stehen. Das hat nichts mit persönlicher Entfaltung zu tun, sondern mit Eigenschaften, die leider von Tag zu Tag geringer bewertet werden, nämlich Konsequenz und (eigen-)verantwortlichem Handeln. Wenn ich nicht hinter meiner Aussage stehe, dann brauch ich auch nichts zu sagen. Grüße Bastian Nutzinger http://www.bastian.nutzinger.net E-Mail: bastian@nutzinger.net ;)

  • Martin Burger

    09.07.10 (13:14:24)

    Hier bestätigt sich ja im Endeffekt nur das, was Kritiker der Entanonymisierung andernorts schon aufgedeckt haben: Der Druck zu Klarnamen dient einerseits dem Marketing, andererseits der Kontrolle. Immer mehr Menschen möchten immer mehr Kontrolle erlangen, Transparenz, Nachvollziehbarkeit. Das geht schwer in Richtung 1984, V wie Vendetta, Überwachungs- und Kontrollstaat. Nichts für Ungut - aber DAS kann ich nicht gut finden. In diesem Fall hier steht der Verfasser sogar zu seiner Unfähigkeit, mit anonymen Kommentaren klarzukommen. Das allerdings sollte er, selbst wenn sie unter der Gürtellinie landen -> denn wenn die Kommentare nicht hier anonym verteilt werden, dann halt andernorts. Die Gesichtslosen haben sich noch nie entmündigen lassen, egal ob das Revolutionäre, Widerstandskämpfer oder einfach nur Systemkritiker waren.

  • Martin Weigert

    09.07.10 (13:26:49)

    "Der Verfasser" Hey, ich bin doch hier, warum sprichst du mich nicht direkt an? Um Kontrolle oder Marketing geht's mir überhaupt nicht, lediglich um eine gehaltvolle und intelligente Diskussion. Und bzgl. 1984 lies mal das hier: http://netzwertig.com/2010/07/06/technischer-fortschritt-heisses-eisen-gesichtserkennung/#comment-149585

  • Martin Weigert

    09.07.10 (13:29:00)

    Wenn ich nicht hinter meiner Aussage stehe, dann brauch ich auch nichts zu sagen. Kurz und knapp, und doch so treffend.

  • Karlmate

    09.07.10 (14:46:55)

    Auf Augenhöhe bedeutete für mich, dass ich auf Augenhöhe selber entscheiden kann, ob ich preisgebe, wer ich bin. Und ob ich preisgeben will, wie ich heiße (egal ob Real oder als Pseudonym). Und ob ich das für alle erkennbar mache - oder wie jetzt nur für den Blogautor über meine E-Mailadresse. Und unter anderem wegen der dauerhaften Auffindbarkeit kommentiere ich höchst selten (und dann mit Absicht) mit meinem Realnamen. Ich habe genug Wege, über die Leute im Netz direkt mit mir kommunizieren können. Aber nur, weil ich mal irgendwas kommentiere, muss das nicht in ein googlebares Persönlichkeitsprofil münden.

  • Martin Weigert

    09.07.10 (14:52:39)

    Smart! Denn von deiner E-Mail-Adresse ausgehend weiß ich nun, dass du jemand bist, dem ich bei Twitter folge. So kann man es durchaus machen.

  • Carsten Pötter

    09.07.10 (15:32:04)

    Ich verstehe Dein Argument der Augenhöhe. Aber im Endeffekt läuft die Forderung nach Klarnamen bzw. Onlinepräsenz ins Leere. Ich kann ohne Probleme auf irgendeinem Blog als Martin Weigert kommentieren, hinterlasse einen Link auf ein Profil von Dir und eine x-beliebige Email Adresse. Sofern der Blogger Dich nicht kennt und Du das Blog nicht liest wird dieser Kommentar immer Dir zugeordnet werden. bosch hat FB Connect und OpenID angesprochen. Das sind gute Login Alternativen, die in einem gewissen Maße für die Authentizität des Kommentierenden bürgen. Aber selbst die sind nicht perfekt.

  • Martin Weigert

    09.07.10 (15:37:42)

    Klar Carsten, das geht. Aber dann habe ich immerhin die theoretische Möglichkeit, dies durch eine Nachfrage bei dem angegebenen Kontakt zu erfahren, sofern die Person ungewöhnlich ausfallend wird. Ich verkaufe die Angabe eine tatsächlichen Identität ja nicht als Allerheilmittel. Es ist jedoch ein Ansatz, um eine gute Diskussionskultur zu erzielen.

  • Marc // Webanhalter

    09.07.10 (16:26:17)

    Eine interessante Diskussion, auch wenn sie m.E. einen wichtigen Aspekt auslässt: Sie ist rein aus der Perspektive des Blogautoren geführt. Warum Kommentatoren anonym bleiben wollen und wie es auch können, ist ja klar. Auch mit einem gewissen Grad an "Offenheit" durch die eingegebene E-Mailadresse. Aber ist der Wert einer Kritik wirklich höher, wenn man die Beweggründe dahinter oder vielleicht die Person hinter der Kritik nachvollziehen kann? Oder ist sie dann nur leichter annehmbar?! Sollte letzteres der Fall sein, stellt sich ja schon die Frage, warum dies so ist und ob sich an dieser Stelle ein Blogautor nicht an die eigene Nase fassen sollte und über seinen Schatten springen sollte. Immer ausgehend von sachlicher Kritik und dem Fehlen von persönlichen Angriffen kann ein anonymer Kommentar nicht die Debatte auf eine rein sachliche Ebene heben? Und, viel entscheidender, dort nicht auch einfacher halten?

  • Guy Incognito

    09.07.10 (19:21:20)

    Geschätzter Blogger: Du wirst nie bei jedem einzelnen Menschen wissen, ob er dir hier seinen echten Namen mitteilt, oder nicht. Somit sollte dir klar sein, dass deine Forderung reichlich kindisch und unsinnig ist. Aber vielleicht ist das alles hier bloß der billige Versuch, nun auch die Rest-Anonymität, die dem Netz noch in Spuren innewohnt, mittels journalistischen Mitteln auszuhebeln? Frankreichs Sarkozy hat ja auch schon mal Ähnliches gefordert - mit seiner IP, die jeder Mensch, quasi wie eine Ausweisnummer, auf Lebenszeit zugeteilt bekommen soll, damit ihn auch seine Mitmenschen im Netz identifizieren können. Da man nun nie weiß, wer wirklich hinter so einem Blog wie diesem steht - du siehst, lieber Blogger, das Spielchen geht gegebenenfalls auch in die andere Richtung - sind Diskussionen wie die von dir angestoßene, mehr als nur mit Vorsicht zu genießen. Auch wenn ich es im gegenständlichen Fall nicht glaube, aber hinter solchen Artikeln kann letztendlich mehr stecken, als bloß das Leid eines Menschen, der mit dem Netz und seiner Funktionsweise der Anonymität, offenbar nie richtig Freundschaft geschlossen hat.

  • Martin Weigert

    09.07.10 (20:35:53)

    Moment. Hättest du nicht eigentlich noch irgendwas über 1984 erzählen müssen?

  • Martin Weigert

    09.07.10 (20:40:53)

    Er kann es. In meiner persönlichen Erfahrung jedoch weniger überzeugend als ein an eine reale Identität geknüpfter.

  • Guy Incognito

    09.07.10 (20:46:46)

    Ich glaube nicht, Herr iKnigge. Es ist hinlänglich bekannt, dass Journalist zu den am wenigsten geachtetsten Berufen gehört. Das hat seine Gründe. Vor allem liegt das an dem vielen Dreck, den diese Zunft so an ihrem Stecken hat. Glaubwürdigkeit sieht anders aus.

  • Marc // Webanhalter

    09.07.10 (21:02:37)

    Aber warum? Aus Gewohnheit? Oder aus der als "Erfahrung" getarnten Gewohnheit? Nicht dass mir dieses Gefühl unbekannt wäre …

  • Gudrun

    09.07.10 (22:43:24)

    Hallo Martin, hab die Diskussion hier jetzt nicht gelesen, aber die Beiträge von "Jan Minoret" überflogen und gebe dir diesbezüglich recht: Die klingen nach absichtlicher Provokation. Das musst du ja nicht ernst nehmen. Müsstest du auch nicht, wenn ein nachvollziehbarer Name dahinterstünde. Ob ich einen Provokateur für voll nehme oder nicht, mache ich nicht davon abhängig, ob ich seine Adresse rauskriegen und ihm bei Bedarf per Post einen toten Fisch schicken könnte. Übrigens kommentiere ich selbst deshalb nicht unter meinem vollen Namen, weil ich keinen Wert darauf lege, dass meine sämtlichen Netzaktivitäten bei Google aufscheinen. Ich suche mir gern aus, was davon für jedermann sichtbar sein soll und was nicht. (Wobei mir natürlich klar ist, dass bei gründlicher Suche auch dieser Kommentar unter meinem vollen Namen auffindbar wäre - aber eben nicht für jeden Zufallsgoogler.)

  • Isch abe gar keinen Namen

    09.07.10 (23:44:03)

    Hallo Martin, es ist Dein gutes Recht, einen höflichen Ton und gutes Benehmen in den Kommentaren einzufordern. Ich denke, es ist nicht einmal schlecht , wenn man Trollen keine Plattform gibt und ihre Kommentare einfach löscht. Letzten Endes ist dieses Blog ja Dein Privatvergnügen. Ungebetene Gäste, die mir zum Beispiel aus der Bibel vorlesen möchten, lasse ich ja auch nicht in mein Haus. Den Klarnamen einzufordern, halte ich aber dann doch etwas für überzogen. Warum, habe meine Vorgänger ja schon recht gut begründet. Ich erinnere mich noch gut daran, dass ich mal eine ganze Weile im Usenet unterwegs war und jede Menge Kommentare unter meinem Namen bei Google fand. Selbst Kollegen sprachen mich darauf an, ob ich denn das Problem mit meinen Panzerwelsen jetzt gelöst hätte. Ich fand das nicht so erquicklich und bin froh, dass selbst Google irgendwann vergisst. Es gibt gute Gründe etwas Anonymität zu wahren, das darfst Du nicht persönlich nehmen. Es grüßt Peter

  • Bits of Freedom

    10.07.10 (09:44:34)

    Die Diskussion ist ja schon älter - mit seinem echten Namen aufzutreten, war schon im deutschen Usenet ungeschriebenes Gesetz.

  • Martin Weigert

    10.07.10 (10:37:39)

    Der Link zu deinem Twitter-Profil ist imo bereits ein guter Ansatz - natürlich kann man nie wissen, ob da nicht jemand einfach willkürlich auf ein Twitter-Konto verlinkt - aber in deinem Fall bin ich mir sicher, dass dem nicht so ist.

  • Martin Weigert

    10.07.10 (10:39:49)

    Hallo Peter, ja ich habe ja weiter oben auch schon deutlich gemacht, dass es weniger um den Klarnamen geht sondern eher darum, auf irgendeine Art den Kommentar mit einer echten Identität zu verknüpfen. Und selbst wenn man das nicht macht, heißt es natürlich nicht, dass Kommentare wie z.B. deiner eben weniger Relevanz hätten. Ich beziehe mich lediglich auf scharf kritisierende Beiträge, bei denen ich andere Ansprüche stelle als bei jeder anderen Art von Kommentaren.

