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22.09.14Leser-Kommentare

Heißer Herbst für Lebensmittel-Lieferdienste: Deutsche Instacart-Rivalen bringen sich in Stellung

Noch bevor der Lebensmittel-Lieferdienst Instacart den Sprung nach Europa macht, bringen sich hiesige Rivalen in Stellung. Rocket Internet soll an einem Klon arbeiten. Das eigenfinanzierte Darmstädter Startup Algel hält die Gelegenheit für ideal, die Stärken seines Modells hervorzuheben.

LieferungIm Juni berichteten wir über das US-Startup Instacart, das Privatpersonen anheuert, um von Nutzern online bestellte Waren im Supermarkt einzukaufen und anschließend zu liefern. Rein zufällig hatte Holger Schmidt einen Tag zuvor bei Focus Online über Gerüchte berichtet, dass Rocket Internet unter dem Arbeitstitel “Shoppery” an einer Instacart-Nachahmung arbeitet. Noch in diesem Jahr sei mit dem Debüt zu rechnen.

Seitdem hat man nichts weiter von dem Vorhaben gehört. Dennoch dürften die Informationen von Schmidt stimmen. Auf Anfrage von netzwertig.com hieß es aus der Presseabteilung von Rocket Internet, dass man grundsätzlich keine Stellung zu Gerüchten nehme. Parallel verwies man jedoch auf besagten Focus-Artikel vom Juni. Das wäre wohl kaum geschehen, wäre eine Instacart-Klon nicht (länger) aktuell. Update 24. September: Wie dem Börsenprospekt von Rocket Internet zu entnehmen ist, befindet sich das Vorhaben weiter in der Entwicklung und läuft nun unter dem Namen "Shopwings".

Die noch dünn gesäte lokale Konkurrenz eines eventuellen, in Deutschland aktiven Rocket-Angebots im Segment der Supermarkt-Lieferungen nimmt die Meldungen jedenfalls ernst. Algel, neben Shippies einer der zwei uns bekannten hiesigen Akteure, die ein ähnliches Konzept wie Instacart im Auge haben - beide aber sehr lokal begrenzt verfügbar sind - reagierte dieser Tage mit einem ausführlichen Blogbeitrag auf den bevorstehenden Wettbewerb mit den Samwers.

Den Darmstädtern ging es vor allem darum, auf die entscheidenden, aus ihrer Sicht kritischen Unterschiede zwischen Algel sowie Instacart und eventuellen Klonen hinzuweisen: Bei Algel zahlen Kunden exakt die gleichen Warenpreise, wie sie auch vor Ort im Supermarkt anfallen. Hinzu kommt eine pauschale Servicegebühr in Höhe von 0,99 Euro sowie ein Obolus, der sich am Gewicht der Ware bemisst, aber mindestens vier Euro beträgt. Dieser wird vollständig an die Algel-Nutzer ausgezahlt, die sich als Warenlieferanten betätigen.

Instacart hingegen führt eine eigene Preisliste, in der zahlreiche Produkte ein klein wenig teurer sind als in den Lebelnsmittelmärkten, in denen die freischaffenden Instacart-Lieferkräfte einkaufen gehen. Außerdem gibt es Liefergebühren. Daraus resultiert zwar für das Startup die Möglichkeit, die “persönlichen Shopper” mit Stundensätzen von bis zu 20 oder 30 Dollar zu beglücken - die daraus entstehenden steuer- und arbeitsrechtlichen Implikationen aber sind kompliziert, wie nicht zuletzt auch die Debatte um private Chauffeure bei Uber und Wundercar gezeigt hat. Algel sieht seinen Service eher dem Konzept von Crowdsourcing entsprechen. Anstatt dass Personen quasi in Vollzeit Waren ausliefern, geht es mehr darum, Einkäufe mitzubringen, sofern man ohnehin gerade im Supermarkt ist. Um bei den Analogien zu den Beförderungs-Startups zu bleiben: Wenn Instacart Uber darstellt, dann wäre Algel eher flinc.

Dieser Vergleich kommt auch hin, wenn man sich die Differenzen bei der Kapitalaustattung anschaut: Instacart ist mit knapp 55 Millionen Dollar Venture Capital finanziert. Algel-Gründer Sakir Yazici dagegen setzt auf Bootstrapping. Einem eventuellen Rocket-Vorhaben würde es wohl auch nicht an Geld mangeln.

Selbst wenn der Ansatz von Algel aus ideologischen Gründen und Nachhaltigkeitsaspekten der sympathischere sein mag: Realistisch gesehen sind die Chancen eines kleinen deutschen Akteurs ohne Millionen zum Herumschmeißen in einem Markt mit den genannten Playern nicht groß. Der eigenartige Name des Dienstes, der sich aus den ersten Silben von "Alles geliefert" zusammensetzt, aber ausgesprochen nach Haargel für Aale klingt (oder aus Aalen gefertiges Gel) wird die Wettbewerbsposition auch nicht stärken.

Absehbar ist aber, dass uns ein heißer Herbst und Winter bevorsteht. Profiteure sind komfortaffine Konsumenten, die nicht mehr bei jeder Supermarkt- und Discounter-Kette separat in Erfahrung bringen müssen, ob geliefert wird, unter welchen Bedingungen und zu welchen Konditionen. /mw

Foto: Courier delivering products, Shutterstock

Kommentare

  • Peter

    23.09.14 (07:33:12)

    Wie lustig. "Haargel für Aale" hat ALGEL noch nicht im Programm. Wäre ein netter Trailer. - Wir glauben, dass die Nachfrage nach diesem Produkt doch eher überschaubar ist und bleiben wird :). - ALGEL ist das türkische Wort für "Brings mit". Das Kürzel für ALLES GELIEFERT triffts in der deutschen Sprache allerdings auch. - Und wer sagt denn dass die Millionen nicht bereits unterwegs sind? Wer weiss? Wir müssen ja nicht alles bloggen oder ??

  • Martin Weigert

    23.09.14 (07:48:19)

    Klar, dann verändern sich die Vorzeichen :)

  • la perla

    23.09.14 (12:17:55)

    Die schlimmsten Hürden hat ALGEL schon längst hinter sich. Der Rest liegt jetzt nur noch daran die Aufmerksamkeit der Kunden zu gewinnen. Da die Idee ja aus eigener Not erstanden ist, überzeugt uns der Gründer von ALGEL mit seiner Sympathie...und dafür braucht er bestimmt keine Millionen! :)

  • Sandra Martin

    24.09.14 (12:06:28)

    Gerade gelesen: http://www.gruenderszene.de/allgemein/rocket-internet-shopwings Bewerbungen als Shopper: http://www.ein-kaeufer.de

  • Martin Weigert

    24.09.14 (16:04:19)

    Danke

  • Peter

    25.09.14 (07:39:40)

    Wie das "Raketen-Trio" "bis zu 20 €" pro Stunde für seine angestellten(?) shopper rausschlagen will, das verraten sie derzeit nicht. Ein entsprechendes Posting in "dt.Startups" wurde kommentarlos gelöscht. Sic!

  • Christian

    23.10.14 (07:22:25)

    Wir haben inzwischen eine aktuelle Anbieter-Übersicht zum Thema erstellt. http://bringenlassen.com Viel Spaß damit!

  • Marc

    25.09.15 (22:27:59)

    Hier findet Ihr die wichtigsten Online-Supermärkte im Überblick, Vergleich und Test...http://www.lebensmittel-lieferservice-check.de

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