<< Themensammlung Netzwertig

Unter netzwertig veröffentlichen wir in unserem Blog Einschätzungen zu aktuellen digitalen Geschäftsmodellen und IT-Trends, Meldungen, Analysen, Reviews und Specials.

30.09.13

Hässlicher Konkurrenzkampf der Online-Essensvermittler: Lieferheld kopiert Lieferando

In kaum einem Segment der Webbranche wird mit so harten Bandagen gekämpft wie bei der Onlinevermittlung von Speisen. Kaum herrscht für ein paar Monate Ruhe, eskaliert die Lage wieder, wie aktuell zwischen Lieferando und Lieferheld.

Der Markt der Online-Essensvermittler ist stark im Wachsen begriffen, in Deutschland getrieben von den drei tonangebenden Diensten Pizza.de, Lieferheld und Lieferando. Wir haben das Segment in unserer Berichterstattung bisher nicht wesentlich berücksichtigt, da der Markt deutlich weniger durch technische oder konzeptionelle Innovation charakterisiert wird als andere Bereiche der Netzökonomie. Zwischen den hiesigen Akteuren herrscht außerdem seit längerem ein äußerst aggressiver Wettbewerb, bei dem zum Teil sehr schmutzige Wäsche gewaschen wird. Streitigkeiten gab es in der Vergangenheit unter andere um geklaute Speisekarten, Zahlungsverfahren und DDOS-Attacken. Die Kosten für die juristischen Auseinandersetzungen dürften wesentlich sein, allerdings mangelt es den Unternehmen dank größzügiger Finanzierungsrunden im zweistelligen Millionenbereich nicht an Kapital.

Nachdem jüngst schnell dementierte Gerüchte zu einer Fusion der beiden Berliner Startups Lieferando und Lieferheld aufkamen, sah es zumindest so aus, als sei zwischen den um den Hunger der Nutzer buhlenden Streithähnen Frieden eingekehrt. “Die Verhältnisse sind mit allen Wettbewerbern mittlerweile gut”, erklärte Lieferando-Mitgründer Christoph Gerber im Juni gegenüber deutsche-startups.de. Doch da hatte er sich zu früh gefreut. Denn die Kollegen von Lieferheld scheinen nicht unbedingt an einem harmonischen Verhältnis zu Lieferando interessiert zu sein. Anders lässt sich der jüngste Vorstoß der Haupststädter kaum erklären: Hohe Verwechslungsgefahr beim Design

Denn seit kurzem erstrahlen einige der internationalen Tochterangebote von Lieferheld beziehungsweise von der Muttergesellschaft Delivery Hero in einem neuen Design, so das aus Polen stammende Pizzaportal.pl und das schwedische Pendant Onlinepizza.se. Verblüffend: Die Homepage erinnert optisch stark an die von Konkurrent Lieferando. Öffnet man Pizzaportal.pl und Lieferando in zwei Browsertabs und wechselt zwischen diesen schnell hin und her, wird deutlich, dass die rote Leiste am oberen Rand auf den Pixel genau die gleiche Höhe hat. Auch der Farbverlauf sowie die Farbkombination rot-weiß-grün der Website sind identisch. Einige andere grafische Elemente unterscheiden sich zwar, dennoch ist hier beim flüchtigen Hinschauen die Verwechslungsgefahr hoch.

Lieferando setzt seit dem vergangen Jahr auf das aktuelle Design. Noch bis vor wenigen Wochen sahen Pizzaportal.p und Onlinepizza.se dagegen komplett anders aus, wie Archive.org belegt (hier und hier ). Beide Angebote wurden 2012 von der Lieferheld-Mutter Delivery Hero übernommen.

Essen

Original (links) und Kopie

"Am Anfang dachte ich, dass das ein Witz sei"

Lieferando-Geschäftsführer Christoph Gerber vermutet, dass auch Lieferheld bald das gleiche Facelift erhalten und damit Nutzer im Heimatmarkt Deutschland verwirren wird. Durchaus nachvollziehbare Bedenken, immerhin sind sich die Dienste schon beim Namen sehr ähnlich. "Ich finde es verwunderlich, dass uns Lieferheld in einigen Märkten anscheinend 1:1 vom Design her kopiert", so Gerbers Reaktion. "Am Anfang dachte ich, dass das ein Witz sei, so herrlich absurd ist die Vorstellung, dass Lieferheld uns so dreist kopiert. Es ist ja nicht so, dass unser Design das einzige Wahre in der Welt ist".

Es fällt schwer, Gerber hier zu widersprechen, auch wenn er mit seiner Behauptung, es würde sich um eine 1:1-Kopie handeln, etwas übertreibt. Welches Motiv Lieferheld getrieben hat, ohne Not so offensichtlich den Wettbewerb nachzuahmen, bleibt auch nach einer Stellungnahme von Lieferheld/Delivery Hero-Marketingchef Hugo Suidman im Unklaren. "We create unique websites for every country in our portfolio. Our inspiration for the design comes from our own strategy and is based on our own corporate design. It is also based on the insights we get from the people who use our service – with the aim to make ordering as simple and convenient as possible. Similarities with other websites might be due to the fact that there are more parties aiming for easy ordering", so Suidman. Eine Antwort auf die Frage, ob Lieferheld die so geschaffene Verwechslungsgefahr nicht selbst für eine Problem hält, ließ sich weder von Suidman noch von Pressesprecherin Susanne Mildner erhalten. Offensichtlich nicht.

Mit Fairness ist nicht zu rechnen

Letztlich könnten Lieferando-Chef Gerber und sein Team die Abkupferung ihres Website-Designs als Kompliment nehmen, und so lässt sich Suidmans Stellungnahme auch auslegen. Doch natürlich fällt es für ein Startup schwer, wenn das eigene Design urplötzlich von einem Mitstreiter nachgeahmt wird. Vor allen Dingen signalisiert es Lieferando, Pizza.de und allen anderen: Auf ein faires, respektvolles Miteinander darf sich in diesem Bereich der Webwirtschaft niemand einstellen. /mw

Das könnte Sie auch interessieren

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer