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29.04.14Leser-Kommentare

Hamburger Taxenverband: "Nächstes Mal vorher informieren, erst dann programmieren und investieren"

Der Hamburger Taxenverband attackiert in einer hochemotionalen Mitteilung Beförderungs-Startups wie Uber und WunderCar. Sie würden Schwarzarbeit und Steuerhinterziehung begünstigen. Fahrer will der Verein anzeigen und die Anbieter eventuell in die Störerhaftung nehmen.

TaxiDas Taxigewerbe sei das emotionalste Gewerbe, dass er jemals kennengelernt habe, so die klar Aussage von myTaxi-Chef Sven Külper in unserem heute morgen veröffentlichten Interview. Wie auf Bestellung verschickte der Hamburger Taxenverband e.V. gerade eine Pressemitteilung, die diesen Eindruck auf beachtliche Weise bestätigt.

Weil sie sowohl unterhaltsam ist als auch ein Gefühl für die massive Kluft zwischen alteingesessenen Anbietern und digital-inspirierten Neulingen vermittelt, veröffentlichen wir im Folgenden einige der Höhepunkte aus der mit dem Betreff "Kampf den Hobby-Taxis von Wundercar, Uber & Co" betitelten, offensichtlich mit gehöriger Wut im Bauch geschriebenen Meldung:

"Der HTV - Hamburger Taxenverband e.V. sagt den illegalen taxiähnlichen Diensten von Wundercar, Uber & Co. den Kampf an. Wir werden es nicht zulassen, dass gegen alle einschlägigen Gesetze und zu Lasten der Fahrkunden durch die Dienste von Wundercar, Uber & Co. Schwarzarbeit und Steuerhinterziehung begünstig werden. Wenn jemand den Taxis Konkurrenz machen möchte, soll er das gerne tun, aber bitte im Rahmen der geltenden Gesetze."

"Taxifahrer müssen in Hamburg monatelang büffeln für die sog. Ortskundeprüfung, die mittlerweile so anspruchsvoll geworden ist, dass regelmäßig drei Viertel der Prüflinge durchfallen."

"Zudem wurden in Hamburg in den letzten Jahren, in guter Zusammenarbeit von Taxenverbänden und Aufsichtsbehörde, hunderte illegal agierender Taxis von der Straße genommen. Deshalb wehren wir uns mit allen gebotenen Mitteln dagegen, dass nun mit Hilfe von Wundercar, Uber & Co. unkontrollierbare Hobby-Taxis mit hohen Schwarzarbeits- und Steuerhinterziehungs-Potenzialen auf die Straße kommen."

"Das Taxigewerbe ist keinesfalls bereit hinzunehmen, dass einige App-Anbieter ihr merkwürdiges Verhältnis zu geltendem Recht hier in die Tat umsetzen wollen. So äußerte Uber-Manager Dimitry Gore-Coty, zuständig für Nord- und Westeuropa, jüngst entlarvend: „Die deutsche Gesetzgebung ist zu einer Zeit geschrieben worden, als das Internet noch nicht erfunden war (...)”. Daraus abzuleiten, man könne sich mit neuen Internetdiensten wie die von Wundercar, Uber & Co. einfach über bestehende Gesetze hinwegsetzen, ist schlicht erbärmlich. Demnächst fordern die Brüder wohl noch, dass man mit einer neuen App Steuerhinterziehung und Drogenhandel zulassen müsse, denn auch da ist die deutsche Gesetzgebung zu einer Zeit geschrieben worden, als das Internet noch nicht erfunden war. “Legal, illegal, scheißegal” werden wir den Herren und ihren teils milliardenschweren Investoren (Google, Goldman & Sachs, Daimler, diverse Investmentfonds usw.) nicht durchgehen lassen - die hätten sich eben vor ihren Investionen mit der Rechtslage auseinandersetzen müssen. Es ist grotesk, sich hinterher über die bestehende Gesetze zu beschweren, welche letztendlich dem Schutz von Verbrauchern dienen. Wer ohne Praxisbezug, Realitätssinn sowie vertieften Kenntnissen des Personenbeförderungsrechts millionenschwere Schnapsideen umsetzt, der muss dafür auch zahlen. Wir empfehlen: Nächstes Mal vorher informieren, erst dann programmieren und investieren."

