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24.01.11Leser-Kommentare

Hashable: Der Pagerank für Menschen

Hashable ist ein soziales Netzwerk zwischen foursquare und Linkedin: Statt an Orten "checkt" der Nutzer soziale Aktionen mit Menschen ein. Daraus entsteht ein Reputationssystem - der "Pagerank für Menschen". Er dürfte das nächste grosse Ding werden.

Hashable registriert jedes Zusammentreffen von Mitgliedern - und Dritten.

"Nach Los Angeles", erklärt mir Jane Kim von Hashable auf die Frage, wohin die Promotionstour weiter führt, auf der sie (VP Business-Development), Hashable-CEO Michael Yavonditte und Hashable-Marketing-Chefin Emily Hickey unterwegs sind.

LA? Das Startup aus New York ist im Big Apple längst gross im Gespräch, in San Francisco hat die Tour vor den "Crunchies" für eine Lawine an Blogposts und Tweets gesorgt - aber LA? Was soll ein geekiges Nerdtool-Startup wie Hashable in LA?

"Die Hightech-Szene dort ist tatsächlich sehr klein", bestätigt Jane - "aber wir haben dennoch bereits eine beträchtliche Zahl an Nutzern."

Bei genauem Hinsehen ergibt das absolut Sinn. Denn Hashable ist ein soziales Netzwerk, das die Qualität von Beziehungen zwischen Menschen abbildet. Und nichts ist in Hollywood mehr wert als gute Beziehungen.

Während Twitter, Facebook, foursquare, Linkedin und hierzulande Xing unter anderem ebenfalls dazu verwendet werden können, die eigene Popularität und die Nähe zu wichtigen Personen zu demonstrieren, konzentriert sich Hashable konsequent auf diesen Aspekt.

Das funktioniert sehr einfach: Zu Beginn meines Treffens mit Jane im Parc 55 Wyndham Hotel tweete ich "#coffee mit @jinner13" - und Hashable, dem ich Zugriff auf meinen Twitterstream gegeben habe, verzeichnet eine "Kaffeetreffen"-Verbindung zwischen mir und Jane Kim. Ich könnte die Aktivität auch per Mail an meinen Hashable-Account schicken oder in der Hashable-App auf dem iPhone eingeben (weitere Eingabemöglichkeiten sind in Vorbereitung, siehe unten).

Nun ist die Verbindung zu Jane im System gespeichert. Sie taucht in einem Echtzeit-Stream aller Aktivitäten von Hashable-Nutzern für meine Region auf, und weil sowohl Jane als auch ich einen öffentlichen Hashable-Account haben, kann auch jeder mein Profil einsehen und dort nachgucken, mit wem ich welche Verbindungen habe oder mit wem ich mich gerade treffe.

Die Qualität dieser Verbindungen wird für jede Person mit einem Prozentbalken qualifiziert - der steigt an, falls die Verbindung zu Jane mit weiteren Kontakten gefestigt wird. Zugleich erhalte ich für jede Aktivität mit einer Person eine bestimmte Anzahl "HashCred", eine interne Währung. Die Leute mit der höchsten HashCred-Zahl werden im "Leaderboard" einer Region angezeigt. Aktivitäten werden mit Hashtags beschrieben und verschieden bewertet. Neue Tags können jederzeit benutzt werden und werden mit der Zeit vom System adaptiert und eingestuft.

Ein Hashtag, eine Mailadresse oder ein Twitter-Handle, und fertig ist der Eintrag bei Hashable.

Damit wird klar: Der Wert von Hashable liegt nicht in der Echtzeit, sondern im kontinuierlichen Aufbau meines Beziehungs-Index. Je mehr Daten Hashable hat, umso leichter wird es, die wesentlichen Player zu identifizieren - branchenweise, regional oder nach welchen Kriterien auch immer.

Auch wenn Jane im Gespräch den spielerischen Charakter und die Adressbuch-Funktion von Hashable für den einzelnen Nutzer betont, liegt der eigentliche Wert in diesem Index-System, das sich am ehesten mit Googles Pagerank für Websites vergleichen lässt. Auch dort gilt: Natürlich bringt eine Verlinkung von einem massgebenden Blog sofort neue Besucher, wichtiger aber ist sie wegen ihrer langfristigen Wirkung auf den eigenen Pagerank.

