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16.07.09

Google Voice: Die Revolution der Telefonie

Google Voice ist ein kostenloser, webbasierte Telefonmanager. Unter dem Motto "Eine Nummer für alle deine Telefone, für immer" hat der bisher nur in den USA verfügbare Dienst das Zeug, die Telefonie zu revolutionieren - und könnte eines Tages Skype gefährlich werden.

Google Voice

In der Folge der Wirtschaftkrise scheint es, als ob sich junge Webdienste immer seltener den Luxus eines ausgiebigen "Stealth mode" oder einer langen, geschlossenen Beta-Phase gönnen und stattdessen schnellstmöglich einer großen Benutzerzahl Zugang gewähren wollen. Die Konsequenz für Web-Enthusiasten wie uns ist, dass es nur noch wenige Services gibt, auf die wir sehnsüchtig warten und bei denen wir uns auf den Tag freuen, an dem wir eine Einladung zur Testphase erhalten.

 

Aber zum Glück gibt es Google. Nicht nur das Chrome OS und die neuartige Kommunikations- und Kollaborationsplattform Wave stehen dort in der Pipeline, sondern auch der Telefonmanager Google Voice. Wenn es einen Onlinedienst gibt, auf dessen Launch ich persönlich ungeduldig warte, dann ist es dieser. Bisher ist Google Voice lediglich auf Einladung und nur in den USA verfügbar.

Google Voice basiert auf dem im Sommer 2007 für kolportierte 50 Millionen Dollar übernommenen Telefondienstleister GrandCentral.

 

Im März diesen Jahres schloss der kalifornische Internetriese die Integration von GrandCentral in das eigene Produktportfolio ab und gab den offiziellen Startschuss für Google Voice.

Nutzer von Google Voice erhalten eine einzige Telefonnummer , die sie mit Hilfe von Regeln je nach Anrufer an das private, dienstliche oder mobile Telefon weiterleiten und über eine Google Mail ähnliche Weboberfläche verwalten können. Neben zahlreichen Funktionen zum bequemen Steuern und Feinabstimmen des persönlichen Gesprächsmanagements bietet Google Voice einen Anrufbeantworter, der hinterlassene Nachrichten nicht nur in Ton- sondern auch in Textform darstellt.

Gespräche werden über das Webinterface eingeleitet. Google ruft dann eines der persönlichen Telefone an und verbindet es mit dem gewünschten Gesprächspartner. Telefonate lassen sich auf Wunsch aufzeichnen. Auch Konferenzen und SMS-Versand sowie -Empfang werden unterstützt. Google Voice ist nicht nur kostenlos, sondern bietet in der USA außerdem kostenfreie Anrufe einheimischer Nummern. Für internationale Telefonate fallen geringe Gebühren an, die denen von Skype, JAJAH oder Truphone ähneln.

Weboberfläche von Google Voice (Quelle: ReadWriteWeb)Einen großen Schritt macht Google Voice mit der anstehenden Veröffentlichung von Applikationen für Android-Smartphones und Blackberry. Besitzer dieser Geräte können über die Anwendung direkt auf die wichtigsten Google Voice-Funktionen zugreifen und bei ausgehenden Telefonaten ihre Google Voice-Nummer anzeigen lassen. Eine iPhone-App ist in Planung.

Um Nutzern, die einen Invite ergattern konnten, den Einstieg so leicht wie möglich zu machen, arbeitet Google derzeit an Lösungen, existierende Nummern von anderen Providern zu transferieren. Erste Tests dazu laufen zwar bereits, aber bis auf weiteres müssen sich User damit abfinden, von Google eine neue Nummer zugeteilt zu bekommen.

Auch wenn mit dem Einsatz von Google Voice einmal mehr ein Batzen persönlicher Informationen an den Webgiganten aus Mountain View ausgeliefert wird und die Notwendigkeit, allen Kontakten die persönliche Google Voice-Nummer kommunizieren zu müssen, zusätzlichen Aufwand bedeutet, handelt es sich bei dem webbasierten Telefonmanager um ein ein beeindruckendes Produkt, welches endlich Ordnung, Struktur und Effizienz in den Gesprächsalltag bringt.

Entgegen anderslautender Gerüchte plant Google offenbar, Voice vorerst weiterhin nur auf Einladung zugänglich zu machen. VoIP-Anbieter wie Skype müssen sich somit im Moment keine Sorgen machen, von Google in Bedrängnis gebracht zu werden. Langfristig aber ist Voice definitiv eine Bedrohung für alle Unternehmen, die im Markt der digitalen Telefonie tätig sind. Skype beispielsweise wäre daher gut beraten, sein Angebot noch stärker in die Richtung des "Unified Messagings" zu bewegen. Eine Browservariante könnte ein Anfang sein.

Ab wann Europäer Zugang zu Google Voice erhalten, ist bisher unklar.

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