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08.10.14

Highspeed WLAN statt Pay TV: Hotels sollten um die Airbnb-Generation kämpfen

Damit Hotels nicht immer mehr junge, technologieaffine Reisende als Kunden an Unterkunfts-Plattformen wie Airbnb verlieren, sollten sie ihre Angebote attraktiver für Gäste machen, die Konnektivität und eine gute Umgebung zum kombinierten Arbeiten und Entspannen mehr schätzen als Pay-TV, Pagen und Fünf-Gänge-Menüs.

HotelIch liebe Hotels. Im Gegensatz zu den meisten Menschen, denen ich in meinem beruflichen und privaten Alltag begegne, zieht mich wenig in über Airbnb und ähnliche Plattformen vermittelte Unterkünfte. Ich schätze einfach zu sehr das saubere, (idealerweise) elegante Ambiente eines netten Boutique-Hotels, und bin in den vergangenen Monaten und Jahren auch zu dem Schluss gekommen, dass sich mit etwas Geduld, Recherche-Erfahrung und Wissen über Preisdynamiken und Buchungsmechanismen oft komfortable, moderne Hotelzimmer buchen lassen, deren Raten locker mit Airbnb & Co mithalten können.

Doch trotz meiner eindeutigen Präferenz blicken viele Hoteliers misstrauisch auf den Trend zur Miete von Privat- und Ferienwohnungen anstatt von standardisierten, oft unpersönlichen Hotelzimmern. Kein Wunder, sind es doch besonders junge, solvente Innenstadt-Bewohner und ortsunabhängig arbeitende Freelancer und Professionals, die vermehrt über eine Onlineplattform vermittelte, mit viel Flair behaftete Ferien-/Privat-Wohnungen einem Hotel verziehen. 

Selbst wenn der Wirtschaftszweig nicht unmittelbar bedroht ist und angesichts einer generell zunehmenden Reiselust auch dann Zuwächse erzielen könnte, wenn ein Teil der Zielgruppe auf P2P-Bettenplattformen ausweicht, sollten die etablierten Akteure mit einer Optimierung ihrer Angebote die Wettbewerbsfähigkeit aufrecht erhalten. Speziell was die Attraktivität des Hotelgewerbs für die wachsende Gruppe der “Information Worker” mit ihren speziellen Infrastruktur-, Logistik und Milieu-Bedürfnissen angeht, sehe ich persönlich basierend auf meinen Erfahrungen der letzte Zeit erheblichen Verbesserungsbedarf, aber auch deutliches Potenzial. Denn dieser Typus Gast zeichnet sich oft durch erhebliche Reisebudgets aus; Resultat aus einem Lebensstil, bei dem Erlebnisse höhere Priorität erhalten als materieller Besitz.

Ich weiß nicht, ob ich mit meinen Ansprüche repräsentativ für den Typ des “Always-on”-Reisenden bin, der während Trips hohe Ansprüche an Connectivity- und Produktivitätsaspekte hat. Ich vermute aber, dass die folgenden Prioritäten, die ich für mich setze und als Bemessungsgrundlage der Hotelqualität heranziehe, von manch anderen Leserinnen und Lesern nachvollzogen werden können:

WLAN

Der offensichtlich wichtigste Punkt überhaupt. Die Palette reicht von Hotels ganz ohne WLAN und Internet (zum Glück immer seltener) über Hotels mit kostenpflichtigem WLAN (zum Beispiel Marriott, das zumindest in einer Anlage in den USA gar fremde WLANs blockierte, um mehr mit dem WLAN-Zugang zu verdienen) bis zu Hotels, bei denen WLAN inklusive ist. Aus Prinzip und aus Gründen der Einfachheit bei der Bedienung buche ich, zumindest für Aufenthalte während der Arbeitszeit, ausschließlich Hotels mit kostenfreiem WLAN.

In dieser Kategorie wiederum gibt es ein sehr unterschiedliches Leistungsspektrum: Ungesichertes WLAN ohne Zugangscode, ungesichertes WLAN mit Zugangscode, gesichertes WLAN (mit Universal-Zugang und -Passwort für alle Gäste), individuell gesichertes WLAN (mit persönlichem Zugang und Passwort). Manche Hotels erlauben nur eine verbundene Einheit pro WLAN-Session, die meisten haben glücklicherweise keine Limitierung. Für mich ist am Wichtigsten, mich mit multiplen Geräten gleichzeitig einloggen zu können und möglichst nicht alle 30 Minuten aufs Neue Logindaten eingeben zu müssen. Kaum erwähnen brauche ich wohl, dass Stabilität und Surfgeschwindigkeit ebenfalls sehr wichtige Kriterien darstellen.

Kurzum: Der digitale Reisende in mir nutzt multiple Geräte und ist am ehesten durch einen unkompliziert nutzbaren, schnellen und stabilen WLAN-Anschluss zu begeistern, für den ich nicht separat bezahlen muss.

