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05.10.10Leser-Kommentare

Google TV: Der Elefant im Raum heißt Facebook

Google integriert nicht nur diverse Mediendienste in seine neue Fernsehplattform Google TV, sondern auch Twitter mit einer angepassten App. Ein Name fehlt in der Auflistung der Partner: Facebook.

Wie heute früh berichtet , hat Google gestern Details zu seiner kommenden Fernsehplattform Google TV bekannt gegeben, die es gemeinsam mit Intel, Sony und Logitech entwickelt und die demnächst in den USA auf ausgewählten Set-Top-Boxen sowie Fernsehgeräten starten soll. Verbraucher im deutschsprachigen Raum müssen sich noch etwas gedulden - der weltweite Launch ist für 2011 geplant.

Neben der Produktseite für Google TV präsentierte der Internetkonzern auch erste Partner für den US-Markt, die ab Werk in die auf Android basierende TV-Software integriert sein werden. Dazu gehören neben einigen US-Fernsehstationen (und dem hauseigenen YouTube) unter anderem Amazon Video On Demand, Netflix, VEVO, Pandora, Napster sowie Twitter. Während ab Anfang 2011 auch das Installieren von Applikationen aus dem Android-App-Market möglich sein soll, arbeitet Google mit den genannten Diensten bereits jetzt zusammen, um Nutzern an Google TV angepasste und in das System integrierte Versionen anbieten zu können.

Speziell "Twitter für Google TV" ist eine Erwähnung wert, trägt die Anwendung doch der Tatsache Rechnung, dass viele Twitter-Nutzer sich ohnehin gerne in 140 Zeichen über Fernsehereignisse und Live-Events äußern. Der initiale Ansatz scheint zwar abgesehen von der visuellen und funktionellen Anpassung an den Fernsehbildschirm noch keine nennenswerte Verknüpfung mit anderen Apps oder Features von Google TV mitzubringen, ist aber dennoch ein wichtiger erster Schritt - in einem eigenen Blogbeitrag unterstreicht Twitter daher auch, dass es sich bei der Kooperation lediglich um den Beginn einer Verschmelzung von Twitter und Fernsehen handelt.

Twitter-App für Google TV

Fällt euch auch auf, dass ein wichtiger Name in der Aufzählung der Startpartner und auch im Teaser-Video fehlt? Richtig, Facebook! Zumindest nach dem aktuellen Kenntnisstand wird das weltweit führende soziale Netzwerk nicht in einer optimierten Fassung auf der TV-Plattform von Google und seinen Verbündeten vorhanden sein.

Verwunderlich ist das angesichts des zunehmenden Konkurrenzkampfes zwischen den beiden Webriesen natürlich nicht. Google als die tonangebende Internetfirma der vergangenen Dekade gerät verstärkt in Erklärungsnot, wie es angesichts des kometenhaften Aufstiegs von Facebook auch in den kommenden zehn Jahren seine Dominanz im Netz und vor allem im Onlinewerbemarkt aufrecht erhalten will. Suche war gestern, Social ist morgen - so lautet die allgemeine Losung in Hinsicht auf das, was die kommenden Jahre im Web prägen wird. Zum Leidwesen von Google ist Social das Spezialgebiet von Facebook.

Die Folge dieser sich bereits länger abzeichnenden neuen Front am Internethimmel: Google tut nicht mehr als unbedingt nowendig, um Facebook in seiner weiteren Expansion zu unterstützen. Natürlich erlaubt Google TV über den vorinstallierten Chrome-Browser den Zugriff auf Facebooks Website, und sobald der Zugang zum Android Market geschaffen wurde, können User (wahrscheinlich) auch Facebooks Android-App herunterladen. Ob diese dann jedoch an große Bildschirme angepasst ist, bleibt genauso offen wie die Frage, ob überhaupt irgendeine engere Intergration in die Fernsehplattform möglich ist.

Google TV fehlt ein Social Network. Während Google derzeit zwar alle Hebel in Bewegung setzt (und auch Optionen hat), um sich doch noch irgendwie im Social Web zu verankern, würde selbst bei einer geglückten Initiative die Zeit nicht ausreichen, damit rechtzeitig zum Launch von Google TV Nutzer ein zentral platzierter Button dazu aufrufen könnte, sich mit all seinen realen Freunden und Bekannten via Google zu vernetzen... oder doch?