"Wir werden Hobby-Taxifahrer, die trotz der geltenden glasklaren Rechtslage Touren von Wundercar, Uber & Co. mit ihren privaten PKWs gegen Geld und zur Aufbesserung der eigenen Finanzen Personen gegen Geld befördern, durch Anzeigen bei der zuständigen “Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation” und mittels Unterlassungserklärungen am weiteren rechtswidrigen Tun hindern. Zudem werden wir prüfen, auf welche Weise wir die die Dienste von Wundercar, Uber & Co. in die Störerhaftung nehmen können."

Die komplete Meldung als PDF gibt es hier.

Es scheint, als könne WunderCar doch nicht entspannt von der Seitenlinie zuschauen, wie sich die Taxilobby und Uber streiten.

Grafik: Crazy taxi driver, Shutterstock

Kommentare

  • Clemens Grün

    29.04.14 (17:37:54)

    Guten Tag, als Mit-Autor der Pressemitteilung möchte ich den Hinweis geben, dass ich ein großer Freund von Reformen im Taxi-Markt bin. So war ich der erste reguläre Android-Fahrer bei mytaxi während dessen Probebetrieb in Hamburg 2010. Es wird lediglich gefordert, dass sich alle an die gleichen Regeln halten. Wer meint, sich mit ein paar Millionen im Hintergrund außerhalb der für alle geltenden Regeln bewegen zu müssen, dessen Millionen kann man in Kürze als Qualm durch den Schornstein abziehen sehen. Im Übrigen ist Ihre Überschrift exzellent gewählt. Mit freundlichem Gruß Clemens Grün 2. Vorsitzender HTV - Hamburger Taxenverband e.V. vorstand@hamburgertaxenverband.de

  • Joern Napp

    29.04.14 (17:53:03)

    Nun. Es ist ja schön, wenn hier einer versucht, sich gegen die dräuenden Menetekel zu stemmen! Aber Fakt ist, daß Clemens Grün einem Verband vorsteht (2.VS) der nicht sehr viel mehr als 10 Mitglieder hat! Der wahre Widerstand findet hier statt! www.das-freie-taxiforum.com ----> Mietwagen

  • Martin Weigert

    29.04.14 (18:13:08)

    Ok also anstatt dass das gemeinsame Ziel vereint, geht es darum, welche Taxi-Organisation am besten Widerstand leistet??? Kein Wunder dass Startups die Möglichkeit sehen, den Markt ordentlich auf den Kopf zu stellen, wenn die bisherigen Vertreter derartige Eitelkeiten an den Tag legen.

  • Martin Weigert

    29.04.14 (18:23:53)

    Grundsätzlich stimme ich zu, dass rechtliche Vorgaben eingehalten werden müssen. Gleichzeitig ist es meiner Meinung aber auch essentiell, dass Gesetze auf den neuesten Stand gebracht werden. Dummerweise geschieht dies selten auf Initiative der etablierten Marktteilnehmer - denn deren Geschäftsmodelle erfordern dies nicht, und sie sind oft auch ein bisschen bequem. Mitunter ist es also der gezielte Gesetzbruch oder zumindest die Aktivität in einem Graubereich durch einen Neuling, die zu Prozessen führt, die dann eventuell eine Aktualisierung der Rechtslage nach sich ziehen. Oder eben nicht. Insofern halte ich es für ein durchaus natürliches und auch gar nicht ungesundes Ereignis, dass Neulinge in einem Wirtschaftsbereich gezielt den Status Quo in Frage stellen und somit Bewirken, dass existierende Regelungen auf ihre zeitgemäße Form abgeklopft werden. Meines Erachtens nach ist es durchaus an der Zeit, dass die Relevanz und Effektivität des Personenbeförderungsgesetzes geprüft wird. Womit ich nicht sage, dass es überflüssig ist. Ich halte es nur für begrüßenswert, dass die bisherigen Strukturen herausgefordert und hinterfragt werden - mit offenem Ergebnis.

