<< Themensammlung Netzwertig

Unter netzwertig veröffentlichen wir in unserem Blog Einschätzungen zu aktuellen digitalen Geschäftsmodellen und IT-Trends, Meldungen, Analysen, Reviews und Specials.

07.04.09Leser-Kommentare

Biographien im Web 2.0: Niemand ist ein unbeschriebenes Blatt

In Zeiten des Web 2.0 entkommt man seiner Biographie nicht mehr. Es heißt, wie das im Dorf nun mal so ist, wieder mit der eigenen Vergangenheit zu leben - statt gegen sie.

Ein Wechsel der Persönlichkeit, ein Leben als 'Felix Krull', als inszenierte Abfolge von Personenpersonen - das ist nicht länger möglich, weil die Vergangenheit immer schon an der nächsten Abzweigung zur Zukunft steht und dich von dort komplizenhaft angrinst. Zuletzt musste dies jene RTL-Jungreporterin erfahren, die von ihrem Sender in Winnenden ins Feuer geworfen und gewissermaßen 'verheizt' wurde. Sie zeigte sich dieser Situation nicht gewachsen - "Chaos vom Feinsten" - und wurde so unfreiwillig zum Symbol des empathiefreien Umgangs privater Medien mit den Quoten-Sensationen des Schreckens.

Als der Rummel um diesen Beitrag begann, nahm RTL zunächst die entsprechende Moderation aus der hauseigenen Datenbank heraus. Kurz darauf schrieben die RTL-Anwälte Youtube an, wo der inkriminierte Beitrag dann auf Grund des Drucks ebenfalls verschwand. Und auch bei Sevenload, von wo aus Stefan Niggemeier es in diesem Beitrag einband, fehlt die Sendung mit den vielen Peinlichkeiten inzwischen. Dennoch: Die Dame wird nie wieder eine 'weiße Weste' erhalten, Google listet sie schon mit knapp 200.000 Einträgen, die meisten sind auf ihren publizistischen Fehlstart in Winnenden bezogen, und viele sind mit ihrem Video untermalt. Ebenso wenig können ein paar auf den Hund gekommene Werber aus der Agentur Jung von Matt ihre kreative Unschuld zurückgewinnen, ebenso wenig kann ein bekannter Dübelerfinder seiner Spiegelung in diesem Blog entgehen und, und, und ... alles in allem ist das Internet ein unvergessliches Medium für alle, die sich hineinbegeben.

Unsere Biographien - ob als Person oder als Unternehmen - werden also 'sticky', man könnte norddeutsch derb auch sagen, dass die guten und vor allem auch die schlechten Episoden an uns kleben werden 'wie Schifferscheiße'. Deswegen sind auch die Bemühungen des Reputation Management so obsolet - wie andererseits auch die Sonntagsschulmärlein der diversen Karriereberater, die junge Menschen in ihrer Pubertät schon vor studiVZ oder Facebook warnen. Das Web 2.0 kennt keine Radiergummis, heißt es dort dann mit warnend erhobenem Zeigefinder. Also benehmt euch gefälligst so, wie ihr gar nicht seid - und macht bloß keine Äh-Bäh-Erfahrungen!

Trotzdem - wie 'glaubhaft' und 'authentisch' wären denn solche Google-Biographien, die dem künftigen Chef nicht die geringste Auffälligkeit zeigen, nur die drogenfreie, unermüdlich dienstbare Arbeitsbiene mit Qualifikationen bis hinten gegen? Kein Besäufnis, keine Knutscherei, keine deftige Meinungsäußerung? Glaubt denn wirklich irgendwer, eine Firma mit gesundem Menschenverstand würde mit Vorliebe Langeweiler mit blütenweißer Weste einstellen, Tugendbolzen, die unentwegt die zehn Gebote schwenken, glattgeschleckte Musterbiographien auf zwei Beinen, die angeblich nur an ihren Noten interessiert waren, unbeschriebene Blätter, die so viel Persönlichkeit besitzen wie ein Stück Toilettenseife?

Wer sich bspw. die Mühe machen würde, mir googlemäßig hinterherzustiefeln, der wird feststellen, dass ich mal einen leibhaftigen Kampfhund besaß, bis der arme Kerl vor einem Jahr an Prostatakrebs erkrankte, dass ich ferner in grauer Vorzeit für einen Landesverband der Grünen die Pressearbeit machte und dazu als Vorstandssprecher meinen Kreisverband sogar erfolgreich an all den anderen Parteien vorbei geführt habe, er wird auch hören, weshalb ich später aus diesem Verein wieder ausstieg, und er kann erfahren, für welche Zeitungen ich einst schrieb. All das hat meine Kunden nie gestört - bzw. hätte ich für jene Kunden gar nicht schreiben mögen, die so etwas gestört hätte. Und ich habe auch mit allen offen über solche vergangenen Erfahrungen gesprochen, wenn das Thema darauf kam. Ja, warum denn nicht? Man ist doch auch stolz auf sein bisschen Buntheit ...

Kurzum: Wir alle werden dank des Web 2.0 wieder lernen müssen, MIT unseren Biographien zu leben statt GEGEN sie. Auch deshalb, weil wir sie ja gar nicht mehr ändern können. Jede Biographie ist dabei notwendigerweise fleckig. Wer das nicht einsieht, der findet seine unliebsamen Geschichten plötzlich auf der Weihnachtsinsel wieder, wohin bisher der Arm keines deutschen Anwalts reichte. Nachträgliche Korrekturen sind komplett sinnlos: Was jemand getan hat, das hat er getan - er kann es nur plausibel in seine Vita einbauen. Biographiearbeit ist gefragt - keine Unterlassungserklärungen auf Druck von Anwälten oder Reputationsagenturen. Denn das Leben ist kein Wunschkonzert, sondern eine Kette von Fakten und Ereignissen. Alles in allem ist das Netz eine schlechte Nachricht für alle Biographie-Scharlatane, die gern anders scheinen möchten, als sie's sind.

Wer das Prinzip übrigens verstanden zu haben scheint, das ist der EU-Abgeordnete Daniel Cohn-Bendit, der seit langem schon wegen seiner jüdischen Abstammung und seiner Schlagfertigkeit das Hassobjekt aller verbohrt Rechten dieser Welt ist. Dem Cohn-Bendit klebt seit 1975 ein unappetitlicher Kinderladen-Text an den Hacken, wo er im einstigen Sponti-Mief die Möglichkeit von sexuellen Handlungen zwischen Erziehern und Kindern andeutete. Prompt brachte der Libertas-Chef Declan Ganley das Thema erneut aufs Tapet, als er mit Cohn-Bendit in Brüssel pro und contra EU diskutierte. "In dieser Zeit wurde eine Menge Mist geschrieben, und einiges davon war von mir", antwortete ihm der 'rote Dany' kurz und knapp. Am Ende der Diskussion verließ der Grüne trotz gewohnter Kindersex-Anwürfe 'als Sieger' und unter dem Beifall des Publikums das Podium.

So stelle ich mir beispielhaft einen souveränen Umgang mit der eigenen Biographie in Zeiten des Web 2.0 vor: Nichts verleugnen, sondern alles, auch die dunklen Flecken, offen und nachvollziehbar in das Bild einer komplexen, lebenserfahrenen Persönlichkeit integrieren. Als ein Mensch, der nun mal eine 'Geschichte' hat - und an manchen Klippen auch mit mehr Glück als Verstand vorbeigesegelt ist. Denn verschweigen lässt sich künftig wohl nur noch wenig. Auch die eingangs erwähnte RTL-Reporterin wäre nach ihrem Fehlstart dann keineswegs schon am Ende ihrer Karriere angelangt. Sie müsste nur das Reißen dieser publizistischen Anfangshürde nachvollziehbar in ihre Biographie integrieren. Vielleicht in Form einer RTL-Kritik ...

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

Kommentare

  • bulldrinker

    07.04.09 (19:02:28)

    Dass Chefs gezielt nach irgendwelchen Sauffotos suchen und dann sagen "Mensch, der Typ ist ja echt cool, nicht langweilig, den stell ich jetzt ein" glaube ich eher weniger! Ordentliche Leistungen zählen heute doch noch etwas mehr als ein aufregendes Leben! Trotzdem kann sich wirklich niemand vor seiner Vergangenheit mehr verstecken!

  • Peter

    08.04.09 (08:34:14)

    meines wissens war sie nicht jungredakteurin, sondern praktikantin

  • Klaus Jarchow

    08.04.09 (08:52:54)

    Noch schlimmer ...

  • Peter

    08.04.09 (12:22:11)

    kann sie ja nix für. praktikanten stehen bei rtl oft neben der kamera. find ich sinnvoll. in dem film ging es aber wirklich daneben. da haben aber die cvds und der chefredakteur falsch entschieden. die arme frau

  • Klaus B

    08.04.09 (17:07:58)

    Ich habe es nie verstanden, warum sich so viele Menschen genötigt fühlen ihr komplettes Privatleben dem "social networking"-Unfug preiszugeben. man erinnere sich an die Proteste gegen die Volkszählung in den 80ern..heutzutage scheint den meisten Leuten Datenschutz völlig egal zu sein, im Gegenteil, scheinbar finden es viele sogar wünschenwert, daß jeder jederzeit alles über sie erfahren kann.. Ich will das auch keinem absprechen, jeder kann mit seinen Daten und seinen "witzigen" Partyfotos machen was er will. dass sich das aber auch rächen kann sollte klar sein. Von mir wird es jedenfalls nie ein Facebook-profil geben, ich wüsste auch nicht wozu. Es gibt genug andere (auch digitale) Möglichkeiten mit seinen Freunden Kontakt zu halten und eine exhibitionistische Ader hatte ich noch nie. Und wer diese Tools braucht um Freunde kennenzulernen ist ein armer Tropf. Ich gebe dem Artikel jedoch in der Hinsicht recht, daß Biographien in Form von Veröffentlichungen oder z.B dem ersten Platz beim Tischtennisturnier für jeden abrufbar sind. Damit habe ich aber auch kein Problem.

