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25.06.09Leser-Kommentare

Hier und Jetzt: Das flüssige Echtzeitweb

Eine Übersicht über das im Entstehen begriffene Echtzeitweb.

(Foto: iStockphoto.com)Das aktuell vor unseren Augen entstehende Echtzeitweb ist der Endpunkt einer Reise, die mit der Erfindung der Druckpresse ihren Anfang nahm.

Seit den Druckpressen wurde die Geschwindigkeit der Verbreitung von Informationen mittels technischer Errungenschaften stets verbilligt, beschleunigt und effizienter gemacht. Das Echtzeitweb stellt das Ziel dieser Reise dar: Im Idealfall wird unmittelbar nachdem Person X etwas veröffentlicht diese Veröffentlichung für die Empfänger sichtbar. Und das möglichst unabhängig davon, ob für Veröffentlichung und Empfang der gleiche Dienst oder verschiedene Dienste verwendet werden. Es gibt (im Idealfall) keine zeitliche Verzögerung mehr zwischen Veröffentlichung und Konsummöglichkeit.

Beeindruckend wird das im losen Verbund von eigenständigen Diensten. Ein Beispiel: Disqus ist ein Kommentarsystem für Websites, welches zentral vom Anbieter verwaltet wird. Wenn ich jetzt auf einem Blog mit Disqus-Kommentaren einen Kommentar hinterlasse, wird mein Kommentar als registrierter Disqus-Nutzer in der Regel innerhalb von weniger als 5 Sekunden auf dem Echtzeitweb-Aggregator FriendFeed repostet. Dieses im Hintergrund vom Simple Update Protocol angetriebene, beeindruckende Verhalten erlaubt ein Entstehen von distribuierten Diskussionen und einer Informationsverteilung ohne technische zeitliche Barrieren.

Der Vorteil gegenüber einem zeitlich versetzten Posting von, sagen wir, 15 bis 30 Minuten liegt nicht in der Befriedigung eines vielleicht oberflächlich vermuteten Geschwindigkeitsfetischismus. Vielmehr können so Freunde, die dem Disqus-Nutzer auf FriendFeed (oder einem vergleichbaren Dienst) folgen, sich sofort und direkt an der Diskussion beteiligen, wenn sie das möchten. Im Szenario mit Technik, die mit weniger Zeitnähe arbeitet, sind unter Umständen bereits die nächsten 5 Kommentare schon gepostet und die Diskussion beendet bevor die Freunde von den Kommentaraktivitäten erfahren. Auf Webserviceanbieter-Seite ist die Geschwindigkeit natürlich außerdem ein Wettbewerbsvorteil.

Wohlgemerkt: Das ist ein erstes, sehr einfaches und je nach Sichtweise banales Beispiel für die Möglichkeiten des Echtzeitwebs. Mehr Beispiele folgen weiter unten im Text.

Welche Auswirkungen das Echtzeitweb auf die Gesellschaft haben wird, ist noch unklar. Erste Effekte kann man aktuell zum Beispiel in Iran beobachten. Twitter ermöglicht da eine weltweite Konversation, wie sie vorher in dieser Art nicht möglich war.

Informationoverload? Nein.

Natürlich kann man sich auch bereits die ersten Kulturpessimisten vorstellen, die die Geschwindigkeitssteigerung mit einer Informationszunahme und einem noch einmal gesteigerten Informationoverload gleichsetzen. Das ist natürlich Unsinn.

Wie Clay Shirky immer ausführt, gibt es im Web keinen neuen Informationoverload (den haben wir nämlich, seit es mehr menschliches Wissen gibt als ein Einzelner in seinem Leben erlernen kann) sondern 'nur' ein Versagen der Filter, wenn man vom Überfluss der Informationen überwältigt ist.

Das gilt auch im Echtzeitweb. Außerdem: Niemand sagt, dass man den ganzen Tag vor dem Monitor verbringen muss, um am Echtzeitweb teilzuhaben (Eine Annahme, die oft für Social Media insgesamt fälschlicherweise gemacht wird.). Wie immer geht es lediglich darum, hineinzuspringen, wenn die Zeit es erlaubt oder erfordert. Mehr dazu im nächsten Abschnitt.