  • Joern Napp

    29.04.14 (18:24:46)

    [Kommentar gelöscht, da er persönliche Anschuldigungen enthält, die wir so nicht überprüfen können, Anm. der Redaktion]

  • Joern Napp

    29.04.14 (18:57:40)

    Das PBefG kann NUR dann in Frage gestellt werden, wenn das gesamte System des ÖPNV in Sachen individuellem Verkehr zunächst einmal zu den Akten gelegt wird! Wir können nicht zwei Wege gleichzeitig beschreiten: Einen stark regulierten, und daneben einen völlig unkontrollierten Teil! Versuche einer Deregulierung auf dem Taximarkt sind bisher immer gescheitert! Teilweise sogar in kriegsähnlichen Zuständen geendet!

  • Jürgen Auer

    29.04.14 (20:25:23)

    Neulich gab es ein BGH-Urteil (VII ZR 241/13), daß bei Schwarzarbeit der Gesamtvertrag nichtig sei. Wenn ein Gericht solche Transporte (vermittelt von Wundercar oder Uber - gegen letzteren gibt es bereits eine einstweilige Verfügung in Berlin) als Schwarzarbeit einstuft, weil einzelne Fahrer das so häufig machen, daß es gewerblich ist (und sie das nicht als Gewerbe anmelden): Dann sind zum einen Forderungen nichtig. Zum anderen könnten sich bei Unfällen Krankenkassen weigern, die Kosten zu übernehmen. Dann wäre das für einzelne Beteiligte (Fahrer und Gefahrene) sehr schnell sehr teuer. Herr Grün: Wieviele Mitglieder hat Ihr Verband?

  • Thomas L.

    29.04.14 (22:02:01)

    @Martin: Ich bin für Innovationen. Aber mit der in solchen Fällen meist reflexartig geforderten "Aktualisierung der Rechtslage" habe ich so meine Probleme. Das ist genau das Credo, was uns die Neokonservativen seit Jahrzehnten einbläuen wollen: Die angebliche Notwendigkeit einer "marktkonformen Demokratie". Es ist falsch, geltende Gesetze zu ändern, nur weil einige "Marktteilnehmer" keine Lust haben, sich daran zu halten. Bitte nicht falsch verstehen: Gerade in Deutschland gibt es für Startups mehr Hindernisse als Unterstützung und allem Neuen wird mit grosser Skepsis begegnet. Aber den ständigen Ruf nach liberalerer (Wirtschafts-)Gesetzgebung kann mittlerweile keiner mehr hören. Denn die meisten "Reformen" der vergangenen Jahre haben sich für einen Grossteil der Bürger und kleineren Firmen als extrem nachteilig erwiesen. Mit solchen Forderungen kann man niemanden mehr hinter dem Ofen hervorlocken.

  • Karsten Wildebrand

    30.04.14 (02:12:54)

    @ Jürgen Auer: Da wird ein ganz entscheidender Punkt angesprochen: Die Krankenkasse und Zusatzversicherung kann und wird sich weigern zu zahlen, falls ein Unfall geschieht. Daher sollte man von so etwas die Finger lassen.

  • Joern Napp

    30.04.14 (16:17:36)

    Etwa 10! Plusminus 1! Habe heute gerade mit einem der älteren Mitglieder gesprochen und diese Zahl verifiziert. Wahrscheinlich sind es sogar noch weniger, aber die zählen auch Karteileichen noch dazu, die schon längst keine Mitglieder mehr sind! Mindestens einen Fall dieser Art kenne ich persönlich! Von einem weiteren Fall weiß ich von Hörensagen.