  • Martin Weigert

    10.07.10 (10:42:04)

    Ich denke, weil wir alle wissen, dass manche Menschen sich mehr "trauen", wenn sie dies in gefühlter Anonymität tun. Da haben manche eben schnell "ein großes Maul", um es mal salopp auszudrücken. Siehe z.B. dieser Kommentar: http://netzwertig.com/2010/07/09/identitaet-im-netz-das-glaubwuerdigkeitsproblem-anonymer-kritik/#comment-149889 Ein tolles Beispiel für die im Artikel gemachte These.

  • Isch abe gar keinen Namen

    10.07.10 (14:22:37)

    Ob bei der Entstehung des Usenets wohl schon jemand an Google gedacht hat? Ich finde die Sitte, wie es heute in Foren gehandhabt wird, unter einem Pseudonym zu schreiben jedenfalls angenehmer. Auch wenn ich niemanden belästige und nicht rumtrolle, ist es manchmal einfach besser Real Life und Internet zu trennen. @Martin Ich kann Deinen Artikel ja gut verstehen und nachvollziehen, finde aber Deine Klarnamenforderung (naja, nennen wir Deinen Wunsch nach identifizierung jetzt mal etwas überspitzt so) geht etwas am Thema vorbei. Ungehobelte Menschen und Trolle gibt es nun einmal und wenn Du Kommentare unter Deine Artikeln ermöglichst, wirst Du immer mal wieder damit leben müssen. Letzten Endes sind aber doch diese Menschen und nicht deren Anonymität das eigentliche Ärgernis. Bei solchen Menschen hilft nur Ertragen oder Kommentare löschen (eventuell mit einem kleinen Kommentar um nicht in Zensurverdacht zu geraten). Das mit den Klarnamen ist eh nicht durchsetzbar, verschreckt vielleicht den ein oder anderen und ist daher eigentlich sinnlos. Im übrigen haben mir auch schon Bekannte unerwünschte Kommentare unter meine Bilder geschrieben. Es ist immer etwas unangenehm, das klarzustellen. Ich bin mit dem Betreffenden immer noch befreundet, aber er schreibt jetzt nicht mehr unter meine Bilder. Manche Menschen bedenken vielleicht nicht, dass das was sie schreiben von anderen ganz anders gelesen wird. Auch darum ist es gut, nicht alles unter seinem richtigen Namen zu schreiben. Vielleicht ist es ja irgendwann später mal peinlich.

  • Marius Frick

    10.07.10 (17:57:00)

    @Blogautor Dieser Artikel und insbesondere die engstirnigen Kommentare beweisen, dass du das Internet nicht verstehst. Punkt.

  • Martin Weigert

    10.07.10 (18:17:07)

    Verstehst du es denn?

  • creezy

    11.07.10 (11:14:08)

    Wer sich die Mühe macht, andere, ihm/ihr persönlich fremde Menschen im Web zu kritisieren, kann sich auch die Mühe machen, dies mit seinem Namen zu tun. An Kritik per se ist nichts verkehrt – sofern man nicht dem typisch deutschen Drang erliegt, den Diskussionspartner mit seiner Meinung überzeugen zu müssen. Aber wer kritisiert und damit in einen Dialog tritt, sollte dies mutig tun. Alle anderen sind nicht ernstzunehmende rumprollende Feiglinge im Web. Und gehören aussortiert. Ich will mir nicht vorstellen, wie diese Menschen durchs Leben gehen, mit einer Meinung aber unfähig sie von Auge zu Auge dem Gesprächspartner anheim zu tragen.

  • Daniel Lücking

    11.07.10 (13:24:12)

    Hallo Martin, ich habe Ende Februar diesen Jahres meine Pseudonyme auf Realname umgestellt - http://bit.ly/ayJKnG - und ähnliche Diskussionen geführt. Mit zunehmender Bedeutung des Internets kommen wir einfach nicht darum herum, online so aufzutreten, wie in anderen Bereichen des öffentlichen Lebens.

  • cervo

    11.07.10 (14:22:26)

    Extrem guter Kommentar. Absolute Zustimmung! Die Tendenz ein zweites, "sauberes" Internet herbeireden zu wollen sehe ich auch. Bloß: Es ist dann nicht mehr das Internet.

  • maik

    11.07.10 (14:42:58)

    Anonymität sorgt erst für Augenhöhe, zumindest was Blogs angeht. Der Blogger sitzt in der Regel am längeren Hebel, im schlimmsten Fall kann er Kommentare ändern, verkürzen, einfach den 3. von 5 ausblenden oder einen letzten Kommentar nicht mehr veröffentlichen, weil ausgerechnet der nachvollziehbare Argumente entgegen der Meinung des Bloggers enthält. Grds. ist es ein Trugschluß anzunehmen, Blogger seien zivilisierter im Umgang mit Kritik als etwaige Kommentatoren. Ich denke das Gegenteil ist der Regelfall, "das letzte Wort hab ich" ist nach wie vor ein Grundfest der Blogger-Gemeinde. Von daher kann ich nur jedem empfehlen, Kritik an Bloggern stets anonym auszuüben, das Risiko als Kommentator für sein Engagement digital abgestraft zu werden (am Ende in Form von negativen Search Results auf seinen eigenen Namen, Shitstorms in anderen Blogs, etc ...) ist einfach zu hoch, zumal Blogs in der Regel höhere PageRanks haben, als die eigenen Seiten.

  • Isch abe gar keinen Namen

    11.07.10 (14:45:15)

    Wenn ich privat beim Bier mit meinen Kumpels quatsche trete ich anders auf als auf der Arbeit. In manchen Jobs ist es vielleicht sogar opportun, sich mit seiner wirklichen Meinung bedeckt zu halten. Das ist traurig aber so ist es nun einmal. Es gibt vielleicht für manche Menschen gute Gründe unter einem Pseudonym zu schreiben. Ich finde das akzeptabel, man sollte das nicht verurteilen. Das ich nicht unter meinem richtigen Namen schreibe, entbindet mich natürlich nicht, einen höflichen Ton anzuschlagen. Hier werden einfach zwei verschiedenen Dinge durcheinander geworfen. Was ich damit sagen will: Seid tolerant. Geht einfach davon aus, dass jeder seine Gründe hat, für das was er tut und unterstellt nicht gleich schlechte Absichten. Aber lasst Euch nicht beschimpfen, beleidigen und lasst es auch nicht zu, dass andere beleidgt werden. Dagegen sollte man vorgehen, ob unter echtem Namen oder anonym.

  • hans

    11.07.10 (14:59:43)

    In dem besagten Arikel haben dich einige User für deine haltlosen Unterstellungen kritisiert. Du hast etwas behauptet, wofür es nicht den geringsten Beweis gibt und hast dich von dieser Behauptung nicht abbringen lassen. Für jemand, der mit Journalisten auf Augenhöhe angesehen werden möchte, ist so ein Verhalten m.M. armselig. Hierbei würde es auch keinen Unterschied machen, ob jemand unter Klarnamen schreibt, oder unter seinem Nickname. Dein Ruf nach Kommentaren unter Klarnamen wirkt auf micht, als wolltest du User, die es wagen den großen Martin Weigert zu hinterfragen mit ernsthaften Konsequenzen belegen. Sie sollen es sich halt möglichst zweimal überlegen, ob sie ihr Maul zu weit aufreissen...

  • Martin Weigert

    11.07.10 (15:04:37)

    Und traust du dich, diesen Kommentar auch unter deinem richtigen Namen mit Link zu einem Profil von dir zu veröffentlichen, also quasi mir in die Augen zu sehen?

  • Daniel Lücking

    11.07.10 (15:57:35)

    @hans & @maik Ich denke, die Diskussion sollte sich mehr um die Streitkultur und um die Duldung anderer Ansichten drehen. Wenn ein Blogger eine andere Meinung nicht duldet und Shitstorms startet, wird er sicherlich nicht lange viele Leser haben. Gleichermaßen frage ich mich, warum ihr Leute überhaupt lest und in die Diskussion einsteigt. Jede Diskussion muss an dem Punkt enden, wo sie ins persönliche oder unsachliche Argumentieren abdriftet. Lasst dem Autor seine Meinung, postet eure und steigt dann gänzlich aus der Diskussion aus. Je mehr Pseudonyme in Diskussionen auftauchen und sich gegen den Autor selbst richten, desto mehr entsteht der Eindruck, dass schlichtweg gebashed wird.

  • Martin Weigert

    11.07.10 (17:31:06)

    maik, wenn unter einem Klarnamen gepostete Kritik an einem Blogger bzw. Blogeintrag in deinen Augen zu negativen Search Results fühlt, dann bestätigst du damit genau meine These: Nämlich dass sich anonym sehr viel besser unsachlich kritisieren, beleidigen und unter der Gürtellinie kommentieren lässt. Eine sachliche Kritik führt keineswegs zu negativen Suchergebnissen. Ein Personaler, der zu deinem Namen konstruktiv kritische Blogkommentare findet, die zeigen, dass du Dinge nicht einfach nur hinnimmst sondern selbst reflektierst, halte ich eher für ein Plus als ein Minus. Die Anonymität in Blogkommentaren verteidigen tendenziell genau diejenigen, die sich des Mangels ihrer Kommentarweise bewusst sind. (Das ist nicht auf dich bezogen, sondern eine Weiterentwicklung deines Standpunkts).

  • mh

    11.07.10 (18:13:31)

    "Aber diese fallen dann dadurch eben viel leichter auf, wenn der Rest der sachlich Kommentierenden sich transparent gibt." wer sich also nicht transparent gibt, ist künftig auffällig. ich find die ganzen thesen hier ja sehr spannend. beginnend übrigens damit, wie du sicherstellen willst, dass ich nicht einfach auf einen mir fremdem blog verlinke und mir nur einen passenden namen gab, sodass es dir nicht auffällt. und wenn ich dann rumspamme, nimmst du das dann viel ernster? du liest doch ohnehin alle kommentare, ist ja auch deine pflicht. es könnte dann ebenso deine pflicht sein sie zu kategorisieren. ;P ansonsten gilt, was auch für blizzard galt: http://www.cad-comic.com/comics/c0a129271278475206.jpg mfg mh

  • mh

    11.07.10 (18:24:47)

    weil dieses logikmonster so schön ist... "Für Ergänzungen zum Inhalt, für neutrale Äußerungen, aber natürlich auch für Lob ist es mir völlig egal, ob Nutzer mit ihrem Klarnamen kommentieren oder dafür auf ein Pseudonym zurückgreifen. Ich kann in beiden Fällen davon ausgehen, dass ein Kommentar ihre tatsächliche Meinung widerspiegelt (mit einer Einschränkung bei offensichtlich werblichen Kommentaren). Anders sieht es jedoch aus, enthält das Leser-Feedback Kritik am Text oder an der Vorgehensweise zum Text. Hier können sich Blogger und Journalisten nicht darauf verlassen, es mit einer objektiven, konstruktiven und für sie somit wertvollen Lesermeinung zu tun zu haben." das kannst du seit heute nicht mehr so sehen, denn es könnte ja nun in meinem interesse sein bei dir vertrauen zu schaffen um dann üblen spam oder beschimpfungen jedweder art hier zu verbreiten, die dir dann nicht mehr auffallen! clevere trolle verpacken ihre bösartige kritik dann vielleicht noch in schöne worte... da denkst du, du wirst gelobt, stattdessen hacken sie dir die birne vom kopf. --------------------------------------- weißte, das mit dem netz und so, das funktioniert ganz einfach: du schaltest deinen pc an, natürlich auch deinen bildschirm, und dann surfst du dahin, wo du nunmal hinwillst. dort triffst du buchstaben. diese buchstaben, die sagen dir was und nachdem du dann auch noch deinen kopf eingeschaltet hast.. ja, dann verstehst du was sie dir sagen wollen. darauf reagierst du oder auch nicht. ganz nach belieben. was dein beispiel betrifft: du hast dich verrannt gehabt und ärgerst dich drüber. ganz im sinne deutscher internetpolitik, muss das nun halt reguliert werden und wenn es nicht in einer forderung gemündet hätte, wäre es auch vollkommen egal gewesen ... weil reale identitäten und verlinkungen nunmal kategorisierungselemente sind. nur... so drüber zu reden, also so wie du es tust, find ich wahrlich befremdlich. das hat was von lolli weg. mfg mh