Bombe!

Vor einigen Wochen wurde keine zwei Kilometer von meiner Wohnung entfernt eine Fliegerbombe aus dem zweiten Weltkrieg in dem Fluß, der durch meine aktuelle Heimatstadt führt, gefunden. Weil ich nebenbei Twitter geöffnet hatte, erfuhr ich zuerst darüber durch eine Kurzmitteilung auf Twitter von einem Freund. Weil ich Ausschlag bekomme, wenn ich regionale Radiosender anhöre, habe ich als nächstes eine Twittersuche zu dem Thema angelegt. Fortan wurde ich sofort durch andere Twitter-Nutzer aus meiner Stadt und, wenn vorhanden, den Accounts der hiesigen Medien über den Fortgang der Geschichte auf dem Laufenden gehalten.

Das zeigt mehrerlei auf:

     

  1. Man kann von Dingen erfahren, von denen man gar nicht wusste, dass man darüber Bescheid wissen wollte. Das Echtzeitweb übernimmt die Breaking-News-Abteilung der Medien.

  2. Das Echtzeitweb ist umso nützlicher, wenn Informationen über etwas verteilt werden, was einen selbst betrifft. Es ist relativ irrelevant, wenn man 45 Minuten vor CNN oder N-TV über ein Erdbeben in Indien erfährt, während man selbst in Berlin oder San Francisco lebt. Wenn man sich aber im Epizentrum dessen befindet, sind sofort verfügbare Informationen von den verschiedensten Quellen äußerst nützlich. Mehr noch: der Unterschied der Zeitspanne, ob man innerhalb von einer Minute oder einer halben Stunde Information XY erhält, ist so groß wie zwischen Tag und Nacht .

Es geht natürlich auch kleiner: Wenn Thunderbird, mein Email-Client, wieder einmal Emails nicht ordungsgemäß abrufen oder senden kann, gehe ich zur Twitter-Suche und gebe "Gmail" ein (die Mehrzahl meiner Emails läuft über Gmail). Sofort erfahre ich, ob das Problem bei Gmail oder auf meiner Seite liegt.

Ausgesucht

Bei all den drei Beispielen - der Bombe, dem Erdbeben, dem Email-Versagen - zeigt sich, warum Google und die anderen klassischen Volltextsuchmaschinen das Echtzeitweb nicht sinnvoll indizieren können ohne die Hilfe der Echtzeitwebdienste wie Twitter oder FriendFeed, auf welchen die Daten eingetragen werden, in Anspruch zu nehmen: Um die Suche über die Echtzeit-Einträge für den Echtzeit-Einsatz sinnvoll zu machen, müssten Google & co. praktisch im Sekundentakt die Dienste indizieren: Das geht natürlich nicht.

Deshalb können Twitter, FriendFeed und Verwandte dem eingefahrenen Suchmarkt einen vorher nicht vorhandenen Teil des Kuchens abzwacken. Denn solang sie ihre Daten nicht direkt an die Suchmaschinen weiterleiten, können diese nicht die notwendige Geschwindigkeit der Indizierung anbieten.

Das primäre Problem der Twitter-Suche ist allerdings, dass sie nicht skaliert. Je mehr User auf Twitter Einträge posten, Hashtags verwenden und über Bots automatisch Inhalte einspeisen, desto größer wird das Rauschen - und das Spamproblem. Das Problem: Der Twitter-Suche fehlt die Metaebene zur Gewichtung (für Google etwa ist das Verlinkungsmuster im Web die Metaebene).