  • Joern Napp

    30.04.14 (16:20:37)

    Auch das ist nicht wirklich richtig! ALLE Fahrgäste sind IMMER versichert! Wie ja auch immer das Gerücht ging, daß bei Fahrten ohne Uhr im Taxi die Gäste nicht versichert seien! SIND SIE ABER! Was allerdings geschehen kann ist, daß die Versicherung im Nachherein versucht, sich ihre Kohle vom Fahrer wieder reinzuholen, was allerdings in den meisten Fällen wohl vergeblich sein dürfte!

  • Taxikunde

    01.05.14 (10:24:44)

    @clemensgrün: Sehr geehrter Herr Grün, als regelmäßiger Taxifahrer muss ich über die Pressemitteilung ein wenig schmunzeln. Nehmen Sie mal ein Taxi vom Hamburger Flughafen in die Stadt. Meine Erfahrung: jeder zweite Taxifahrer schaltet erstmal das Navi an oder fragt mich wo sich das Ziel befindet. Ist die Tour unter 20 Euro, ist direkt schlechte Laune zu spüren. Zigarettenrauch, laute Musik und Dreck. Auch ein Lieblingstrick vieler Fahrer, "ich kann nicht wechseln" und schon geht der Betrug los. Oder noch besser: "Mein Gerät ist nicht geladen" oder "ich hab kein Empfang", nur um eine Kreditkartenzahlung zu verhindern. Das sind meine Erfahrung im Hamburger Taxigewerbe. Es wird Zeit, dass Sie aufwachen und sich bewegen. Die Qualität ist am Boden. Das Produkt muss überdacht werden, wir haben 2014. Gesetze müssen eingehalten werden, aber am Ende geht es um den Kunden und die Kundenorientierung. Seitdem es Alternativen in der Beförderung gibt, meide ich Taxifahrten wann immer ich kann. Ich habe einfach keine Lust viel zu zahlen und ein schlechtes Produkt zu erhalten. Beste Grüße, Ein ehemaliger Stammkunde

  • Zitschke

    01.05.14 (13:38:22)

    Es scheint... ...die Taxilobby... heisst es oben. Hätten wir eine, gäb's diese Diskussion nicht! Die App-Protagonisten stünden wohl längst vor Gericht!

  • Mustermann

    01.05.14 (13:38:38)

    Und wenn das Selbststeuerungen Auto kommt gibts keine Taxifahrer mehr Aktuell im Test in Schweden Aufwachen ... Es kommt eine neue Zeit Monopole kann man nicht halten Und geschaftemodelle wie über sind wohl nur kurzfristig gedacht Bye

  • Jens Best

    01.05.14 (13:50:28)

    Ob ein Fahrer die Strecke kennt oder das Navi benutzt ist für mich gar nicht der entscheidende Punkt. Viel wichtiger ist es aber eine gewisse Planungssicherheit bei den Preisen zu haben. Bei Uber etc. findet die Preisbildung nach stundenaktuellen Marktsituationen statt, bei Taxen habe ich eine stadtweit ausgehandelte Preissituation, die einerseits den Bürger Planungssicherheit gibt und andererseits sicherstellt, dass Taxifahren ein einigermaßen lohnenswerter Beruf bleibt. Es wird Zeit, dass die disruptiven Innovatoren der Webgeneration lernen, dass es nicht ausreicht einer im Kern neoliberalen Kalifornischen Ideologie nachzustreben, wenn es darum geht mit Internet-basierten Ideen und Werkzeugen Dinge des Alltages zu “verbessern”. Eine “Verbesserung” beruht – oft unbewusst – auf gewissen Wertebildern. Wenn es Internet-Entrepreneueren nicht gelingt hier selbstkritisch zu fragen, welchen Wertebildern sie huldigen, dann sollte ihnen ggf. auch mit deutlichen Massnahmen ihre Grenze aufgezeigt werden. Wenn ein Entrepreneur allerdings bereit ist über die reine “Marktoptimierung” hinaus über die wirtschaftlich-gesellschaftlichen Rahmenbedingungen einer Dienstleistung nchzudenken und dann web-basierte neue Lösungen zu entwickeln, dann ist dies tatsächliche eine Weiterentwicklung und nicht nur eine Zerstörung.