Eine "Connect to Facebook"-Schaltfläche wäre angesichts von einer halben Milliarde Facebook-Benutzern ein Killer-Feature. Doch es würde gleichzeitig sämtliche Anstrengungen konterkarieren, eine Google-eigene Facebook-Alternative aufzubauen. Auch wäre es das finale Eingeständnis, wer aus dem (vorläufig ohnehin entschiedenen) Kampf um die Marktführerschaft im Social Web als Sieger hervorgeht.

Facebook bietet mit dem Live-Stream-Plugin bereits ein populäres Widget, das von Medien weltweit zur Begleitung von Live-Veranstaltungen im Netz eingesetzt wird. Eine tiefgehende Implementierung des Plugins in Google TV wäre ein großer Schritt hin zu einem sozialeren webbasierten Fernseherlebnis. Auf dem Papier.

"The elephant in the room" lautet eine englischsprachige Redensart, die beschreibt, wie an einem offensichtlichen Problem oder Missstand vorbeigeredet wird. Was Google TV betrifft, so ist Facebook der Elefant im Raum. Bei den Google-Verantwortlichen rauchen vermutlich gerade die Köpfe darüber, wie man sich die enorme Verbreitung und Popularität von Facebook doch für die TV-Plattform zunutze machen könnte, ohne dadurch dem eigenen Social-Produkt das Wasser abzugraben oder Facebook mehr Platz einzuräumen als notwendig.

Google schließt seinen Blogbeitrag zu Google TV mit der Anmerkung, dass in den nächsten Wochen weitere für Google TV angepasste Dienste hinzukommen werden. Doch selbst wenn es zu einer Kooperation zwischen den zwei Kontrahenten käme - das grundlegende Dilemma für Google bleibt: Gibt es Facebook (neben anderen Partnern) priorisierten Zugang zu den eigenen Plattformen, stärkt es die Position von Facebook. Verschließt es sich dem Social Network, büßen Google-Produkte aus Nutzersicht an Attraktivität ein. Eine verzwickte Situation, aber die logische Konsequenz aus einer Strategie, in so vielen Märkten wie möglich mitspielen zu wollen.

Wie würdet ihr agieren, wenn ihr bei Google die Zügel in der Hand hättet?

Kommentare

  • Christoph

    05.10.10 (13:35:53)

    Ich kann sehr gut ohne Facebook leben. Ohne Google wäre allerdings schon um einiges schwerer.

  • Flokass

    05.10.10 (13:52:18)

    Was mal cool wäre wenn Google das Betriebssystem dahinter online stellen würde.

  • Meeresbiologe

    05.10.10 (14:15:46)

    Ein erfreulicher neuer Dienst wie Google TV sollte möglichst sofort die Einrichtung von Feeds für sämtliche Internetanwendungen problemlos ermöglichen können. Das ärgert mich noch bißchen an der Mediennutzung im Internet, dass die Einrichtung von Feeds und Übertragung von Links so umständlich ist. Warum ist z.B. nicht ein wichtiger RSS-Dienst wie Friendfeed zum direkten Übertragen von RSS-Adressen mit einem Button unter sämtlichen Internet- und Multimedia-Feeds mit vertreten? In Google-Suchergebnissen kann man zwar bereits Suchergebnisse zum Übertragen von Links nach Google Lesezeichen direkt anklicken, aber ohne direkte Einordnung in einzelne Labels. Das sind so erhebliche Kinderkrankheiten, die die Organisation und Übertragung von Links, Videos, Feeds noch ziemlich schwer machen. Es fehlt im Internet sowas wie ein zentraler Übertragungsapparat & Werkzeug zur Organisation solcher Aufgaben und Übertragungen - also so eine art eierlegende Wollmilchsau, mit der man sämtliche Übertragungen mit einem Klick erledigen kann ohne es häufig umständlich per Copy&Paste von einer Anwendung in die andere übertragen zu müssen. Interessant wäre z.B. auch ein "Apparat" für die Integration sämtlicher Feed- und Linkdienste wie Twitter, Google Lesezeichen, Google Reader, Friendfeed, Facebook usw. Insofern finde ich auch den Ausschluß eines wichtigen Netzwerkes wie Facebook aus den Voreinstellungen von Google TV im Sinne der Nutzerfreundlichkeit etwas kurzsichtig.

  • mace

    05.10.10 (14:18:32)

    Da hat Google wirklich eine schwere Entscheidung zu fällen. Wenn sie Facebook integrieren sollten sie es vielleicht als Zusatzoption machen und im Vordergrund ihr eigenes Social Web einbinden. Da der Mensch von Natur aus faul ist wird ein Großteil dann bei dem Voreingestellten bleiben und so Googles Social Web als Standard lassen und dieses primär nutzen. Die Frage ist dabei natürlich wie das Social Web von Google aussehen wird. Die Sache bleibt auf jeden Fall spannend.

