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23.10.14Leser-Kommentare

Google Inbox: Wenn dein E-Mail-Programm zum hilfreichen Assistenten wird

„Google Inbox“ will das vielgenutzte aber oftmals ungeliebte Kommunikationstool E-Mail in ein neues Zeitalter führen. Dazu nehmen die Macher Informationen aus mehreren Quellen, extrahieren das Wichtigste und führen es auf schlaue Weise zusammen. Am Ende kommt ein virtueller Assistent heraus. Erste Nutzer zeigen sich begeistert.

google-inboxAls die Grundlagen für unser heutiges E-Mail-System gelegt wurden, hatten die Köpfe hinter Protokollen wie SMTP, POP oder IMAP wohl kaum auf dem Schirm, wie intensiv wir dieses Mittel heute nutzen würden. Kein Wunder also, dass immer wieder Dienste versuchen, die E-Mail neu zu erfinden oder zumindest entscheidend zu verbessern. Neuester Zugang: Google. Teile des Gmail-Teams haben gut zwei Jahre lang an dem gearbeitet, was nun unter dem schlichten Namen „Google Inbox“ vorgestellt wurde. Das folgende Werbevideo soll uns das neue Werkzeug mit flotter Musik und schönen Menschen schmackhaft machen: www.youtube.com/watch

Google Inbox ist dabei kein neues E-Mail-Protokoll und kein neues Angebot in Konkurrenz zu Gmail. Es ist im Prinzip eine Anwendung, die auf Gmail aufsetzt und dabei Informationen und Inhalte auf schlaue Weise aufbereiten will. Konkret gehören dazu folgende Funktionen:

  • Inbox kann inhaltlich ähnliche E-Mails automatisch gruppieren. Das ist im Prinzip also eine Erweiterung der Kategorien, die wir heute schon in Gmail sehen. So soll Inbox dann beispielsweise alle per Mail gesendeten Tickets zusammenfassen können. Als Nutzer kann man dem Programm zudem beibringen, welche weiteren Gruppierungen man benötigt.
  • Darüber hinaus verspricht Google, dass Inbox die wesentlichen Informationen aus den Nachrichten extrahieren kann und sie dann gesondert darstellt. So soll dann beispielsweise die Flugnummer in einer Buchungsbestätigung automatisch gefunden und schon auf der Übersichtsseite angezeigt werden. Damit aber nicht genug: Inbox soll außerdem dazu passende Informationen aus dem Web hinzuziehen. Um beim Beispiel zu bleiben: Nicht nur die Flugnummer würde angezeigt, sondern auch der aktuelle Status des Fluges.
  • Nicht zuletzt geht Inbox davon aus, dass viele E-Mails Dinge enthalten, auf die wir reagieren wollen oder müssen. Deshalb lassen sich daraus Erinnerungen erstellen. Via „Assist“-Funktion soll Inbox zudem passende Daten zur Aufgabe liefern. Beispiel: Man notiert sich, dass man morgen in einem Laden etwas kaufen will, Inbox findet dazu die Öffnungszeiten im Web.
  • Solche Erinnerungen und auch E-Mails kann man über die „Schlummer“-Funktion für eine bestimmte Zeit aus dem Blickfeld verbannen.

Google setzt hier also auf das, was sie nachgewiesen gut können: per Algorithmen aus weitgehend unstrukturierten Daten die nützlichen Informationsbrocken fischen. Nicht von ungefähr erinnert das neue Inbox dabei an den digitalen Assistenten Google Now. Der findet beispielsweise bereits selbstständig Flugdaten in Bestätigungsmails in Gmail und hält den Nutzer automatisch auf dem Laufenden. Es ist also kein vollkommenes Neuland, das der Internetriese hier betritt.

Google Inbox gibt es zunächst für Android und iOS sowie als Web-App im Chrome Browser. Es funktioniert mit Gmail, aber offenbar nicht mit allen Google-Apps-Accounts. Aktuell kann man Inbox nur nach einer Einladung ausprobieren. Wer will, kann mit einer E-Mail an inbox@google.com sein Interesse bekunden.

In den Kommentaren unter dem offiziellen Blogpost finden sich zahlreiche Stimmen von Nutzern, die Inbox bereits ausprobieren könnten und die fallen vielfach sehr positiv aus. Ich selbst hatte noch keine Chance, Google Inbox auszuprobieren und bleibe daher vorsichtig skeptisch.

Den Jubel so mancher Techseite kann ich bei alldem nicht nachvollziehen. So schlagzeilt „The Verge“ beispielsweise Google Inbox sei „die komplette Neuerfindung von E-Mail“. Das ist dann doch über die Realität hinausgeschossen, denn Google Inbox ist vor allem ein neues Frontend für Google-Dienste, das die Schwächen der zugrundeliegenden Protokolle über Rechenpower und geschickte Programmierung ausgleichen will. Schön wäre es, würde Google E-Mail neu erfinden und das allen frei zur Verfügung stellen. Immerhin hat das Unternehmen in der Vergangenheit gern mit dem Begriff „Open Source“ geworben, wenn es dem Marketing diente. Aber davon ist bei Google Inbox nichts zu sehen.

Kommentare

  • frank katzer

    23.10.14 (14:05:40)

    hallo jan, danke für deine einschätzung zu dem dienst. erinnert sich eigentlich niemand mehr an google wave? ich finds erstaunlich, dass sich da keiner der "inbox"-reviewer drauf bezieht... wir bleiben gespannt - ich könnte eine killerapp im bereich email gebrauchen - so langsam wirds unübersichtlich. viele grüße! frank

  • Jan Tißler

    24.10.14 (21:06:51)

    Hallo Frank, vielen Dank für die Erinnerung ;) Ich hatte tatsächlich dran gedacht, aber dann vergessen, es im Artikel zu erwähnen. Google Wave war aus meiner Sicht der ambitionierte Versuch, ein vollkommen neues Kommunikationsmittel aus dem Boden zu stampfen, das gleich mehrere Dinge auf einmal ersetzen sollte. Google Inbox ist hingegen ein (hoffentlich cleveres) Frontend für bereits bestehende Dienste wie Mail, Kalender etc., die dabei parallel weiter bestehen bleiben. Eines der großen Probleme von Google Wave war meiner Meinung nach, dass es vollkommen in der Luft hing. Es war nahezu an nichts angebunden. Letztlich sind diverse Wave-Features ja in Google Docs gelandet, wo sie auch gut aufgehoben sind.

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