  • Martin Weigert

    01.05.14 (14:41:24)

    "Wenn ein Entrepreneur allerdings bereit ist über die reine “Marktoptimierung” hinaus über die wirtschaftlich-gesellschaftlichen Rahmenbedingungen einer Dienstleistung nchzudenken und dann web-basierte neue Lösungen zu entwickeln, dann ist dies tatsächliche eine Weiterentwicklung und nicht nur eine Zerstörung." Gut formuliert.

  • Clemens Grün

    01.05.14 (16:21:52)

    Das selbstfahrende Auto wird zeitgleich eingeführt mit dem papierlosen Büro.

  • Clemens Grün

    01.05.14 (16:29:39)

    Hallo Herr §ehemaliger Stammkunde", gerne würde ich Ihnen detailiert antworten, aber dazu mangelt es an zweierlei: An einer mangelnden Bereitschaft, sich auf nachprüfbare Fakten einzulassen (in der Presseerklärung dargelegt: Am Hamburger Flughafen gesunkene Beschwerdezahlen von Taxifahrgästen, und das hohe Vertrauen von Bürgern in Taxifahrgäste im Berufe-Ranking), und Ihre Angst, zu ihren unbelegten Behauptungen zu stehen, in dem Sie nicht mit Klarnamen diskutieren. Mit freundlichem Gruß Clemens Grün (der mit 331 tatsächlichen Stammkunden und einer Bewertung von 4,96 nach 1047 Fahrgast-Bewertungen in der mytaxi-Fahrer-App bundesweit im Spitzenfeld liegt - um mal mit nachprüfbaren Fakten zu argumentieren)

  • Sascha Schubert

    01.05.14 (18:16:11)

    Die Shareconomy macht Immobilien, Autos, Werkzeug für Menschen verfügbar die sich aus ökologischen oder ökonmischen Gründen keines leisten wollen. So lassen sich knappe Ressourcen besser nutzen und die Versorgung verbessern. Die meisten Autos stehen nähmlich an 95% des Tages rum und Wohnungen stehen oft wochenlang leer. So werden Konsumenten auch bei realen Gütern zu Prosumenten. Jeder kann im Web veröffentlichen, jeder kann Vermieter oder jeder kann Mitfahrgelegehenheiten im Auto anbieten oder seine Bohrmaschine vermieten. Natürlich braucht auch die Shareconomy Marktplätze. Solche Marktplätze werden nun nach und nach verboten oder kriminalisert. Damit geht die Sharconomy aber leider den Bach runter, da sie solche digitalen Marktplätze braucht um zu funktionieren. Auf unserem FB Profil beschreibt eine Taxi Fahrer seinen Job als moderne Sklaverei bei Arbeitszeiten von 12 Stunden am Tag und unter 5€pro Stunde. Eine schöne alte deutsche Welt verteidigen die Taxi Verbände.

  • Jens Best

    01.05.14 (18:53:40)

