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22.04.08Leser-Kommentare

Google lanciert bald Open Social Gadgets

Google hat die meisten Entwicklungen im sozialen Web lange Zeit verschlafen. Nicht zuletzt mit der nun kommenden Sozialisierung von iGoogle-Widgets mit dem Support der OpenSocial-API kann Google Terrain gegenüber Facebook und Co. zurückgewinnen.

Wenn man die Entwicklung von Google – das Produktportfolio, die Akquisitionen und was sie daraus gemacht haben, usw. – betrachtet, wird deutlich, dass Google in Belangen rund um das soziale Web öfter kein besonders gutes Händchen bewiesen hat.

Zwar hat der eigentliche Gründungsakt von Google, die Einführung von PageRank, eine gewisse soziale Komponente (vergesst von Redakteuren qualitätskontrollierte Verzeichnisse, vergesst immer verfeinertere Verfahren zur Textanalyse, um zu besseren Suchergebnissen zu kommen, wichtiger ist zu berücksichtigen, wie viele andere Seiten verlinken und wie viele andere Seiten auf die verlinkenden Seiten verweisen), aber ansonsten blieb Google allen sozialen Entwicklungen gegenüber lange Zeit eher indifferent, und verhielt sich durchaus tölpelhaft, wenn sie denn aktiv wurden.

Nur ein paar Beispiele: man denke an Orkut im Vergleich zu Facebook bzw. MySpace. MySpace, dass Google für den Bruchteil der Summe übernehmen hätten können, den sie nicht viel später dafür bezahlten, nur um dort drei Jahre lang Werbung schalten zu können. Oder an die Google Bookmarks im Verglich zu del.icio.us, oder an Picasa im Verglich zu flickr, oder an die Degration von JotSpot zu den Google Pages, oder an Knol im Verglich zur Wikipedia, oder ans Dahinsiechen von Jaiku. Die Liste könnte noch lang so weitergehen.

Erst mit dem Aufstieg von YouTube und Facebook als tatsächliche Konkurrenten schien in den strategischen Superhirnen angekommen zu sein, dass die Vollindizierung der Welt, die in der Folge mit algorithmischer Überlegenheit durchsuchbar aufbereitet wird, nur ein Aspekt ist, der im Web massiven Wert erzeugt. Auch bei technischer Unterlegenheit schlagen Dienste, denen es gelingt, sinnvolle soziale Beziehungen unter den Mitgliedern herzustellen und zu fördern, andere, denen das nicht gelingt, allemal.

Danach war Google allerdings recht flott. YouTube wurde kurzerhand für 1,6 Milliarden Dollar übernommen, und um Facebook nicht zu einem zu magnetischen schwarzen Loch im Internet, das seine eigenen Ökonomien entwickelt und auf das man weder Zugriff noch Einfluss hat, ausarten zu lassen, lanciert Google Stück für Stück äquivalente Plattformen. Der Facebook Developer Platform wird Open Social entgegengesetzt, dem Facebook Mantra social graph die Google Social Graph API usw.

Letzter – und in den Auswirkungen schwer zu überschätzender – Streich in Google’s Aufholjagd ist die gestern bekanntgegebene künftige Sozialisierung der iGoogle Widgets (via).

 

iGoogle Gadgets developer sandbox

Noch sind die kommenden Features nur Entwicklern zugänglich, und auch die finden eine eher rudimentäre und noch leicht fehlerhafte Entwicklungsumgebung vor. Ich gehe hier nicht ins Detail. Wer will, kann sich hier anmelden und findet dort alle weiteren Informationen. Das erste soziale Widget ist durchaus schnell gemacht.