  • Leander Wattig

    08.04.09 (18:44:05)

    Das Thema reicht ja noch weiter. Es betrifft mehr als "nur" unsere Karrieren. Darüber habe ich gestern in meinem Blog geschrieben: ? Ihre Urenkel werden alles sehen können, was Sie heute (online) tun "Das Web vergisst nichts. Diesen Satz habe ich schon oft gehört. Doch zu Ende gedacht bedeutet er, dass alle meine Nachfahren alles werden sehen können, was ich heute im Internet tue und äußere. Da sich unsere Welt zudem immer mehr ins Internet verlagert, wird auch immer mehr dokumentiert. Es geht also nicht nur um unsere Karriere, der durch ungebührliches Verhalten im Internet ein Knick droht. Unser gesamtes Bild als Mensch wird zunehmend online geprägt. Denn die Nachgeborenen werden später im Wesentlichen nur das kennen, was sie im Internet finden. Oder andersherum: Wie umfangreich sind die Informationen in Ihrem Familienarchiv über Ihre Urgroßeltern und deren Vorfahren? Soviel zu den alternativen Quellen …"

  • Der Wobbler

    09.04.09 (07:03:30)

    Laeander, soso, kein Facebook-Profil? Na bald wird das aber nötig sein, um hier zu senfen, oder wie sonst soll ich den Satz da verstehen: "Oder verbinde dich mit deinem Face Book Account!" Anscheinend werden dann die Facebook-Daten von Medienlese ausgelesen und automatisch eingetragen...? Abgesehen davon, es geht ja nicht nur um den Quatsch, den man selbst über sich im Netz hinterlässt. Sondern auch all das, das irgendwelche Stalker und Witzbolde über einen schreiben. Oder Namensgleichheiten. Denk mal an den Amokläufer Tim K. Der war noch nicht ganz tot, da fielen die Reporter schon via XING über einen namensgleichen anderen jungen Mann her. Wenn jemand mit meinem Namen große Sch*** baut, so wird jeder bei der Suche nach mir das finden und sicher 30 bis 50% werden es mir zuordnen. Oder - wenn der andere auch noch reich und berühmt ist - er wird eventuell sogar umgekehrt mir verbieten, unter meinem Namen online aufzutreten, weil er sich dadurch geschädigt fühlt. Noch kann ich ein Pseudonym verwenden. Aber im Web 2.0 ist es kaum mehr üblich, bei XINg geht es definitiv nicht, und die Behörden wollen es auch nicht mehr erlauben. Und dann würde mein Chef mal 'ne Runde nach mir googeln und dann sagen "soso, der ist zwar schon um 8 Uhr am Arbeitsplatz, schreibt aber um 9.05 dummes Zeug bei Medienlese auf meine Kosten!!!"

  • Fred David

    09.04.09 (09:59:37)

    @) Wobbler und Leander: Es könnte ja auch der andere Effekt eintreten, nämlich, dass man im Umgang mit dem web wieder sehr viel vorsichtiger wird und andere, sicherere Kommunikationswege sucht, wo man auch einigermassen weiss, was damit geschieht und wer dahinter steht usw. Mit Rücksicht auf Klaus Jarchow möchte ich noch nicht von einer möglichen Renaissance des Prints reden ....Aber für ausgeschlossen halte ich das keineswegs. Ich behaupte: there is a straw in the wind, obwohl das sämtlichen landläufigen Prognosen, Alarmmeldungen und Warnungen vollständig widerspricht. Vorerst jedenfalls. Ein Kollege machte mich auf medienspiegel.ch auf die Coca Cola-Werbung aufmerksam. Bei denen ist das web nicht mehr trendy. Das wirkliche Leben junger Leute findet für die Coke-Strategen anderswo statt. Da ich davon ausgehe, dass diesen Werbestrategen Berge von Markt- und Konsumentenanalysen zur Verfügung stehen, sollte man vielleicht mal darauf achten, ob die tatsächlich das Gras wachsen hören? Ist das web.2.0 bald etwas für Arme, ich meine:materiell Arme?

  • Florian Steglich

    09.04.09 (10:27:22)

    » Der Wobbler: kein Facebook-Profil? Na bald wird das aber nötig sein, um hier zu senfen, oder wie sonst soll ich den Satz da verstehen: “Oder verbinde dich mit deinem Face Book Account!” Äh. Vielleicht sollst Du den Satz so verstehen, wie er da steht? Dass Du entweder die Kommentarfelder ausfüllen oder via Facebook-Account kommentieren kannst? Wenig nachvollziehbar, wie man von diesem Satz darauf kommt, dass man bei medienlese.com bald nur noch mit Facebook-Account kommentieren darf.

  • Leander Wattig

    09.04.09 (10:28:12)

    @Der Wobbler Auch wenn man ein Facebook-Profil hat, muss man es hier ja nicht zwingend verwenden. Vor allem, wenn man lieber auf eine eigene Seite verweist als für Facebook zu werben. Facebook Connect kann jeder auf seinem Blog einbinden. Facebook wird so zum Dienstleister rund um das eigene Kontakte-Netzwerk. Hier kann man sehen, wie das funktioniert: http://developers.facebook.com/connect.php Natürlich, auch andere prägen das eigene Online-Bild mit. Das kann sehr unangenehm werden. Umso wichtiger wird es, dass man sich im Netz eindeutig identifizieren kann. Dann ist nachweisbar, ob man selbst die Dinge hinterlassen hat oder es andere waren. Mit OpenID u.ä. gibt es ja Schritte in die Richtung. Übrigens auch mit Facebook Connect. Auch dort habe ich mehr oder weniger die Gewähr, dass es tatsächlich die Person mit dem Profil ist, die da kommentiert hat. So wie wir ja auch im Offline-Leben bspw. einen Ausweis haben, der uns eindeutig identifizieren soll, sodass nicht jeder an unserer Statt auftreten kann. @Fred David Ich glaube nicht, dass als Reaktion auf all die aktuellen Entwicklungen Print wieder wichtiger oder gar zum Leitmedium wird. Printmedien werden in vielen Bereichen wichtig bleiben. Nicht zuletzt bei der Archivierung von Daten. Vielmehr glaube ich, dass das Internet unseren Offline-Alltag zum Teil auch unmerklich durchdringen wird. Stichwort Internet der Dinge. Sicher wird es aber verschiedene gesellschaftliche Gruppierungen geben, deren Mediennutzung sich (vielleicht auch aus ideologischen Gründen) weitgehend unterscheidet.

