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25.10.10Leser-Kommentare

Hotelsnapper: Der Gast bestimmt den Preis

Das Prinzip von Onlinemarktplätzen, bei denen Kunden den Preis vorgeben, lässt sich auch auf Hotels übertragen: Bei Hotelsnapper geht der Zuschlag an das Hotel, das zuerst die Konditionen des Kunden akzeptiert. Ein Konzept mit viel Potenzial.

 

Onlinemarktplätze gibt es wie Sand am Meer, und schon lange nicht mehr nur für Produkte, sondern auch für alle möglichen Arten von Dienstleistungen. Bei Handwerkerportalen wie MyHammer und blauarbeit.de beispielsweise treffen Personen, die Bedarf an einer handwerklichen Arbeit haben, auf Handwerker, welche die jeweilige Tätigkeit zum vom Auftragnehmer vorgeschlagenen Preis erledigen wollen.

Hotelsnapper heißt ein neuer Dienst aus München, der dieses Prinzip auf die Onlinebuchung von Hotels überträgt und somit einer mutmaßlich sehr viel breiteren Nutzergruppe zugänglich macht (fast jeder Mensch bucht mindestens einmal im Jahr ein Hotelzimmer). Markus hat Hotelsnapper vor einigen Wochen bereits in unserer Rubrik Samstag App Fieber unter die Lupe genommen, aber ich möchte den Service noch einmal etwas ausführlicher vorstellen - sofern er von Nutzern und Hotels gleichermaßen akzeptiert wird, könnte er die Branche nämlich ordentlich durcheinanderwirbeln.

Bei Hotelsnapper wählen User den Ort des geplanten Aufenthalts inklusive maximaler Entfernung, die Anzahl der Zimmer bzw. Personen, den gewünschten Hotelstandard (in Sternen) sowie ihr An- und Abreisedatum. Anschließend liefert ihnen Hotelsnapper eine Übersicht über die Zahl der Partnerhotels am jeweiligen Ort, über die verfügbare Preisspanne sowie über die Wahrscheinlichkeit, für den ebenfalls zu diesem Zeitpunkt anzugebenden Preiswunsch ein Zimmer zu bekommen.

Nachdem man seine Wahl getroffen und sich für den Betrag entschieden hat, zu dem man bereit ist, in einer der angeschlossenen Unterkünfte zu nächtigen, hinterlegt man seine Buchungsdaten und schickt die Anfrage als verbindliche Buchung ab. Das erste Hotel, das zu dem vorgeschlagenen Preis ein Zimmer bereitstellen will, bekommt den Zuschlag. Rund 24 Stunden soll es laut Hotelsnapper maximal dauern, bis man eine Antwort hat. Hotels können auch ein Gegenangebot machen, wenn ihnen der vom Gast geforderte Preis nicht zusagt.

Um das Nichterscheinen von Gästen zu verhindern, erfordert Hotelsnapper die Angabe einer Kreditkarte. Diese wird jedoch nur belastet, wenn ein Gast nicht zum besagten Zeitpunkt im Hotel auftaucht und sein Zimmer vor Ort bezahlt.

Der Deal ist offensichtlich: Wer Hotelsnappers "Verhandlungs"-Funktion verwendet, kann ordentlich Geld sparen, muss sich aber damit abfinden, nicht die vollständige Kontrolle über die Wahl des Hotels zu haben - denn das erste Hotel, das zu den angegebenen Kriterien passt und den gewünschten Preis akzeptiert, wird unweigerlich zur eigenen Unterkunft.