  • Absichtlich (relativ) Anonym

    11.07.10 (22:48:48)

    Anscheinend ist das keine Einzelmeingung, es habe sich ja schon einige Menschen zustimmend geäußert. Dennoch frage ich mich ernsthaft, was so schwierig daran sein soll, einen Text so zu nehmen, wie er ist, ohne direkt nach einem Autor zu fragen. Wenn jemand Grütze schreibt, wird sie nicht besser, wenn ich weiß, wer sie schreibt. Letztlich zählen doch wohl die Argumente? Sicher wird das Verständns und die Einschätzung eines Textes vom Wissen oder Nichtwissen über den Autor beeinflusst, doch ich halte das eher für ein Problem des Empfängers. Also wenn ich selbst mit so etwas zu tun habe, für mein Problem. Person und "reale" Identität sind nur dann Bestandteil eines Texte, wenn ich als Leser sie dazu mache. Und dann würde ich sie eher als eine Art Vorurteil verstehen, denn als ein sinnvolles Mittel zu Einschätzung des betreffenden Textes. Selbst der größte Depp könnte zufällig einen guten, treffenden, kritischen Kommentar schreiben, vielleicht sogar noch beflügelt durch die trollige Vorstellung von Anonymität. Was ist dann wichtiger: Dass der Autor ein Depp ist, oder dass der Kommentar legitime, sinnvolle Kritik enthält? Vielleicht geht es auch nur darum sich vor Kritik zu drücken? So etwa? "Normalerweise freue ich mich ja über Kritik aber wenn sie von der falschen Person kommt, zur falschen Uhrzeit, wenn gerade Vollmond ist, etc, dann tendiere ich dazu, sie zu ignorieren, auch wenn der Inhalt vielleicht richtig ist." Der Gedanke mag übertrieben klingen, aber dass Argumente und der Text eines Kommentars nicht ausreichen, um ernstgenommen zu werden, scheint mir schon ein wenig in diese Richtung zu gehen. (Und 1984 natürlich ;P) PS.: Vielleicht sind auch Kommentare mit Smilies und Internet-Slang ignorierbar?

  • Martin Weigert

    12.07.10 (06:07:17)

    Würd ich mich vor Kritik drücken wollen, würde ich wohl kaum einen solch polarisierenden Artikel veröffentlichen ;)

  • TippiToppi

    12.07.10 (09:41:14)

    Wie absurd! Warum sollte es von Wichtigkeit sein, WER die Kritik äußert, solange sie inhaltlich korrekt ist? Es ist sogar für eine objektive Betrachtung von Vorteil, wenn man den Kommentatoren nicht erkennt, da man dann sofort sein eigenes Wertekostüm über diese Person und deren Aussage stülpne würde. Kritisiert etwa Priester Meyer einen Artikel über die Evolution, tut man das leichter als Standesdünkel ab, als wenn das Klaus Meyer macht. Und wer mit klugen Fragen in akademischen Diskussionen mitmischen möchte, hat spätestens dann einen schweren Stand, völlig unabhängig von der Richtigkeit der Aussage, wenn er sich als "Unstudierter" outet. Diese Seite muß man auch betrachten. TT

  • Peter

    12.07.10 (09:49:47)

    Ich finde diesen Zwang nach Klarnamen Unsinn. Ich glaube, dahinter stecken zwei Gedanken: - Wiedererkennbarkeit des Autors - Die Abneigung oder das Unvermoegen 'tralala', 'bierbauch' oder 'creezy' als Namen anzuerkennen Die Wahrheit ist doch, dass, egal ob ich als Peter, Soeren oder tralala schreibe, der Inhalt der gleiche sein kann, aber niemand feststellen kann, wie ich wirklich heisse.

  • Soeren

    12.07.10 (09:51:26)

    Ich finde diesen Zwang nach Klarnamen Unsinn. Ich glaube, dahinter stecken zwei Gedanken: - Wiedererkennbarkeit des Autors - Die Abneigung oder das Unvermoegen 'tralala', 'bierbauch' oder 'creezy' als Namen anzuerkennen Die Wahrheit ist doch, dass, egal ob ich als Peter, Soeren oder tralala schreibe, der Inhalt der gleiche sein kann, aber niemand feststellen kann, wie ich wirklich heisse. Ich weiss, der Eintrag ist doppelt, aber es geht mir hier genau darum festzustellen, dass es halt nicht auf den Namen ankommt.

  • martin lindner

    12.07.10 (09:58:33)

    worum geht es hier eigentlich genau? dass anonyme trolle, die kritik auf eine persönliche ebene ziehen, irgendwie scheiße sind? natürlich, das ist so, aber genau diese leute sind ja unempfänglich für appelle. die machen das mit voller absicht so (wie in diesem fall der dabei noch recht subtil nadelstiche setzende "Jan Martinet"). das internet ist ein medium, das anonymität als kulturelle form begünstigt. ja. so what? was machen wir jetzt? das irgendwie verbieten und technisch behindern? martin hat das nicht verlangt, er hat nur seinem verständlichen unbehagen ausdruck gegeben und einen appell veröffentlicht. der ist aber eher sinnlos, weil diejenigen "anonymen", die dafür empfänglich wären, natürlich gerade die sind, die eher sachliche kommentare schreiben. unter "nickname" zu schreiben ist nicht erst seit shakespeare und goethe eine ehrwürdige tradition in der schriftkultur. was mir mehr sorgen macht als gelegentliche trolle ist die zahl der aufgeregten kommentare hier, die anzeigt, dass ein nerv getroffen ist, und ihre aufgeregtheit. diese regressive bereitschaft der mehrheit hier, dem komplizierten digitalen medium mit einer altdeutschen ideologie des "geraden blicks und festen händedrucks" zu begegnen. wenn man das politisch weiterdenkt, kommt man in sehr, sehr unangenehmes gelände. und da würde ich mir von netzwertig ein gegensteuern erwarten.

  • Gipsnacken

    12.07.10 (10:10:04)

    Bravo! Geht grad nen Virus rum? http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,705406,00.html

  • Martin Weigert

    12.07.10 (10:11:24)

    @ Martin Lindner würde ich mir von netzwertig ein gegensteuern erwarten. Kannst du das noch etwas genauer beschreiben? @ die letzten Kommentare Niemand spricht von Zwang! @ Soeren Nein, es geht nicht um Klarnamen, es geht um die freiwillige Transparenz von Kommentatoren, zu zeigen, wer sie sind. Freiwillig. Eine Empfehlung. Wer mich anonym kritisieren will, darf dies gerne tun, muss aber damit rechnen, nicht in der Form von mir ernstgenommen zu werden wie derjenige, der zeigt, wer er ist. Ist doch gar nicht so schwer zu verstehen.

  • Martin Weigert

    12.07.10 (10:14:25)

    Bei (Rollen)spielen Klarnamen zu fordern, ist ziemlich dämlich. Verstehe Blizzard da nicht.

  • Jan Minoret

    12.07.10 (10:17:02)

    In aller Kürze: Nur weil mein Name nicht googlebar ist, heißt das doch nicht, dass ich nicht existiere. Etwas verwirrt J.M.

  • Peter Lustig

    12.07.10 (10:18:26)

    Leider kenne ich einen persoenlichen Fall wo die "Sucht" nach ehrlicher Persoenlichkeit nach hinten los gegangen ist: Sie wurde Opfer von Cyberstalking und Real-life Stalking. Niemand kann/will ihr helfen, da sie schliesslich niemals ihren eigenen Namen hatte angeben brauchen/duerfen.

  • Martin Weigert

    12.07.10 (10:26:33)

    Ja klar. Siehe dazu auch der letzte Absatz des Artikels. Die Gefahr, aus den Kommentaren von netzwertig.com heraus Cyberstalking zum Opfer zu fallen, halte ich jedoch für sehr gering.

  • martin lindner

    12.07.10 (10:40:35)

    wg. gegensteuern: das themenfeld "anonymität" bzw. "nicknames" im sozialen web ist ausgesprochen kompliziert, gerade weil dieses hochkomplexe schrift-medium sich für naivere zeitgenossen fäschlicherweise so "natürlich" anfühlen kann. das hier ist eben kein platz, wo "einfach leute reden". man muss also erklären, dass es verdummend ist, sich immer dann, wenn es unbequem wird, nach einer angeblich unverdorbenen kultur der "authentizität" und "ehrlichkeit" zurückzusehnen, die es so nie gab, weder bei den alten germanen noch unter bismarck noch unter proleten im pilspub. das web ist eine komplizierte kulturtechnik, die wir noch nicht vollständig verstehen, jenseits der alten gegenüberstellung von mündlich/schriftlich und persönlich/unpersönlich. das müssen wir aufklären, dafür müssen wir neue, differenzierte formen entwickeln. und uns nicht in eine simple romantik flüchten, die uns dümmer macht und (gewollt oder nicht) die stammtischparolen der netz-skeptischen deutschen politik fördert.

  • Martin Weigert

    12.07.10 (10:44:40)

    Schönes Statement. Auch in Anbetracht des Verlaufs der Debatte hier wird deutlich, wie viel Diskussionsbedarf da noch besteht.

  • Oliver Förster

    12.07.10 (10:44:58)

    Wer öffentlich (auf Blogs oder in Foren) kommentiert und Standpunkte von sich gibt, sollte das in meinen Augen auch mit Namen machen. Wer Gravatar benutzt, kann sein Gesicht sogar zeigen. Was spricht dagegen? Ich ziehe mir auch keine Tüte über den Kopf, wenn ich auf einem Seminar oder einem anderen Podium mit anderen Menschen in Kontakt trete. Anonymes kommentieren ist in meinen Augen absolut unsinnig und sollte von den jeweiligen Admins nicht zugelassen werden. Vielleicht könnte man ja statt anonymus die IP als Namen veröffentlichen. Kommentare ohne Inhalt - oder nur um einen Weblink zu platzieren - allerdings auch (siehe auch hier). Entweder öffentlich im Netz oder eben gar nicht. Dazwischen gibt es nicht viel.

  • Peter Lustig

    12.07.10 (10:58:31)

    Es ist und bleibt ein Unterschied ob man auf einer Buehne vor 20-2000 Leuten seine Identitaet preis gibt oder es im Netz mit 2 Milliarden und einem nicht zu unterschaetzenden Anteil Irren oder Dummen tut. Und dies dann naemlich auch "unfreiwillig", da man mit den irren Dummen eigentlich gar nicht geredet hatte, die sich aber dann einmischen.

  • Kristian Köhntopp

    12.07.10 (11:17:47)

    Zu diesem Thema schrieb ich schon vor einiger Zeit einen Artikel, der hier thematisch auch relevant ist und in dieselbe Kerbe haut.