  • Frau Müller

    09.04.09 (11:48:20)

    @ Klaus Jarchow: Ihre Sichtweise auf Biographien im Web 2.0 ist sehr ermutigend. Zu einem bewussten, reflektierten Umgang mit der eigenen digitalen Existenz gehören jedoch weitaus mehr Aspekte. So müssen wir uns auch der Frage nach dem Wert des Vergessens stellen. Es geht mir nicht um Reputation Management, sondern um das Nicht-Vergessen können, das in engem Zusammenhang mit dem Nicht-Vergeben steht. Die Technik zwingt uns dazu, nicht mehr zu vergessen, obwohl wir vergessen wollen. Wenn eigene oder fremde Fehltritte nie verblassen, weil sie im Internet auf alle Ewigkeit gegenwärtig sind und weltweit von jedem Menschen, selbst neuen Zufallsbekanntschaften, jederzeit abgerufen werden können, dann ist dies (seelisch) durchaus nicht so einfach zu verkraften wie Sie es hier darstellen. Denn eine der perfidesten Methoden jemanden zu bestrafen ist, die Missetaten des anderen nicht zu vergessen, ihm nicht zu verzeihen und Altes um die Ohren zu schlagen. Damit machen wir nicht nur Liebesbeziehungen kaputt. Denn Beziehungen jeder Gattung leben nun mal vom Vergessen, von der Versöhnung und dem Fortschreiten. Man muss den Menschen die technische, die organisatorische Möglichkeit geben, Vergangenes mit einem Ablaufdatum zu versehen, wie es Viktor Meyer Schönberger, Professor an der Harvard University, fordert. Ich halte seine Arbeiten zu diesem Thema für sehr relevant und diskussionswürdig. «Das menschliche Gehirn ist darauf angelegt, Dinge zu vergessen, das ist eine wichtige Voraussetzung für unsere geistige Gesundheit. Doch das digitale Zeitalter lässt uns nicht mehr vergessen. Informationen im Netz werden aus dem Zusammenhang gerissen, alles wirkt gleich aktuell. Es fehlt die Zeitachse - und damit die Möglichkeit, Informationen, die weit zurückliegen, als weniger bedeutend darzustellen. So entsteht ein Zerrbild.» (Süddeutsche, 2007)

  • Klaus Jarchow

    09.04.09 (12:36:05)

    @ Frau Müller: Natürlich ist die neue Situation zweischneidig. Das Nicht-Vergessen-Können, das Sie mit dem Nicht-Vergeben-Können gleichsetzen, ist aber eine Frage, die sich dabei immer an denjenigen richtet, der diese Kategorie anwendet. Im Falle der RTL-Praktikantin also wären diejenigen gefragt, die diese Deern jetzt und in alle Ewigkeit mit Häme überziehen werden. Im anderen oben erwähnten Fall wäre eher der Declan Ganley moralisch defizitär in Hinsicht auf dieses NICHT-Vergeben-Können, gar nicht so sehr dieser 'literarische Kinderschänder' Cohn-Bendit. Anders ausgedrückt: Die charakterliche Schacke hätten also diejenigen, die NICHT die Opfer einer Biographie sind, sondern diejenigen, welche die Biographie anderer Leute zu Zwecken der 'Opferung' anwenden. Nicht die Sündenböcke, sondern die Sündenbock-Farmer sind die moralisch fragwürdigen Figuren ... Das menschliche Gehirn hat uns übrigens, vielleicht weil es so 'vergesslich' ist, mit einer anderen, wiederum höchst doppeldeutigen Fähigkeit ausgestattet. Das, was wir vergessen haben, 'erfinden' wir uns gern dazu. Manche nennen das auch 'Lüge', 'Konstruktion' oder 'Imagination'. Das unvergessliche Internet falsifiziert dann diese, unsere 'Lebenslügen' mit dem alten Biographie-Käse. Wozu das führt? Ja, Herrgott, dies ist das erste Internet, das ich erlebe ...

  • Florian Steglich

    09.04.09 (12:57:18)

    » Frau Müller: So wie es die Süddeutsche schreibt - "Informationen im Netz werden aus dem Zusammenhang gerissen, alles wirkt gleich aktuell. Es fehlt die Zeitachse - und damit die Möglichkeit, Informationen, die weit zurückliegen, als weniger bedeutend darzustellen." -, stimmt es ja auch nicht. Selbstverständlich gibt es eine Zeitachse, denn unser Anliegen trifft sich erfreulicherweise mit dem von Google, relevante Suchergebnisse zu präsentieren. Heißt: Der Kram, den ich vor fünf Jahren ins Internet geschrieben habe, findet sich so weit hinten bei Google, dass jemand schon sehr geduldig sein müsste, um ihn dem Vergessen zu entreißen. Klar wird man alles finden können, aber man wird nicht alles als relevant einstufen. Da vertraue ich auf Algorithmen und Kulturtechniken. Und sowas wie der unglückliche Namensvetter des Tim K., @Der Wobbler: Das ist doch wohl eher ein Problem des Journalismus und keines des Netzes. Die Reaktion darauf kann jedenfalls nicht sein, sich aus dem Internet zu verabschieden.