Um sicherzustellen, dass Nutzer auf diesem Weg nicht (unfreiwillige) Gäste in heruntergekommenen Absteigen werden, arbeitet das Startup laut eigener Aussage nur mit Hotels zusammen, die Spitzenbewertungen erhalten.

deutsche-startups.de berichtete vor einigen Tagen ebenfalls über Hotelsnapper. In den Kommentaren wurde der US-Dienst Priceline erwähnt, der ein ähnliches Prinzip verfolgt. Schnell fiel der Copycat-Begriff. Ein Blick auf die beiden optisch nicht vergleichbaren Sites zeigt jedoch, dass Priceline eher ein allgemeines Reise- und Buchungsportal mit einer Hotelsnapper-artigen "Verhandlungs"-Option ist, während bei Hotelsnapper diese das Kernelement darstellt. Funktionelle Überschneidungen allein reichen meines Erachtens nicht dafür aus, um sich den Copycat-Stempel aufdrücken lassen zu müssen. Dann wären 99,9 Prozent aller Websites Copycats und der Begriff damit bedeutungslos.

Sofern Hotelsnapper sein Versprechen von "Qualitätshotels" einhalten kann, dürfte eine mit der Bekanntheit steigende Nachfrage auf Userseite programmiert sein. Dann hängt die Zukunft des Münchner Startups davon ab, ob sich überall in Deutschland genug Hotels finden, die bereit sind, Zimmer unter ihren offiziellen "Listenpreisen" anzubieten, um so die Auslastung zu erhöhen.

Link: Hotelsnapper

Kommentare

  • Jan

    25.10.10 (17:38:01)

    Cooles Angebot. Das werde ich sicher demnächst mal ausprobieren. Auf den ersten Blick macht es nicht nur von der Usability und der Transparenz her eeinen super Eindruck.

  • Arno.Nyhm

    26.10.10 (16:10:05)

    ich werde es nicht ausprobieren, da es für mich folgende problemzonen hat: 1) ortsauswahl ich kann keine stadteile auswählen, sondern nur einen punkt + umkreis. in hamburg wird das lustig, wenn ich den fischmarkt wähle und dann plötzlich auf dem anderen ufer auf südlichen hälfte von hamburg lande. mit öffentlichen nahverkehr nicht sinnvoll besser ich könnte einzelne für mich angenehme hotspots setzen zu können: altona, ottensen, st. pauli, st. georg und dann die hotels in diesen bereichen suchen zu lassen. 2) Verbindliche Buchung leider kann ich nach dem zuschlag des hotels nicht mehr auswählen, sondern muss dieses hotel annehmen. wenn ich nun also ein hotel erwische, was innerhalb des radius zwar liegt, aber verkehrstechnisch völlig abwegig bin ich gezwungen! dieses hotel zu nehemn. völlig unpraktikabel. besser: nach eingang der ersten oder zweiten hotelangebote sollte sich noch für eins der eingegangenen angebote entscheiden können. 3) vorgegebener mindestpreis leider wird ein mindestpreis vorgegeben der auch nicht besonders billiger ist als andere günstige hotelalternativen (appartment / pensionen)

  • Peter Trauer

    12.01.11 (09:18:15)

    Hallo aus Kassel, @Jan. tja lieber Jan da hat Arno.Nyhm aber mal komplett recht. Wer bitte ist so doof und bucht etwas was er nicht sehen kann und dann auch noch in einer Region die er nicht wirklich bestimmen kann? Das hat auch schon in den USA nicht funktioniert und dort kann man nun wirklich alles verkaufen. Nun bin ich kein Mallorca Urlauber aber beim Googlen nach Hotel Snaper bin ich auf www.dealmyhotel.com gestoßen. Das finde ich schon mal besser, dort kannste die Hotels vorher sehen und eigentlich ist es dort wie bei einer ganz normalen Buchungsseite, nur das dort eben der Preis anscheinend individuell verhandelt wird. Sieht gut aus und mein Test hat tatsächlich günstigere Preise ergeben. Wie gesagt ich bin kein Mallorca-Fan aber das Prinzip von denen gefällt mir. Die haben zwar auch schon Hotels ausserhalb Mallorcas aber eben nur ein Paar. Kleiner Tipp: bei City Deal kann man in der Vorschau sehen das es dort bald ein Angebot von Dealmyhotel.com geben wird. Bin gespannt was da kommt.

  • JAn

    25.03.11 (11:21:05)

    Hallo Peter, wow, das Konzept sieht echt cool aus. Aber da sind echt verdammt wenig Hotels drin. Lg

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