    Die Befähigung des Individuums ist nur ein Aspekt, auf den eine funktionierende Gesellschaft achten muss. Deine einleitende Argumente sind alle richtig und tragen dazubei, gesellschaftlichen Wandel durch egozentrische Beweggründe voranzutreiben. Das ist ein wesentliches Element lebendiger Gesellschaften, die nicht durch Gremien, sondern Ideen veränderbar bleiben. Das ist aber nur ein Teil des Erfolges einer gerechten Gesellschaft. Eine nicht ausbalancierte Entwicklung, die auch durch Interessen der Gemeinschaft und nicht des Individuums getragen wird, führt zu Effekten, die eine Gesellschaft partiell oder gänzlich aus der Bahn werfen. Es ist gut, dass es nun Begriffe wie "Prosument" oder "Shareconomy" gibt, aber ihre unreflektierte Wertschätzung ohne Sicht auf die Probleme, die sie hinsichtlich gesamtgesellschaftlicher Entwicklung mit sich bringen, ist genau der von mir kritisierte kurzsichtige Sichtweise, die von vielen Mitgliedern der "Startup-Szene" an den Tag gelegt wird. Ob dies aus geldfixierter Naivität oder bewusstem neoliberalen Wertebild geschieht ist eher zweitrangiger Natur, denn es ist in seiner Wirkung schädlich für die Gesellschaft und mittelfristig auch für das Ansehen der Wirkungsmacht des soziotechnologischen Werkzeuges Internet. Hier gilt es als Gesellschaft ausgleichend zu handeln. PS: Hier wird keine "schöne alte deutsche Welt", in der Ausbeutung traurige Realität ist, verteidigt. ein solcher Satz offenbart eine fragwürdige Schwarz/Weiss-Denke. Zu glauben, dass die Lösung in einem blinden Glauben an eine digitale neoliberale Kalifornische Ideologie liegt, ist mehr als blauäugig. Es ist unverantwortlich.

  • Jürgen Auer

    01.05.14 (19:04:59)

    Die 5 Euro / Stunde dürfte es geben, weil (1) die Vermittlungen dazwischen sehr viel dran verdienen und (2), weil es zu viele Taxis gibt. Die Vermittlungen lassen sich durch IT und entsprechende Apps so ziemlich vollständig überspringen. Damit habe ich kein Problem. Aber wenn ich einen Satz lese "Einfach wie ein Taxi, zum halben Preis", ohne daß es die rechtliche Sicherheit eines Taxis gibt (auch nicht die Hälfte davon), dann finde ich solche Angebote suspekt. Wenn es dann kracht: Übernimmt dann Wundercar die Kosten (da ist das zu lesen)? Analoge Konflikte gibt es grade um Airbnb in den USA. Leute mieten eine Wohnung an - und zerlegen den Inhalt. Inzwischen ersetzt Airbnb den Schaden - aber das hilft nichts, wenn die eigentlichen Vermieter wegen Zweckentfremdung fristlos kündigen. Da wurde das Recht gerade kurzfristig weiterentwickelt. Analog Berlin mit den Problemen, die es hier mit Wohnungen gibt, die ungenehmigt an Touristen untervermietet werden. Brand? Fluchtwege?

  • Clemens Grün

    01.05.14 (21:07:04)

    Sehr geehrter Herr Schubert, Sie schreiben: "Auf unserem FB Profil beschreibt eine Taxi Fahrer seinen Job als moderne Sklaverei bei Arbeitszeiten von 12 Stunden am Tag und unter 5€pro Stunde. Eine schöne alte deutsche Welt verteidigen die Taxi Verbände." Ich weiß nicht, welche "Taxi-Verbände" Sie meinen, die "Arbeitszeiten von 12 Stunden am Tag und unter 5€pro Stunde" verteidigen. Wir vom HTV - Hamburger Taxenverband e.V. haben uns seit Jahren für die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns eingesetzt. Auch konnten wir durchsetzen, dass bei den alle fünf Jahre stattfindenen Konzessions-Prüfungen und -Verlängerungen in Hamburg nicht mehr nur auf Steuer- und Abgaben-Verkürzungen geschaut wird, sondern auch auf Verstöße insbesondere gegen das Arbeitszeitgesetz. Durch Aktivitäten aus unserem Verband wird dieses seit 2012 von der Hamburger Verkehrsgewerbeaufsicht mit zunehmenden Erfolg gemacht - einzigartig in Deutschland. Wir möchten nämlich nicht, dass die wertvolle Fracht "Mensch" von übermüdeten Fahrern kutschiert wird, die elendlange Schichten abreißen müssen (60 bis 70-Stunden Arbeitszeit pro Woche sind bei Großstadt-Taxifahrern eher normal als ungewöhnlich - und definitiv rechtswidrig!) In der Hoffnung, Ihnen mit diesen Infos weitergeholfen zu haben verbleibe ich mit freundlichem Gruß Clemens Grün 2. Vorsitzender HTV - Hamburger Taxenverband e.V.