Das ist aber kein Problem des Echtzeitwebs an sich. Die FriendFeed-Suche etwa kann mit Metadaten arbeiten ("Likes" und Kommentare zu Einträgen im Stream) und damit je nach Themenfeld weitaus bessere Ergebnisse abliefern. Interessanterweise funktioniert eine Gewichtung auf Metadatenbasis natürlich umso besser, je älter das jeweilige Item bereits ist. Das ideale Alter einer simplen Information im Echtzeitweb liegt also irgendwo zwischen der Zeit des ersten Hinzufügens von Metainformationen von Dritten (sprich anderen Usern) und dem Veraltern der Information selbst.

Streams: Alles im Fluss

Eine Darstellung hat sich im Echtzeitweb etabliert, die man nun immer öfter antrifft: Der Stream - im Fluss dargestellte Aktivitäten.

Einträge werden vertikal und umgekehrt chronologisch abgebildet - also neue Einträge oben -. Man kennt das bereits unter anderem von Blogs und Feedreadern. Die streng an die Zeitlichkeit der Einträge orientierte Darstellungsweise ist sinnvoll: Man sieht sofort, wenn es etwas neues gibt. Es gibt keine effizientere Darstellungsweise.

Außerdem fehlen für eine andere Darstellung oft die Metadaten: Nach welchem Kriterium sollen die Beiträge auch sonst dargestellt werden als nach ihrem Veröffentlichungszeitpunkt?

Ein Abweichen ist erst mit Metadaten möglich. Auch hier wieder zeigt FriendFeed, wie so oft im Echtzeitweb, den Weg: Sobald Metadaten verfügbar sind, wird die chronologische Darstellungsweise aufgebrochen. Vereinfacht: Wenn ein Item einen neuen Kommentar oder eine positive Bewertung erhält, rutscht dieses Item wieder an die Spitze. Die Annahme: Je wichtiger ein Item, desto mehr Bewertungen und Kommentare wird es erhalten. Da es dadurch immer wieder nach oben poppt, wird die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass der User dieses wichtige Item auch vorfindet. (Gleichzeitig wird so sichergestellt, dass Diskussionen nicht untergehen.)

Neben den Kommentaren haben sich als Metadaten Einklick-Bewertungen etabliert: Bei Twitter gibt es sogenannte Favorites, bei Facebook und FriendFeed Likes. Tumblr und Hypemachine setzen ein Herz als Symbol ein. Allen gemeinsam ist, dass sie nur eine positive Bewertung kennen und ein negatives Äquivalent (wie das "Bury" bei Digg etwa) nicht existiert.

FriendFeed ist bis dato der einzige Dienst, der die Metadaten direkt einsetzt. In der Regel kommen sie über Aggregation bei Drittanbietern zum Einsatz: Das vorzügliche favrd zum Beispiel aggregiert die favorisierten Tweets von Twitter-Nutzern, die sich dazu entschieden haben. Andere Dienste wie Friendfeedlinks oder Tweetmeme aggregieren die Anzahl der Links im System.

Am Verschlafen

Auffällig bei all diesen neuen Entwicklungen ist, dass es kein uns bekanntes Startup aus dem deutschsprachigen Raum gibt, welches im Echtzeitweb aktiv ist.

Die *VZ-Netzwerkfamilie kennt sogar noch nicht einmal Newsfeeds, also die effiziente Darstellung von Aktivitäten. Deren Implementation wäre aber eine Grundvoraussetzung, um hier mitmischen zu wollen. Hier findet also wieder eine Entwicklung statt, die wohl erst Jahre nach der Etablierung in den USA ihren zögerlichen Weg in unsere Gefilde finden wird. Aber diese Situation kennen wir ja bereits.

Lesenswerte Artikel anderenorts, in denen ähnliche Entwicklungen betrachtet werden:

Kommentare

  • Christian

    25.06.09 (23:34:09)

    Moment mal, hat *vz nicht kürzlich den Buschfunk installiert? Das ist doch praktisch eine "angepasste" Twitter Version für den eigenen Freundeskreis.

  • René Fischer

    26.06.09 (01:45:53)

    Mit lifestream.fm gibt es zumindest eine CopyCat aus Deutschland.