Anders als die schiere Zahl der "Freunde" auf Facebook oder die vielfach als Gefälligkeiten abgegebenen "Empfehlungen" auf LinkedIn wird meine Reputation durch die Intensität der Beziehung und die "Qualität" der Kontaktpersonen gemessen. Wer den einflussreichsten Anwalt im Showbusiness von Hollywood finden und sich nicht auf Hörensagen verlassen will, wird ihn wohl bald via Hashable ermitteln können. Das gleiche gilt für den Haarstylisten in Berlin, den Lobbyisten in Washington oder den Opernsänger in Zürich.

Das ist kein Spiel und keine trendige Geek-Anwendung wie foursquare, dessen immanenter Nutzen eigentlich nur darin besteht, dass man den Aufenthaltsort von Freunden erfährt und vielleicht da und dort Vergünstigungen kriegt. Der Druck, bei Hashable dabei zu sein, um den eigenen Status zu demonstrieren, steigt im Quadrat mit der Nutzerzahl und erwächst aus professionellen Gründen ebenso wie aus gesellschaftlichen.

Auf dem Weg die Suchmaschine für einflussreiche Menschen zu werden, muss das Startup, das aus dem Finanzdienst Tracked.com entstanden und bisher mit 25 Millionen finanziert worden ist, allerdings so manche Fallgrube umgehen. Datenschutzrechtliche und kulturelle Probleme werden sich rasch manifestieren. Zugleich ist die weltweite Verbreitung des Systems von eminenter Bedeutung, denn wenn Player mit guten internationalen Beziehungen ihren Status nicht aufbauen können, werden sie ungehalten sein.

Hier zeigen sich auch Chancen und Risiken - um nur eine zu nennen: Nicht-Mitglieder werden von Hashable ebenfalls erfasst. Wenn ich einen Kontakt mit einer solchen Person eingebe, liefere ich ja entweder den Twitter-Handle oder die Mailadresse des Gegenübers an Hashable. Dort wird der Kontakt zwar im Stream anonymisiert als "Someone" angezeigt (wie auch bei Mitgliedern, die ihr Profil unsichtbar machen wollen), aber in der Datenbank erfasst. Sobald sich nun die Person bei Hashable anmeldet, wird die gesamte gespeicherte Geschichte auf einen Schlag sichtbar (ähnlich einem von Facebook eingesetzten Verfahren, welches es auf Druck von Datenschützern in Deutschland nun aufgeben muss).

Jane pflichtet bei, dass die Glaubwürdigkeit von Hashable höchste Bedeutung hat. So könnte es sein, dass der Dienst irgendwann ein Bestätigungssystem einrichtet (das er jetzt noch nicht hat), wonach ein Kontakt erst gewertet wird, wenn er vom Gegenüber bestätigt wurde. Noch sei es zu früh, solche Dinge konkret zu machen.

Hashable steht derzeit in einer halbgeschlossenen Betaphase (jedes Mitglied kann durch neue Kontakte und die "Introduction" von Mitgliedern und nicht-Mitgliedern einladen) und dürfte sich sehr rasch in einzelnen Branchen verbreiten - und dabei geografische Grenzen sprengen.

Integration ist ein Schwerpunkt bei der Entwicklung: Meine eigene Anmeldung dauerte dank Schnittstellen zu Twitter, Linkedin (wo man das Profil absaugen lassen kann) und Gmail vielleicht drei Minuten. Neben der iPhone-App kann das System via Email und Twitter "gefüttert" werden; eine Android-App sei kurz vor Fertigstellung ("heute hätten wir wohl zuerst Android bedient", sagt Jane), die funktionale Integration von Hashable in foursquare, Gowalla und andere Dienste ist absehbar.

Ob Hashable irgendwann von einem Netzwerk wie Linkedin oder Facebook aufgekauft oder eigene Monetarisierungsmodelle entwickeln wird, ist offen. Dass es das nächste grosse Ding in der Welt der Beziehungsnetze wird, halte ich für wahrscheinlich - wenn es gelingt, die beträchtlichen kulturellen und rechtlichen Hürden zu bewältigen, rasch global zu werden und den Index schneller aufzubauen als die Copycats, die zweifellos in Kürze wie Pilze aus dem Boden schiessen werden.

Wir haben zehn Einladungen für Hashable. Hinterlasst bei Interesse einen entsprechenden Kommentar unter Angabe eurer E-Mail-Adresse im dafür vorgesehenen Feld. iPhone-Besitzer können sich auch ohne Einladung über die Hashable-App registrieren.

