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27.08.14Leser-Kommentare

Ice Bucket Challenge: Ich wurde nominiert, aber...

Die virale, sich selbst organisierende Spendenkampagne Ice Bucket Challenge hat die positive Kraft des Internets unterstrichen und viel Geld für den Kampf gegen eine bislang wenig beachtete Krankheit erschlossen. Doch die Aktion hat ihre Aufgabe erst einmal erfüllt. Wohltätig kann man auch ohne Eiswasser und Nominierungen sein.

Ice Bucket ChallengeMoritz Stückler von t3n hat mich gestern bei Facebook für die Ice Bucket Challenge nominiert. Ich halte das Mem, das sich in den vergangenen Wochen rund um den Globus verbreitet hat, für eine hochinteressante, begrüßenswerte Sache. Zum einen ist es durch die virale Aktion gelungen, Aufmerksamkeit für die bislang wenig bekannte Nervenkrankheit Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) zu schaffen und über 23 Millionen Dollar Spendengelder zu generieren. Zum anderen handelt es sich um ein bemerkenswertes Gesellschaftsexperiment, das aufzeigt, welche Kraft die globale Vernetzung mittlerweile erreicht hat. Dazu empfehle ich diese lesenswerte Analyse von Julius Endert.

Trotzdem werde ich an der Ice Bucket Challenge nicht partizipieren und auch niemand nominieren. Denn ich bin der Ansicht, dass die Aktion ihre Aufgabe erfüllt hat und mittlerweile vielen Menschen im Netz auf die Nerven geht. Spätestens dann sollte man aufhören. Zumal die positiven Effektie auf die Spendeneinnahmen im Kampf gegen ALS meiner Überzeugung nach noch eine Weile anhalten werden. Denn Bürger sowie Presse sind nun sensibilisiert, worauf die Non-Profit-Organisation ALS Association in ihrer Öffentlichkeits- und Forschungsarbeit aufbauen kann.

Es ist meiner Meinung nach wichtig, dass Menschen in Bezug auf eventuelles gemeinnütziges Engagement beziehungsweise Spendenaktivitäten frei wählen und nicht nur dann Geld geben, wenn ein erhöhter Druck in ihrem Umfeld sie regelrecht dazu zwingt; für Aktionen und Problemfelder, die gerade “in Mode” sind.

Deshalb will ich die an dieser Stelle eventuell noch vorhandene Aufmerksamkeit einzelner Leserinnen und Leser auf meine bevorzugte Art des Engagements für gute Zwecke lenken: Microfinance, also die Bereitstellung kleiner Kredite über spezifische Onlineplattformen für Menschen in Entwicklungs- und Schwellenländern, die damit Unternehmen aufbauen, Projekte verwirklichen und ihre eigene Lebenssituation sowie die ihres Umfelds verbessern.

Das hat zwar nicht direkt etwas mit dem Kampf gegen Krankheiten wie ALS zu tun, doch die Schaffung von persönlichem ökonomischen Wohlstand kann durchaus als effektive Schutzmaßnahme gegen viele Arten gesundheitlicher Schäden betrachtet werden.

Ich nutze zwei Plattformen, um gelegentliche Mikrokredite zu vergeben: Kiva und Zidisha. Beides sind nicht-gewinnorientierte Organisationen mit Sitz in den USA. Kiva, gegründet 2005, darf als Pionier im Micro-Finance Segment gelten. Zidisha ging dagegen erst Anfang 2014 ins Netz, als bisher zweites Non-Profit, das unter der Obhut des renommierten Startup-Accelerators Y Combinator entstand.

Im Grunde ähneln sich beide Angebote sehr. Dennoch gibt es einen entscheidenden Unterschied: Kiva arbeitet in den Ländern, in denen Personen für ihre Vorhaben um Mikrokredite werben dürfen, mit lokalen Hilfsorganisationen zusammen, die sich um die Verifizierung der Nutzer, das Erstellen der Online-Profile, das Administrative und die Entgegennahme der Zahlungen kümmern. Bei Zidisha hingegen gibt es keinerlei Mittler. Kleinunternehmer inserieren auf der Plattform direkt ihre Projekte und Geschäftsideen. Der Finanzierungsprozess hat den Charakter einer Crowdfundingkampage. Das Geld fließt anschließend direkt an die Geldnehmer, die dann sukzessive ihre Kredite in Raten zurückzahlen. Eine Nachrichtenfunktion erlaubt den direkten Austausch. Zidisha räumt Geldgebern auch die Möglichkeit ein, für ihre Mikrokredite Zinsen zu verlangen, bei Kiva gibt es diese Option nicht.

Auch wenn der Ansatz von Kiva und Zidisha nicht auf Spenden sondern (zinnsfreien bzw. günstigen Darlehen) basiert, so dürfte der Großteil derjenigen, die einmal Geld eingezahlt haben, dieses nach erfolgter Rückfluss immer wieder neu als Mikrokredit vergeben. So zumindest praktiziere ich dies. Das Schöne an beiden Services ist, dass man in Ruhe im Katalog von Unternehmern und ihren Geschäftsideen stöbern und dann individuell entscheiden kann, welche Projekte man für unterstützenswürdig hält.

Wer also im Zuge der Ice Bucket Challenge das Bedürfnis wohltätigen Handelns entwickelt hat, aber unsicher ist, wie dieses am besten umgesetzt werden soll, findet vielleicht in Kiva oder Zidisha eine attraktive Option.

Zidisha betreibt ein Empfehlungsprogramm, in dessen Rahmen der Werbende sowie der oder die Geworbene jeweils 25 Dollar Guthaben für die Vergabe weiterer Mikrokredite erhalten. Wer möchte, kann also meinen Empfehlungslink verwenden (es gibt dabei für mich keinen finanziellen Nutzen - das Geld stammt aus dem Topf von Zidishas Großspendern und fließt im Falle der Rückzahlung auch dorthin zurück). Kiva bietet ebenfalls ein Empfehlungssystem und stellte in der Vergangenheit 25 Dollar für neue Nutzer bereit. Davon ist aktuell auf der Einladungsseite aber nichts mehr zu lesen. Dennoch  ist hier der Vollständigkeit halber mein Link.

Kommentare

  • René Fischer

    27.08.14 (09:17:22)

    Danke für den Artikel. Es wird Zeit das dieses Mem beendet wird. Und Danke für deinen Hinweis auf Kiva.org an dieser Stelle. Ich bin dort schon seit Jahren aktiv und würde mir wünschen, das mehr Menschen solche Plattformen (und die davon partizipierenden Menschen) unterstützen würden.

  • Reader

    27.08.14 (10:46:26)

    Ein gleichwohl kritischer wie konstruktiver Artikel - sehr schön!

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