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09.09.10

Google Instant: Die Zwei-Klassen-Suche

Google Instant soll Nutzern dabei helfen, bei der Suche im Web Zeit zu sparen. Gleichzeitig erfordert die neue Funktion deutlich mehr Ressourcen. Besitzer langsamer Internetverbindungen müssen sich weiterhin mit der herkömmlichen Suchefunktion begnügen.

 

Am Mittwochabend hat Google also seine Suchinnovation Google Instant vorgestellt und auch gleich für Nutzer von google.com, google.de sowie von ausgewählten weiteren Länderversionen scharf geschaltet. Statt extra auf den Such-Button klicken zu müssen, zeigt Google die Resultate zum jeweiligen Begriff in Echtzeit an. Mit jedem zum Suchterm hinzugefügten Buchstaben verändert sich die Ergebnisliste. Mein Kollege Peter Sennhauser hat hier die Hintergründe und Konsequenzen der Entscheidung von Google beleuchtet, auf dynamische Echtzeit-Suchresultate zu setzen.

Voller Vorfreude auf das neue Feature steuerte ich heute früh Google an, um Instant selbst auszuprobieren. Doch daraus wurde (anfänglich) nichts. Denn statt einer Echtzeit-Liste der Resultate informierte mich ein Warnhinweis darüber, dass meine Internetverbindung nicht schnell genug sei. Ich wurde gebeten, über die Betätigung der Enter-Taste mit der herkömmlichen Suchmethode fortzufahren.

Ich befinde mich momentan auf Reisen und muss mit einem relativ langsamen Internetanschluss vorlieb nehmen (mit mehreren parallelen Downloads erreiche ich zwar durchaus einen kumulierten Downstream von 1Mbit/s, aber einzelne Verbindungen scheinen lediglich 0,20 Mbit/s zuzulassen). Bei erneuten Versuchen, Google Instant zum Laufen zu bringen, hatte ich dann zwar mehr Erfolg, musste aber teilweise eine Sekunde auf die Aktualisierung der Ergebnisseite warten. Zwischendurch wurde ich immer wieder mit der erwähnten Fehlermeldung konfrontiert, wobei dies bei google.com häufiger vorkam als bei google.de.

Google Instant setzt auf ein AJAX-Interface und erfordert eine stetige Kommunikation zwischen Usern und den Google-Servern. Mit jedem neuen, zum Suchbegriff hinzugefügten Suchwort liefert Google eine frische Ergebnisseite. Im Vergleich zu einem herkömmlichen Suchprozess nimmt das an den User übertragene Datenvolumen während eines Suchvorgangs signifikant zu. Langsame Internetanschlüsse stoßen da leicht an ihre Kapazitätsgrenze.

Bisher war es Googles Credo, den Suchvorgang so ressourcenschonend wie möglich zu gestalten. Doch je mehr User über Breitbandverbindungen online gehen, desto geringer ist die Notwendigkeit, zugunsten einer schlanken Linie auf innovative Funktionen zu verzichten.

In den kommenden Wochen und Monaten will der Internetgigant Google Instant in sämtlichen Regionen der Welt verfügbar machen. Auch eine mobile Version ist geplant. Ein Google-Mitarbeiter wies jedoch vorsichtshalber schon einmal darauf hin, dass Google Instant bevorzugt über WLAN genutzt werden sollte. Bei UMTS-Verbindungen dürfte es zwar auch keine Probleme geben, aber spätestens bei der langsameren GSM-Übertragungstechnik EDGE müsse auf den Einsatz der Neuentwicklung verzichtet werden.

Mit Google Instant führt Google eine Art Zwei-Klassen-Suchmaschine ein: Eine dynamische Variante mit Echtzeit-Resultaten für Anwender mit schnellen Breitbandanschlüssen vorrangig in Industrieländern sowie eine statische Variante für alle User, die über langsame oder mobile Verbindungen surfen. Gerade in Entwicklungsländern ist der mobile Zugriff auf das Internet aufgrund des Fehlens einer stabilen, landesweiten Festnetzinfrastruktur sehr verbreitet.

Google ist hieraus kein Strick zu drehen. Das Unternehmen folgt der technischen Entwicklung, und diese variiert von Land zu Land. User, Website-Betreiber und Marketer sollten sich aber keine Illusionen machen, was den internationalen Launch von Google Instant betrifft: Bis wirklich jeder Internetbenutzer auf diesem Planeten in den Genuss der schnellen Echtzeit-Resultate kommt, wird noch einige Zeit vergehen. Das Instant-Feature wird die Suchmaschinenoptimierung und die Suchwortvermarktung verändern . Doch bis auf Weiteres betrifft dies primär die Märkte, in denen Nutzer breitbandig unterwegs sind.

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