  • Der Wobbler

    10.04.09 (05:56:43)

    @Florian Steglich: Sorry, wollte euch hier nix unterstellen. Aber wenns um alternative ID-Methoden geht, warum das Partymedium Facebook und nicht OpenID der Blogger? Ich will halt lieber anonym bleiben, zumal unser Chef rcht genaue Richtlinien über das Online-Posten der Mitarbeiter auch privat erlassen hat. Ich müßte hier offiziell als Mitarbeiter unseres Unternehmens auftreten, privat, das geht schonmal gar nicht. Andererseits habe ich keine Lust, mich hier im Namen unseres Unternehmens zu äußern - bringt wenn, dann Ärger. Von daher würde ich keins von beidem nutzen. Nur Facebook ist mir speziell ein Gräuel. Was Tim K. betrifft: Das ist doch kein reines Journalisten-Problem. Der normale Webuser ist mindestens genauso dämlich. Ich habe auch ein XING-Profil und werde da immer wieder angequakt, weil jemand denselben Namen hat, der anscheinend Liebe am liebsten mag, wenn er dafür in Cash zahlt. Für mich heißt das: Unter Realnamen habe ich im Netz nichts verloren. Was jetzt die dumme RTL-Göre betrifft: Ja Himmel, in 5 Jahren redet kein Mensch mehr davon. Als Mädel kann sie ja heiraten und den Namen ändern. Der Film wird allerdings immer bei ihren bekannten irgendwo erhalten bleiben. @Fred David: Ja, als Journalist würde ich definitiv nur für Print schreiben. Nicht für Web, wo alle und jeder am Text rummeckern und wenn man mal einen Bock geschossen hat, darüber hetzbloggen. Früher hat man einen bösen Leserbrief geschrieben. Heute schreibt man entweder unter den Artikel "die Schnarchnase gehört gefeuert, ich will den Job von Herrn xxxxxxx" oder hetzt gleich im eigenen Blog über den Schreiber. Die BILD ist mittlerweile brav gegen manches Blog. Mir persönlich kann das wurscht sein, aber wenn ich den Ton auf so manchem Blog sehe, dann frage ich mich, was aus der "besseren Welt", die das Datenreisen einst bringen sollte, geworden ist. Dazu will ich wirklich nicht mehr gehören. Daß ich deshalb nicht unbedingt offline gehe und nur noch Print kaufe, ist klar. Aber ich werde halt zum braven, ängslichen Konsumenten. "Mit Rücksicht auf Klaus Jachow"...ach komm, ich mag ihn zwar auch, aber immer dieses verächtliche "Holzmedien"-Gedöns...Renaissance wohl kaum, aber "Print" ist nicht tot. Wobei ich es lächerlich finde, zu "Offline" "Print" zu sagen. "Internet der Dinge": Na klasse, nu lästern auch noch meine Geräte über mich. Wasserhahn an Mikrowelle "Der hat gerade ins Waschbecken gepinkelt". Mikrowelle "Iiiih, hat er sich wenigstens die Hände gewaschen?" Wasserhahn "Nein!". Frau Müller: Zum Vergessen können würde auch gehören, dass Blogger Hetzschriften auch mal wieder entfernen. Dann verschwinden sie auch aus Google. Also wenn wie früher auf Dotcomtod - wo ja auch Klaus Jarchow herkommt, oder irre ich mich da? - ein Alexander Falk des Betrugs überführt wird, das hat langfristig Relevanz. Wenn ich beim Betriebsfest dem Wirt hintrn Tresen gekotzt habe, dann will ich das in 10 Jahren bei einer anderen Firma nicht mehr hören müssen.

  • Klaus Jarchow

    10.04.09 (10:28:18)

