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09.09.10Leser-Kommentare

Google: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt

Mit seinen neuen, dynamischen Echtzeit-Ergebnisseiten setzt Google seine wichtigste Umsatzquelle schwer kalkulierbaren Risiken aus. Ein kluger Schritt!

 

Wie viele Unternehmen gibt es wohl, die bereit sind, bei der Weiterentwicklung ihres wichtigsten Produktes und Umsatzträgers einen derartig großen Sprung zu machen, dass die Auswirkungen auf und Risiken für das Geschäft kaum vorhersehbar sind? Vermutlich nicht viele. Genau das hat Google mit seiner demnächst für alle Nutzer mit einer hinreichend schnellen Internetverbindung zur Verfügung stehenden Echtzeit-Ergebnisliste getan.

97 Prozent des Google-Umsatzes kommen aus dem Werbegeschäft, 66 Prozent von Sites im Google-Besitz wie die Google-Suche, Gmail, YouTube, Blogger etc. (Zahlen von 2009). Insofern kann man davon ausgehen, dass mindestens die Hälfte von Googles Erträgen aus der Suchwortvermarktung stammen. Und diese ist als Kernelement der Suchergebnisseiten (SERPs) in nicht unerheblichem Maße von den Veränderungen betroffen.

J.P. Morgan rechnet damit, dass Google Instant geringe bis keinerlei Auswirkungen auf die Suchwortvermarktung haben wird. Google Evangelist Frederick Vallaeys hingegen erwartet eine verbesserte Leistungsfähigkeit von Anzeigen auf den SERPs, da das neue Feature Nutzern dabei hilft, ihre Suche zu verfeinern und zu konkretisieren, und Textanzeigen somit noch besser an den Bedarf der User angepasst werden können. Andere wiederum vermuten, dass Google Instant die Empfänglichkeit der Benutzer für Werbung auf den SERPS reduziert.

Wirklich in die Zukunft schauen kann aber niemand, auch nicht Google. Zwar wurde die Instant-Suche in einem kleinen Kreis getestet, aber eine begrenzte Zahl an Betatestern verhält sich nicht unbedingt wie eine Milliarde Internetanwender, die pro Woche mit Google suchen. Unklar ist auch, wie sich Google Instant auf das Treiben der Suchmaschinenoptimierer (SEO) und -marketer auswirken wird. Einige Stimmen sehen in der Funktion gar das mögliche Ende von SEO.

Google zerstört mit dem neuen Feature nicht nur eine gewisse Vorhersehbarkeit seiner Umsatzentwicklung mit der Suchwortvermarktung, sondern nimmt auch eine Verunsicherung von Werbungtreibenden, Agenturen und Partnern in Kauf, die eigene Geschäftsmodelle auf die Google-Suche aufgebaut haben (und direkt oder indirekt ihren Teil zu Googles finanziellem Wohlbefinden beitragen). Und genau davor ziehe ich den Hut!

Google Instant ist eine Operation am offenen Herzen. Mit allen damit verbundenen Risiken. Aber eben auch mit allen Chancen. Im schlimmsten Fall verlieren Textanzeigen auf den Ergebnisseiten extrem an Bedeutung, weil User ihnen keine Beachtung mehr schenken. Ein Einbruch bei den AdWords-Umsätzen wäre die wahrscheinliche Folge, mit unvorhersehbaren Konsequenzen für die Zukunft von Google und dessen zahlreichen Gratisservices.

Im besten Fall aber wirkt sich Instant nicht oder ausschließlich positiv auf die Suchwortvermarktung aus, sichert als bei Anwendern populäres Feature Googles Marktführerschaft in den etablierten Märkten und hilft dem Konzern, weitere treue Nutzer in den Ländern von sich überzeugen, in denen es bisher nicht der mit Abstand dominanteste Suchanbieter ist.

Wer wagt, der kann verlieren. Aber wer nicht wagt, der kann nicht gewinnen. Google weiß, dass es seine etablierte Marktstellung nicht durch Stillstand sondern nur durch radikale Erneuerung beibehalten kann und handelt nach dieser Prämisse. Das ist beeindruckend. Es gibt da eine ganze Reihe von Firmen, von denen man sich ein ähnliches Verhalten wünschen würde...

Kommentare

  • Solar

    09.09.10 (12:05:53)

    ENDLICH! Habe auf so etwas schön länger gewartet. Endlich wird auch meine Generation schneller bei Suchmaschinen. Werde das mal ausprobieren und wieder berichten. Bis später

  • Sean Kollak

    09.09.10 (12:20:57)

    Bin zu einem sehr ähnlichen Fazit gekommen, weswegen ich diesen Artikel dort auch kurzerhand verlinkt habe.

  • Meeresbiologe

    09.09.10 (12:25:49)

    Ich halte die Chancen für viel größer als die Risiken - wenn sich die Funktion leicht abstellen läßt. Die Chancen vergrößern sich insofern, als die neue Funktion mit ihren schnellen Suchvorschlägen zu noch mehr Surfen und damit zu noch mehr Nutzung von Google anregt. Google Instant erleichtert die ziellose wie gezielte Recherche nach einzelnen Stichwörtern enorm, weil es sie mit seinen schnellen Suchvorschlägen in der Tat stark beschleunigt. Ich kann mir jedenfalls gut vorstellen, fortan öfter mit Google Instant durchs Web zu surfen, wenn die Ergebnisse so schnell ankommen. Darin liegen die großen Chancen von Google Instant, weil in der Überfülle der täglich aufgesuchten und "angesurften" Internetseiten Sekunden bereits viel ausmachen - insbesondere ob man sich überhaupt die Mühe macht, nach ihnen zu suchen. Google Instant beschleunigt und erleichtert damit den Überblick zu einzelnen Suchwörtern enorm. Woraus sich für mich eher große Chancen als Risiken auch für das Geschäft von Google ergeben. Die Verunsicherung von Werbungtreibenden, Agenturen und Partnern angesichts des großen Einschnitts in die Suche dürfte m.M. nur von kurzer Dauer sein, weil eine neue Funktion mit solch großen Vorteilen erwartungsgemäß stark angenommen werden wird. Bei solch großen Änderungen wird sich Google schon genau überlegen und testen, was sie machen. Ähnliche Innovationsfreude würde ich mir auch im Google Verzeichnis wünschen.

  • Wort-Suche

    10.09.10 (14:32:56)

    Google kann damit nur gewinnen, da durch die schnellere und vor allem genauere Auslieferung von Suchresultaten sowohl die Suche selbst zunehmen wird, als auch die Klickraten und an die kommt es schlussendlich an. Zumal darf man ja nicht vergessen die Millionen Partnerseiten die ebenfalls mit Google Adsense - Google selbst eine erheblichen Beitrag zum Gesamtergebniss liefert. Insofern ergibt sich für Google sogar ne doppelte Gewinnchance mit der Neuerung, da es Google damit schafft weitere Marktanteile für sich zu gewinnen und was kann schöner sein als weitere Marktanteile zu erhalten = mehr Umsatz = mehr Gewinn... ;-) Denn die Zeitersparniss die damit erreicht wird und zwar sowohl für den Suchenden als auch für Google bedeutet direkt mehr Geld - es ist so einfach und doch wieder genial.

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