Wenn diese sozialen Widgets das Licht der Welt erblicken, schlägt Google einige Fliegen mit einer Klappe. Die Konsequenzen:

  • Open Social wird als Plattform attraktiver. Der Kampf um die Aufmerksamkeit von Entwicklern und die Bereitschaft, Ressourcen zu investieren ist immer auch davon beeinflusst, wie viel man sich davon verspricht und wieviel Aufwand damit verbunden ist. Open Social Gadgets sind vergleichsweise schnell und einfach zu entwickeln und versprechen viel bang for the buck. Der Schritt zu vollständigen Open Social Anwendungen ist danach nicht mehr gross.
  • iGoogle wird im Vergleich zu persönlichen Startseiten wie Netvibes oder Pageflakes attraktiver. Ich glaube zwar nicht, dass diese Google allzusehr jucken, aber Google will Useraccounts und Benutzer, die eingeloggt sind und vollständig rekonstruierbare personalisierte Klickströme produzieren.
  • Der explizite Social Graph über den Google verfügt, wird dichter und damit besser. Mehr Benutzer die sich über soziale Gadgets vernetzen bedeuten für Google auch, dass endlich latent in den Kontaktdaten schlummerndes Potential ausgeschöpft werden kann. Bisher lagen mögliche Beziehungen in den Adressbüchern der Gmail Accounts brach. Google hat zwar gewusst, wer wen kennt und wie oft wer mit wem kommuniziert (und eigentlich auch was), aber nur wenige Google Dienste haben das wirklich benutzt. Der Start der Google Apps Engine vor ein paar Tagen kann auch leicht in diese Richtung gedeutet werden.
  • Eine gänzlich neue Generation von sozialen Mini- und Microanwendungen ergibt plötzlich Sinn. Den zu erkennen und in schlüssige Produkte umzusetzen, ist natürlich Aufgabe ambitionierter Unternehmen und Entwickler. Etwas Phantasie und Geschwindigkeit (hint!) ist gefragt.

Es bleibt natürlich abzuwarten, welche Dynamik sich um die opensocialisierten Widgets tatsächlich einstellt. Die Karten neu gemischt werden dadurch allemal.

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Kommentare

  • Frank Westphal

    22.04.08 (22:11:56)

    Gerade gestern dachte ich so bei mir, dass der 6-monatige Geburtstag von Open Social ja schon bald ansteht und sich tatsächlich enttäuschend wenig getan hat – v. a. wenn man den Vergleich in puncto "Phantasie und Geschwindigkeit" mit der Facebook-Plattform ziehen möchte. Ich hatte zwar von Anfang an keine großen Erwartungen an das, was heute m. E. nur noch als Zerschlagungsakt vonseiten Google bezeichnet werden kann, aber selbst diese Erwartungen wurden noch untertroffen. Google fehlt neben dem "Händchen" auch eindeutig das Community Management.

  • Daniel Niklaus

    23.04.08 (00:51:16)

    Wenn man bedenkt, dass Youtube aus der gleichen Investorenküche wie google kommt, wird die Bilanz noch schlimmer. Aber ist das verwunderlich? Marketer verfallen immer auf dieselbe Idee; wir haben eine starke Marke und jetzt können wir beliebige "Line-Extension" durchführen. Konsumenten haben aber etwas gegen diese Logik. Ihnen gefällt es viel besser, wenn eine Marke für EINE Sache stark ist. Und auf diese Setzen sie dann. Kommt dazu, dass jeder neue Dienst die "Kerngruppe" der Leute schon für sich gewonnen hat. youtube hatte schon die Video-Kerngruppe, da war video.google.com zu spät. Die Umstiegshürde war für viele "Videoler" schon zu hoch und nicht erstrebenswert.

  • Markus Spath

    23.04.08 (10:21:05)

    @Frank - ja, open social hat ein bisschen was von einer coalition of the willing... @Daniel - ich tendiere im Fall Google eher dazu die Fehler nicht so sehr im Marketing zu sehen, sondern in einem genuinen Nicht-Verstehen der Dynamik von Communities. Dort wo Google die Sache richtig macht (Gmail, Google Reader, die verschiedenen Vertikale, ...) gelingt es ihnen im allgemeinen sehr gut den Markenmehrwert auszuschöpfen.

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