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02.11.11

Google Reader entfernt Social-Funktionen: Instapapers große Chance

Wer die jetzt entfernten Möglichkeiten der Vernetzung im Google Reader vermisst, wird fieberhaft nach einer Alternative suchen. Die beliebte Später-Lesen-App Instapaper könnte sich als akzeptabler Ersatz erweisen.

 

Für alle überzeugten Nutzer des Google Reader, dem einzigen ernstzunehmenden, vollwertigen, webbasierten RSS-Reader, stand der gestrige Dienstag im Zeichen der Auseinandersetzung mit der neuen, deutlich abgespeckten Benutzeroberfläche. Bedenkt man, dass der Reader für manche Blogger, Journalisten und andere "Informationworker" ein essentielles Arbeitswerkzeug darstellt, wird hoffentlich deutlich, welchen Einschnitt in den Produktivitätsalltag ein derartiger Relaunch mit sich führen kann.

Während man sich an die optischen Modifikationen schnell gewöhnen wird, bedeutet der Wegfall der in den Reader integrierten Sharing-Funktionen einen herben Verlust für diejenigen, die sich mit deren Hilfe innerhalb von Googles RSS-Tools Zugang zu den Artikel verschafften, die von abonnierten Lesern besonders empfohlen wurden. Diese Gruppe war vergleichsweise klein, aber lautstark, und zögert nicht damit, ihren Unmut kund zu tun. Und überraschenderweise landeten die Proteste der Google-Reader-Anhänger sogar auf der Startseite von Bild.de.

Der neue Google Reader ist nun nichts weiter mehr als ein stinknormaler browserbasierter RSS-Reader. Wer beim Scannen der RSS-Feeds gerne die Highlights mit anderen teilt und dafür nicht den eigenen Twitter- oder Google+-Stream verstopfen möchte, muss sich nun auf die Suche nach einer anderen Lösung machen. Diskutiert wurde gestern unter anderem der Umweg über die "Sets"-Funktion des Readers , aber einerseits schien auch das nicht zuverlässig zu funktionieren, zudem ist es ein sehr umständlicher Ansatz. Auch die Miniblog-Plattform Tumblr wurde als Workaround ins Gespräch gebracht.

Ich habe mittlerweile einen anderen Weg gefunden, um über das sporadische Verbreiten von Artikelempfehlungen und Nachrichten über meinen Twitter-Account hinaus einen nicht der Schnelllebigkeit des Echtzeitwebs ausgesetzten Artikelstream zu befüllen, wie ich es bisher per Shared Items Feature im Google Reader praktizierte: über Instapaper.

Das bei Viellesern beliebte Tool des US-Entwicklers Marco Arment entstand ursprünglich, um Nutzern über ein Browser-Bookmarklet die Möglichkeit zu geben, Webinhalte zum späteren Lesen im Browser, auf dem iPhone oder iPad zwischenzuspeichern. Genau dafür verwende ich es seit längerem, allerdings eher sporadisch - zumeist an Wochenenden, wenn ich Zeit für ausführlichere Texte habe, die sich im Laufe der Woche bei Instapaper ansammelten.

Vor einiger Zeit spendierte Instapaper-Macher Arment der App soziale Features. Nutzer, die Instapaper mit ihren Konten bei Facebook und Twitter verknüpft haben, können innerhalb der App die Artikel einsehen, die von ihren Kontakten bei den Social-Web-Diensten empfohlen wurden. Außerdem gibt es eine Like-Funktion: Von mir zu Instapaper importierte Texte, die ich durch einen Klick auf das Herz-Icon favorisiere, sind für alle meine Instapaper-Follower in der Sektion "Friend" > "Liked by Friends" einsehbar. Und genau dieses Feature werde ich zukünftig einsetzen, um die Beiträge zu teilen, die ich bisher im Google Reader geteilt habe.

Mit Hilfe des Instapaper-Browser-Bookmarklets lassen sich beliebige, im Google Reader oder auf einer anderen Website geöffnete Artikel direkt im Volltext in die Instapaper-Inbox importieren. Außerdem unterstützen rund 140 iOS-Applikationen den Export von Texten zu Instapaper. Zukünftig werde ich also empfehlenswerte Artikel aus dem Google Reader zu Instapaper senden und dort favorisieren, woraufhin sie für meine Kontakte unter "Liked by Friends" zusammen mit den Empfehlungen anderer Instapaper-Freunde auftauchen.

Dieses Verfahren ist in vier Aspekten den Google Reader Shared Items unterlegen:

1. Es erfordert deutlich mehr Schritte und den Einsatz einer weiteren Applikation.

2. Artikel aus dem "Liked by Friends"-Stream werden im Originallayout geöffnet (lassen sich anschließend aber Instapaper-typisch entkernen und in die Inbox verfrachten).

3. Eine Kommentarfunktion gibt es nicht.

4. Das Vernetzen von Kontakten funktioniert nur über einen Kontaktabgleich mit Facebook, Twitter etc., nicht durch die direkte Eingabe eines Benutzernamens oder eine Suche (allerdings kann man direkt E-Mail-Adressen hinzufügen, sofern man diese kennt).

Trotz dieser Nachteile glaube ich, mit dem Sharing über Instapaper eine zumindest übergangsweise zufriedenstellende Alternative für die Google Reader Shared Items gefunden zu haben. Zumal Marco Arment seinen Service mit viel Herzblut betreibt und sich über die Jahre eine treue Anhängerschaft aufgebaut hat.

Während Google Reader abspeckt, ist bei Instapaper eher wahrscheinlich, dass weitere praktische Features hinzukommen, um noch bequemer und effizienter Informationen aufnehmen und anderen zugänglich machen zu können.

Wer meine favorisierten Artikel im eigenen Instapaper-Stream sehen möchte, folgt mir am besten bei Twitter und startet anschließend in Instapaper den Kontaktabgleich (Update: Ausgerechnet heute scheint es damit technische Probleme zu geben).

Im Browser ist Instapaper kostenlos, die iOS-App (für iPhone und iPad) kostet 3,99 Euro (und ist für News Junkies ihr Geld wert). Eine offizielle Android-Applikation existiert zwar nicht, dafür gibt es eine ganze Reihe von Drittanbieter-Apps (inwieweit diese die in diesem Beitrag erwähnten Social-Features unterstützen, solltet ihr vorab prüfen).

Was haltet ihr von dem beschriebenen Verfahren?

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