Update: Die Einladungen sind weg.

Link: Hashable

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Kommentare

  • Helge

    24.01.11 (07:07:51)

    Yep, ich hätte gerne eine Einladung. Auch wenn ich recht skeptisch bin.

  • Patrick

    24.01.11 (07:11:43)

    Ich hätte auch gerne eine. :-) Klingt sehr interessant.

  • Dennis Schäffer

    24.01.11 (07:36:01)

    Ich würde es auch gern mal ansehen und freu mich über eine Einladung.

  • René Fischer

    24.01.11 (07:41:15)

    Muss ich sehen und testen :)

  • Tomas

    24.01.11 (07:42:10)

    Auch haben wollen! Bitte!

  • Fabian Beyer

    24.01.11 (07:44:26)

    Schließe mich meinen Vorrednern an und würde die Geschichte auch gerne mal testen. Freue mich über den Einladungslink.

  • Wladimir Simonov

    24.01.11 (07:45:35)

    Bitte auch ;-)

  • Marco Mulas

    24.01.11 (08:03:17)

    Würde mich sehr über eine Einladung freuen.

  • Tobias

    24.01.11 (08:08:10)

    Hätte gern eine Einladung, danke :-)

  • Andreas

    24.01.11 (08:23:46)

    Wird sich hier nicht durchsetzen, viel zu aufwendig. :)

  • Ronnie Grob

    24.01.11 (08:25:18)

    Ich nehm gern auch eine.

  • Benny

    24.01.11 (08:27:09)

    Ich würde auch eine Einladung nehmen, auch wenn ich mir nciht sicher bin ob ich das wirklich nutzen möchte.

  • Martin Weigert

    24.01.11 (08:30:04)

    So, die Einladungen sind weg, ihr solltet alle eine erhalten haben.

  • Peter

    24.01.11 (08:30:26)

    Ich hätte auch gerne eine Einladung (falls noch möglich).

  • Chris

    24.01.11 (08:30:40)

    Würde mich auch sehr interessieren!

  • Fabian Beyer

    24.01.11 (09:01:38)

    Leider ist noch nichts da. Wie sieht es bei den anderen aus?

  • Richard

    24.01.11 (09:17:01)

    Guter Artikel! Bin da seit einiger Zeit registriert, war mir aber bisher immer etwas zu umständlich/unverständlich, besonders was den Endnutzen angeht. Vielleicht sollten die Menschen von Hashable diesen Artikel übersetzen und statt ihres FAQs posten ;)

  • jo

    24.01.11 (09:29:51)

    "das die Qualität von Beziehungen zwischen Menschen abbildet." Mit Verlaub, aber schmerzt sowas nicht schon beim Schreiben?

  • Martin Weigert

    24.01.11 (09:38:44)

    Probier mal, auf der Hashable-Website mit der E-Mail-Adresse anzumelden, die du hier angegeben hast (unter "I have an Invite" oder so ähnlich)

  • Matt

    24.01.11 (09:39:15)

    Äh. Verstehe. Wer will das?

  • MarkS

    24.01.11 (09:51:19)

    Einen Pagerank für Menschen? Ja geht´s noch? Treffen wir uns künftig nur noch mit Anderen, wenn die sich über irgendein technisches System als interessant qualifiziert haben? Mich entsetzt, dass sich für diesen Unsinn sogar Freiwillige finden, die unbedingt dabei sein wollen. Wer jedes Kaffeetrinken mit mir gleich per Datenbank öffentlich macht und zur persönlichen Ranking-Verbesserung nutzt, um den mache ich lieber einen großen Bogen.

  • Dustin

    24.01.11 (10:51:59)

    Hätte auch gerne eine Einladung (falls noch möglich). Mal schauen, was sich daraus machen lässt. Bisher erkenne ich nur einen Mehrwert für den Bereich Marketing oder ähnliches.

  • Benno Helldenmuth

    24.01.11 (10:55:51)

    ..nur mal so am Rande: Zitat: "Wer den einflussreichsten Anwalt im Showbusiness von Hollywood finden ..will" Meines Erachtens fehlt hier das Wörtchen "Internet". Auch in der schönen neuen Welt rennt nicht jeder Anwalt mit seinem Handy durch die Gegend um sich oder andere ein- oder anzuchecken ...der wirklich einflussreichste Anwalt in LA hat DAS nämlich nicht nötig! ;o)

  • walmo

    24.01.11 (11:22:34)

    Das Konzept geht völlig an der Realität (sprich dem Leben außerhalb des Internet) vorbei und zeigt mal wieder, was pasiert, wenn Nerds für Nerds etwas entwickeln und sich Nerds dafür begeistern. Wer nicht ständig Soziale Medien benutzt (und das sind die meisten Menschen) und bei Facebook, Twitter und Co aus allen Rohren feuert, dem bringt dieses System gar nichts. Schließlich ergibt sich soziale Reputation nicht aus Internet-, sondern immer noch aus Offline-Aktivitäten - außer bei Nerds eben (und dazu zähle ich hier auch Marketing- und Mediennerds).

  • Michael

    24.01.11 (11:35:18)

    guter Artikel - die Idee einen Pagerank für Menschen zu etablieren ist interessant; für mich jedoch langweilig - gähn. Interessant insofern, dass sukzessiv die "Bewertung" in soziale Netzwerke Einzug hält - was für ein "Wunder" bei den ........

  • René Fischer

    24.01.11 (12:11:36)

    Hier kam zwar kein Invite an, aber die Registrierung auf der Seite hat geklappt. Danke

  • Sven

    24.01.11 (13:29:42)

    Sehr interessanter Artikel! Mir war Hashable bis jetzt noch kein Begriff. Zu der allgemeinen Diskussion. Ich kann ja durchaus nachvollziehen, dass es einigen aufstößt eine menschliche Beziehung auf eine einzige Nummer herunter zu brechen. Allerdings bewertet doch jeder für sich selbst auch die Qualität einer Beziehung zu einer anderen Person (aktiv oder passiv). Ein Reputationssystem aufzubauen ist nur ein weiterer logischer Schritt. Andere Dienste wie Facebook oder Twitter bewerten intern ja auch schon längst die Interaktionen von Nutzern und ziehen daraus Schlüsse aus deren Beziehungsqualität. Daraus können dann weitere Vorschläge gemacht werden, sei es für Kontakte, Musik, Filme, ... Auch kann ein solches Reputationssystem helfen Transaktionen (und damit wirtschaftliches Handeln) zwischen zwei oder mehr Parteien zu ermöglichen. Dafür wird nämlich Vertrauen in die anderen Parteien benötigt. Wenn man nun sieht, dass zum Beispiel ein guter Bekannter diesen Parteien schon vertraut, vertraut man dem Gegenüber auch leichter. Dadurch können schwarze Schafe aus dem System ausgeschlossen werden und das ganze System als solches transparenter und effizienter funktionieren. Es gibt also durchaus gute Gründe für die Abbildung der Beziehungsqualität von Menschen.

  • Alexander Stocker

    24.01.11 (13:37:14)

    Guter Beitrag. Bin auf die weitere Entwicklung des Dienstes sehr gespannt.

  • m106

    24.01.11 (14:34:16)

    Wäre echt super, wenn von den jenigen die jetzt dort angemeldet sind, mir einer eine Einladung zu kommen lassen könnte. cgh787 at gmail dot com

  • Fabian Beyer

    24.01.11 (15:56:07)

    (X) done! ;-)

  • Anka

    24.01.11 (16:13:19)

    Skepsis versus Neugierde. Mal sehen was siegt! =) Eine Einladung wäre also klasse ...

  • m106

    24.01.11 (19:52:20)

    Super! Hat geklappt! Danke!

  • m106

    24.01.11 (20:13:02)

    Martin, kannst du uns vielleicht noch sagen wie man andere einlädt? Ich würde mich gerne auch einpaar Leute von hier einladen, die eine möchten.

  • Krani

    24.01.11 (20:15:25)

    Also ich glaube nicht an einen flächendeckenden Durchbruch. Das ist was für Profilneurotiker aber nichts für normale Menschen ;)

  • m106

    24.01.11 (20:29:38)

    How do I invite my friends? Ok ich habe jetzt herausgefunden wie es geht. Wer hätte auch ahnen können, dass es ausgerechnet in der FAQ erklärt wird? :D Using twitter, post a tweet using the #invite hashtag and remember to cc '@hashable'! You can also send them an email with '#invite' in the subject line and cc 'post@hashable.com'. Thanks for spreading the word!

