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17.02.14Leser-Kommentare

"House of Cards" Staffel 2: Netflix-Seriendebüt wird zum wegweisenden Massenereignis

Der Wirbel um den Start der zweiten Staffel der Netflix-Serie "House of Cards" war so groß, dass sogar ein Zusammenbruch des Internets befürchtet wurde. Wir werden gerade Zeuge eines radikalen Wandels der TV-Branche.

House of Cards

Früher haben sich die Leute wochenlang auf das Kinodebüt eines Blockbusters gefreut und sind alle am ersten Tag in die Filmhäuser gestürmt. Heute erhält dieses Phänomen keine große Beachtung mehr, selbst wenn das erste Wochenende für neue Streifen noch immer eine große Bedeutung hat. Die Aufmerksamkeit von Unterhaltungswilligen und Branchenmedien gilt aber heutzutage in erster Linie dem Start neuer Serienstaffeln. Ganz besonders dann, wenn Hollywood-Schreck Netflix eine seiner Exklusivproduktionen auf die Öffentlichkeit loslässt.

Genau das geschah am Freitagabend, als der Videostreamingdienst aus dem kalifornischen Los Gatos die zweite Staffel des mehrfach preisgekrönten Politikdramas House of Cards scharf schaltete. Seitdem stehen sämtliche 13 Folgen der Produktion für 44 Millionen Netflix-Abonnenten in 41 Ländern zum On-Demand-Abruf bereit, ideal für ausdauernde "Binge Viewer".

Tomorrow: @HouseOfCards. No spoilers, please.

— Barack Obama (@BarackObama) February 13, 2014

 

Twitter-Account von Barack Obamas letzter Präsidentschaftskampagne

Die Veröffentlichung der zweiten Serienstaffel avancierte zu einem regelrechten Medien- und Massenereignis. In den vergangenen sieben Tagen erwähnten mehr als 260.000 Tweets die Sendung (Quelle Topsy). Selbst der US-Präsident Barack Obama konnte es kaum erwarten (Korrektur: Dieser Account stammt von Obamas Präsidentschaftskampagne und wird derzeit von einer externen Organisation "befüllt"). Weil hartgesottene Serienfans beim HD-Streaming der gesamten zweiten Staffel von House of Cards bis zu 27 Gigabyte Datentraffic verursachen, kursierten im Vorfeld des Wochenendes Befürchtungen, dass Netflix' Serienhit gar das US-amerikanische Internet lahmlegen könnte.

Da ich mich momentan in den USA befinde, wartete ich gespannt auf das Eintreten eines "Netflix-Effekts". Doch sollte es abermals zu der in Nordamerika während der "Prime Time" nicht unüblichen Verringerung der durchschnittlichen Datenübertragungsgeschwindigkeit gekommen sein, so ließ sich diese nicht ohne entsprechende Messwerkzeuge wahrnehmen. Ich gab mich "erst" Samstagabend den ersten drei Folgen der zweiten Staffel hin und durfte mich über eine einwandfreie Bildqualität sowie ein ruckelfreies Streaming freuen. Was die gekonnte Skalierung zu Trafficspitzen angeht, kann kaum jemand den Netflix-Technikern das Wasser reichen. Und die Internetzugangsanbieter des Landes scheinen bereits darauf eingestellt zu sein, dass US-Amerikaner am Freitag- und Samstagabend in großer Zahl zu Netflix zappen.

Offizielle Zahlen seitens Netflix zu den "Einschaltquoten" von House of Cards gibt es keine. Gemäß Daten des Breitbandanalyse-Dienstes Procera haben aber 16 Prozent der Netflix-Abonnenten eines nicht näher spezifizierten US-Kabelinternetanbieters innerhalb der ersten acht Stunden zumindest die erste Folge angeschaut. Zur Premiere der erste Staffel lag dieser Wert bei gerade mal zwei Prozent. Auch die zweite und dritte Episode erhielt ähnlich viele Zugriffe.

Wer bislang noch daran zweifelte, dass das Ausnahmeunternehmen Netflix gerade in Eigenregie die TV- und Medienlandschaft umbaut, der dürfte spätestens jetzt überzeugt sein. Das House of Cards-Fieber wird sich in den Märkten, in denen Netflix präsent ist, in den nächsten Tagen und Wochen mit großer Wahrscheinlichkeit fortsetzen - bis alle Zuschauer den letzten Abschnitt hinter sich gebracht und verdaut haben. Doch die dritte Staffel ist schon in Planung, und viele weitere Exklusivproduktionen aus dem Hause Netflix (oder von Konkurrenten mit ähnlicher Risikobereitschaft) werden folgen.

Auf etablierte Medienkonzerne mit TV-Präsenz sowie die großen Filmstudios, die plötzlich mit Netflix um die Aufmerksamkeit der Zuschauer konkurrieren, kommt eine ereignisreiche Zukunft zu. Noch vor einigen Jahren erschien unvorstellbar, dass einmal ein kostenpflichtiger Onlinedienst eigenständig eine Serie produzieren lassen, deren sämtliche Folgen auf einen Schlag zugänglich machen und damit zum Gesprächsthema auf der ganzen Welt werden würde. Doch genau das ist nun geschehen. Es stellt sich die Frage, ob überhaupt noch jemand Netflix' Welteroberung aufhalten kann?!

Dem börsennotierten Unternehmen wird nachgesagt, noch 2014 den Eintritt in den deutschen Markt über die Bühne bringen zu wollen. /mw

Kommentare

  • Netz TV

    17.02.14 (08:51:09)

    Mmh. War es wirklich ein "Massen"ereignis oder doch nur ein Hype? So lange keine genauen Abrufzahlen bekannt sind ist das schwer einzuschätzen.

