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18.02.08

HD-DVD tot, Blu-ray siegt: Interessiert das überhaupt noch jemanden?

Krieg der High-Definition-DVD-Formate HD-DVD (von Toshiba) und Blu-ray (von Sony)

tobt schon seit gut zwei Jahren. Leider hat dieser ziemlich verwirrende Konflikt auch dazu geführt, dass sich keines der Formate bei den Konsumenten durchsetzen konnte. Denn wer einen Player und Filme des einen Formats kaufte, musste damit rechnen, möglicherweise auf den Verlierer zu setzen.

Seit dieser Woche ist nun aber definitiv klar, wer der Sieger ist: Blu-ray. Den Stein ins Rollen gebracht hat wohl die Entscheidung des Filmstudios Warner Brothers vor ein paar Wochen, voll auf Blu-ray zu setzen. Den letzten Nagel in den Sarg von HD-DVD schlug diese Woche der Einzelhandelsriese Wal-Mart, der in den USA für etwa 20% der DVD-Verkäufe verantwortlich und damit mit Abstand der wichtigste Vertriebskanal ist. Wal-Mart wird nur noch Blu-ray verkaufen, und damit ist HD-DVD faktisch am Ende. Toshiba wird die Produktion angeblich schon bald einstellen. Eine grosse Niederlage ist die Durchsetzung von Blu-ray übrigens auch für Microsoft, denn der Softwarekonzern hatte voll auf HD-DVD gesetzt.

Der Sieg von Blu-ray ist im Prinzip eine gute Sache: Damit hat sich das modernere, leistungsfähigere Format durchgesetzt. Vor allem ist es gut, dass damit im Markt jetzt Klarheit herrscht und die Konsumenten endlich ohne Bedenken zugreifen können.

Nur ist die Frage, ob Blu-ray überhaupt einen mit der alten DVD vergleichbaren Erfolg erzielen kann, denn es tritt gegen einen mächtigen Gegner an: Das Internet.

Die billigsten Blu-ray-Player kosten derzeit noch um die 300 Euro. Für das gleiche Geld gibt es auch einen Apple TV oder vergleichbare Geräte, mit denen man -- jetzt schon in den USA, bald auch in Europa -- per Internet Zugriff auf eine ansehnliche Bibliothek an Filmen und Serien in HD-Qualität hat und diese Werke direkt auf dem Fernseher anschauen kann. Geliefert wird der Content per Download bzw. Streaming, ganz ohne physische Datenträger. Zwar ist die technische Qualität nicht ganz so hoch wie auf Blu-ray, aber das dürfte in den meisten Fällen ein eher akademischer Unterschied sein. Auch die meisten Kabelfernsehgesellschaften bieten schon ähnliche Dienste an, wenn auch noch auf deutlich bescheidenerem Qualitätsniveau.

Die Preise für legale Filmdownloads sind nicht nur um einiges billiger als der Erwerb bzw. die Miete einer Blu-ray-Disc, die Internet-basierte Variante ist auch noch viel bequemer. Wer Lust auf einen Heimkinoabend hat, kann sich spontan aus einem grossen Katalog an Titeln einen aussuchen, und Sekunden später kann man sich zurücklehnen und den Film geniessen. Kein Videothekenbesuch, kein Hantieren mit Datenträgern.

 

Letzte Woche hat Apple eine neue Softwareversion für den Apple TV freigegeben, mit der auch Filmmiete in HD möglich ist. Ich benutze das neue Produkt schon fleissig (mein ausführlicher Test dazu hier bei neuerdings.com) und bin ziemlich begeistert. Zwar könnte die Filmauswahl gern noch erheblich grösser sein, aber das ist wohl nur eine Frage der Zeit. Ansonsten lässt das Angebot den Wunsch nach einem Blu-ray-Player gar nicht erst aufkommen.

Vermutlich wird Blu-ray darum bestenfalls ein Übergangsformat sein. Gewissen Raum dafür gibt es durchaus, denn der Paradigmenwechsel vom physischen Film zum Download wird seine Zeit brauchen, und für echte Qualitätsfanatiker ist der physische Datenträger den Downloads immer noch deutlich überlegen.

Aber mittelfristig scheint klar zu sein: der Vertrieb von Filmen auf physischen Datenträgern hat etwa so viel Zukunft wie die Langspielplatte, VHS-Kassetten oder... HD-DVD.

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