<< Themensammlung Netzwertig

Unter netzwertig veröffentlichen wir in unserem Blog Einschätzungen zu aktuellen digitalen Geschäftsmodellen und IT-Trends, Meldungen, Analysen, Reviews und Specials.

23.06.10

Google Music: Google will das Rad neu erfinden

Google will bis 2011 einen Download- und Abo-Dienst für Musik starten. Dabei ist der Markt bereits jetzt gut besetzt. Muss das Rad wirklich noch einmal erfunden werden?

Google plant den Start eines Musikdienstes. Bekannt ist das seit längerem. Ein aktueller Artikel des Wall Street Journal liefert nun weitere Informationsteilchen zum bisher nicht vollständigen Puzzle rund um Google Music. Doch jedes Mal, wenn ich dieser Tage von dem neuen Google Produkt lese, ist mir, als hätte ich ein Déjà-vu:

Google möchte also in der ersten Phase einen Downloadshop eröffnen, der eng mit der Suchmaschine verknüpft ist. Das langfristige Ziel ist jedoch ein Cloud-Streaming-Dienst, der zudem mit Android-Smartphones kompatibel sein soll. Erwartet wird der Abo-Service erst 2011. Auch YouTube soll irgendwie mit dem Spaß verknüpft werden. Google Music tritt als Gegengewicht zu Apples iTunes Store auf, so heißt es. Diesem wird nachgesagt, demnächst ebenfalls Streaming-Features zu integrieren.

Kommt nur mir die Beschreibung von Google Music so unglaublich bekannt vor? Ja, eine Integration eines Musikshops in die Suchergebnisse ist sicherlich keine schlechte Idee, aber alles, was danach folgen soll, gibt es bereits seit einiger Zeit von einer ganzen Reihe hervorragender und vor allem sehr erfolgreicher Startups und Streamingdienste.

Spotify, Deezer, simfy, steereo, MOG , Rhapsody, Napster oder Rdio heißen einige der Anbieter, die Verträge mit der Musikindustrie abgeschlossen haben und Nutzern On-Demand-Musik-Genuss bieten, gratis oder im Abo-Modell. Hinzu kommen diverse Downloadshops neben iTunes.

Viele dieser Dienste haben nicht nur tolle Benutzeroberflächen, sondern bieten auch Applikationen für iPhones und Android-Geräte an, mit denen man Musik aus der Cloud streamen kann.

Warum also irritiert mich der Plan von Google Music? Es ist die Kombination aus Googles Ignoranz des eben beschriebenen, hochgradig innovativen und diversifizierten Marktes, sowie aus der Arroganz, die zu spüren ist, wenn man das Startdatum 2011 für den Abo-Service betrachtet: Welche andere Firma würde sich derartig viel Zeit lassen, wenn bereits unzählige Konkurrenten den Markt erfolgreich berabeiten?!

Welche Gründe könnte es für das weit in der Zukunft liegende Launchdatum geben? Die Verhandlungen mit der Musikindustrie sind sicherlich eine Ursache, sowie die Tatsache, dass Google Music ja erst einmal entwickelt werden muss.

Natürlich ist die begrenzte regionale Verfügbarkeit einiger Anbieter aus Anwendersicht ein Ärgernis. Man könnte meinen, Google mit seiner Macht hätte hier eine bessere Verhandlungsposition in den Gesprächen mit den Labels und Verwertungsgesellschaften. Doch dann müssten wir ja eigentlich auch von "Dieses Video ist in ihrem Land nicht verfügbar"-Verweisen bei YouTube verschont bleiben...

Dass Google in den Besitz eines in möglichst vielen Ländern verfügbaren Streaming- und Download-Angebots kommt, halte ich NICHT für eine schlechte Idee. Dass es dies jedoch in monatelanger Arbeit selbst zusammenbasteln will, um dann irgendwann im nächsten Jahr sogar eine Android-Integration launchen zu können (Vorsicht, Ironie!), dagegen schon. Zudem zweifle ich daran, dass Google in der Lage wäre, eine Musikanwendung zu entwickeln, die dem von vielen Musikfreunden (auch von mir) hoch geschätzten Spotify überlegen ist. Google ist Technik, Musik ist Kreativität. Hier eine Brücke zu schlagen, dafür braucht es mehr als intelligente Entwickler.

Statt sich selbst mit Google Music herumzuquälen, sollte Google das machen, was es ohnehin am besten kann: Einen der existierenden Dienste übernehmen, ihn in die Google-Suchergebnisse integrieren und gemeinsam mit der Plattenbranche eine Lösung finden, um ihn Nutzern weltweit zugänglich zu machen.

Ich hatte Spotify zwar hier schon einmal Apple zum Kauf vorgeschlagen , aber Apple hat ja bereits Lala akquiriert. Gespräche zwischen Spotify und Google über eine Integration von Spotify in die Android-Plattform gab es ohnehin schon, munkelt man. Vielleicht sollten beide Seite noch einmal reden. Dann müsste Google das Rad nicht noch einmal erfinden.

Das könnte Sie auch interessieren

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer