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23.09.14Leser-Kommentare

Ice Bucket Challenge: So schnell vorbei wie Kony und Harlem Shake - aber mehr bewegt

Noch vor wenigen Wochen kam kein Mensch an der Ice Bucket Challenge vorbei. Mittlerweile spricht niemand mehr darüber. Vergangene Internetmems hatten eine ähnlich kurze Haltbarkeitsdauer. Dieses Mal allerdings bleibt etwas Substanzielles übrig: über 100 Millionen Dollar an Spendengeldern für den Kampf gegen eine Krankheit, die zuvor kaum jemand kannte.

Ice Bucket ChallengeErinnert sich noch jemand an die Ice Bucket Challenge? Ja, blöde Frage. Andererseits auch nicht so unberechtigt: Denn obwohl es wahrscheinlich kaum jemandem aufgefallen ist, so hat sich das Viralmem des Monats August genauso schnell in Luft aufgelöst, wie es gekommen ist.

Ohne Twitter-Nutzer Gerald Hensel wäre mir diese Tatsache zugegebenermaßen auch entgangen. Hensel aber veröffentlichte gestern in einem Tweet einen Screenshot des Google Trends-Graphen, der das Suchvolumen nach dem Begriff “ice bucket challenge” zeigt. Das Ergebnis liefert untersuchenswertes Material für Soziologen, Verhaltensforscher und Netz-Theoretiker. Es kann als halbwegs offizieller Beleg zur Haltbarkeit von weltumspannenden und klassenübergreifenden Internetmems herangezogen werden. Denn anders als vergleichbare, sich viral von Mensch zu Mensch verbreitende Informationsinhalte, wie etwa Kony im Jahr 2012 oder der Harlem Shake im Jahr 2013, partizipierten an der Verbreitung der Ice Bucket Challenge Personen jeglicher Couleur und Herkunft. Von Menschen wie du und ich bis hin zu Filmstars, Sportlern, Milliardären und Politikern.

Daraus resultierte eine Reichweite und Resonanz, welche die Ice Bucket Challenge zum bisher wahrscheinlich meistbeachteten Mem des vernetzten Zeitalters macht. Und effektiv war es auch: Innerhalb weniger Wochen kamen 100 Millionen Dollar an Spendengeldern für den Kampf gegen die Krankheit Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) zusammen.

Trotz der grenz- und hierarchie-übergreifenden Charakteristik sowie der eingebauten, Viralität schaffenden Nominierungskomponente, ist der Spuk nach rund vier Wochen vorbei. Die “Haltbarkeitsdauer” der Ice Bucket Challenge lag damit überraschenderweise unter der des Harlem Shake, bei dem es gut zwei Monate dauerte, bis die Sache ausgestanden war (Google Trends). Kony wiederum hielt sich weniger als einen Monat im Fokus der Netzöffentlichkeit. Hierbei muss man bedenken, dass dabei User nicht mit der Schaffung ihren Einfallsreichtum herausfordernder eigener Videos eingebunden wurden. Stattdessen stand ein spezieller Clip im Zentrum einer darauffolgenden Debatte.

Was man zumindest mit Blick auf diese drei Mems konstatieren kann: Es scheint keine große Rolle zu spielen, ob User mit einer kontroversen Propaganda-Kampagne (Kony), einer puren Spaßaktion (Harlem Shake) oder einem von renommierten Personen des öffentlichen Lebens unterstützen Spendenaufruf konfrontiert werden - nach einigen Wochen ist die Luft aus jeder Viralgeschichte raus. Die Ice Bucket Challenge zeigt aber, dass dieser Zeitraum genügt, um eine Botschaft in die hintersten Winkel dieser Erde zu tragen und beachtliche Mobilisierungskräfte freizusetzen (zumal es sich um eine wenig bekannte Krankheit handelt).

Mann darf angesichts dieser Entwicklung wahrlich gespannt sein, was als nächstes kommt. /mw

Kommentare

  • DJ Nameless

    23.09.14 (12:26:01)

    Dass der "Harlem Shake" (bzw. sein geistiger Vater Baauer) nur eine so kurze Halbwertszeit hatte, wurde durch die Mainstream-Massenmedien künstlich gesteuert. Baauer ist nämlich ein stinknormaler Electro-Musikproduzent; den Erfolg des "Harlem Shake" konnte natürlich keiner vorhersagen, aber zumindest von den öffentlich-rechtlichen Radiosendern (die Privaten können von mir aus machen was sie wollen) hätte man eigentlich erwarten können, dass sie den Künstler weiterhin begleiten und seine davor bzw. danach produzierten Platten einfach mal im Radio spielen. Aber selbst der "Harlem Shake" fand ja auch wieder nur im Internet statt; warum läuft so ein Song nicht einfach im normalen Radio? Da gehört aktuelle Popmusik eigentlich normalerweise hin.

  • Martin Weigert

    23.09.14 (12:59:36)

    Ich erinnere mich, ihn tatsächlich mal im Radio gehört zu haben. Der Track ansich ist aber nicht sonderlich mainstreamfähig gewesen, finde ich. Er entfaltete seine Wirkung primär durch die Komik der Videos.

  • Robert Frunzke

    23.09.14 (13:07:17)

    Leider, so glaube ich zumindest, ist funktionierte diese Aktion auch nur so gut, weil die Krankheit so spezifisch und den meisten fern, aber gleichzeitig doch in Form einiger weniger stark charismatischer Persönlichkeiten doch so nahe dargelegt nachvollziehbar war. Es mag seltsam klingen, und ich möchte mich hier vorweg auch für Alle entschuldigen, denen ich hier womöglich zu Nahe trete. Aber ohne Stephen Hawking wäre die Aktion niemals so groß geworden. Nur ein Beispiel, unter Vielen: Lann sich noch jemand an eine Aktion für oder gegen Diabetes und einer damit einhergehenden, leider doch noch sehr oft (scheinbar) notwendigen Fuß-Amputation, ... erinnern? Dabei tritt Diabetes um viele Male häufiger auf als ALS. Achja... nein, es sollte nicht damit zu tun haben, dass man bei Diabetes die Schuld direkt und offen und nachweisbar dem Patienten selbst geben kann, im Gegensatz zu ALS, wo die "Lebensweise" des Patienten völlig irrelevant ist. Oder ist das der Punkt, der die "Beliebtheit" beider Leider substantiell unterscheidet? Hm...

  • Martin Weigert

    23.09.14 (18:04:41)

    Ich denke du hast recht - Promis waren die Zugpferde.

  • Lukas

    23.09.14 (19:38:03)

    Die Titel deiner Artikel sind echt super! Ziehen sicher viele Besucher an :) Die Ice Bucket Challenge wurde von vielen falsch verstanden... Aber das ist ja egal, weil es für einen guten Zweck war. Allerdings gibt es noch tausende andere Dinge, für die das Geld noch sinnvoller wäre.

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