  • Martin Weigert

    12.07.10 (11:26:37)

    Schöner Artikel, geflattert!

  • Gregor Keuschnig

    12.07.10 (11:50:13)

    Ich kann nicht erkennen, worin der Unterschied einer gut begründeten Meinung liegt, wenn diese statt (wie hier) mit einem Pseudonym mit meinem realen Namen verknüpft wird. Beide Namen sind im Zweifel für den Blogbesitzer unbekannt und dadurch irrelevant. Der Wunsch nach Authentizität (in der Literaturkritik weit verbreitet, damit man autobiografische Elemente des Autors direkt mit seinem Text verknüpfen und damit die ästhetische - also die anstrengendere - Auseinandersetzung mit dem Geschriebenen vermeiden kann) suggeriert letztlich ein "Sicherheitsbedürfnis". Ich frage mich nur: wozu? Natürlich wird man belächelt, wenn man auf die zahlreichen Pseudonyme aufmerksam macht, unter denen Schriftsteller und Journalisten geschrieben haben und zum Teil immer noch schreiben. Natürlich bin ich kein Tucholsky. Aber bekommt ein Argument eine andere Dimension, nur weil Herr X unter seinem richtigen Namen Y geschrieben hat? Kann es nicht eher ein Vorteil sein, die "Identität" des jeweiligen Users nicht immer schon im voraus erahnen zu können? Ist nicht vielleicht so ein vorurteilsfreierer Diskurs möglich?

  • Martin Weigert

    12.07.10 (11:53:33)

    Ist nicht vielleicht so ein vorurteilsfreierer Diskurs möglich? Möchte man annehmen, ja. Ich habe jedoch andere Erfahrungen gemacht. Wenn das bei dir anders läuft, kannst du froh sein.

  • Gregor Keuschnig

    12.07.10 (11:58:13)

    @Martin Weigert Es geht nicht um Erfahrungen. Ich dachte, dieser Text stellt grundsätzliche Erwägungen zur Diskussion. Und ich meine auch nicht die unsäglichen Trolle. Die kann man löschen. Ich habe nur keinen Vorteil davon, wenn ich jemandem mit Bild sehe und seinen Klarnamen kenne. Für mich kommt es zunächst auf das Argument an.

  • Tom

    12.07.10 (12:04:17)

    Ich habe die Diskussion hier überflogen. Eine Frage bleibt für mich: Ich besitze einen Blog. Punkt. In diesem schreibe ich über Gedanken, Gefühle, Träume, was auch immer. Dieser Blog ist so angelegt, dass Rückschlüsse auf mich als reale Person nur begrenzt möglich sind, da ich weder den Ort noch den Tag bestimmter Dinge genau angebe. Auch meine politische Einstellung oder aktuelle Themen kommen dort nicht vor. Was bringt es also, wenn ich hier einen Link angebe zu diesem Blog? Welche Rückschlüsse lassen sich ziehen? Wahrscheinlich keine, weil es völlig unterschiedliche "Welten" für mich sind. Ich kann hier natürlich auch Name, Adresse und Kontodaten hinschreiben. Aber selbst das sagt nichts aus... Von daher: Viel Aufregung um Nichts...

  • Martin Weigert

    12.07.10 (12:05:06)

    @Gregor Ja, es stellt grundsätzliche Erwägungen zur Diskussion, aber natürlich auf Basis der Erfahrung des Autors, also von mir. Und mein Schluss ist, dass ich gerade bei Kritik transparente Kommentare ernster nehme als anonyme.

  • Tom

    12.07.10 (12:10:18)

    Wahrscheinlich würde ich als depressiver Spinner abgetan, dessen Kommentare keinerlei Relevanz haben. Stattdessen bin ich vielleicht Vorstandsvorsitzender eines DAX-Unternehmens oder Professor oder was auch immer. Twitter, Blogs oder irgendwelche Profile sagen oftmals NULL über den Menschen aus oder zeigen nur einen Teil von diesem. Was dieses "nicht anonym kommentieren" also konkret ändert, erschließt sich mir nicht...

  • murry

    12.07.10 (12:22:49)

    Entweder ist Kritik berechtigt oder nicht. Entweder steht Kritik für sich selbst oder nicht. Nur wer vorhat gegen die Person und gegen angeblich unterstellte Motive zu argumentieren - wer also nicht gegen die Kritik sondern gegen die Person dahinter argumentieren will, muss wissen wer die Kritik äußert.

  • Mister X

    12.07.10 (13:42:11)

    Ich schließe mich ausdrücklich Kommentar 57 an. Es kommt gänzlich und alleine darauf an, wie die Kritik vermittelt wird. Es muß sich niemand alles oder unter die Gürtellinie zielende Kritik oder Kommentare gefallen lassen, das steht für mich ausser Frage. Aber wer an der Sache bereit ist sich "abzuarbeiten" und Wert auf Sachlichkeit legt, der sollte auch damit klarkommen. Mir persönlich ging und geht es nämlich bitter auf den Keks, mischen sich plötzlich persönliche Vorbehalte in die Argumente, die so garnichts mit dem diskutierten Thema zu tun haben. Unabhängig davon erkenne ich durchaus hoch an, wenn Menschen im Netz mit ihrem Namen zu ihrem Statement stehen. Aber die Anonymität im Netz hat auch für sachlich und gerechte Diskussionen ihre Berechtigung! In gewisser Hinsicht und wie eben schon erläutert fairen Bedingungen glaube ich eben auch, daß dies zu mehr Konzentration auf das Wesentliche beiträgt.

  • Martin Weigert

    12.07.10 (13:49:52)

    Sehr differenzierter und guter Kommentar. Würden anonyme Diskussionen nicht regelmäßig in Blogs aus dem Ruder geraten, würde ich deine Aussage vollständig unterstreichen.

  • Sanníe

    12.07.10 (13:59:39)

    Ja, man fühlt sich manchmal nackt im Umgang mit anonymen Kommentatoren, vor allem im eigenen Blog, in dem so viel über einen selbst nachzulesen ist. Ich habe ein paarmal unter meinem richtigen Namen kommentiert, wenn es in dem Artikel um eine mir anverwandte Person gleichen Namens ging. Meine naive Vorstellung war: Ein offenes Visier wird respektiert, aber das ist leider nicht der Fall. Als Arno Nym hätte ich vielleicht das ein oder andere Argument in die Diskussion einbringen können, unter meinem Real Name war ich nur noch dabei, mich tumb sippenhaftiger Unterstellungen zu erwehren. Schon wieder was gelernt, das mache ich nicht nochmal.

  • vera

    12.07.10 (16:48:19)

    Hai. Wollte eigentlich bei Dir einen Kommentar schreiben, der hat sich aber selbständig gemacht und steht jetzt bei mir: http://opalkatze.wordpress.com/2010/07/12/die-vorbereitung-des-verlusts-der-anonymitat/

  • VonFernSeher

    12.07.10 (19:11:17)

    "Terrorismus ist der Krieg der Armen und der Krieg ist der Terrorismus der Reichen." Im "Real Life", wie es manche nennen, würde dieser Satz doch nur nach der Person beurteilt, die ihn ausgesprochen hat. Von Sir Peter Ustinov wird es als Weisheit verstanden, von Osama bin Laden wäre es wahrscheinlich irgendwas in die Richtung von ekelhaft, hinterhältig oder scheinheilig. Eine Aussage* nach dem Sprecher, der sie getroffen hat, zu beurteilen, ist aber Boulevard. Auch im "echten Leben" gab es zu jeder Zeit schon Gelehrte, die eine Aussage hinsichtlich ihrer Gültigkeit betrachtet haben: als These. Ich ziehe es vor, Aussagen* nach allgemeiner Gültigkeit zu beurteilen und nicht danach, wer sie getroffen hat, aber zugegeben: Mich interessiert Boulevard auch nicht. *bis auf wenige Ausnahmen, die in der Biografie des Sprechers gründen

  • Iro

    12.07.10 (21:09:44)

    Ich schließe mich mal Kommentar #57 und #58 an. Wer etwas gesagt hat sollte bei der Bewertung einer Aussage keine Rolle spielen. Oben wurde ein Vergleich mit dem RL gemacht und gesagt, dass man wohl kaum auf die Meinung eines vermummten Fremden hören würde. Das hinkt etwas. Treffender wäre das: man geht zu einer Podiumsdiskussion und macht eine Aussage. Und der Vortragende erklärt dann, das er die Aussage nicht so ganz ernst nehmen könne, solange man nicht seinen Namen nennt, dazu Telefonnummer, Adresse, eine Aufstellung von Familienmitgliedern und Freundeskreis, Beruf, Ausbildung, Hobbys und politische Neigung. Zudem ist die Anonymität im Internet ein wichtiges Gut. Niemand wird Repressionen erleiden, weil er zu einem Artikel über Netikette etwas kritisches schreibt. Aber je wichtiger und relevanter etwas ist, desto gefährlicher ist es sich zu erkennen zu geben. Ein Bankmitarbeiter sollte besser nicht öffentlich geben, dass er für stärkere Regulierung der Finanzbranche ist. Man sollte auch nicht seinen echten Namen verwenden um einen Artikel über Epilepsie zu kommentieren. Das liest kein Personaler gerne.

  • Martin Weigert

    12.07.10 (21:16:13)

    Dein Vergleich hinkt imo ebenfalls. Denn auf einer Podiumsdiskussion gibt es im Prinzip keine Trolle. Wer dort hingeht, hat bereits durch das Erscheinen seine Ernsthaftigkeit bewiesen. Und: Wer dort zu dem Vortragenden etwas sagt und ihn beispielsweise belehrt oder dessen Faktenlage kritisiert, wird sich durchaus die Frage gefallen lassen müssen, worauf denn seine Aussage basiert. Und spätestens dann wird er eben doch erklären müssen, was sein Hintergrund ist. Das Anonymität im Internet ein wichtiges Gut ist, ist ein Satz, der schön klingt, aber viel zu selten hinterfragt wird. Was nicht heißt, dass er am Ende nicht stimmt. Es ist damit nur nicht gesagt, dass am Ende Transparenz im Internet nicht das bessere Gut wäre. Was wir nicht wissen, solange es nicht ausprobiert wurde.

  • Marc

    12.07.10 (22:18:05)

    Naja, wäre dieser Kommentar lesenswerter, wenn ein 'richtiger' Name verwendet worden wäre?! Das spräche nur für die Verwendung von Facebook Login, OpenID u.ä., womit aber Kommentatoren gezwungen wären, sich zu 'outen'. Nr. 18 ist ein anonymer Kommentar, der durchaus hart formuliert ist, aber nicht ausfällig ist und einen wichtigen Punkt anspricht.

  • VonFernSeher

    12.07.10 (22:30:36)

    #64 Ich habe schon - sowohl im Publikum als auch oben - an einigen Podiumsdiskussionen teilgenommen und wenn man die Schnittmenge der Definitionen für Troll bildet, gibt es sie wohl bei vielen Podiumsdiskussionen, die heißen nur anders. Sie machen Leute im Publikum und auf dem Podium blöd an, ziehen das Thema in nichtrelevante oder absurde Ecken, wo sie sich zuhause fühlen, und glauben, wer am lautesten schreit, hat Recht. Nach dem Namen habe ich die Leute noch im seltensten Fall gefragt; wenn es für die anderen Teilnehmer zu bunt wurde, lässt man diese Leute allenfalls frische Luft schnappen. Das kannst du hier (und ich genauso bei mir) ja auch, bloß bekommen das im Saal alle mit, hier könnten wir es geräuschlos anstellen.