  • Clemens Grün

    01.05.14 (21:16:13)

    Sehr geehrter Herr Weigert, Sie schreiben von "Neulinge in einem Wirtschaftsbereich", die "gezielt den Status Quo in Frage stellen". Ich entgegne: Innovationen sind gut, wenn Sie sich an der Wirklichkeit und an den bestehenden Gesetzen orientieren. Dabei ist es jedem freigestellt, an Veränderung von Recht mitzuwirken. Sich über das Recht zu stellen ist aber in einem Rechtsstaat und einer aufgeklärten Demokratie keine akzeptable Option. Im Übrigen haben bisher sämtliche Programmierer und Anbieter von Taxi-Apps einen wesentlichen Punkt "übersehen": Die Kunden (im Sinne von ‘zahlender Kunde’) sind nicht die Fahrgäste. Es sind die Fahrer. Wer das nicht bedenkt, wird seine Programmierung und die eingesetzen Investitionen so sicher wie das Amen in der Kirche in den Sand setzen. mytaxi ist schon drauf und dran, als sie zum Februar das bewährte und faire Provisionsmodell (€ 0,79 pro erfolgreich vermittelter Tour) über den Haufen geworden haben – und zwar gegen den erklärten Willen der überwältigenden Menge ihrer zahlenden Kunden. Mit freundlichem Gruß Clemens Grün

  • Axel Metayer

    02.05.14 (00:55:44)

    Wer schon mal ein Taxi in San Francisco benutzt hat (zerrissene Sitze, Spanische Fahrer die kein englisch sprechen und Google Maps auf meinem Handy nicht lesen können), empfindet Dienste wie Über als Wohltat. In Deutschland haben wir schon einen hohen Standard, trotzdem nutze ich Dienste wie MyTaxi weil ich Bargeldlos bezahlen kann und keine Belege sammeln muss und die Rechnungen für die Buchhaltung per Email bekomme. Und ich halte es für angebracht bestehende Märkte in Frage zu stellen. Ob Google & co dabei ein paar Millionen verlieren wird den meisten egal sein (und google wahrscheinlich auch weil der nächste Markt um die Ecke schon ruft).

  • Joern Napp

    02.05.14 (09:21:15)

    Wat denn, wat denn, Clemens! Nach all dem Trara gegen MyTaxi nutzt du immer noch deren Vorteile und machst Geld mit denen? Das verstehe, wer will!?

  • Joern Napp

    02.05.14 (09:34:59)

    Lieber Clemens. Der HTV mit seinen immerhin 10 Mitgliedern hat in Hamburg bisher NOCH NICHTS durchgesetzt! Den Anlaß für die bundesweite Situation in Sachen Entlohnung und Arbeitszeiten hat Rainer Schmidt durch seine Anschreiben an die Behörden und entsprechenden Ämter eingeleitet. Auch und GERADE die von dir unterstützte ARGE (Arbeitsgemneinschaft der Unternehmer-Verbände in Hamburg) wehrt sich VEHEMENT gegen den Mindestlohn und andere Regulatorien! Der von denen unterstützte BZP (Bundesverband) versucht mit allen Lobby-Methoden den ML hinauszuzögern oder gar zu verhindern!