  • Jack

    26.06.09 (01:52:20)

    Gerade kann man das Echtzeitweb auch erleben: Michael Jackson (#jackson) ist tot und das Internet weiß es nahezu sofort. Auch bei Wikipedia ist Jackson son tot.

  • Patrick Stähler

    26.06.09 (07:51:56)

    Das Spannende am Web ist nicht Twitter, sondern Echtzeitinformationen auch von Dingen oder Sachen. Wenn wir in Echtzeit wüssten, wo wie viel Verkehr ist, könnten wir ihn besser steuern. Wenn wir wüssten, welche Stromverbraucher genau in dieser Sekunden Strom ziehen und es eigentlich gar nicht bräuchten z.B. Tiefkühltruhe, dann könnten wir das Lastmanagement des Stromnetzes auch auf die Nachfrageseite ausdehnen und damit ohne Komforteinbusse viel Energie sparen. Google macht dies vor mit seinen volkswirtschaftlichen Indices. Google bekommt über seine Suchanfragen schneller mit, ob Menschen einen neuen Job suchen als jede Arbeitslosenstatistik, die immer im nachhinein, wenn die Menschen schon entlassen wurden, feststellen, dass jetzt eine höhere Arbeitslosigkeit herrscht. Jobbörsen bekommen vor den statistischen Ämtern mit, wenn die Konjunktur anzieht. Beide Beispiele sind nicht Echtzeit, aber von Monaten Verzögerung verkürzt sich die Zeit auf Wochen oder Tage. Auch das hat schon grosse Auswirkungen.

  • Enk

    26.06.09 (10:36:41)

    Mal ein weiteres triviales Beispiel für die Nutzung des Echtzeit-Netzes: http://mentalsavage.blogsome.com/2009/06/15/wozu-twitter-wirklich-gut-ist/

  • a.

    26.06.09 (13:35:03)

    Die Diskussion um den information overload ist aus kulturgeschichtlicher Perspektive total interessant -- als die Bücher und überhaupt gedruckte Medien aufgrund der beweglichen Lettern und auch wegen der Copyrights Acts (und den entstehenden -vorübergehenden- Freiheiten) billiger wurden und damit auch vielzähliger, gab es plötzlich eine Flut an Literatur, die sich einzig mit dem Bewältigen der Informationsflut beschäftigte. Natürlich gab es ebenso Scharen von Skeptikern, die die beweglichen Lettern und die Bücherflut verfluchten.

  • Marcel Weiss

    26.06.09 (14:26:47)

    @Christian: Stimmt, der Buschfunk. Den hatte ich vergessen. Wobei es sich da um ein System handelt, dass weder Einträge rein- noch herauslässt, keine Möglichkeit gibt, Einträge von anderen Stellen als der Site zu posten und man nur über neue Einträge über Reload der Site erfahren kann. Man kann das als einen Anfang sehen. Aber nennenswert ist es meiner Meinung nach nicht wirklich (ich würde es für eine Neuerung in 2009 auch vor allem als peinlich bezeichnen). @Rene Fischer: Stimmt, lifestream.fm wurde von den Mr-Wong-Machern gekauft. @Jack: Ja, das konnte man letzte Nacht wieder gut beobachten. @Patrick Stähler: "Wenn wir in Echtzeit wüssten, wo wie viel Verkehr ist, könnten wir ihn besser steuern." Interdependenzen? :) @a.: Interessant. Das überrascht nicht, wenn man heutige Reaktionen betrachtet. :)

  • Christian

    26.06.09 (14:56:31)

    Der Buschfunk wird in meinem Bekanntenkreis bei *vz erstaunlicherweise extrem gut angenommen und zwar nicht nur zum ausprobieren. Bereits seit einigen Wochen wird da ständig gefunkt was das Zeug hält, nicht nur von wenigen Dauerfunkern. Anfangs gab es von vielen Meckerrufe ("was soll das denn hier? Wen interessiert's, mit wem du gerade geduscht hast?), mittlerweile hat sich das gelegt. Ich frage mich, ob Twitter eine ähnliche Welle ausgelöst hätte (oder auslösen wird?), wenn das Konzept in dem Kreis bekannter wäre. Leider kennt Twitter in meiner Umgebung bisher kaum einer. Insgesamt finde ich den Buschfunk auch recht ärmlich, aber immerhin hat vz hier mal relativ schnell gehandelt und keine 1:1 Kopie gemacht (das trauen die sich wohl eh nicht mehr, angesichts der aktuellen Facebook Klage)