  • Martin Weigert

    12.07.10 (22:37:42)

    Sie müssen mir in jedem Fall dort in die Augen blicken. Allein das wird ihre Art der Diskussion beeinflussen. Hier müssen sie das nicht.

  • VonFernSeher

    12.07.10 (23:21:36)

    Ich tue es bei jedem Beitrag und Kommentar von Ihnen ;) Aber ernsthaft betrachtet: Ich stimme Ihnen zu, es wird die Diskussion beeinflussen, aber ob sie jetzt dadurch besser oder schlechter wird, kann man ja nicht so pauschal sagen. Und außerdem dreht sich die Diskussion ja auch um Namen. Der Vorname sagt mir unter Umständen etwas über die Eltern und/oder das Alter des Schreibers, der Nachname ergänzend vielleicht etwas zur Herkunft. Das sind aber alles Informationen, welche eine Aussage vielleicht näher erläutern, aber nichts über deren Gültigkeit aussagen. Und es hat für mich viele Vorteile, dass ich eine Aussage ohne Ansehen der Person überprüfen kann. Das einzige, wofür ich normalerweise wissen muss, wer einen Text verfasst hat, ist seine Einordnung in den Kontext. Dafür reicht aber doch ein Nutzername völlig aus.

  • Iro

    12.07.10 (23:23:52)

    Man hat Transparenz vielleicht noch nicht im Internet versucht, aber sehr wohl im RL. Das ist das Grundprinzip einer dörflichen Gemeinschaft: jeder kennt jeden, jeder weiß was jeder andere über irgendetwas gesagt hat. Das Ergebnis ist brutaler Druck sich sozial erwünschten Normen zu unterwerfen und Selbstzensur zu üben. Das ist kein Umfeld, das lehrt kritisch zu kommentieren oder eigenständig zu denken. jemand der im Berlin der 70er oder 80er geboren ist kann das nicht verstehen, dazu muss man wie ich die Enge eines bayrischen Dorfes miterlebt haben. Oder, um einen sarkastischen Kommentar meines Großvaters aus den 70ern zu zitieren: "Hier hat einer SPD gewählt, und den finden wir auch noch!"

  • Name (erforderlich)

    12.07.10 (23:32:21)

    Schafft Facebook ab. Schafft Innenminister ab, die ständig versuchen, ihren Zugriff auf meine Daten auszuweiten. Schafft Bots ab, die das Netz nach Identitäten durchforsten. Dann können wir darüber reden. Bis dahin geht es nicht ohne Anonymität. Übrigens: wenn man meinen Klarnamen googelt, findet man fast nichts (und alles was man doch findet, haben Leute ohne meine Erlaubnis in's Netz gestellt). Damit das so bleibt, schreibe ich ihn auch nicht in irgendwelche Blogs. Meinungen habe ich trotzdem und ich glaube nicht, dass sie durch einen anderen Namen irgendwie relevanter werden. Wenn das jemand doch denkt, sollte er vielleicht bei sich selber nach dem Grund dafür suchen.

  • Mister X

    12.07.10 (23:56:25)

    Das mit dem aus dem Ruder laufen kenne ich sehr wohl. Allerdings kann nicht pauschal gesagt werden, es müße nur an der Anonymität eines Beteiligten liegt. Wobei natürlich nicht gänzlich auszuschließen ist, daß sich doch einmal ein Troll darunter mischt. Es gibt aber sehr viele sehr vernünftige Leute, die anonym mit guten Argumenten in Diskussionen aufwarten. Es gibt aber hingegen auch überforderte Blogbetreiber, die sich auf ein Thema einlassen, von dem sie eben nicht so viel Ahnung haben wie sie vorgeben, oder deren Kritikfähigkeit begrenzt ist. Zu spüren bekommt man es dann, wenn man argumentativ oder thematisch quasi an die "intelektuelle Grenze" (weiß jetzt gerade nicht wie ich es anders ausdrücken soll) des Blogschreibers oder auch an die andere Beteiligter stößt. Ich habe dann schon festgestellt, wie entsprechende Abwehrmaßnahmen, eben bis hin zum Troll-Alarm und Ähnlichem griffen. Wenn jemand völlig mit den Nerven fertig ist, dann werden auch gerne die IP oder Kommentare gänzlich gesperrt. Und das finde ich dann schon etwas ärgerlich.

  • Maurice Morell

    13.07.10 (00:00:52)

    Ich empfinde das anonyme Kommentieren als feige. Weshalb kann man sich im Jahr 2010 nicht mit Klarnamen zeigen? Der Name ist Teil der Identität. Nonames kann ich nicht ernst nehmen. Auch Fake-Fotos oder Ersatzgrafiken nerven mich. Zeigen wir, wer wir sind und schauen wir, wo die Anderen sind. Sonst wird das nichts mit dem Bewusstseinswandel in dieser Gesellschaft.

  • Erwin Gettz

    13.07.10 (00:02:54)

    Ich schließe mich meinen Vorrednern an, die das Wort über den Klarnamen stellen. Ich finde es furchtbar, wie man mit Gravatar, FB und Co mittlerweile überall im Netz eindeutig zu identifizieren ist. Jeder noch so winzige Kommentar wird damit ins digitale Gedächtnis gebrannt und bleibt auch noch Jahre nachdem ich meine Meinung zu einem Thema vielleicht geändert habe abrufbar. Die Folge ist, dass sich jeder - nicht nur Mark Zuckerberg - ein Bild von mir machen kann, in einem Detailgrad, der letztendlich in keinem Verhältnis zum Nutzen für die Beurteilung eines Blog-Kommentars steht. Wieso möchten Sie wissen, wo ich im Urlaub war oder wer mit mir befreundet ist, welche Musik ich höre oder wo ich wohne? All das gibt mein sozialer Graph her. Das würden Sie mich bei einer Podiumsdiskussion aber doch auch nicht fragen. Nicht den Klarnamen zu verwenden, ist für mich ein essentieller Teil dessen, was heute von den Social Media Experten unter Reputationmanagement zusammengefasst wird - nur in der umgekehrten Richtung: das Vermeiden von Reputation.

  • VonFernSeher

    13.07.10 (00:45:13)

    Also ich brauche nicht so dringend einen Bewusstseinswandel, sondern eher einen Werte-, Elite- und einen sozialen Wandel. Zu jeder Zeit hat es wegweisende Autoren gegeben, die nur oder zusätzlich unter Pseudonym geschrieben haben. Und auch 2010 würde ich keinem deshalb Feigheit vorwerfen, wohl eher der anderen Seite Voreingenommenheit. Vielleicht aber haben Sie recht: Vielleicht brauchen Sie einen Bewusstseinswandel, damit auch Ihnen bewusst wird, wie abgedroschen und sinnlos Ihr phrasiertes "Ich habe nichts zu verbergen" daherkommt.

  • VonFernSeher

    13.07.10 (00:50:29)

    Ich gebe auf meiner Seite jedem die Möglichkeit, sich aus meinen wichtigsten Kommentaren, Nachrichten und öffentlichen Briefen ein eigenes Bild von mir und meiner gedanklichen Welt zu machen. Wer will, findet dort natürlich auch im Impressum meinen Namen. Allerdings gibt es dort nichts über mein Privatleben zu erfahren, ich spreche nicht über meine Lieblingseissorte und wer auf der letzten Familienfeier einen über den Durst getrunken hat, denn erstens möchte ich nicht langweilen und zweitens haben Pistazien nichts mit meiner Meinung zum Nahostkonflikt zu tun.

  • Peter Bergner

    13.07.10 (06:42:43)

    Wenn ich nicht hinter meiner Aussage stehe, dann brauch ich auch nichts zu sagen. Seh' ich genauso. Und auf Business-Plattformen wie beispielsweise XING ist es selbstverständlich nicht anonym oder pseudonym zu kommunizieren. Und die Kommentare und Forenbeiträge dort können genauso kritisch, ungerecht, unsachlich oder unter der Gürtellinie sein wie bei Blogkommentaren und anderswo. Anonym kommentiert doch häufig der Typ, der aus 3 Meter Entfernung "Sau!" brüllt und dann weg rennt. Braucht man das?

  • Martin Weigert

    13.07.10 (06:53:48)

    Damit setzt du aber voraus, dass durch Transparenz im Netz automatisch eine "bayrische Enge" inkl des damit verbundenen Gruppenzwangs entsteht.

  • Hans-Peter Menge

    13.07.10 (08:12:48)

    So sucht sich halt jeder selbst seine Ausreden, sich Kritik nicht zu stellen. Immerhin hat der Autor bewiesen, daß er noch ein Küken im Netz ist: Usenet-Veteranen haben die Realname-Diskussion längst durch. Zwei Mal. Zum Glück habe ich einen Realnamen. Gerade über Google gefunden.

  • Martin Weigert

    13.07.10 (08:16:15)

    Jetzt muss ich mal etwas in aller Deutlichkeit sagen: Der Thread hat fast 98 Kommentare, und ich bin die ganze Zeit mitten drin. Wie kannst du da behaupten, ich würde mich nicht Kritik stellen wollen?? Und dann kommst du noch mit irgendwelchem Usenet-Veteranen-Gefasel. Nur weil es technisch möglich ist, einen Kommentar zu schreiben, muss man dies nicht tun, wenn man nichts Sinnvolles zur Diskussion beizutragen hat!

  • Erwin Gettz

    13.07.10 (09:11:15)

    @VonFernSeher das ist zu kurz gedacht. Das Internet ist der öffentlichste und zugänglichste Raum der Welt. Auch auf meiner Website findet man keine Pistazien. Ich bin aber nicht nur auf meiner Website aktiv, sondern auch auf digg, flickr, last.fm, Facebook, Xing und einer Reihe anderer Seiten. Würde ich die alle unter meinem Klarnamen benutzen, wäre es problemlos möglich sich eben auch die Pistazien anzusehen. Genaus diese Verlinkung möchte ich nicht ermöglichen. In keine Richtung. Deshalb keine Klarnamen.

  • Martin Weigert

    13.07.10 (09:15:40)

    Ich verstehe deine Besorgnis. Nicht jeder fühlt sich wohl dabei, derartig transparent zu sein. Was wäre denn in deinem Fall das Schlimmste, was geschehen könnte, wenn diese Verlinkung bzw. Verknüpfung deiner Profile doch stattfinden würde. Jetzt mal nicht ganz allgemein von wegen "Saufbilder etc etc." sondern ganz praktisch von dir und den Inhalten ausgegangen, die von dir bei den genannten Sites zu finden sind?

  • Maith

    13.07.10 (09:19:32)

    Ich stimme dem Beitrag und dem Gedankengang zu, trotzdem möchte ich, dass sich das ändert. Wir haben uns unser Internet geschaffen, so wie wir es wollten. Und es ist gut so. Auch wenn es anfällig für Trollerei und Missbrauch ist. Aber so ist das Netz. Wir müssen ein Medium so nutzen, wie es uns gegeben wird. Wenn wir Veränderung erzwingen, geht das nach hinten los. Ich muss auch meine Privatsphäre schützen können. Wie wäre es denn, wenn ich bei jeder Demonstration, bei jedem Einkauf auf einmal meinen Namen registrieren müsste? Oder beim Wählen? Ich denke, dass jeder der sachlich diskutieren möchte und es in einem angemessenen Rahmen hält soviel Integrität besitzt und seinen Namen nennt. Für alles andere gilt der jahrhundertalte Grundsatz: Don't feed the trolls. Warum ich meinen Namen nicht nenne? Weil ich mich bewusst dafür entschieden habe. Weil ich nicht möchte, dass der Leser gleich sieht, welche Hobbys ich habe, in welchen Vereinen und Vereinigungen ich mich engagiere. Aber vor allem, weil ich nicht will, dass Personen, die ich kenne, die mit mir in Verbindung stehen, auch mit meiner Meinung in einem Blog im Internet verbunden werden.

  • Martin Weigert

    13.07.10 (09:23:11)

    Wenn wir Veränderung erzwingen, geht das nach hinten los. Stimme ich zu. Es geht hier ja auch nicht um Zwang sondern um Freiwilligkeit.

  • VonFernSeher

    13.07.10 (09:30:39)

    #69-2 Ganz wird man eine Identifizierung auch nicht verhindern können, das ist auch nicht mein Ziel. Ich möchte nur Bewertungen außen vor lassen, die mit der Sache nichts zu tun haben. Und wenn ich um keinen Preis will, dass jemand (und mit der nötigen kriminellen Energie schafft man das) eine bestimmte Information über mich im Netz findet, dann darf ich sie auch nirgendswo einstellen. Den viel beschworenen Personaler, der Bewerber aufgrund von Partyfotos ablehnt, gibt es in den meisten Firmen übrigens nicht. Und wenn hat er seinen Beruf verfehlt.

  • Erwin Gettz

    13.07.10 (09:36:01)

    @Martin Hm. Schwer zu sagen. Ich könnte jetzt sicher einen Worst Case konstruieren, aber ich denke, es geht gar nicht so sehr darum, dass etwas "Schlimmes" passieren kann. Ich bin durchaus vorsichtig mit dem was ich einstelle. Mir persönlich geht es vielmehr darum, dass ich diese Transparenz an sich schon nicht bieten möchte. Durch das Pseudonym kann ich das ein Stück weit steuern. @VonFernSeher "Ich möchte nur Bewertungen außen vor lassen, die mit der Sache nichts zu tun haben." - genau. Deshalb Pseudonym :)

  • VonFernSeher

    13.07.10 (09:43:33)

    Ein nettes Beispiel dazu (ich wohne in Amerika): Nach unzähligen Malen im Einkaufszentrum, beim Mobilfunkanbieter oder im Restaurant, ist mir schließlich an der Einfahrt einer der hier üblichen bewachten Siedlungen der Kragen geplatzt, als man mal wieder unsere Namen und Ausweisnummern notieren wollte. Eigentlich sollten wir Verwandtschaft nach hause bringen, wir hatten also Bewohner der Siedlung (und somit Leute, die die Gehälter des Wachpersonals bezahlen) an Bord und durften trotzdem nicht passieren. Nachdem der Wachmann auf die Frage, ob er wohl Polizist sei oder warum er meine, wir müssten ihm unsere Ausweisnummern (die sich hier übrigens ein Leben lang nicht ändern) geben, recht aggressiv reagierte, haben wir gewendet und unsere Verwandtschaft aussteigen lassen. Meine Frau war genervt, die Verwandtschaft, die jetzt noch laufen musste, angefressen und der Wachmann stinksauer. Trotzdem hat es sein müssen; ich wäre sonst an dem Abend nicht mehr klargekommen. Dass alle mich für den Idioten hielten, zeigt doch nur: Einmal eingerissen, werden solche Unarten immer mehr und mehr akzeptiert und derjenige, der sich dagegen auflehnt, ist bestenfalls ein Prinipienreiter, normalerweise aber der Idiot, der den Betrieb aufhält.

  • Martin Weigert

    13.07.10 (09:46:48)

    Interessant. Ich wohne in Schweden und hier läuft alles über die so genannte, zentrale Personennummer. Aber niemand regt sich auf. In Deutschland gibt es dagegen schon bei einer Volkszählung aufruhr. Kulturelle Unterschiede eben. Und natürlich auch geschichtlich bedingt.

  • Philip Engstrand

    13.07.10 (10:21:40)

    Stimme ich zu. Es geht hier ja auch nicht um Zwang sondern um Freiwilligkeit. Zusammen mit Wer im professionellen Teil des Internets anonym Kritik äußert, hat ein zunehmendes Glaubwürdigkeitsproblem. Gefragt sind Diskurse auf Augenhöhe. klingt für mich unglaublich freiwillig. Mach doch mal ein Experiment (ich liebe soziologische Experimente), schreib zwei Wochen lang unter jeden anonymen (oder offensichtlich pseudonymen) Kommentar: 'Deine Aussage/Kritik ist nicht glaubwürdig, denn du kommentierst anonym, d.h. nicht auf Augenhöhe mit mir'. Und dann liest du mal, was in anderen Blogs über dich geschrieben wird. Aus einer Vorahnung heraus würde ich sagen, das Wort 'Arrogant' wird vorkommen. Unter Anderem. Es trifft sich nicht mit meiner Meinung, aber sowohl die Zitate, als auch der Orignalartikel führen in das Feld: Es wäre schöner, wenn's schöner wäre. Diskussionen in denen zugelassen wird, das die Leute ohne Realnamen (+ Identitätsprüfung) kommentieren, werden so verlaufen, wie sie auch schon vor 15 Jahren im usenet verliefen oder wie Wikipedia Löschdiskussionen oder wie Ebay Bewertungen oder was weiss ich. Es wird sich nicht mehr ändern. Wir werden damit leben müssen.

  • Martin Weigert

    13.07.10 (10:27:01)

    Ich sehe in den zwei Zitaten keinen Widerspruch. Zwang wäre, wenn wir Kommentare nur noch für registrierte Nutzer zugänglich machen, die wir über Twitter, Facebook o.ä. authentifizieren lassen.

  • Martin Weigert

    13.07.10 (10:29:18)

    Achja, es ist wohl an der Zeit, dass wir das Thema Usenet hinter uns lassen. 99 Prozent der Internetnutzer haben damit nichts am Hut, insofern spielt es überhaupt keine Rolle, was dort mal üblich war oder noch immer ist.

  • Marko

    13.07.10 (11:48:23)

    Das ist doch lächerlich, Herr Weigert. Der OP bezieht sich offensichtlich mit dem Hinweis auf "sich der Kritik entziehen" auf den Wunsch nach Klarnamen und der damit vermeintlich verbundenen Glaubwürdigkeit und dem Ignorieren anonymer Kommentare, nicht auf diesen Thread. Das haben Sie bestimmt verstanden. Den Hinweis auf die durchaus bereits durchgekaute Debatte um Klarnamen im Netz als "Usenet-Veteranen-Gefasel" abzutun ist reichlich anmaßend und völlig kontraproduktiv. Wieso bereits gemachte Erfahrungen und Erkenntnisse als unsinnig abtun? Ihr Abkanzeln wirkt, um es einmal überspitzt zu sagen, geschichtsvergessen.

  • Martin Weigert

    13.07.10 (11:53:12)

    Nimm dir mal die Zeit und lese die letzten 500 Artikel von mir und schaue auch auf die Kommentare. Dann siehst du, dass ich Kritik nicht aus dem Weg gehe. Ich will sie nur gerne konstruktiv und fair haben.

  • Marko

    13.07.10 (12:03:38)

    Ich muss mich leider an dieser Stelle etwas wiederholen, weil ich fürchte, daß mein Kommentar weiter oben (http://netzwertig.com/2010/07/09/identitaet-im-netz-das-glaubwuerdigkeitsproblem-anonymer-kritik/#comment-151024) untergeht. Die gemachten Erfahrungen und Erkenntnisse aus bereits erfolgten Diskussionen -- bspw. hier im Usenet -- als irrelevant abzutun, halte ich für überheblich und vollkommen unangebracht. Wieso sollten diese "überhaupt keine Rolle" spielen? Es geht exakt um das Thema Identifizierbarkeit der Person hinter Äußerungen, die übers Netz verbreitet werden. Dazu wurde gerade im Usenet umfangreich debattiert. Es gibt sogar eine eigene Website, die dies dokumentiert und kommentiert: http://www.realname-diskussion.info/ Wieso nun noch einmal alles von Null an neu durchexerzieren? Die Forderung hiernach -- und zwar unter der Prämisse: anonym/pseudonym ist unhöflich/unangebracht/nicht zeitgemäß -- wirkt auf mich, als sollte ganz im Zuckerbergschen Sinne eine vermeintlich neue, bereits etablierte, allerdings noch nicht vernünftig kommunizierte Verhaltensweise salonfähig gemacht werden. Die Frage nach Anonymität/Pseudonymität vs eineindeutiger Identifizierbarkeit ist kompliziert und es gibt sicher keine einfachen Antworten. Insofern täten IMO v. a. die "Vorreiter des Web 2.0" besonders gut daran, sich die "Veteranen"-Meinungen in Ruhe anzusehen, statt hochnäsig ihre Vorstellung als ultimative Antwort in den Raum zu stellen.

  • Marko

    13.07.10 (12:25:00)

    Zu meinem (bisher vermutlich wg. enthaltenem Link noch nicht freigeschaltetem Kommentar) noch ein Nachtrag bzw. ein Verweis auf Christian Stöcker zur lustigen Idee von Aigner und Co., daß das Netz einen Knigge benötige: Regel Nummer 1, die in jedem anderen Bereich gilt: Kenne die Vergangenheit, um in der Gegenwart nicht mit Redundanz zu nerven. https://twitter.com/ChrisStoecker/statuses/18426631125

  • Martin Weigert

    13.07.10 (12:31:51)

    Die Nutzerschaft des Usenet ist nicht repräsentativ für die Gesellschaft. Die Nutzerschaft des Internets aber mittlerweile durchaus. Diskussionen aus dem Usenet daher als Vorbild zu nehmen oder gar davon ausgehend feststellen zu wollen, dass man hier nicht noch einmal darüber diskutieren müsse, ist imo der falsche Ansatz. Das hat mit Redundanz wenig zu tun. Ungeachtet davon, was nun Chris Stöcker meint. Ich würde auch nicht eine kollektiv gesammelte Erkenntnis des heise-Forums als richtungsweisend für das gesamte Web ansehen. Überspitzt dargestellt.

  • Martin Weigert

    13.07.10 (12:34:16)

    Über das Thema Redundanz im Allgemeinen habe ich aber auch schon öfter sinniert. Letztlich gibt es heutzutage eben nichts mehr im Internet, was nicht schon einmal von irgendjemand anders zuvor geschrieben und diskutiert wurde. Aber soll das heißen, dass eine Diskussion zu einem anderen Zeitpunkt an einem anderen Ort nicht noch einmal geführt werden darf? Ich denke, nein. Und im aktuellen Beispiel hat sich eben in den vergangenen Jahren sehr viel im Netz verändert. Insofern halte ich den Diskussionbedarf für akut. Was ja auch diese Kommentare hier zeigen.