  • Martin Weigert

    24.01.11 (23:20:38)

    Wer drin ist, kann neue E-Mail-Bekanntschaften angeben (z.B. direkt auf der Website durch z.B. #with + E-Mail-Adresse). Die so eingeladenen E-Mail-Adressen können sich anschließend registrieren. Anscheinend (von mir ungeprüft, aber wurde uns berichtet) kann man sich aber auch direkt registrieren, ohne Einladung, wenn man über Login -> Sign in with Twitter geht (Twitter-Konto vorausgesetzt).

  • Mike

    24.01.11 (23:47:05)

    Interessant. Gibt es auch einen #fuck-Tag, mit dem sich sexuell erfolgreiche #coffee-Treffen dokumentieren lassen? Und zählt ein #fuck für den Pagerank mehr als ein #coffee? Was ist mit einem #kiss oder einem #blow? Fragen über Fragen. Ihr habt sie nicht mehr alle.

  • Martin Weigert

    25.01.11 (00:12:35)

    Ihr habt sie nicht mehr alle. Manchmal frage ich mich schon, wie man sich derartig über Dienste echauffieren kann, die sich neue technische Möglichkeiten zu Nutze machen. Egal ob man sich von der Idee angesprochen wird oder nicht. Relax!

  • Peter Sennhauser

    25.01.11 (03:17:32)

    Sven, Der Schlüsselbegriff ist "Abbildung der Beziehungsqualität". Leute, die sich über die Methoden im Netz aufregen, solches zu tun, wird es noch so lange geben, wie es Leute gibt, die zwischen On- und Offline-Welt trennen. Das dürfte noch etwa eine Generation dauern (in den USA deutlich weniger lang). An den Systemen ist in aller Regel ausser der angewandten Technik nämlich nichts neu. Gesellschaftliche Zirkel und das Bemühen, die eigene Position darin zu definieren und zu deklarieren, sind noch nicht mal eine menschliche Erfindung, auch wenn wir sie mit Debutantinnenbällen, Poesiealben, Serviceclubs, Vereinen und Wettbewerben auf eine weitere Ebene gebracht haben, nachdem es nicht mehr reichte, sich möglichst laut auf die Brust zu trommeln. Systeme wie Hashable (und Facebook, und Foursquare, und Einladungs-Foren, und und und) sind immer nur Versuche das, was Menschen interessiert, mit neuen Mechanismen abzubilden und übersichtlicher zu gestalten. Ob sie dabei erfolgreich sind oder nicht hängt von einer Vielzahl von Faktoren ab. Ob die Gesellschaft in der Mehrheit bereit ist, ein System anzunehmen, ist der wichtigste, der Nutzen, den ein System bringt, ist nur ein weiterer. Ich glaube, dass Hashable genau den richtigen Zeitpunkt in der US-Gesellschaft erwischt hat. Vielleicht ist der Dienst in Europa zu früh. Und vielleicht schafft es das Unternehmen nicht, Glaubwürdigkeit und Nutzbarkeit auf den Level zu bringen, den ein solches Verzeichnis braucht. Dass ein Bedürfnis nach Sozialer (Selbst-) Einstufung besteht, ist hingegen keine Frage - die fängt auf der Strasse schon mit der Wahl der Kleidung an. Wenn Hashable der Versuchung widersteht, zum "Spiel" zu werden, und vor allem berufliche Kontakte abbildet, wird es seinen Platz als Verzeichnis der Player und Matchmaker jedenfalls erreichen.

  • Peter Sennhauser

    25.01.11 (03:36:42)

    Yup, und die grossen Zeitungen haben es nicht nötig, ins Internet zu schreiben. ;-) Beziehungen sind soziales Kapital - eine Währung. Das sagt Douglas Rushkoff, der weiss Gott kein Netz-Nerd ist. Der Super-Anwalt in LA hat es tatsächlich nicht nötig, jeden Kontakt auf Hashable zu verzeichnen - das tun nämlich all jene für ihn, die sich mit ihm schmücken wollen. Damit wird sein, sagen wir, berufs-gesellschaftlicher Wert dokumentiert, ohne dass er etwas dafür unternehmen muss. An Hashable ist es, dafür zu sorgen, dass er dann auch ein Interesse daran kriegt, diese Dokumentation zugänglich zu machen.

  • Kai

    25.01.11 (06:11:54)

    Der Dienst ist zwar interessant und wirklich nerdy, aber nichts für mich... irgendwie komme ich mir da doch zu überwacht bei vor. Quasi Stasi für Freiwillige - nein danke. Über die Qualität einer zwischenmenschlichen Beziehung sollte man selbst und das Gegenüber am besten Bescheid wissen, aber ich wünsche allen viel spaß beim testen. Vielleicht sieht es nach dem ersten Kaffee anders aus oder ich mit 29Jahren schon zu alt, um sowas toll zu finden.

  • Marco

    25.01.11 (07:21:21)

    Gibt's noch invites? Dann würde ich auch sehr gerne eins erhalten ;-)

  • Walmo

    25.01.11 (09:07:17)

    @Peter Sennhauser: Gerade weil sich Offline und Online nicht trennen lassen, ist ein Onlinedienst, der die Qualität von sozialen Beziehungen bewerten will, zum Scheitern verurteilt. Die wichtigen sozialen Beziehungen finden eben offline statt und wie soll so ein Dienst das erfassen? Indem wir tatsächlich brav jeden soziale Interaktion hinterher online erfassen? Wer macht das außer Nerds?

  • Jan

    25.01.11 (10:12:12)

    Ich habe es mal getestet, bzw. teste es noch. Über die App fürs iPhone kann man es ja schon nutzen. Erstes Fazit: Macht Spaß! Ob sich damit aber wirklich Reputation messen lässt, halte ich für fraglich. Hat halt immer noch einen gewissen Spiel Charakter und weckt den Jäger und Sammler in einem.

  • Marco

    25.01.11 (11:21:04)

    @ Peter, lese ich das richtig heraus, dass du die US-Gesellschaft als weiter entwickelt als die europäische Gesellschaft siehst o.O?

  • Tobias Fox

    25.01.11 (11:50:07)

    So bin jetzt auch drin - via iPhone. Aber die Deutschen werden ne Weile brauchen, da geb ich @Andreas von "gründer news" Recht. Etwas aufwendig (ohne Twitter-Account) und erklärungsbedürftig für den durchschnittlichen Internetnutzer. @Jan: Spielerisch macht es schon Spaß, aber den Mehrwert gleich zu erkennen, das dauert etwas :) Die Idee finde ich hinsichtlich der Vernetzung ziemlich spannend - mal sehen wie weit hashable kommt. Gruß aus Stuttgart, Tobias

  • Peter Sennhauser

    25.01.11 (21:24:29)

    Fast jeder erfasst all seine sozialen Interaktionen - zum Beispiel im Kalender. Kein Mensch sagt, dass die Erfassung hinterher oder ganz genau mit der Hashable-App erfolgen muss.

  • Peter Sennhauser

    25.01.11 (21:27:34)

    Marco: dass du die US-Gesellschaft als weiter entwickelt als die europäische Gesellschaft siehst Grundsätzlich? Absolut nein. Bezogen auf die Nutzung und die Integration der Online-Werkzeuge, die in Europa noch als "Parallelwelt" Internet wahrgenommen werden? 5-10 Jahre Vorsprung. Und das quer durch sämtliche sozialen Gruppen.

  • Sabine

    26.01.11 (10:47:02)

    Ich frage mich auch, ob es wirklich der Reputation dienen kann und mehr ist als eine Spielerei. Meine Privaten Kontakte lassen sich nicht anhand der Häufigkeit der Treffen messen. Die geschäftlichen eigentlich auch nicht, oder muss ich ein Personen nun nach jeder Kontaktaufnahe bitten mich zu bewerten, vielleicht sogar per formeller Mail, wie bei manchen Onlineshops ;-) Ich bin gespannt auf die evtl. bald kommenden Testergebnisse...

  • jan

    28.01.11 (04:54:29)

    Mir sind ja schon die anderen Social Media ein Graus, und bim Thema Datenschutz wird es sehr eng da

  • Andrea Back

    14.02.11 (14:42:33)

    Ich-Quadrat mit Hashable, habe ich (m)eine Kolumne zum Thema genannt. Also ich würde nicht in den Dienst investieren, das geht wohl doch etwas zu weit mit dem "Name-Dropping". (Kolumne zu lesen hier: http://www.learningwaves.unisg.ch/?p=3836; sollte ich was nicht ganz richtig verstanden haben, lasse ich mich gerne aufklären). Immer wieder erstaunlich, was so alles aufkommt ...

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