  • Carsten Höh

    05.10.10 (14:20:59)

    Stimmt, die Ankündigung der "Google TV"-Partner klingt ja auf den ersten Blick wirklich prächtig. Auf den zweiten Blick fällt dann aber auf, dass einige echte Größen fehlen - neben Facebook z.B. auch die großen Hollywood Studios. Denke, dass der Ansatz aber trotzdem stimmt und bin mal gespannt, wie sich das Ganze in Zukunft entwickelt.

  • basic

    05.10.10 (14:31:08)

    Ich denke das der Hype um Facebook nicht unbedingt von Dauer sein wird , die Nutzerzahlen können nicht mehr ins Unendliche gesteigert werden, dann kommt die Abschwächungsphase wie gerade bei Twitter, wo auch einmal Prognostiziert wurde das sie demnächst die Herrschaft im Web übernehmen. Gestern Gefeiert heute Gefeuert gibt es vieles im Sozial-Media wie zb "My Space" oder AOL. Daher sehe ich Facebook weniger als einen Elefant, eher als einen Ballon aus dem sehr schnell wieder Luft entweichen könnte. Google hingegen ist viel Breiter Aufgestellt als Facebook, zudem verlangen die jungen Internetnutzer ständig etwas Neues im Social Netz, sonnst wird ihnen die Sache schnell "Langweilig" die Nutzer sind heutzutage sehr "Wechselhaft" was heute noch "in" ist kann schon Morgen "out" sein. Wobei es weniger um die Nützlichkeit eines Dienstes geht sondern meist mehr um Livestyle ,Design und den gewissen Kick dabei geht. Ein Dienst oder Firma die nicht mind. aller 3 Wo etwas neues Zelebriert wird schnell mit Missachtung Bestraft. Google bedient diese Klientel meist sehr gut indem sie ständig etwas Neues Kreieren und dabei nicht nur auf das Thema soziales Netzwerk festgelegt sind , wie gerade Android , Google-TV ect Beweisen. Daher sind als Google Konkurrenten heutzutage eher Apple oder Microsoft anzusehen. Zudem wird Facebook immer nur als ernsthafter Google Konkurent angesehen , was ist mit den "Anderen"??

  • Manuel

    05.10.10 (17:10:20)

    Aus unternehmerischer Sicht kann ich Google gut verstehen. Zumindest bei Google TV sind sie nicht auf Facebook angewiesen. Eine Integration hätte FB-Usern bestimmt gefallen, aber sie ist kein Killerkriterium. Also erstmal schön abwarten um dann das eigene Social Network einzubinden wenn es fertig ist.

  • wolfgang

    05.10.10 (17:47:15)

    @basic Neuer Rekord an Rechtschreibfehlern und überflüssigen und falsch gesetzten "Anführungszeichen" innerhalb eines "Kommentars". Respackkkt! Ansonsten hast du natürlich absolut "recht"! P.S. Ich vermisse aber die VERSALIEN!

  • Carsten

    05.10.10 (21:32:31)

    Da Google die Betriebssysteme liefert (Handy, Pad, PC, demnächst Haus?) wird Google die notwendigen Informationen für seine Werbekunden und Datencenter erhalten und facebook leer ausgehen ;( Mit den derzeit gesammelten Services (hat da jemand einen Übersicht?) ergibt sich dann ein Gesamtbild. Denke Facebook muss ordentlich Gas geben wenn Sie mithalten wollen, sonst bleibt es ein Login-Tool mit personalisierter Community-Funktion. Aber wozu noch auf fb einloggen wenn ich direkt durch Android eingeloggt werde?

  • Michael Porath

    06.10.10 (03:01:14)

    Auch wenn das in der Debatte kaum Beachtung findet, Google kann bereits heute einen grossen Teil des Social-Media-Kuchens sein Eigen nennen. Googles Soziales Netzwerk heisst YouTube. Je nach Betrachtungsweise hat YouTube gar mehr Nutzer als Facebook. Gerade im Kontext mit GoogleTV ist das ein nicht zu unterschätzender Faktor. YouTube wird zentrales Element im GoogleTV-Framework; da liegt es beinahe auf der Hand, sich diesen Vorteil zu Nutzen zu machen und vermehrt interaktive Elemente einzuführen.