  • /me

    13.07.10 (12:43:54)

    Genau! Du hast uebrigens noch folgendes Zitat vergessen: "Everything that can be invented has been invented." - Charles H. Duell

  • Marko

    13.07.10 (12:53:14)

    Die Nutzerschaft des Usenet ist nicht repräsentativ für die Gesellschaft. Die Nutzerschaft des Internets aber mittlerweile durchaus. Das stimmt vermutlich, halte ich aber für kein gutes Argument, die dort geführten Debatten als irrelevant abzutun. Die vielen kontroversen Diskussionen mit zahlreichen Erkenntnissen sollte man doch nutzen oder hältst Du im Wissenschaftsbetrieb geführte Auseinandersetzungen auch für nicht gesellschaftlich relevant, weil man dort ja im Elfenbeinturm sitzt? Gerade die unmittelbare Betroffenheit der Usenet-Nutzer hat einen sehr umfangreichen und diversifizierten Katalog an Überlegungen zum Thema hervorgebracht. Ich halte das für wesentlich hilfreicher, als dem Volk mal "einfach so aufs Maul zu schauen" -- wobei ich das gerne mit einbeziehe. Natürlich kann man neu darüber reden, auch angesichts der "Andersartigkeit" des "Web 2.0" und der Social Networks etc., aber grundlegende Erkenntnisse zum Thema Identität verlieren dadurch doch nicht an Bedeutung.

  • Richard J. Baumgart

    13.07.10 (12:59:20)

    Hallo, Wer im professionellen Teil des Internets anonym Kritik äußert, hat ein zunehmendes Glaubwürdigkeitsproblem. Gefragt sind Diskurse auf Augenhöhe. Ja, schön, das ist eine Meinung. Nicht meine, aber damit habe ich kein Problem. Reden wir darüber. IMHO sind wir auf Augenhöhe. Ich bin Richard J. Baumgart, der Blogger ist Martin Weigert. Von ihm findet man einiges im Netz, von mir nicht. Nein, ich bin nicht der, den Google ausspuckt. Ich wurde gerade erst erschaffen. Vielleicht bin ich FeFe "in disguise"? Vielleicht bin ich Bundes-Angelas Forums-Avatar? Vielleicht - Oh Schreck! - bin ich sogar "der richtige Martin Weigert"? Denn - weiß ich, ob der Martin Weigert hier wirklich "der Martin Weigert" ist? Ist "Martin Weigert" überhaupt eine reale Person? Oder ein seit Jahren bestehender Avatar? Oder vielleicht sogar das Resultat eines Identitäts-Diebstahls? Ich weiß es nicht. Und kann es auch nicht so einfach herausfinden. Daher ist "Martin Weigert" auch nur ein Name - wir sind hier im "InterNetz", da gibt's keine Personen, nur Namen. Also sind wir auf Augenhöhe, der Blogger mit ungefähr 56.700 Google-Hits, und ich, der ich gerade eben erschaffen wurde. Er ist für mich anonym, ich bin für Ihn anonym. Wir beide könnten alles mögliche sein, jeweils aus der Sicht des anderen. Soweit, so gut. Nun etwas anderes. Ich bin im IN aktiv seit es Gopher gab, und es gibt massenhaft Spuren von mir. Dummerweise auch mit Real-Namen, wie es in den alten Tagen (vor Google resp. anderen fähigen Crawlern) üblich war. Glaubt es mir oder nicht, aber das hat mich einen sehr lukrativen Job gekostet. Ich war mit MacOS 5.x (oder 6.x? Es gab noch keinen MultiFinder ...) gestartet, und hatte es in den damaligen ger.ct-Foren gegen die Übermacht der *nix- und Win-Fans verteidigt. Ruhig, sachlich, fundiert. Ausführlich wie das hier. Mit Real-Namen. Jahre später, ich war inzwischen der Nachfrage folgend auf Win umgestiegen & habe auf diesem Gebiet meine Kohle verdient, ging es um einen recht fetten Auftrag einer MS recht nahestehenden Firma. Obwohl meine Qualifikation nicht angezweifelt wurde, wurde ich mit Bedauern abgelehnt wegen meiner "Anti-Windows-Agitation" Jahre zuvor. Das sei nicht tragbar. Das Internet vergißt nichts mehr. Aber Menschen ändern sich, und selbst wenn sogar unsere besten Freunde schon lange vergessen haben, was für Meinungen wir 10 Jahre früher vertreten haben, im Internet sind sie immer noch abrufbar. Und daher halte ich es für den größten Blödsinn, den junge Leute heutzutage machen können, so viel über sich preiszugeben. Das Internet ist etwas anderes, als eine Kneipe, oder ein Firmentreffen, oder eine Konferenz, oder eine Party - es ist für alle & jeden zugänglich, und es vergißt nichts mehr - alles, was wir hier unter Real-Namen publizieren, bleibt sichtbar. Viel Spaß in 20 Jahren! Vieles kann, und wird, sich ändern. Was heute OK ist, kann übermorgen gefährlich sein. Unsere Meinung heute kann komplett entgegengesetzt sein zu der, die wir in 15 Jahren haben werden, wer weiß? Meiner unmaßgeblichen Meinung nach geht jeder ein hohes Risiko ein, sich in ein paar Jahren spätestens massive Nachteile einzufangen, der seinen Real-Namen in Netz benutzt. Egal ob er als Troll & Störer agiert, oder sein Bestes tut, so hilfreich, konstruktiv & höflich zu sein wie nur möglich! Aufgrund meiner Erfahrungen kann ich nur raten: Nie & nimmer den Real-Namen angeben, außer bei Face-to-Face-Kontakten zu realen, vertrauenswürdigen Personen! Viel Spaß!

  • Martin Weigert

    13.07.10 (13:01:52)

    Ja, da gebe ich dir recht und sicherlich haben die Debatten im Usenet ihre Relevanz. Dennoch glaube ich, dass für die Diskussion hier die Erfahrungen aus dem Usenet nur eine untergeordnete Rolle spielen. Insofern halte ich die Vielzahl der Verweise auf das Usenet eher für kontraproduktiv, da sie zeigen, wie wenig repräsentativ doch der Querschnitt der hier Kommentierenden für die gesamte Internetnutzerschaft ist.

  • Martin Weigert

    13.07.10 (13:07:56)

    Der Unterschied zwischen uns beide ist, dass du glaubst, die Technik verändert sich, aber die Mentalität, Kultur und Verhaltensweisen des Menschen bleiben für immer gleich. Ich glaube, dass sich mit der Technologie auch die Einstellung und das Handeln des Menschen verändert. Ich glaube an den Chef der Zukunft, der mir Partybilder nicht kritisch anlastet. Du glaubst offenbar nicht an ihn (zumindest interpretiere ich deine Äußerungen so). Vielleicht liege ich falsch. Vielleicht du. Wir werden es sehen. Aber es ist offensichtlich, dass hier eine grundsätzlich unterschiedliche Annahme zu den Auswirkungen der Digitalisierung auf den Menschen die Ursache für unsere gegensätzliche Haltung ist.

  • Philip Engstrand

    13.07.10 (14:12:30)

    Ich glaube, dass sich mit der Technologie auch die Einstellung und das Handeln des Menschen verändert. Und genau das ist der zentrale Fehler. Es gibt die Möglichkeit anonym zu kommentieren, die Leute verwenden sie und Sie verlangen im Gegenzug, man möge sich bitte so verhalten wie bei einer Diskussion die auf einer anderen Technik (dem persönlichen Gespräch) basiert. Wer passt sich denn jetzt hier der Technik nicht an?

  • Martin Weigert

    13.07.10 (14:26:35)

    Und genau das ist der zentrale Fehler. Sagen Sie. Die Veränderung besteht eben gerade in der Aufwertung von Transparenz. Wieso fällt es Ihnen so schwer, Transparenz als etwas Positives zu sehen, als eine Chance für die Gesellschaft?

  • Philip Engstrand

    13.07.10 (15:14:09)

    Ich glaube, ich werde hier falsch verstanden. Mir fällt es nicht schwer Transparenz als etwas Positives zu sehen weil ich das idR selber propagiere (gleich mehr dazu) KOMMA ABER ich erwarte nicht, das das jeder genau so sieht. Beziehungsweise andersrum: Ich erwarte von jedem, das er damit arbeiten kann, was bereits etabliert ist. Und anonym, bzw. pseudonym zu kommentieren/kritisieren/schreiben ist selbst in der Papierwelt nicht direkt neu. In der sog. Netzwelt ist es eine historisch/technische Basis, die ganz ganz viele Leute als Bereicherung sehen. Und zwar (so meine Beobachtung) unabhängig von ihren Erfahrungen damit. Zu oben. Ich arbeite festangestellt bei einer Firma (multinational, > 10000 Mitarbeiter), die's noch nicht soo lange gibt. Ab der Gründung wurde sehr auf Werte, interne hierarchiefreie Diskussion etc. wertgelegt. So gab es bei allen internen Veröffentlichungen (Intranet) Kommentarfunktion. Und wieviele Leute haben da ihren Realnamen verwendet? Lange Zeit sah' es für mich so aus, als seien wir ein Club von ungefähr 10 Leuten. Ich hab' dann über die Jahre ein paar mal Leuten die ausschlieslich über Pseudonym kommentierten gefragt, warum nur so? Und die Antwort war regelmäßig: Ja, mir könnte doch ein Nachteil daraus erwachsen, wenn die meinen Namen kennen. Und ich so: Hallo, wir arbeiten bei einer Firma die im Unternehmensleitbild schreibt: Wir wollen nur Mitarbeiter haben, die eine eigene Meinung pflegen. Und dann: Und das glaubst du wirklich? ?

  • Iro

    13.07.10 (16:40:56)

    Ich denke nicht einmal heute wird man große Probleme haben, wenn ein paar Partybilder im Netz stehen. das macht schließlich jeder. Darum geht es auch nicht. Es geht darum, dass eine junge Frau nirgendwo im Netz Spuren hinterlassen darf, dass sie einen Kinderwunsch hat, da sie ansonsten keine Stelle findet. Das gleiche gilt für chronische Krankheiten oder - noch schlimmer - Interesse an einer Gewerkschaft. Ein einfaches "mag ich" bei Facebook bei der hypothetischen Gruppe "ich bin dauernd erkältet" kann einem eine Stelle kosten (nicht im Sinne von entlassen, sondern im Sinne von nicht eingestellt oder nicht befördert). Nicht, weil die Chefs so intolerant wären, sondern weil es sie echtes Geld kostet, Schwangere, Gewerkschafter oder Kranke einzustellen. Gegen die Kräfte der Ökonomie kommt auch die beste Absicht nicht an.

  • Martin Weigert

    13.07.10 (16:55:26)

    @ Iro Das sind sehr anschauliche und sehr viel bessere Beispiele als die klischeehaften Trinkbilder. Dass Transparenz nicht bedeutet, ALLES über sich zu veröffentlichen, sollte klar sein.

  • VonFernSeher

    13.07.10 (18:07:13)

    #76-1 Es geht doch weniger darum, ob Menschen wie Sie, Marco, oder ich (auch schon seit 1993 online) diese Diskussion schon einmal geführt haben. Sie wird ja auch im Netz nicht zum ersten Mal geführt, selten aber auf diesem Niveau. Vielmehr ist es wichtig, dass jeder einzelne sowie jede Generation (ich bin eigentlich noch ein junger Mensch, gehöre aber zweifellos zu den dienstälteren Internetnutzern) den Weg beschreitet - und das meine ich jetzt ernst, auch wenn es geschwollen klingt. Mir hat ein guter Freund einmal erklärt: Manchmal muss das Rad eben neu erfunden werden. Und das stimmt. Für die persönlichen Bedürfnisse der (viel zahlreicheren) Nutzer heute hilft es nicht, dass das Thema schon einmal erschöpfend behandelt wurde. Jetzt muss ein Umgang gefunden werden und das Gestrige bleibt relevant und u.U. eine gute Quelle, ersetzt aber nicht die Auseinandersetzung heute.