    @ wobbler: Meine Verbindung zu Dotcomtod ist schlicht ein Gerücht - wobei ich mir nicht klar bin, ob ich deshalb nun geschmeichelt oder indigniert gucken sollte. Woher hast du das? Zur Frage des Namens: Generell habe ich mir angewöhnt, unter einem Klarnamen UND unter einem Pseudo zu posten. Es entstehen dadurch übrigens verschiedene Textformen - was mich intellektuell besonders fasziniert. Weil dann diese 'Ich-Fragen' des Autors anfangen ins Literarische hinüber zu oszillieren. Wer aber die Verbindung zwischen mir und meiner Handpuppe herstellen wollte, der würde sie auch mühelos finden. Sei's drum! Ich kann ja mit mir leben. Nur soll nicht jeder gleich beim ersten Gurgeln drüber fallen. Schließlich habe ich Kunden, die ich nicht beim Erstkontakt schon mit der Nase in den ganzen Weltanschauungskram stupsen will. In dem Punkt hast du völlig recht, ein wenig Distanz zu schaffen. Zum ausschließlichen Schreiben für Print: Da würden deine Berufs- und Auftragschancen aber rapide sinken. Man könnte ja dem Print durchaus (und auch gern) großartige Zukunftschancen geben, nur fehlen mir die Fakten, die über einen blanken Voluntarismus hinaus diese steile These untermauern würden. Fakt ist: Die Leser rennen davon, was aber nicht an den Lesern liegt - denn der Journalismus hat sich lange zur - ähem - 'willigen Begleiterin' ganz anderer Interessen gemacht. Der Leser wiederum ist nicht so dumm, wie ihn die Marketings-Abteilungen gern hätten ... Zur Nettigkeit: Wer jemals gesehen hat, was in einer Print-Lesebrief-Redaktion alles NICHT gedruckt wird, der wird das Internet fortan für einen Hort der Sittlichkeit und des Anstands halten. Im Ernst: Die Schmäh-Postings etc., die sind meines Wissens doch vor allem in den Online-Abteilungen von Print-Produkten zu finden, wenn sie nicht ganz und gar ein blindlings daherkolportierter Mythos übers Netz sind. Lies 'Welt online' an Tagen mit 'Reizthemen' - oder auch den 'Blick', um mal was Schweizerisches zu nennen - da schwappen die Invektiven meterhoch. im Redaktionellen Bereich also. Die eigentlichen 'Mikro-Blogs' aber, diese Einpersonen-Veranstaltungen, die ja das wirklich Neue im Web sind, die sind zumeist deshalb säuberlich gekehrt wie die Trottoirs in Stuttgart zur Kehrwoche, weil jeder sein eigenes Wohnzimmer sauber hält und allen Trollen gleich wieder den Stuhl vor die Tür stellt. Ganz im Gegenteil: Ich erlebe die Blog-Welt als ausgesprochen höflich und diskursbemüht. Wie ja auch bspw. dieses Portal hier, wo ja kaum 'Zensur' nötig ist. Eine Ausnahme: Es sei denn, ein Blog ist von vornherein als 'Schmäh-Blog' konzipiert, wie z.B. PI, aus dem die Journalisten ja wohl auch deshalb so gern zitieren, wenn sie übers Netz herziehen. Wer dorthin geht, der hat entsprechende Bedürfnisse. Mich jedenfalls regt die orthografische Rumschluderei im Netz 2.0 viel mehr auf als das bisschen Rumgetrolle - weil die Schreibfaulheit einer Missachtung des Lesers gleichkommt.

  • Frau Müller

    10.04.09 (12:36:53)

    @ Klaus Jarchow: Politiker oder Journalisten sind mit einer verhornten Haut gesegnet, sonst wären sie Erbsenprinzessin geworden. Ihre Beispiele sind so gesehen nicht repräsentativ. Es geht ja um Herr und Frau Meier, bei denen ein im Netz auf alle Ewigkeiten festgehaltenes Vorkommnis zum Stolperstein auf dem Lebensweg wird. Moralische Überlegenheit gegenüber dem Betrachter dieser Einträge nützt niemandem, wenn ihm auf Grund der öffentlichen Daten die Arbeit oder eine Wohnung verwehrt wird oder sich Menschen deswegen von ihnen abwenden. Der Mensch ist nun mal keine Insel. Das Problem ist ja, dass nicht Informationen in einem Kontext erinnert werden, sondern bloss Daten gespeichert werden. In jedem anderen Zusammenhang bestehen wir darauf, dass Daten irgendwann entfernt resp. gelöscht werden müssen, beispielsweise nach einer gewissen Zeit aus dem Strafregistereintrag. Im Internet dagegen bleiben alle Daten für alle Zeiten für jeden verfügbar. Mich wundert es, dass die Forderung von Meyer Schönberger nach einem Ablaufdatum von Daten, in unserer Gesellschaft nicht vermehrt diskutiert wird. Denn auch im Falle eines Angriffs auf die demokratischen Grundfesten können Daten schnell zum Problem werden. Für meine Biographie 2.0 habe ich mir das Fledermaus-Motto zueigen gemacht: Glücklich ist, wer vergisst, was nicht mehr zu ändern resp. zu löschen ist. Dennoch frage ich mich @ Florian Steglich: Was mache ich falsch? Bei Google ist mein Kram nicht nur sehr übersichtlich und von jedem in kürzester Zeit abrufbar, sondern es kommen auch uralte Artikel, in denen sich andere Leute auf mich beziehen, an erster Stelle, noch vor meinen eigenen Artikeln. Was die Kulturtechnik betrifft, so kann man diese nicht loslösen von der allgemeinen Kommunikationskompetenz und dem Charakter. So gibt es Fälle bei denen anonyme Blogger geoutet wurden wegen relativ trivialen Vorkommnissen. Diese Namen sind im Internet auf alle Zeiten gespeichert - wegen einer einmaligen Dummheit. Für mich hat dieses ewige Gedächtnis etwas Unbarmherziges.