  • Martin Weigert

    06.10.10 (03:47:59)

    Schön dass wir uns da einig sind http://netzwertig.com/2010/09/24/wenn-man-den-wald-vor-lauter-baeumen-nicht-sieht-googles-social-network-heisst-youtube/ ;) (auch im Artikel oben verlinkt)

  • Martin Weigert

    06.10.10 (03:50:52)

    Eine Integration hätte FB-Usern bestimmt gefallen, aber sie ist kein Killerkriterium. Glaubst du nicht, dass ein paar hundert Millionen begeisterte Facebook-Anwender das anders sehen? ;)

  • Manuel

    06.10.10 (08:20:41)

    @Martin Glaubst du nicht, dass ein paar hundert Millionen begeisterte Facebook-Anwender das anders sehen? ;) Nein, denke ich wirklich nicht, jedenfalls nicht bei einem Produkt für den Fernseher. Wenn da Youtube fehlen würde wäre es ein Problem, aber nicht FB. Bei Smartphones sieht es anders aus. Deshalb haben sie eine FB-App bei Android mitgeliefert.

  • ITVAward

    06.10.10 (11:15:38)

    Ist google TV wirklich eine Revolution? Und wird es besser sein, als Entertain von der Telekom? Beim Interactive TV Award http://www.interactive-tv-award.com der Deutschen Telekom werden zur Zeit Konzepte für das Fernsehen der Zukunft entwickelt. Mal sehen wer in 2011 die Nase vorn hat...

  • Wort-Suche

    06.10.10 (13:16:17)

    Also das Social-Web wie es oft genannt wird, wird zu sehr hochgespielt, tatsächlich spielt sich dort nicht viel ab, sind doch nur Spielereien die dort abgehen, der seriöse Nutzer, der die Kaufkraft hat, der braucht kein Facebook und sonstige Spielereien um seine Geschäfte, und privaten Kontakte aufrecht zu erhalten und oder zu erweitern. Ich denke das schon sehr bald die Nutzerzahlen von Facebook einbrechen werden und neue Dinge den kurzfristigen Markt erobern, während nebenbei die ganz Grossen wie Google, Microsoft und Yahoo denn Markt weiterhin Dominieren und ausbauen werden.

  • Martin Weigert

    06.10.10 (13:21:05)

    Das Internet ist ja ohnehin nur ein vorübergehender Trend.

  • Meeresbiologe

    06.10.10 (14:22:16)

    Ein gutes Äquivalent auf dem Computer zum kommenden Google TV ist übrigens iGoogle. Wo man sich die Feeds einzelner Homepages, Medienarchive, Suchen u.ä. nach Prioritäten, Themen u.ä. geordnet auf einzelnen Seiten anzeigen lassen kann. Dadurch erhält man ganz gut einen aktuellen Stand einzelner Homepages, ohne ständig jede Homepage einzeln aufrufen und aktualisieren zu müssen. Komischerweise sind die Feeds von netzwertig oder auch CARTA auf meinem iGoogle bisher nicht zeitnah aktuell. Hat vielleicht jemand Erfahrungen damit und kann sagen, woran das liegt? Mit dem Google Reader habe ich mich übrigens mittlerweile auch weiter anfreunden können, nachdem ich zufällig herausgefunden habe, wie einzelne Feeds in neue Ordner eingetütet werden.

  • Martin Weigert

    06.10.10 (14:41:00)

    Eigentlich müssten die Feeds im Google Reader und bei iGoogle zeitgleich aktualisiert werden. Läuft ja beides über RSS. Ist dies der Fall?

  • Meeresbiologe

    06.10.10 (15:00:43)

    Auf Google Reader sind sie aktuell, auf iGoogle bisher komischerweise nicht. Ist aber vielleicht nicht ganz so schlimm, weil ich den Google Reader mittlerweile besser beherrsche und ihn für diesen Zweck vielleicht sogar besser finde (hihi). Zumal man sich den Google Reader ja auch in iGoogle einbinden lassen kann. Vielleicht funktioniert es ja über diesen Umweg.

  • Meeresbiologe

    15.10.10 (15:17:46)

    Mir ist übrigens aufgefallen, dass in der Google-Suche ein wichtiger Teil des Internets bisher fehlt: nämlich die Töne und Audiodateien. Es gibt mittlerweile unzählige Podcasts und Rundfunkarchive mit unzähligen Angeboten, außerdem die unzähligen Audiodateien (sei es zu Geräuschen, x-beliebigen anderen Aufnahmen, zu moderner oder klassischer Musik). Das muß man sich heute noch mangels fehlender Gesamt-Audiosuche alles mühsam in den einzelnen Archiven selbst zusammensuchen - schade.

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