  • Torsten

    26.06.09 (19:43:13)

    Echtzeitweb finde ich eine spannende Sache. Derzeit erschließt sich mir aber noch bei keinem der Anbieter ein tragfähiges Geschäftsmodell. Sei den man plaziert Werbung im Umfeld der Meldungen. Ob dies dann funktioniert wird sich zeigen.

  • Oliver Springer

    26.06.09 (21:35:55)

    Ja, das Fehlen der Verzögerung ist eine spannende Sache. Das ist ein bedeutender Schritt in der Evolution des Internets. Allerdings sehe ich das wohl ähnlich wie Patrick: So richtig spannend wird es, wenn es sich um nicht von Menschen initiierte Kommunikation handelt. So bedeutsam die sofortige Auffindbarkeit bzw. das sofortige Auftauchen von Informationen in einigen wie den beschriebenen Fällen ist - nur bei den allerwenigsten Informationen kommt es auf die Schnelligkeit an. Erwähnen sollte man meiner Meinung nach noch die Ping-Dienste im Zusammenhang mit dem Echtzeitweb.

  • Leif Paßlack

    27.06.09 (04:40:39)

    Wer wissen will wie man Echtzeitweb effektiv einsetzen kann, der sollte sich mal http://tweetmi.com ansehen. Hier sucht man nach Schlagwörtern in aktuellen Twitter-Feeds. So findet man nicht nur brandaktuelle Ergebnisse zu gesuchten Schlagwörtern, sondern auch gleich Personen die das Gleiche interessiert und mit denen man dank Twitter sofort in Kontakt treten kann. Dieser Dienst setzt nun nur auf Twitter auf. Jetzt stellt Euch vor ein Tool würde in allen Feeds des Webs suchen. Da dürfte Google blass werden. Ich liebe diese neuen Möglichkeiten die Twitter, Friendfeed, Lifestream und Co uns ermöglichen. Es ist als könnte man die ganze Welt reden hören und trotzdem rausfiltern was einen interessiert. Wie Patrick weiter oben schon beschrieben hat, die Möglichkeiten die sich hier ergeben sind gigantisch. Danke Marcel für diesen Artikel! Wie immer seit ihr von Netzwertig ganz vorne mit dabei. Weiter so! :)

  • ben_

    27.06.09 (17:27:34)

    Ich möchte mal behaupten, dass eher Google das Problem der schnellen Indizierung löst, als dass Twitter das Problem der Skalierung löst. Die Gründe: 1. Suchanfragen an Echtzeitströme brauchen ja (mit Ausnahme des Spam-Filters) keine Gewichtung. Chronologie ist da die einzig brauchbare Gewichtung. Das macht die Indizierung erheblich einfacher. Alles was man braucht sind mehr bzw. spezialisiertere Crawler. 2. Es läuft doch alles auf den einen Strom hinaus. Das hast Du ja selber schon geschrieben. Dabei interessiert mich – als am Strom interessierter – doch nicht die Quelle. Mich interessiert doch nicht, ob eine Echtzeitnachricht von Twitter oder Facebook kommt. Der Bedarf nach portal-übergreifenden Mikroblogging-Strömen ist spätestens seit den Ereignissen im Iran und Michael Jacksons Tod offensichtlich und wird richtig groß werden sobald der erste Staat zum ersten Mal Twitter ganz sperrt. 3. Wenn Google eines kann, dann skalieren. Ich kann mir kaum vorstellen, dass die zeitnahe, chronologische Indizierung von Microblogging-Inhalten unterschiedlicher Plattformen zu einzelen Tags, Hashtags, Suchbegriffen wirklich eine Herausforderung für Google darstellt. Zumal die Rufe nach dezentralen Microblogging ja auch nicht verstummen. Das viel wahrscheinlichere Problem ist, dass Twitter und Facebook wie die deutschen Verlage reagieren und Google die Indizierung untersagen. Für Facebook wäre das ja kein neues Vorgehen und im Unterschied zu den Verlagen hätten die Microblogging Dienste sogar ein echtes Problem. Denn 140 liest man halt auch mal flux auf einer Google-Suchergenis-Seite und spart sich den Click zur Quelle.

