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25.04.10

Google: Sind die guten Zeiten bald vorbei?

Lange war Google die unangefochtene Königin des Internets. Doch wie lange wird sich das sorgenlose Wirtschaften mit sprudelnden Gewinnen noch fortsetzen lassen?

WolkenSeit fast einem Jahrzehnt ist Google der dominierende Akteur im Netz und fährt dank des florierenden Werbegeschäfts regelmäßig Milliardengewinne ein. Rund 97 Prozent der Einnahmen des Unternehmens kommen aus der Suchwort- und Anzeigenvermarktung. Das stabile Geschäft mit der Internetwerbung gibt Google bisher die Freiheit, in verschiedensten Sektoren des Webs zu experimentieren und neue Dienste zu entwickeln, ohne dabei unter Profitdruck zu stehen.

Dass diese äußerst komfortable Situation nicht für immer anhalten wird, ist mit Sicherheit auch den Google-Verantwortlichen klar. Sie hoffen, dass sich durch die rege Aktivität des Konzernz in allen erdenkbaren Bereichen – von Onlinevideo über Telefonie, von Office-Produkten bis hin zum mobilen Internet – früher oder später eine neue Cash-Cow auftut. Die Rechnung ist simpel: Je mehr neue Produkte und Services mit heftigen Investitionen in den Markt gedrückt werden, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich zumindest etwas davon durchsetzt.

Doch Google hat ein Problem: Gerade in dem Bereich, dem gemeinhin nachgesagt wird, er könne das wirtschaftliche Potenzial der Suchwortvermarktung noch übertrumpfen und dieser die Werbebudgets der Unternehmen abspenstig machen, ist Google bisher schlecht aufgestellt. Die Rede ist vom Social Web, in dem bekanntermaßen zwei andere Akteure die Fäden ziehen.

Versuche von Google, in den Zukunfsmarkt von Social Networking, Social Marketing und Social Commerce vorzustoßen, gibt es zwar viele – von Orkut über Google Wave bis hin zu Google Buzz – richtig durchschlagender Erfolg blieb Google jedoch bisher verwehrt. Das Unternehmen hat es nicht geschafft, die Vielzahl seiner Dienste mit sozialer Komponente zu einem stimmigen großen Ganzen zusammenzufügen. Nun muss es zusehen, wie ihm die Konkurrenz die Schau stielt. Oder, wie Marcel Weiss es ausdrückt: Facebook ist das neue Google.

Was die Lukrativität betrifft, sind soziale Netzwerke sicherlich noch weit von dem entfernt, was Google von Quartal zu Quartal mit seinem Anzeigengeschäft einfährt. Weitgehender Konsenz herrscht jedoch darüber, dass es hier nicht um die Frage geht, ob mit einer cleveren Verknüpfung von Social Networking, Vermarktung und virtueller Währung eines Tages richtig viel Geld zu verdienen ist, sondern nur, wie dies geschieht und wer als erstes eine funktionierende Rezeptur findet.

Die aktuelle Entwicklung dürfte Google-CEO Eric Schmidt einiges an Kopfschmerzen bereiten. Zwar ist noch lange nichts verloren und Geld für weitere Akquisitionen hat Google genug. Aber wenn Beboachter der Webwelt in den letzten Jahren eines gelernt haben, dann, dass man Erfolge mit sozialen Netzwerken nicht erzwingen kann.

Sollte es Google trotz aller Aktivitäten nicht gelingen, die Erlösquellen zu diversifizieren und die Abhängig von der langfristig eventuell nicht mehr ganz so bedeutungsvollen Desktop-Suche zu verringern, dann könnte dies eine radikale Veränderung für Millionen von Internetnutzern bedeuten.

Denn mit den ersten Kratzern auf der Bilanz würden die über Jahre verwöhnten Google-Anleger unruhig werden, und diese für den Webriesen ungewöhnte Situation könnte schnell zu einer Abwärtsspirale aus abnehmendem Optimismus, sinkendem Aktienwert und steigendem Druck führen. Die Folge wären Kostensenkungen – etwas, das bisher eher Google-untypisch ist.

Mit einem Mal stünden plötzlich viele der funktionell hervorragenden, aber wirtschaftlich völlig unprofitablen Dienste auf dem Prüfstand, die Google heute kostenlos anbietet. Mit einem Schlag würde Google zu einem ganz normalen Unternehmen, das zwar in die eigene Zukunft investiert, aber nicht mit Geld um sich schmeißen und parallel mehrere ähnliche Produkte mit Millionenbudgets entwickeln kann, nur um am Ende die Chancen zu erhöhen, mit mindestes einem davon den Geschmack der User zu treffen.

Natürlich ist das vorerst Spekulation. Es ist überhaupt noch nicht klar, ob der Social-Web-Zug für Google tatsächlich dauerhaft abgefahren ist. Auch bleibt offen, inwieweit die klassische Anzeigenvermarktung im "stationären" Web tatsächlich durch neuartige Ansätze im Bereich des sozialen und mobilen Internets in Bedrängnis gebracht wird – oder ob beide als Wachstumsmärkte bestehen können. Zudem hat Google mit seinem Betriebssystem Android erfolgreich einen Fuß im mobilen Markt.

Dennoch lässt sich festhalten, dass Google nicht mehr ganz so sorgenfrei in die Zukunft schauen kann wie noch vor einigen Jahren. Und aus Usersicht ist es sinnvoll, sich rechtzeitig auf ein Szenario einzustellen, in dem es für Google plötzlich nicht mehr selbstverständlich ist, einen Großteil seiner Dienste gratis anzubieten oder überhaupt bereitzustellen. Dass dies Tag irgendwann kommt, ist wahrscheinlich.

(Foto: stock.xchng)

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