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19.05.16

Area 120 – Hier werden Ideen verwirklicht

Google gründet internes Innovationszentrum

Außenansicht der Google Hauptstelle (Googleplex) mit großem Google-SchriftzugBildquelle: Randy Miramontez – 302746364 / Shutterstock.com

Am Ende des Jahres 2015 zählt die Belegschaft von Google weltweit 61.814 Personen. Dass sich darunter auch äußerst fähige Angestellte befinden, steht außer Frage. Daher setzt der Konzern alles daran, auch die Mitarbeiter zu halten, die eigene Ideen umsetzen und einer selbstständigen Tätigkeit nachgehen wollen. Das kann für das Unternehmen, aber auch für die Kreativen von Vorteil sein.

Nach der Vorstellung eines Business-Plans wird entschieden, ob die Ideen über genügend Potential verfügen, um in die Tat umgesetzt zu werden. Ist dies der Fall, können die Mitarbeiter Teil der Abteilung „Area 120“, dem neuen konzerneigenem „Inkubator“, werden und sich mehrere Monate mit der Entwicklung ihres Projektes befassen. Ihre reguläre Anstellung bei Google bleibt derweil erhalten.

Wenn sich aus dem Projekt ein funktionierendes Geschäftsmodell entwickelt, fungiert der US-amerikanische Internetdienstleister bei der Gründung als Hauptinvestor und profitiert somit ebenfalls von der Zusammenarbeit, wenn das neue Unternehmen erfolgreich sein sollte.


Pro und Contra für Google

Pro und Contra für Mitarbeiter

  • Fähige Mitarbeiter bleiben dem Konzern erhalten

 

  • Mögliche Zusatzeinnahmen aus profitablen Startup-Unternehmen
 
  • Kosten für fehlgeschlagene Projekte

 

  • Arbeitsplatz ist trotz Startup-Planung gesichert

 

  • Risiko des finanziellen Ruins ist gleich null
 
  • Gehaltszahlungen während der Entwicklungsphase

 

  • Abhängigkeit von Google
 
  • Eventuell keine volle Entscheidungsgewalt (abhängig von der jeweiligen Vertragsstruktur)

 

Für den Google-Mitarbeiter entfallen dabei die monetären Risiken für die eigene Existenz, denn vor allem die Finanzierung sollte bei einem Startup gut durchdacht sein, damit das Unternehmen nicht wegen eines mangelhaften Liquiditätsplans von vornherein zum Scheitern verurteilt ist. Denn „in Bezug auf finanzielle Hürden und somit existentielle Risiken bestehen gewiss Unterschiede, ob man einen zahlungskräftigen Business Angel findet, einen schwer erhältlichen Bankkredit aufnimmt oder sich durch Crowdfunding finanziert“, so die treffende von Zusammenfassung eines Experten von kredite-ohne-schufa.eu.


Infografik: Infografik zu Umsatz, Gewinn, F&E von Google. Quelle: www.foerderland.de

Neue Produkte dank Googles 20-Prozent-Regel

Offizielle Details zur „Talentschmiede“ gab es von der Konzernseite aus bislang allerdings nicht. Google hat aber zweifelsohne ein hohes Interesse am Ausbau solcher Projekte, um die Mitarbeiter stärker an sich zu binden. Allein in Deutschland sind laut BITKOM Ende 2015 43.000 Stellen für IT-Spezialisten vakant. Das hat auch im Ausland zur Folge, dass die fähigsten Mitarbeiter nicht nur den Weg in die Selbstständigkeit suchen, sondern obendrein von der Konkurrenz abgeworben werden.

Gleichzeitig will man natürlich von den Innovationen der klugen Köpfe profitieren, was sich schon am indirekten Vorgänger von „Area 120“, der „20-Prozent-Regel“ von Google, zeigte. Diese besagt, dass die Mitarbeiter 20 Prozent ihrer Arbeitszeit in eigene, kreative Ideen investieren und dabei die Infrastruktur des Konzerns nutzen dürfen. Daraus sind zahlreiche und auch lukrative Projekte entstanden, die Google in sein Geschäftsmodell integriert hat. Hier einige namhafte Beispiele:


Bezeichnung

Funktion

Google News

Automatisierter Nachrichtendienst, der eine Vielzahl von externen Quellen zusammenträgt

Gmail

Kostenloser E-Mail-Dienst, der seit 2012 die weltweit meisten Mitglieder hat.

Google AdSense

Onlinedienst, der Werbung auf Websites passend zum Inhalt der Seite darstellt.

Google Maps

Online-Kartendienst, bei dem die komplette Erde als Luft- und Satellitenbild, aber auch als Straßenkarte betrachtet werden kann.

Google Talk

Instant-Messaging-Dienst; mittlerweile abgelöst durch Google Hangouts

Google im Spagat zwischen Diversifikation und Fokus

Google sucht, nicht zuletzt unter der neuen Holding Alphabet Inc., immer weiter nach neuen Ideen und setzt im Multimedia-Bereich nun sogar auf eigene Hardware, dem Tablet Pixel C. Zum Thema „20% Time“ gelangten in der Vergangenheit zahlreiche Gerüchte und auch Äußerungen der Konkurrenz in die Medien, die kein gutes Licht auf den Internetriesen warfen.

Zum einen hieß es, die 20-Prozent-Regel führe eher zur 120% Time, also zu einer Mehrarbeit für die Mitarbeiter neben ihren eigentlichen Aufgaben. Eventuell kommt daher auch die Namensgebung „Area 120“, insofern Google über einen gehörigen Schuss (Selbst-)Ironie verfügt.

Zum anderen gab es immer wieder Kontroversen zur 20-Prozent-Regel und ihrer Zukunft. Allerdings ist es für einen so großen Konzern wie Google schwierig, bei einer derartigen Diversifikation eine präzise Kontrolle und Konzentration aufrechtzuerhalten. Nicht zuletzt war es dieser Umstand, der sich für die Gründung der neuen Alphabet Inc. im Oktober 2015 verantwortlich zeigte, unter welcher Google nun als größte Tochtergesellschaft fungiert.

Area 120 könnte Win-win-Situationen hervorbringen

Für viele kluge Köpfe ist der Weg in die Selbstständigkeit ein Traum, den es zu verwirklichen gilt. So sieht auch Larry Page, Mit-Entwickler der Google-Suchmaschine und CEO der Alphabet Inc., die Unterstützung von innovativen Unternehmern („Empowering great entrepreneurs and companies to flourish.“) als einen Teil der Aufgaben, die es mithilfe der neuen Holding anzugehen gilt.

Area 120 ist demnach eine logische Konsequenz aus den Erfahrungswerten von Google und den neuen Zielen für die Konzernzukunft. Im besten Falle profitieren Mitarbeiter, Konzern und sogar die Kunden durch die Verwirklichung neuer Ideen und Produkte. Wie groß sich dieser Nutzen für die beteiligten Parteien darstellt, wird sich erst noch zeigen müssen. Aus reinem Altruismus wird Google sicherlich nicht handeln.

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