  • Jakob Carstens

    17.02.14 (10:31:17)

    "Es stellt sich die Frage, ob überhaupt noch jemand Netflix’ Welteroberung aufhalten kann?!" – Martin, was ist aus deiner sonst so kritischen Haltung geworden? Hat dir HoC den Kopf verdreht? ;) Bei allem Erfolg: HoC ist auch einfach eine gute Serie, effektvoll in den Medien inszeniert – und sowas wird immer viral. Ist die nächste Staffel aber (wie bei Homeland zB) ein Griff ins Klo, sind ganz schnell viele Abonnenten und Umsätze wieder weg. Die aktuelle Business Punk hat dazu einen interessanten Beitrag.

  • Martin Olk

    17.02.14 (10:50:20)

    Barack Obama hat nichts über House of Cards getwittert. Nicht mal seine Mitarbeiter waren das. http://www.thewire.com/politics/2014/02/basically-barackobama-parody-twitter-account/358099/

  • jmk

    17.02.14 (11:40:46)

    Nein, die Abonnenten werden Netflix nicht verlassen, selbst wenn die eigenproduzierten Serien floppen. Warum sollten sie auch, das Angebot ist auch ohne diese reichhaltig. “Es stellt sich die Frage, ob überhaupt noch jemand Netflix’ Welteroberung aufhalten kann?! Das ist ein Frage, keine Bewertung. Seit ich Netflix nutze, hat sich der Konsum von anderen Mediatheken drastisch reduziert, weil das Angebot einfach stimmt. Selbst bei einem höheren Preis würde das Modell noch funktionieren.

  • Martin Weigert

    17.02.14 (16:04:37)

    @ Jakob Ich bin gar nicht soo begeistert von HoC. Aber ich sehe tatsächlich einen enormen Aufstieg von Netflix kommen. Und dass die TV-Branche in Bewegung kommt, kann meines Erachtens nach nur gut sein. Vielleicht sind wir dann irgendwann auch die Unsitte der Synchronisierung los. @ Martin Oik Oh danke. Das ist ja äußerst eigenartig. Habe im Text einen entsprechenden Hinweis eingefügt.

  • Jens Best

    17.02.14 (16:38:04)

    @Jakob Carstens Was schreibt "Business Punk" denn? Das Abo-Geschäftsmodell hat sicherlich andere Risiken als das Werbemodell der Cables, aber das Abo-Modell zeigt sich ja durchaus als resident gegen jede "Der Hype ist zuende"-Meldung von selbsterkorener "Fach"-Presse. HBO und auch Netflix zeigen wie man nachhaltig einen Markt entwickelt und bedient. PS: Persönlich ein wenig enttäuscht von HoC Season 2, kaum Characterentwicklung und viele Plots langweilig zuende geritten. Eine Durchhänger-Season, die nun in der 3. Staffel mit Underwood in seiner neuen Rolle zeigen muss, dass es sich gelohnt hat.

  • Martin Weigert

    17.02.14 (17:17:07)

    Spoiler!!!

  • Jens best

    17.02.14 (17:21:19)

    Da ist kein Spoiler. nicht wirklich. :)

  • Thomas Matterne

    17.02.14 (20:34:04)

    Ich bin ja immer noch am Grübeln, warum dieses, sagen wir mal handwerklich ordentlich gemachtes Remake eines ur-alten BBC-Dreiteilers so einen Erfolg hat. Vielleicht liegt es tatsächlich mehr am Hype, als an der Qualität.

  • Netz-TV

    17.02.14 (21:29:26)

    Was die Welteroberung anbetrifft: Da sind schon noch ein paar. :-) Amazon, Microsoft, Sony, Murdoch, Google, Comcast, Universal.... und noch ein paar dutzend mehr. Darunter viele, die im Gegensatz zu Netflix ( hoch verschuldet ) über Batterien von Geldspeichern verfügen. Netflix ist jung und innovativ und kommt wohl auch nach Deutschland. Wie sie allerdings hier Geld verdienen wollen sehe ich noch nicht: http://netz-tv.blogspot.de/2014/02/netflix-kommt-auch-wenn-streaming-tv.html

  • Tim Augustin

    18.02.14 (09:51:22)

    Bei all dem Hype sollten wir nicht vergessen, dass es sich bei House of Cards lediglich um einen produzierten Inhalt handelt. Gut, aber daraufhin gleich eine ganze Revolution auszurufen - ich weiß nicht. Da sind die Argumente vom Artikel heute schon griffiger :-) Zum Nachdenken: - HBO produziert Game of Thrones, ebenfalls hoch gelobt und heiß erwartet. Und hat für die Ausstrahlung eine Infrastruktur, bei der niemand bangen muss, dass das Netz zusammenbricht. Breitbandausbau wird hierzulande groß in den Mund genommen. Von meiner Internetgeschwindigkeit in München können Bekannte, die nicht in einer Großstadt wohnen, aber nur träumen. - Staffel 1+2 von HoC wurden gemeinsam bestellt. Staffel 3 (und folgende) kommen sehr wahrscheinlich. Und hier greifen altbekannte Mechanismen - es wird teurer, die Gagen steigen. Um mit dem Content-Hunger der Massen mithalten zu können, muss produziert werden, sehr viel produziert werden.

  • bartman43

    18.02.14 (15:18:02)

    @Netz-TV Zustimmung! Zumal deren Zugpferd HoC hier auf absehbare Zeit exclusiv durch Sky Deutschland geblockt ist (wie Sky-Chef Sullivan kürzlich gegenüber der SZ betonte).

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