  • Wolf

    13.07.10 (18:55:46)

    Was Martin Weigert gesagt hat, ist nichts anderes als dass anonyme Kommentare mit dem Risiko geringerer Anschlussfähigkeit behaftet sind. Er wird sie vielleicht ignorieren, schmunzeln, mit dem Kopf schütteln. Sie dringen aber mit gewisser Wahrscheinlichkeit nicht durch. Damit ist nicht gesagt, dass niemand mehr anonym kommentieren sollte oder gar darf. Es ist lediglich eine Aussage über die Anschlussfähigkeit. Denn Kommunikation ist für uns qua Gewohnheit oder vielleicht sogar aufgrund tiefer sitzender psychischer oder sozialer Mechanismen nun einmal an Personen gebunden. Darum widerspreche ich auch all jenen Kommentatoren, die behaupten, die Nachricht könnte für sich sprechen und der Urheber wäre irrelevant. Im Gegenteil: der Urheber ist immer Teil der Nachricht, indem er sie erkennbar kommuniziert. Und: klar kann man sich tarnen und sich als sonstwer ausgeben. Das ist aber kein neues Phänomen, es ist im Netz vielleicht nur leichter.

  • Richard J. Baumgart

    13.07.10 (22:40:24)

    Hi, aber was sind diese berüchtigten "anonymen Kommentare" denn? Beknackte, die OP's Ansicht nach dann alle Horst Müller oder Klaus Maier heißen sollen würden? Alle mit nem coolem Facebook-Acc, klaro. Und twittering? For sure. So ein beknackter Troll, mit Twitter- und Facebook-Account, vielleicht auch noch nem rudimentärem Blog auf 4chan, ist dann realistischer und mehr "auf Augenhöhe" als ich? Sorry, da kann ich nicht mehr folgen. Wenn nicht mehr das Wort gilt, das ich schreibe, wenn ich nicht mehr "auf Augenhöhe" bin, sobald meine Identität angezweifelt wird - sorry, Herr Weigert, Du hast meine EMail. Mach einen Termin mit mir aus, und zeig mir deinen Perso. Solange Du das nicht tust, bist Du für mich auch nur ein anonymer Schreiberling im Netz. Einer, der nach Deiner Aussage nicht auf Augenhöhe mit Dir kommunizieren kann. Viel Spaß!

  • Bernhard Gollas

    14.07.10 (12:30:04)

    @Richard J. Baumgart: Möchte mich deinem Kommentar voll und ganz anschließen! Das mit der "Augenhöhe", die von vielen Bloggern angemahnt wird (die manchmal gar keine haben, und wenn, was für eine eigentlich?) geht mir schon länger auf den Zeiger.

  • Walter Groebchen

    14.07.10 (15:09:41)

    http://groebchen.wordpress.com/2007/10/17/offentliche-widerrede/

  • _Flin_

    14.07.10 (15:40:20)

    Es gibt zahlreiche Gründe dafür, anonym sein zu wollen. Und nur wenige Gründe dafür, seinen richtigen Namen zu nennen. Ein Blog oder ein Forum sind schließlich kein Gerichtsverfahren. Und auch nichts, bei dem ein Vertragsverhältnis begründet würde. Mit einem Pseudonym kann ich jederzeit frei und offen meine Meinung sagen. Ohne dabei Rücksicht auf so Dinge wie "Wenn das dieser liest; wenn das jener liest" nehmen zu müssen. Somit ermöglicht die Anonymität mir erst die freie Meinungsäußerung. Erst recht in einer Gesellschaft, in der die freie Meinungsäußerung nur dem garantiert ist, der genug Geld hat, um seine freie Meinungsäußerung über den Umweg Landgericht Hamburg bis zum BGH durchfechten zu können. Ich muss mich nur an die Reaktionen meiner (inzwischen) Ex-Freundin erinnern, als ich versucht habe, ihr klarzumachen, dass das Zugangserschwerungsgesetz keine gute Idee ist. Wenn ich bei solch einer Thematik nicht einmal meine Ex-Freundin überzeugen kann... kaum auszudenken, wie manche andere Leute denken würden, die Aussagen von mir (mit einfach zu identifizierendem Namen) im Netz lesen. Aus Höflichkeit gegenüber dem Blogger hinterlasse ich immerhin eine E-Mail Adresse, unter der man mich erreichen kann.

  • Herr Voß

    15.07.10 (20:16:51)

    Lustig. Wie schon jemand schrieb: de Maizière wurde für eine ähnliche Aussage an die Wand geklatscht. Aigner wurde letztens ausgezählt für ihre Idee, dass die Netzcommunity sich eine Netiquette geben solle. Doch im Prinzip sagen sie nichts anderes als Du: Es gibt kulturelle Geflogenheiten im RL, die noch nicht adäquat ins Web _übertragen_ wurden. Die Art der Übertragung ist aber das Wichtige. Ja, im RL sind mir die Leute grundsätzlich bekannt, mit denen ich mich unterhalte. Eine wenig sinnvolle Übertragung dieses Prinzips ist aber nicht, dass sich für einen Kommentar jeder komplett mit Namen für alle Welt sichbar, automatisiert aggregierbar und für immer verfügbar outet. Vielleicht sind aber auch Kommentare in der heutigen Form nicht der Weisheit letzter Schluss - eine Variante gibt es ja schon mit Trackbacks oder mit Kommentaren zu Links innerhalb von Facebook. Vielleicht kommt ja jemand mit ein wenig Gehirnschmalz auf eine Lösung, die die Anonymität vor allem nur zwischen Blogger und Kommentator und vielleicht auch noch den anderen Kommentatoren aufhebt - Weltöffentlich aber weiterhin anonym erscheint.

  • VonFernSeher

    15.07.10 (20:55:48)

    Was de Maizière angeht mögen Sie Recht haben, Frau Aigner hat sich aber schon sehr deutlich geäußert und empfohlen stets Pseudonyme zu benutzen. Man kann dazu unterschiedlicher Meinung sein und muss auch Frau Aigner nicht unbedingt mögen, aber Klarnamen hat sie nicht gefordert. Und ihr letzter Absatz hat einen logischen Fehler: Sobald man Klarnamen anderen Kommentatoren freigibt, sind sie veröffentlicht.

  • Herr Voß

    15.07.10 (21:20:16)

    Mir ging es bei Frau Aigner nicht um Namen oder nicht Namen, sondern darum, dass andere Leute prinzipiell für Vorschläge dazu, wie man etwas im Internet besser machen könnte an die Wand geklatscht werden. Und ich fand es in diesem Zusammenhang erstaunlich, dass ähnliche Vorschläge aus anderer Feder viel milder beurteilt werden. Aber vielleicht liegt es auch daran, dass die de Maizière- und Aigner-KritikerInnen eher anonym sind ;-) Ich glaube, ich habe in dem letzten Absatz deutlich gemacht, dass ich nicht vor habe, ein fertiges, neues Kommentare-Konzept vorzulegen. Ich würde das gerne "Crowdsourcen" - man kann es auch Partizipation nennen oder "zu faul". Und es ging mir darum, dass man für die Teilnehmer eines virtuellen Gesprächs gegenseitig die Anonymität aufgibt - dem Rest der Welt gegenüber aber nicht. Ich sehe ein, dass das kein Ersatz für "Troll12345" ist, aber für jeden, der ernsthaft kommentieren, nicht aber weltöffentlich damit sein will.

  • Martin Weigert

    15.07.10 (21:34:06)

    So milde waren die Reaktionen doch gar nicht . ;)

  • VonFernSeher

    15.07.10 (21:49:56)

    #85-2 Da ja aber jeder niederschwellig in eine solche Diskussion einsteigen können soll (maximal Anmeldung beim Blog oder Netzwerk), gibt man seine Identität demnach ja öffentlich frei; jeder, der wissen will, wie du mit bürgerlichem Namen heißt, meldet sich einfach an. Dann kannst du auch direkt deinen Klarnamen verwenden, denn ein Code nützt ja nichts mehr, wenn der einzige Schlüssel öffentlich ist. Da liegt doch der logische Fehler.

  • (,,,)---=^.^=---(,,,)

    20.07.10 (23:11:40)

    Der vorletzte Absatz Eine Ausnahme gibt es für mich: Leser, die regelmäßig, sachlich und seit jeher unter Pseudonymen kommentieren. Bei denen bürgt ihre Loyalität für die Ernsthaftigkeit und Relevanz ihrer Äußerungen. stellt den gesamten vorangegangenen Text in Frage. Um nämlich regelmäßig unter Pseudonymen kommentieren zu können, muß ich ja einmal damit begonnen haben (dürfen). Aber genau das mögen Sie ja nicht... Auch der letzte Absatz wirft Fragen auf. Wer definiert, welche Themenfelder bei mir als Kommentator die Notwendigkeit erweisen, dem Autor nur mit Anonymität begegnen zu wollen? Das große Problem bei der ganzen Sache ist - zumindest für mich - daß ich zwar im Kontext zum Artikel, welchen ich zu kommentieren gedenke, in aller Regel keine Schwierigkeiten habe meinen Realnamen preiszugeben. Problematisch ist das ganze jedoch durch die Möglichkeiten, welche es online gibt, offline jedoch nicht: Suchmaschinen und Data Mining. Wie opalkatze und der erste Kommentar bei ihr von Lakritze schon anmerken, gebe ich dem unbekannten Dritten - und dies auch noch Jahre später - die Möglichkeit kausale Zusammenhänge über mich in Erfahrung zu bringen. Die dann vielleicht auch gar nicht mehr zutreffen, wenn sich meine Meinung eventuell komplett revidiert hat. Aber im Netz verlange ich, daß es, wie in der Offline-Welt auch, meine Sache ist und bleiben muß, wem ich was von mir preisgeben will! Ich schließe mich opalkatze vollumfänglich an, daß nicht der Name an sich, sondern der textliche Ausdruck das Wesentliche in der Kommentarspalte (und nicht nur dort) ist. Der Name mag sich real anhören und falsch sein oder als Fake erscheinen aber echt sein - relevant ist, was oben raus kommt. Ich wähle ja Politiker auch nicht dem Wohlklang ihres Namens oder dem äußeren Erscheinungsbild nach. Zum Schluß sei noch gesagt, daß ich zwar auf der Website als solches - also für die Öffentlichkeit einsehbar - anonym auftreten mag, aber dennoch eine feste E-Mail-Adresse anzugeben pflege. Wobei es auch da Unterschiede gibt: Mailadresse mit Bezug zu mir und welche ohne.

  • (,,,)---=^.^=---(,,,)

    20.07.10 (23:24:13)

    Mir ist beim kommentieren wohl ein Fehler unterlaufen. Ich habe meinen Kommentar nachträglich korrigiert, genauer den Link zu opalkatze eingefügt und dabei den ganzen nachfolgenden Text dem Link zugeordnet. Als Webdesigner schäme ich mich hiermit ;-)

  • Martin Weigert

    21.07.10 (09:21:41)

    Im Artikel habe ich deutlich gemacht, dass sich mein Wunsch des nicht anonymen Kommentierens auf Beiträge bezieht, die ausschließlich kritisieren.

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