  • Fred David

    10.04.09 (15:03:59)

    ...denn der Journalismus hat sich lange zur - ähem - ‘willigen Begleiterin’ ganz anderer Interessen gemacht ... @) Klaus Jarchow: Stimmt! Und manchmal in beängstigender Weise. In der Schweiz erleben wir gerade so eine Phase : die Verteidigung des Bankgeheimnisses bis zum letzten Blutstropfen, als wären Bankinteressen völlig identisch mit den Interessen des Staates - und jener vieler Journalisten. Abweichende Meinungen gibt es kaum. Eine solche Gleichschaltung von veröffentlichter Meinung habe ich als Journalist bisher nur in der DDR beobachtet, und das war, wenn ich mich recht erinnere, eine Diktatur. Wenn, wie letzthin, ein Professor der Universität St.Gallen, sich vor dem Finanzausschuss des Deutschen Bundestages als geladener Experte getraut, eine andere Sichtweise als die des Bankenstaates Schweiz vorzutragen, und diese auch noch wissenschaftlich nachvollziehbar begründet, wird er in der Schweiz umgehend massiv gedeckelt, in den Medien hämisch verhäckselt und der Rektor überlegt sich, ob eine Entlassung nicht angebracht wäre. Der Mann - Ulrich Thielemann - steht am Pranger, auch im Internet. Seiner Karriere ist das alles andere als förderlich. Seine Wahl für einen Lehrstuhl schien unbestritten. Bis zur Hetzjagd. Stein des Anstosses war die Formulierung, der Schweiz fehle es partiell an Rechtsbewusstsein, wenn sie es dulde, dass ihr Staat steuerhinterzogenes Geld aus dem Ausland zu hunderten von Milliarden Franken akiv schütze, Gesetze darauf passend formuliere und das entsprechende Gebaren der Banken decke. Diese Fakten liegen völlig offen. Nur darf sie niemand schreiben oder sagen. Auch die Uni hatte keine überzeugenden materiellen Einwände. Sie fand es einfach unziemlich, solche Wahrheiten im Feindesland zu äussern. Das web hat hier wenig geholfen. Zwar war der Wortlaut seiner Stellungnahme im Internet nachzulesen, aber wenige machen sich die Mühe. Jedenfalls kann man das vielen posts entnehmen. Die von interssierter Seite losgetretene Kampagne nahm ihren Lauf, gesteuert über traditionelle Printmedien. Es liegt völlig offen, was da passiert, aber man kann sich kaum dagegen wehren, weder im Internet noch im Print. Für mich ist das eine erstaunliche Erkenntnis: Es ist nicht eine Frage der vielfältigen Informationsmöglichkeiten, wie ich immer dachte. Es ist die Frage, wer diese Informationen beherrscht. Und sie lassen sich kontrollieren, web hin oder her, wenn genügend power dahinter steckt. Die Art und Weise, wie diese Diskussion - nicht allein um den Professor - geführt wird, wirft die Schweiz um Jahre zurück. Dass daran auch das Internet als open channel nichts ändert, ist für mich fast ein Schock.

  • Klaus Jarchow

    11.04.09 (09:53:14)

    @ Fred David: Genau darin aber liegt doch die Perversion. Der Journalismus sollte - auch laut seinem eigenen Selbstverständnis - die Interessen und Wünsche des 'Volkes' (whatever that is) in die Sphären der Macht hinein tragen. So jedenfalls predigen uns die demokratischen Sonntagsschulen das klassische Konzept der 'bürgerlichen Öffentlichkeit' von allen ihren Kanzeln herab. Die Medien seien der 'Gegenverkehr' zum Regierungshandeln, sie übten das Prinzip der Kontrolle aus. Was aber macht der Journalismus faktisch stattdessen? Er liegt meist devotestens auf dem Bauch und hält das Mikro in die Höhe, er küsst die duftenden Pantoffeln aller erreichbaren Großvezire und erläutert einem erstaunten 'Volk', weshalb die Interessen der Mächtigen allzeit weise und vernünftig seien, auch wenn das beim Volk manchmal gar nicht so ankommen sollte - von der 'Reformpolitik' über den ach so freien Welthandel bis hin zur staatlich organisierten Schwarzgeldabsahnerei. Wir haben es längst - 'top-down' - mit einer Art 'DDR-Staatsjournalismus' in Rudelform zu tun, wiewohl ins Kapitalistische gewendet. Oder - anders ausgedrückt - mit "nahezu flächendeckenden Public Relations" ... die Journalistenschulen sollten ihre Lehrbücher endlich mal in die Tonne treten und sich selbst gegenüber ehrlich werden. Der klassische Journalismus ist die Ausnahme geworden, nicht die Regel. Zum Bankgeheimnis: Es gibt ein Leben nach der Politik, und am diskreten Waschen von Diktatoren- und Drogengeldern kleben eine Menge von Pöstchen für ein Leben nach diesem aufreibenden Staatsdienst. Das muss aber finanziert werden. Auch deshalb wird dieses Geheimnis mit Zähnen und Klauen quer durch alle Parteien verteidigt. Das Volk hat davon nüscht - es weiß dies aber nicht. Dem Journalismus sei wiederum Dank!