  • ben_

    27.06.09 (17:56:05)

    Noch was: Es ist nur ein Gefühl, aber es kommt mir so vor, als wäre mein Netnewswire in den letzten Monaten immer schneller geworden. Am auffälligsten ist das natürlich bei meinen eigenen Blogposts, weil ich da ganz genau weiß, wann ich die veröffentlich habe (Ja, ich habe mein eigenes Blog abonniert - man muss ja wissen, wie das in einem RSS-Reader aussieht). Die sind inzwischen binnen 2-5 Minuten in meinem Reader. Viel echtzeitiger ist Twitter bei einem gesunden Konsum auch nicht. Und wer sitzt zwischen meinem Blog und meinem NNW? Richtig: Google. In Form von Feedburner.

  • Marcel Weiss

    27.06.09 (19:12:56)

    @ben_: Das Problem ist, dass Google Twitter (etc.) im Sekundentakt indizieren müsste, wenn es die Daten nicht direkt z.B. über die Twitter-Firehose bekommt. Das würde Twitter selbst aber nicht aushalten. So eine Indizierungs- oder Abfragefrequenz ist ja zu recht nicht gern gesehen, weil es die zu indizierenden Server zu sehr belastet.

  • René Fischer

    27.06.09 (19:29:29)

    Klingt doch nach einem prima Geschäftsmodell für Twitter & Co (mal wieder) aber auch Google. Google bekommt exklusiven Zugang zur Firehose von Twitter & Co. und zahlt dafür. Und Google selbst verdient (wie immer) an den Werbeeinnahmen auf ihrer Seite,

  • Roland

    27.06.09 (23:17:21)

    "effiziente Darstellung von Aktivitäten" - Naja in meinen Augen ist die Darstellung von jeder Menge zu meist uninteressanter Aktivitäten nicht effizient sondern effizienzhemmend. Heute weiß man ja schon garnicht mehr wo man überhaupt noch hinsehen soll: Blog (firma und privat), Blogs der Freunde/Bekannte/Fachleute, Twitter(eigener Account, Firmenaccount, Freunde/Bekannte/Fachleute) - wenn man das alles im Auge behalten möchte wird man irgendwann verrückt ;) Schau ich mal 2 Tage nich in Facebook hab ich ne Menge verpasst. Ein Dienst der das alles mal zusammenführt wäre interessant.

  • Markus Merz | Hamburg St. Georg

    01.07.09 (14:48:58)

    Sehr schöne plastische Darstellung des Echtzeitweb und der möglichen Vorteile. Trackback: http://www.zotero.org/groups/markus_merz/items/32835098 [OT] Ich kann Zotero als Ablagedienst für thematisch gruppierte Recherchen empfehlen. Dank Firefox add-on sehr einfach zu bedienen und leichtes Hinzufügen & Finden von Metadaten.

  • ben_

    28.07.09 (12:22:00)

    Nachtrag: Nutz jetzt wieder den Google Reader als RSS Reader und beobachte es inzwischen regelmäßig: Items schlagen binnen 1-2 Minuten nach deren Veröffentlichung im Reader auf. RSS goes Echtzeit also. Keine Ahnung wie Google das macht. Wahrscheinlich hilft Feedburner.

  • René Fischer

    28.07.09 (12:42:30)

    @ben_: PubSubHubbub macht es möglich - http://adsenseforfeeds.blogspot.com/2009/07/whats-all-hubbub-about-pubsubhubbub.html

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