  • Joern Napp

    02.05.14 (09:46:48)

    Hier die eher etwas hilflose Antwort unserer Behörde in Hamburg auf meine vor über einem Monat gestellte Frage an sie, was man denn von amtswegen gedenkt, gegen diese Herren zu unternehmen? Daß man dort offenbar keine wirklichen rechtlichen Hebel gegen WC hat, macht der Kommentar des WC-Chefs in dem Sat1-regional-Filmchen deutlich! AW: Personentransporte mit WUNDERCAR in Hamburg ! 01.04.2014 um 07:46 Uhr Von: Meyenborg, Marco Sehr geehrter Herr Napp, nach § 1 PBefG unterliegt die entgeltliche oder geschäftsmäßige Beförderung von Personen der Genehmigungspflicht. Als Entgelt sind auch wirtschaftliche Vorteile anzusehen, die mittelbar für die Wirtschaftlichkeit einer auf diese Weise geförderten Erwerbstätigkeit erstrebt werden. Die Beförderungen unterliegen nur dann nicht der Genehmigungspflicht, wenn diese unentgeltlich sind oder das Gesamtentgelt die Betriebskosten der Fahrt nicht übersteigt. Dass dieses in der Praxis ggf. nicht eingehalten werden wird, weil die Fahrer (und natürlich auch die Vermittlungsplattform) daran etwas verdienen möchten, ist anzunehmen. Die Firma Wundercar wurde bereits auf die Anforderungen des Personenbeförderungsgesetzes hingewiesen. Mit freundlichen Grüßen, Marco Meyenborg

  • Jürgen Auer

    04.05.14 (10:57:09)

    Kleine thematische Ausweitung: Ein ähnliches Problem taucht nun beim Thema Crowdfunding auf. Da hat ein Unternehmen auf Kickstarter Geld eingesammelt - etwa 25.000 Euro. Als Ziel waren nur 15.000 ausgegeben, also hat Kickstarter das Geld ausgezahlt. Gemacht wurde seither nichts, da reagiert auch niemand mehr. Nun Klage des US-Bundesstaats Washington. Siehe folgender Artikel bei Heise: USA: Erste Klage wegen Crowdfunding-Reinfall http://www.heise.de/newsticker/meldung/USA-Erste-Klage-wegen-Crowdfunding-Reinfall-2182006.html Es könnte sein, daß das längerfristig darauf hinausläuft, daß auf solche Plattformen gewisse Beratungspflichten (analog zu Banken) dazu kommen. Denn schließlich profitieren sie von solchen Vermittlungen.

  • Jürgen Auer

    04.05.14 (10:58:16)

    PS: Sorry, muß Dollar heißen.

  • Sven

    05.05.14 (10:05:23)

    Das es einen Reformbedarf des Taxigewerbes gibt sieht man sehr schön an den ewigen Diskussionen unter diesem Artikel. Wie die genau aussehen sollten, kann ich leider nicht beurteilen, da fehlt mir die Expertise.

  • Rainer Schmidt

    07.05.14 (22:43:31)

    Eine kleine Klarstellung… Die Initialzündung zur verstärkten Beachtung der einschlägigen Sozialgesetze im Taxigewerbe, wie FPerG oder ArbZG, habe zwar ich gesetzt mit meiner Beschwerde/Petition bei der Hamburger Bürgerschaft (die angenommen und beantwortet wurde und in einer Einladung am 20. Januar 2012 an Vertreter des Taxigewerbes, IHK, BG u.a. gipfelte), der Arbeitsschutzbehörde, der BWVI (Verkehrsaufsichtsbehörde), des BMVI und vielen weiteren Anschreiben an involvierte Institutionen (IHK’s, BZP und Verbände). Aber es ist vor allem die kontinuierliche, aktuelle Arbeit des Hamburger HTV (hier besonders in der Person des Herrn Clemens Grün) und weiterer beteiligter Personen, die das Thema befördert und weitergetragen haben. Bis hin zu der Aufmerksamkeit und den positiven Folgen die es derzeit besonders in Hamburg, aber auch bundesweit im Taxigwerbe, genießt. Gemessen daran ist mein Beitrag dazu bescheiden. Und meine Achtung für Herrn Grün, der sich in diesem Medium hier einsetzt und Fragen vorbildlich beantwortet, groß. Trotzdem Danke für die Blumen, Herr Napp. Wenn auch zu viel der “Ehre”. Und mit etwas weniger Personenbashing würden sie besser duften. Guten Tag allen, Rainer Schmidt

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