  • Fred David

    11.04.09 (10:44:28)

    Es gibt ein Leben nach der Politik, und am diskreten Waschen von Diktatoren- und Drogengeldern kleben eine Menge von Pöstchen für ein Leben nach diesem aufreibenden Staatsdienst. @)Klaus Jarchow: In der Tat, der ehemalige Schweizer Finanzminister Kaspar Villiger ("Das Bankgeheimnis ist nicht verhandelbar") wird in Kürze Präsident der grössten Bank der Schweiz, UBS, die der Staat mit Garantien und Krediten in Milliardenhöhe gerettet hat. Aber der Staat hat bei dieser Bank natürlich nichts zu sagen. Umgekehrt stimmt es jedoch. Diese Machtverhältnisse, die grundsätzliche demokratische Prinzipien in Frage stellen, sind völlig offensichtlich. In der veröffentlichten Meinung scheint das aber kaum jemanden zu stören. Jedenfalls wagt kaum jemand öffentlich, die naheliegenden Fragen zu stellen - und wenn, wird der Fehlbare kollektiv sofort isoliert und gedeckelt. Als entfalte da eine via Medien über Jahre erfolgte kollektive Gehirnwäsche jetzt ihre volle Wirkung. Ein dankbares Studienobjekt für Medienwissenschaftler, Juristen und Soziologen. Ich bin immer noch sprachlos, wie das in einem demokratischen Land mit freien Medien und Internetzugang möglich ist. Dabei ist das alles nicht etwa eine Frage zwischen "links" und "rechts" , sondern allenfalls eine Frage der Selbstachtung.

  • Klaus Jarchow

    12.04.09 (08:23:07)

    @ Fred David: Allen Schweizern zunächst einmal frohe Ostern - die Wahrheit ist auferstanden! Einiges an Umdenken wird in der Schweiz jetzt beginnen, da diese erwähnte UBS ihre schweizerischen Mitarbeiter in der Größenordnung von einigen Tausend in den nächsten Tagen auf die Straße stellen wird. Der opportunistische Konsens, der euer Land bisher einte, schwindet dann dahin - und die informelle Zensur wohl mit ihm. Was ja nun wirklich diesmal nicht am bösen Steinbrück liegen kann, sondern an einem zusammengebrochenen etato-finanzkapitalistischem System, für das die Schweiz-UBS-AG seit der Weltwirtschaftskrise stand.

  • Fred David

    14.04.09 (08:03:02)

    @Klaus Jarchow: Du zitierst die "NZZ am Sonntag" mit der sensationellen Information, bei der UBS seien von den 26 400 Stellen allein in der Schweiz tausende bedroht. Das werde diese Woche bekanntgegeben. Was macht das Mutterblatt NZZ am Montag daraus? Eine 28-Zeilen kurze Agenturmeldung ohne jede Eigenrecherche und versteckt sie ganz unten auf Seite 13:"UBS steht offenbar vor markantem Stellenabbau". That's reality eines "Weltblattes", das dieser unglaublich mächtigen Finanzindustrie so nahe steht, dass es nicht einmal in dieser Situation wagt, sich von deren Interessen zu emanzipieren. Der Redaktionsleiter der SRG-"Tagesschau" sagte kürzlich in einem Interview, angesprochen auf die konforme Bravheit seiner Newssendung:"Wir müssen das Publikum sorgsam behandeln". Und das alles im Zeitalter des sekundenschnellen Internets mit allen Möglichkeiten der Information und Dokumentation! Die Schweizer Journalisten halten kollektiv den Mund, als würden sie alle dafür bezahlt. Es ist schwer, im Ausland zu vermitteln, was da abläuft. Als Schweizer verstehe ich das selber nicht.

  • Klaus Jarchow

    14.04.09 (09:50:55)

    Eben drum gibt es ja überhaupt die geschmähten Onliner und auch die bösen 'Auslandsmedien'. Würden sie nämlich nicht gebraucht ...: "Auf der Onlineseite Finews.ch wird unter Berufung auf UBS-Kaderleute spekuliert, dass hierzulande von 26 000 Stellen rund 5000 Jobs gestrichen werden sollen. Die UBS selber wollte dazu keine Stellung nehmen." "Zudem plane das Geldhaus die Streichung von 8000 weiteren Stellen." "Darüber hinaus sollen u.a. in der Privatkundensparte weitere 8.000 Arbeitsplätze abgebaut werden." "Weitere Abschreibungen erwartet - Abbau von bis zu 8000 Stellen" "Es wird erwartet, dass Grübel einen Stellenabbau von bis zu 8.000 Mitarbeitern bekannt geben könnte. Darunter dürften sich so hochrangige Mitarbeiter wie Martin Liechti, Chef der Vermögensverwaltung für Nord- und Südamerika, befinden." So weit unsere heutige Wasserstandsmeldung zum Unterschied zwischen dem gedruckten 'Qualitätsjournalismus', der den Leser über alles ausgiebig informiert, und dem bösen, bösen 'Online-Journalismus', der die Leute mit unverantwortlichen Panikmeldungen bloß desinformiert ...

  • Gregor Keuschnig

    15.04.09 (08:52:39)

    Es gibt (noch?) erstaunlich viele Personen, die "unbeschriebene Blätter" sind (natürlich sind das keine Politiker, Firmenbosse oder Journalisten). Die bekommen alleine durch ihre "Null-Treffer-Meldung" fast noch einen außerordentlicheren Reiz als all die Facebooker und Xinger.

Diesen Beitrag kommentieren:

Die Kommentare können nur zwischen 9 und 16 Uhr
freigeschaltet werden. Wir bitten um Verständnis.

Um Spam zu vermeiden, schreiben Sie bitte die Buchstaben aus diesem Bild in das nebenstehende Formularfeld:

Das könnte Sie auch interessieren

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer