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07.06.10 09:30, von Martin Weigert

Gratis-Streaming von Filmen: Voddler will zum weltweit größten Filmdienst werden

Europa fehlt, was die USA mit Hulu hat: Ein qualitativer, werbefinanzierter Gratis-Service zum On-Demand-Streaming von Filmen und Serien. Der schwedische Dienst Voddler hat große Ambitionen.


Während es im Bereich digitaler Musik trotz eines nicht gerade einfachen Marktes mittlerweile eine Reihe sehr guter nationaler und internationaler Dienste zum kostenlosen, durch Werbung finanzierten Streaming gibt, tut sich der benachbarte Video-On-Demand-Sektor schwerer.

Zwar existieren einige größere, ernstzunehmende Bezahlanbieter, aber was hierzulande im werbefinanzierten Gratisbereich geboten wird, ist zumeist ein sehr schlechter Kompromiss. So gibt es eine Auswahl kostenloser Filme bei MSN Movies, Videoload free oder MyVideo, aber von der Benutzerfreundlichkeit über die Auflösung bis hin zur Aufmachung lassen sämtliche Angebote mehr als zu wünschen übrig.

Von einem Service, der dem US-Glanzlicht Hulu das Wassser reichen könnte, bisher keine Spur. Entsprechend erfreut war ich, als vor einem Jahr der Stockholmer Dienst Voddler an den Start ging. Nicht nur aufgrund der gemeinsamen Heimatstadt erwarb sich Voddler schnell den Ruf eines "Spotify für Filme", und entsprechend groß war die Nachfrage nach Invites für das anfänglich nur in Schweden verfügbare Angebot. Voddler zeigte durchaus Potenzial, zu einer europäischen Version von Hulu zu werden.

Daran hat sich bis heute nichts geändert. Allerdings erwies sich der Weg für Voddler deutlich steiniger, als dies für das kontinuierlich mit Lob überhäufte Spotify der Fall war. Technische Probleme mit dem Desktop-Client, Hackerangriffe sowie plötzliche Managementwechsel sorgten dafür, dass Voddler im Herkunftsland Schweden relativ schnell mit Kritik überhäuft wurde. Viele Blogger und Branchenkenner erkannten, dass Voddler vielleicht doch kein so durchschlagender Erfolg werden würde, wie man das anfänglich auch aufgrund einer eifrigen Marketingkampagne erwartet hatt.

Anfang dieses Jahres entschied sich das Unternehmen dazu, seinen Desktop-Client einzumotten und fortan Filme im Browser zu zeigen - gewisse Parallelen zur Entwicklung des gescheiterten Filmdienstes Joost sind nicht von der Hand zu weisen. Im Unterschied zu Joost konnte Voddler jedoch eine Reihe von Verträgen mit der Filmindustrie schließen - der Mangel an interessantem Content war stets Joosts größte Schwäche. Mittlerweile habe man fünf der sechs größten Hollywood-Studios mit an Bord, so Voddler - wobei man anmerken sollte, dass deren Filme nicht automatisch auch im Free-Angebot von Voddler enthalten sein müssen.

Gestern warf ich zum ersten Mal seit Monaten wieder einen Blick auf Voddler und fand zu meiner Überraschung - ausgehend von meinen Erfahrungen mit dem wenig intuitiven und stark anwenderunfreundlichen Desktop-Client - eine sehr schicke, funktionelle und gut strukturierte Website vor, von der aus rund 600 kostenlosen Filmen, diversen TV-Produktionen und Dokus sowie circa 250 kostenpflichtigen Premium-Filmen ausgewählt werden kann.

Voddler läuft direkt im Browser

Zwar gibt es aktuelle Filme und relativ junge Highlights auch bei Voddler nur gegen Geld, aber in der Gratis-Sektion finden sich immerhin Perlen wie Hotel Rwanda, Tsotsi oder Lord of War. Die Streams setzen Flash voraus und verwenden den H.264-Codec, die Bildqualität ist für meinen Geschmack gut. Wer einen kostenlosen Streifen wählt, muss vorher fünf bis sechs Werbespots anschauen, die nicht übersprungen werden können.

Nachdem der Service anfänglich nur in Schweden verfügbar war, hat Voddler in den letzten Monaten sein Debüt in Norwegen, Finnland und Dänemark gegeben. Der Zugriff von anderen Ländern aus wird über IP-Geoblocking verhindert (was sich natürlich mit Proxies oder z.B. Ipredator "lösen" lässt). Für Android-Smartphones bietet Voddler seit neuestem eine Applikation zum mobilen Streaming.

Alle Filme werden, wie in den nordischen Ländern üblich, im Originalton gezeigt und lassen sich auf Wunsch mit Untertiteln versehen.

Gerade angesichts der ziemlich gruseligen Desktop-Applikation war es meines Erachtens nach die richtige Entscheidung für Voddler, in den Browser zu ziehen und stattdessen auf eine optisch ansprechende und durchdacht konstruierte Website zu setzen. Ganz "frei" von den Lasten lokaler Software sind Voddler-Anwender jedoch nicht: Da Filme zum Teil im Peer-to-Peer-Verfahren übertragen werden, müssen Nutzer eine Art Serverclient installieren, der im Hintergrund läuft und in Voddler-freien Stunden besser ausgeschaltet werden sollte, um nicht zu viel Bandbreite zu fressen.

Voddlers CEO Zoran Slavic sagte kürzlich, das Ziel des Dienstes sei es, die weltweit größte und beste legale Filmdatenbank aufzubauen. Konkrete Details sind zwar nicht bekannt, aber eine europäische Expansion steht weit oben auf der Agenda. Vielleicht bekommen die in ihrer aktuellen Verfassung eher mitleiderregenden Gratisanbieter aus Deutschland ja bald eine neue Konkurrenz, die sie ein wenig herausfordert. Zu hoffen wäre es.

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Kommentare: Gratis-Streaming von Filmen: Voddler will zum weltweit größten Filmdienst werden

Wieder einmal ein schöner und äußerst lesenwerter Beitrag. *thumps up* Welch Traum es doch wäre, endlich auch hier in Deutschland mal free Movies legal online ansehen zu können. :-) btw.. Schmeißt du den Blog mittlerweile alleine? Was ist mit den anderen Autoren? Da hat die Seite aber schon einen ziemlich gelungenen Schachzug damals gemacht, als Sie zweinull.cc (hiess doch so?) "übernommen" hatten. :-)

Diese Nachricht wurde von Neotopia am 07.06.10 (09:41:38) kommentiert.

Danke! Nein Markus Spath schreibt täglich (Linkwertig, Samstag App Fieber) und andere Blogwerk-Autoren sowie Gastautoren schreiben ab und an.

Diese Nachricht wurde von Martin Weigert am 07.06.10 (10:43:40) kommentiert.

Schöner Beitrag Martin Möchte ich Zusammenhang dessen auf www.flimmit.com aus Österreich aufmerksam machen. LG Lukas

Diese Nachricht wurde von lukas am 08.06.10 (09:24:23) kommentiert.

Flimmit hat ein Positionierungsproblem. Dass es auch auch Filme per VoD anbietet, war mir bisher entgangen. Es müsste deutlicher hervorheben, was es eigentlich ist oder sein will.

Diese Nachricht wurde von Martin Weigert am 08.06.10 (09:48:05) kommentiert.
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