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13.12.13Leser-Kommentare

Handel der Zukunft: Mobiles Bezahlen muss Spaß machen

Prämien- und Guthabensysteme von Kreditkarten machen es vor: Lösungen zum mobilen Bezahlen sollten danach streben, den Prozess des Geldausgebens durch monetäre oder spielerische Anreize mit positiven Emotionen zu verbinden.

Mobile PaymentVor einiger Zeit habe ich mir eine Kreditkarte zugelegt, mit der ich bei jedem Kauf Guthabenpunkte in Höhe von einem Prozent der Transaktionssumme sammle. Solche Cashback- oder Bonussysteme sind in den USA und anderen Ländern sehr verbreitet und auch bei uns ein Weg, mit denen einige Finanzinstitute Kunden locken. Reich wird man mit solchen Rückzahlungen natürlich nicht. Selbst bei einem monatlichen Kartenumsatz von 1000 Euro würden gerade mal zehn Euro auf meinem Guthabenkonto landen. Eigentlich also eine komplett zu vernachlässigende Komponente der Kartenangebote und nichts, was meine Laune verbessern würde. Möchte man meinen. Doch so irrational es klingt, so bewirkt diese Erwartung von Guthaben, dass ich dem Geldausgeben plötzlich etwas Gutes abgewinnen kann. Aussicht auf Guthaben verbessert die Laune

Obwohl ich mir darüber im Klaren bin, dass ich durch den Kauf einer Kinokarte oder eines Restaurantgerichts lediglich ein oder zwei Cent zu einem späteren Zeitpunkt zurückerstattet bekomme, also "spare", ertappe ich mich speziell bei größeren Beträgen häufiger bei dem Gedanken, dass ich ja "wenigstens mein Guthaben erhöhe". Völlig absurd natürlich. Bkäme ich bei jeder Transaktion mit Bargeld über mein Wechselgeld hinaus zusätzlich eine Zwei-Cent-Münze in die Hand gedrückt, würde dies bei mir augenscheinlich ähnlich intensive Emotionen auslösen wie der berühmte Sack Reis in China. Doch weil das Guthaben in elektronischer Form angesammelt wird und mir die theoretische Aussicht auf eine im Zeitverlauf entstehende nette kleine Belohnung gibt, gelten andere Spielregeln. Das Guthaben, so mickrig es auch ist, führt dazu, dass mir das Bezahlen plötzlich etwas mehr Spaß bereitet.

Dieser Effekt, der freilich genau so von Banken und Karteninstituten beabsichtigt ist, brachte mich zu einer Einsicht: Damit mobiles Bezahlen bei Konsumenten auf breiter Front auf Interesse stößt, muss es diese psychologische Wirkung von Guthabenprogrammen reproduzieren - oder am besten noch steigern. Auch wenn derzeit viele Indizien auf einen baldigen Durchbruch des Bezahlens per Smartphone hindeuten - nicht zuletzt die Zahl der Suchanfragen bei Google - haben mobile Payments noch eine Reihe von Hürden vor sich. Eine entscheidende: Für Verbraucher ist oft nicht klar, was es ihnen bringt, anstatt dem Bargeld oder der Geld-/Kreditkarte ihr Mobiltelefon aus der Tasche zu kramen und dann darüber mittels einem der unzähligen Verfahren ihre Zahlung zu begleichen. Verständlich: Oft existiert einfach kein Vorteil.

Erfolgsrezept für das mobile Bezahlen

Meines Erachtens nach kann die Schaffung von positiven Emotionen beim sonst eher mit negativen Assoziationen verbundenen Prozess des Geldausgebens die notwendige Hebelwirkung darstellen, die erforderlich ist, um Konsumenten dazu zu bewegen, ihr Portemonnaie zu Hause zu lassen. Vorstellbar ist hier vieles: Ein Bonusprogramm analog zu den typischen Deals der Kreditkarten, das Verbraucher pro ausgegebenem Euro oder ab dem erreichen bestimmter Umsätze mit Prämien oder Guthaben belohnt. Oder bestimmte Sonderangebote bei partzipierenden Ketten, Geschäften und Shops, die bei jedem fünften, zehnten oder zwanzigsten Einsatz des entsprechenden mobile Payment-Dienstes freigeschaltet werden - oder die erscheinen, nachdem man eine Transaktion mit dem Smartphone durchgeführt hat. Auch Gamification- und/oder Spenden-Konzepte ließen sich implementieren. Das Bezahlen bei bestimmten Anbietern würde so zu einer Art Spiel werden. Ziel sollte es dabei nicht sein, Konsumenten zum unreflektierten Prassen zu animieren, sondern ihnen einen Grund zu geben, das Smartphone zum Bezahlen zu nutzen.

Die eben beschriebenen Anreize wären dabei nicht einfach nur schnöde Marketingausgaben. Mittelfristig liefert das mobile Bezahlen neue Möglichkeiten der Kundenbindung, der personalisierten Ansprache von Nutzern und der Marktforschung. Außerdem eröffnen sich Wege zur direkten Interaktion zwischen Käufern von Produkten und Diensten sowie ihren Anbietern. Wer etwa im Geschäft per Mobile-Payment-App eine Flasche Ketchup erworben hat, könnte Tage später über die Anwendung vom Händler oder Hersteller zur Qualitätsbeurteilung befragt werden - als Gegenleistung winkt ein Euro Rabatt beim nächsten Einkauf. Oder so ähnlich.

Die meisten Menschen kaufen zwar gerne ein. Der Moment, in dem es ans Bezahlen geht, ist aber der unangenehmste Teil des Shoppingerlebnisses. Mit ein wenig Kreativität, experimentierfreudigen Kooperationspartnern und gefälliger Userexperience kann mobiles Bezahlen genau in diesem Augenblick angenehmer gestaltet werden. Mobiles Bezahlen muss Spaß machen. Dann hätte es etwas zu bieten, womit keine andere Zahlungsmethode aufwarten kann. /mw

(Foto: Hairdresser with female client, Shutterstock)

Kommentare

  • Thomas

    13.12.13 (11:10:02)

    Beim Bezahlen nutzen die meisten schon irgendwelche Treue- und Rabattkarten. Sei es von der Supermarktkette oder von Payback. Gerade Payback hat ja schon ein elektronisches Punktekonto, einen Prämienshop, seeehr viele Kunden und Partner (online, offline, alle Branchen) und wird parallel zum Bezahlprozess eingesetzt. Wenn die sich für einen mobile Payment Anbieter entscheiden würden oder einen eigenen Paymentdienst aufsetzen würden, könnten sie dem Ganzen sofort zum Durchbruch verhelfen.

  • Sieben

    13.12.13 (12:15:43)

    Ich zahle lieber bar. Dadurch spart sich der Verkäufer hohe Kartenprovisionen und kann mir so einen günstigeren Preis anbieten. Oft akzeptieren nur Geschäfte mit teuren Produkten Kreditkarten, in anderen Geschäften bekommt man gleiche Qualität zu insgesamt niedrigeren Preisen. DAS macht Spass, sofort viel Geld gespart als irgendwann mal ein paar Cent gutgeschrieben zu bekommen.

  • Martin Weigert

    13.12.13 (12:25:04)

    Stimmt. Wo bleibt die mobile Paymentlösung von Payback?!

  • Alexander

    13.12.13 (13:05:50)

    War ein guter Witz, das bezahlen Spass machen muss.... Dieses Level wird nie erreicht werden. Der Handel der Zukunft wird ohne jegliches Geld stattfinden, auch keine Kredits oder irgendwelche Guthabenformen. Einer der grössten Lügen der Menschheit, neben der Wassknappheit ist es das man Geld benötige um überhaupt zu leben. Aber das wird sich schon sehr bald ändern, wenn wir mal mit unserer Alternative in die öffentlichkeit gehen, dann werden wir sehr schnell das Ende des Geldes erleben und damit die Ausbeutung des Menschen stoppen.

  • Arash Houshmand

    13.12.13 (14:12:25)

    @Martin, @Thomas: Amex ;)

  • Kevinizer

    14.12.13 (09:19:22)

    Warum sollte Geld bezahlen Spaß machen? Sparen könnte mir eher Spaß machen. Wenn ich mir überlege, dass bei jeder Bezahlung irgendein Dienstleister die Hand über Gebühren aufhält und meine Daten an kriminelle Adresshändler weitergibt, vergeht mir der Spaß

  • Martin Weigert

    14.12.13 (09:52:17)

    Sparen soll Spaß machen? Wie denn, wenn du es nie ausgeben willst? Wofür sparst du?

  • Christian

    15.12.13 (11:50:46)

    Eine Kreditkarte mit Punkte- bzw. Rabattfunktion habe ich. (Auch wenn der Vergleich mit den USA schwierig ist, denn dort zahlen viele auch solche Rechnungen per KK, die man etwa in DE per Lastschrift zahlen würde, und können so mehr Punkte, Meilen o.ä. sammeln.) Aber: Meine Karte kann ich auch bei zahlreichen Läden bzw. Dienstleistern nutzen, während ich bei so ziemlich jedem Mobile-Payment-Verfahren erst fragen müsste, ob es akzeptiert wird ... Nein, ich erwarte nicht, dass Mobiles Bezahlen "Spaß" macht. Aber wenn ich etwa von SmartPass (über Vodafone Wallet) lese, einem Verfahren, bei dem ich erst Guthaben aufladen und womöglich noch einen NFC-Sticker aufs Telefon kleben muss, denke ich, dass es wohl noch eine Weile dauern wird, bis sich solche Zahlungsarten so durchsetzen werden, wie sich das mancher hier wünscht.

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