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24.08.07Leser-Kommentar

Heiße Geschichten in kühler Optik

Wir stellen vor: Neue Probleme. Ein kleines Magazin mit Geschichten und Illustrationen, hergestellt von einer Handvoll Enthusiasten. Im Interview erzählt Herausgeber Marcus Bösch von Deadlines, einer Handvoll Münzen und dem Glück vom Selbermachen.

Die beiden Cover der zweiten Ausgabe von Neue Probleme

Auf der ewigen Jagd nach unverbrauchten Geschichten und visuellen Offenbarungen muss der Blick zwangsläufig vom Kioskregal weg und hin zu den Treffpunkten urbaner Kreativität wandern. Dort findet man dann opulente Geschmacklosigkeiten wie die Vice - oder Kleinode wie Neue Probleme.

Die zweite Ausgabe dieses kleinen Magazins wartet auf mit 80 Seiten und vier eingelegten Farbdrucken. Im Heft stehen Texte mit Mut zum Ich, mit Befindlichkeiten und mit Nonsens. Eben das, was früher Popjournalismus war und heute Bloggen. Die Autoren treffen Musiker, erzählen von ihrer Silvesterparty, bewundern 14jährige Clubbetreiber und schreiben über ihre erste Ecstasy-Erfahrung. Wenn "nett" nicht vielfach zum Schimpfwort umgedeutet würde, wären es nette Geschichten.

So zurückhaltend und unauffällig ist das Heft gestaltet, dass es schon Kunst oder zumindest Museumsladen schreit: Eine Schriftart, eine Schriftgröße. Auf grauem Papier. Kein Inhaltsverzeichnis. In dieser Grauzone zwischen Kunstprojekt und ambitioniertem Fanzine feiert Neue Probleme die Abwesenheit von Editorial Design und Infokasten. Mehr dazu erzählt uns Marcus Bösch, einer der beiden Herausgeber und Mitglied der vierköpfigen Redaktion.

Montage von medienlese.com

Was ist Neue Probleme?

Marcus Bösch: Neue Probleme ist ein Magazin. Erlend Øye hat gesagt "a labour of love". Und damit hat er wohl recht.

Was macht Euer Magazin aus?

Kleine Heftchen mit mehr oder minder ambitionierten Grafiken gab und gibt es genug. Textlastigkeit mit gewissem Anspruch hingegen nicht.

Wie entsteht Neue Probleme?

Das läuft Do-it-yourself-mäßig, mit Ideen und mal mehr und mal weniger Engagement. Dann gibt es Deadlines, die verstreichen, dann gibt es Krisen und Zeiten der Hochstimmung und auf einmal holt man das Heft vom Copyshop und kann es erst auch nicht so recht glauben. Die Redaktion sitzt in Stockholm, Hamburg und Köln, die Mitarbeiter sitzen überall. Unsere Planung umfasst höchsten die vermeintlichen Top-Themen, welcher persönliche Lieblingsstar sollte ins Heft, wer macht das.

Es gibt zu einigen Eurer Geschichten schöne Fotos online, im Heft hingegen steht nur blanker Text. Warum trennt Ihr so stark?

Meinst du die Flickr-Bilder? Die sind ein Zusatz-Bonbon. Neue Probleme ist in Nadelstreifendrucker-Manier von 1986 gestaltet, da ist kein Platz für verzierende Bilder. Wollen wir auch nicht, durch die Trennung von Bild und Text entsteht schon Spannung.

Wie wichtig ist Euch die Papierform? Könntet Ihr auch ein Internetmagazin sein?

Texte online gibt's nicht. Wir machen ein Magazin. Aus Papier. Oldschool. Da geht's um Papier und Haptik. Die Bilder kann man sich an die Wand hängen und die Geschichten in der Badewanne lesen.

Das hat seinen Preis.

Werbung im Heft lehnen wir definitiv ab. Zumindest bis jetzt. Chanel wäre okay.

Wie ist es kommerziell um das Heft bestellt?

Beim ersten Heft ist rein gar nichts hängen geblieben. Vielleicht eine Handvoll Münzen. Aber darum geht es auch gar nicht. Naja, im Moment sind wir händeringend daran interessiert, die 500er Auflage der zweiten Ausgabe loszukriegen.

Euer erstes Heft wurde in Spex und Intro vorgestellt ...

... letztlich kaufen nur ein Bruchteil der Leute, die von dem Heft hören. Elke, die das Jungsheft macht, verkauft nach einem Mini-Artikel im Stern ("die Freundin von Jessica Schwarz hat ein Pornomagazin") ein paar Hefte, danach wird es dann wieder still. Außerdem kaufen die Leute statt eines selbstgemachten Heftes für acht Euro lieber acht Ausgaben der Vanity Fair. Wer sollte sie da ausschelten?

Was für Magazine magst Du?

Der Freund war natürlich gut. Ich mag Magazine sehr, sehr gerne. Angefangen hat das mit den Englischen, dann dachte ich eine Zeit lang, die Sachen aus der Schweiz und Österreich wären die Rettung. Jetzt sind das immer Phasen: Sleek, Qvest, Indie gefallen mir.

Wann denkt Ihr an die dritte Ausgabe?

Auch wenn sich das jetzt taz-nrw-mäßig anhört: Bis dahin fehlen noch 300 verkaufte Exemplare. Vielleicht gibt es von der Nummer drei dann nur 100 streng limitierte Hefte für noch mehr Geld. Oder umsonst. Mal sehen, das Gute am Selbermachen ist, dass wir niemandem verantwortlich sind. Wir können uns viel ausdenken, gerade sind Freunde mit einem Stapel auf dem Weg nach Australien und Japan. Außerdem wird es in Stockholm einen Galerie-Abend geben. Wir wollen ja die Weltherrschaft.

np montage2

Neue Probleme gibt es online sowie in Köln in der Buchhandlung Walther König und bei Parallel Schallplatten, in Hamburg bei Human Empire und in Berlin bei Pro qm. Das Heft kostet acht Euro.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

Kommentare

  • Peter Hogenkamp

    25.08.07 (14:51:36)

    Sind wohl in, sperrige Magazintitel mit "Neue..." am Anfang. Über "Neue Ideen" müssen wir auch mal etwas machen. Sieht allerdings aus, als habe es nicht viele gemeinsamkeiten mit "Neue Probleme".

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