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29.06.11

Google+: Hintergründe und Fakten zu Googles Social-Vorstoß

Am Dienstagabend hat Google sein lange angekündigtes soziales Netzwerk Google+ vorgestellt. Wir liefern euch einen kompakten Überblick über die Hintergründe und Rahmenbedingungen.

 

Rechtzeitig bevor Googles seit langem angekündigtes Social Network zum neuen Duke Nukem Forever mutiert, hat der Internetriese am Dienstagabend Details zu seinem Großprojekt Google+ präsentiert und den Startschuss für eine erste öffentliche Testphase gegeben. Wir hatten es eben bereits in Linkwertig erwähnt.

Im Folgenden fasse ich Hintergründe und die wichtigsten Aspekte rund um das Unterfangen in kompakter Form zusammen. Eine Zusammenstellung der Quellen findet ihr am Ende.

  • Um Google+, das über plus.google.com erreichbar ist, ausprobieren zu können, benötigt ihr eine Einladung. Eine Anfrage bei Googles deutscher Presseabteilung ergab am gestrigen Abend eine Absage: Momentan handele es sich um einen limitierten Feldversuch, zu dem keine weitere Leute eingeladen werden könnten. Ich habe daraufhin mit zwei Personen gesprochen, die einen Zugang zu Google+ erhaschen konnten - beide sind Mitglieder in einer Google-Alumni-Gruppe. Einer berichtete mir, dass die Funktion zum Einladen weiterer User per E-Mail nach Google-Aussage "demnächst" aktiviert wird. Kurzum: Derzeit scheinen wir uns mit einem Blick von außen begnügen zu müssen. Eine Demo von Google+ gibt es hier.
  • Der Auslöser für das, was später zu Google+ werden sollte, war eine E-Mail von Google-Manager Urs Hölzle im März 2010, in der er die Notwendigkeit unterstrich, dass sich Google den veränderten Nutzungsmustern und dem Bedeutungszuwachs von Social stellen müsse. Seine Botschaft wird im Nachhinein angeblich als "Urs-Quake", also Urs-Beben, bezeichnet.
  • Google+ trug intern den Namen "Emerald Sea" und wurde im Oktober 2010 erstmalig für Google-Mitarbeiter zum Ausprobieren zur Verfügung gestellt. Diese Version erntete jedoch einiges an Kritik, weshalb sich die Entwickler nochmals an eine Überarbeitung machten. Der +1-Button wurde als eigenes Produkt ausgegliedert (und steht seit gestern auch für die deutschsprachige Google-Oberfläche zur Verfügung). Im Frühjahr dieses Jahres konnten Google-Angestellte dann die zweite Fassung von Emerald Sea testen.
  • Google+ besteht aus mehreren Komponenten, die unter dem Dach einer neuen, zukünftig omnipräsenten Navigationsleiste ("Sandbar") am oberen Seitenrand angesteuert werden können: +Circles, +Stream, +Sparks, +Hangouts, +Mobil, +Huddle. Eine Erläuterung der einzelnen Teile findet ihr im Google-Blog .
  • Eine der entscheidenden Eigenschaften von Google+ ist die Fähigkeit zum granularen Publizieren von Inhalten für ausgewählte Personen. Das "Circles" genannte Feature erlaubt das Kategorisieren von Freunden per Drag-and-Drop. Google hält diesen Ansatz überlegen zu Facebooks nicht unbedingt intuitiv gelösten Freundeslisten. Zumindest ausgehend von den Screenshots erinnert der Sharing-Prozess von Google+ an den, der bei diaspora zum Einsatz kommt.

  • Für Android existiert bereits eine Google+-App. Dessen iOS-Pendant wartet derzeit auf Freigabe durch Apple. Bis dahin können User, die über eine Einladung verfügen, die für Smartphones optimierte Browseroberfläche auf plus.google.com ansteuern.
  • Google+ wird zwar über die neue Navigationsleiste von verschiedenen Google-Diensten aus erreichbar sein, verfügt jedoch über wenige echte Integrationspunkte mit bestehenden Produkten. So landen über das in die mobile Version von Google+ integrierte Foto-Upload-Feature hochgeladene Bilder nicht bei Googles Fotoservice Picasa.
  • Google+ wird auch nur sporadische Verknüpfungsmöglichkeiten mit anderen Social-Web-Angeboten bieten.
  • Mit Google Takeout haben Anwender die Möglichkeit, in ihrem +Stream von anderen Usern publizierte Inhalte sowie Circles-Kontakte und -Kontaktgruppen zu exportieren.
  • Für das Design von Google+ zeichnet Andy Hertzfeld verantwortlich, der in den späten 70er und frühen 80er Jahren Teil des ursprünglichen Apple-Entwicklungsteams war. Hertzfeld hatte angeblich freie Hand bei der Gestaltung der Oberfläche.
  • Google+ ist das im Hinblick auf den Ressourceneinsatz umfangreichste Google-Projekt im Social-Bereich jemals.

Mit der Beurteilung darüber, ob Google+ ein Angebot ist, mit dem der Webriese im Social-Bereich nachhaltig punkten und eine kritische Masse erreichen können wird, möchte ich warten, bis ich es selbst ausprobiert habe.

Update: Hier ist ein erster, positiver Erfahrungsbericht von ReadWriteWeb-Chefblogger Marshall Kirkpatrick. Robert Scoble scheint auch begeistert zu sein. Auch Marcus Schwarze von der Rhein-Zeitung scheint irgendwie an eine Einladung gelangt zu sein und hat seinen ersten Eindruck niedergeschrieben.

Update 2: Seit Mittwochabend sind erstmals im größeren Stil Invites im Umlauf. Um jemanden zu Google+ einzuladen, muss man ihn/sie bei Circles über "Add a new person" per Mail einladen.  Die Einladung kommt allerdings erst an, wenn dies Google passt, also nicht unbedingt sofort.

Quellen:

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