Anschlüsse

Apropos Anschlüsse: Bei einigen Hotels gibt es zwar einen Schreibtisch (was natürlich für ernsthafte Arbeiten ziemlich wichtig ist), aber es mangelt an strategisch gut positionierten Steckdosen. Manche Unterkünfte, in denen ich in der Vergangenheit logierte, platzierten dagegen eine Art Universal-Anschlussbox auf dem Schreibtisch, die verschiedene Steckdosen (idealerweise kompatibel auch mit ausländischen Steckern) sowie USB-Anschlüsse parat hielt. Eine Kleinigkeit, die bei mir aber für große Freude sorgte. Gibt es dann auch noch einen Ethernet-Anschluss für Kabel-Internet als Alternative zum WLAN, ist dies das I-Tüpfelchen.

Arbeitsplätze

Viele Hotels weisen in ihrer Leistungsbeschreibung ja gerne auf das ominöse “Business Center” hin. Was vollmundig klingt, entpuppt sich dann gerne als kleiner muffiger Raum, in dem ein Drucker und zwei Rechner mit Windows XP und Internet Explorer 6 als voreingestelltem Browser rumstehen. Wirklich arbeiten möchte man dort nicht, zumal unklar bleibt, ob dies überhaupt gewünscht wäre.

Ein Boutique Hotel aber (um die geht es an dieser Stelle in Abgrenzung zu meist teuren Fullservice-Luxushotels), welches sich an moderne berufstätige Reisende und digitale Nomaden richtet, täte gut darin, anstelle oder zusätzlich zum “Business Center” einen luftigen, hellen Raum bereitzustellen, der mit Tischen, bequemen Stühlen und schnellem WLAN ausgestattet ist; eine Art Coworking-Space sozusagen. Direkt angrenzende, kleine abgetrennte Zimmer für Konferenzen oder Skype-Gespräche fänden sicher ebenfalls Anhänger.

Die beschriebene Aufgabe könnte freilich auch ein direkt zum Hotel gehörendes Café übernehmen, welches die erläuterten Rahmenbedingungen erfüllt. Allerdings haben Cafés den Nachteil, dass man leicht das Gefühl bekommt, regelmäßig etwas kaufen zu müssen. Es läge an der Konzeption und Planung, hier eine Mischung zu finden und Atmosphäre zu schaffen, bei der die Vorteile eines Cafés (Verpflegung) mit denen eines Arbeitsbereichs (kein Kaufzwang, keine Störungen) kombiniert werden.

Direkter Feedback-Kanal

Als jemand, der leidenschaftlich Bewertungen schreibt und Verbesserungsvorschläge gibt, fehlt mir in den meisten Hotels ein zeitgemäßer "Rückkanal" (bislang habe ich leider noch nirgends genächtigt, wo SuitePad zum Einsatz kommt). Natürlich kann ich nach einem erfolgten Aufenthalt Kritikpunkte und Ideen bei einem Hotelbewertungsportal hinterlassen. Oder ich begebe mich zur Rezeption und äußere dort meine Wünsche und Gedanken. Sofern es sich allerdings nicht um spezifische Service-Erledigungen oder akuten Problemlösungsbedarf ("Wifi geht nicht") handelt, besteht die große Gefahr, dass mein Feedback niemals bei denjenigen ankommt, die die Entscheidungen treffen. Ein Hotel, dass an der Zufriedenheit seiner Gäste interessiert ist und gleichzeitig öffentliche negative Bewertungen vermeiden möchte, würde Gästen einen direkten Weg anbieten, um im Laufe des Aufenthalts in digitaler Form Kommentare und Kritikpunkte an das Management zu übermitteln. Dies könnte sowohl über ein im Raum befindliches Tablet erfolgen als auch - kostengünstiger - über eine spezifische URL, auf die der Gast während des Check-Ins hingewiesen wird.

Convenience, aber zeitgemäß

Wenn ich unterwegs bin, versuche ich, neben meiner Arbeitszeit noch ein paar Stündchen mit dem Erkunden der Umgebung zu verbringen. Deshalb ist es mir ein Anliegen, so wenig Zeit wie möglich für die Durchführung alltäglicher Routine-Prozeduren wie etwa der Beschaffung von Verpflegung (tagsüber) aufwenden zu müssen. Gleichzeitig möchte ich mein Budget jedoch nicht unnötig ausdehnen, weshalb kostspieliger Zimmerservice meist keine Option darstellt. Ein in der Lobby oder in einem zum Hotel gehörenden Café angebotenes Sortiment an Snacks und vorgekochten, gesunden Gerichten, die nur noch warmgemacht werden müssen, würde hier eine gute Option darstellen, um während der Arbeit einen knurrenden Magen zu verhindern, ohne sich unter Zeitdruck auf den Weg der Nahrungssuche machen zu müssen. Wenn die Bezahlung dann noch bequem über die Hotelrechnung abliefe - ich würde intensiv von einem solchen Angebot Gebrauch machen.

Welche Vorschläge und Wünsche hättet ihr an Hotels, die sich an die digitale Ära und ihre veränderten Konsumentenansprüche anpassen möchten?

Foto: A young and handsome man using a laptop computer in a asian styled hotel room, Shutterstock

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