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10.04.12 10:58, von Jan Tißler

Google+ Hangouts: Vom Spaßfeature zum Werkzeug

Die „Hangout“ genannten Gruppen-Videochats gehören zu den Besonderheiten von Google+. Kaum ein anderes Feature seiner Social-Network-Plattform hebt Google so hervor und fördert es so intensiv. Kein Wunder: Hangouts haben das Potenzial zu einer Schlüsselfunktion.


 

Gruppen-Videochats - "Hangouts" - gehören zu den Funktionen von Google+, die bereits von Beginn an dabei waren – im Gegensatz zu Spielen und Unternehmensseiten beispielsweise. Seit dem Launch der sozialen Plattform im Sommer vergangenen Jahres werden sie regelmäßig weiterentwickelt. Bis zu zehn Personen können derzeit an einem Hangout teilnehmen. Die Nutzer brauchen ein Browser-Plugin, das schnell installiert ist. Sonstige Software-Installationen sind nicht notwendig.

Wie bei Google+ üblich, lässt sich auch hier vergleichsweise einfach bestimmen, wer an einem Hangout teilnehmen kann: Das reicht von einzelnen Personen über die Mitglieder bestimmter Kreise bis hin zu einem komplett öffentlich zugänglichen Hangout.

Apps für Hangouts

Neben dem eigentlichen Videochat gibt es einen Textchat für alle Teilnehmer im selben Fenster. Zudem hatte Google von Beginn an die Möglichkeit zu Interaktion über das Gespräch hinaus geschaffen: Zunächst konnte man lediglich gemeinsam ein YouTube-Video schauen. In einem zweiten Schritt wurde es möglich, gemeinsam an Dokumenten von Google Docs innerhalb eines Videochats zu arbeiten. Screensharing kam ebenfalls hinzu. Und inzwischen gibt es eine Programmierschnittstelle, damit Entwickler eigene Apps für Hangouts anbieten können,

Drei Beispiele für solche Apps sind:

Auf Grundlage des Hangout-Features hat Google damit eine Plattform innerhalb der Plattform Google+ geschaffen.

Einsatzmöglichkeiten im Geschäftsumfeld

Bislang werden die Hangouts noch als Feature für Privatnutzer angepriesen. Der Text auf der Erklärseite zu Google+ liest sich dementsprechend: Die Hangouts brächten Spontanität ins Web, heißt es dort. Man könne seine Freunde treffen, ob man nun „zu Hause in seinem Pyjama“ säße oder draußen mit seinem Smartphone unterwegs sei.

Aber der Bedarf von Privatleuten, sich spontan per Video mit einer Gruppe anderer zu unterhalten, dürfte überschaubar sein. Interessanter wird es im professionellen Umfeld und die Apps für Hangouts weisen schon in diese Richtung. Im beruflichen Kontext gibt es schließlich viele Einsatzfelder, in denen ein Gespräch inklusive Video und weiterer Kollaborationsmöglichkeiten sinnvoll und nützlich ist. Das gilt für Firmen mit Büros an unterschiedlichen Standorten und natürlich erst recht für verteilt sitzende Teams. Sie können sich in Hangouts nicht nur unterhalten, sondern auch direkt an Dokumenten und Projekten arbeiten.

Darüber hinaus lassen sich Hangouts auch als Marketinginstrument einsetzen. So kann man seinen Fans und Kunden neue Chancen für Interaktion eröffnen. Die Muppets haben das ebenso genutzt wie US-Präsident Barack Obama.

Hangouts können aber auch neue Angebote ermöglichen. Das gilt für die Entertainmentbranche, wie das Beispiel der Video-Pokerrunde zeigt. Das ist aber ebenso denkbar für Online-Seminare. Würde Google per Bezahlfunktion auch kostenpflichtige Hangouts erlauben, würde aus dem Pyjama-Talk plötzlich ein Geschäftsmodell. Google müsste dann allerdings aufpassen, dass sie nicht in Windeseile zum Rotlichtviertel mutieren...

In Vorbereitung: „Hangouts on Air“

Eine interessante Erweiterung des klassischen Videochat-Modells ist bereits in der Testphase: „Hangout on Air“. Gemeint ist damit, dass der Videochat zeitgleich gestreamt wird und man als Veranstalter die Aufzeichnung anschließend zu YouTube exportieren kann. Es dürfen dann zwar weiterhin nur maximal zehn Personen aktiv am Hangout teilnehmen, aber zuschauen können so viele, wie Googles Streaming-Infrastruktur hergibt.

Momentan stehen solche Hangouts on Air nur wenigen Nutzern in den USA  zur Verfügung. Bald soll das Feature geöffnet werden. Wann das in Deutschland, Österreich und der Schweiz der Fall sein wird, ist noch nicht bekannt. In Deutschland bräuchte Google dafür nach aktuellem Stand gar eine Sendelizenz. Inzwischen gibt es unter den Landesmedienanstalten aber einige Stimmen, den entsprechenden Passus des Rundfunkstaatsvertrages zu ändern.

Hangouts on Air machen aus dem ursprünglichen Videochat dann eine Livestreaming-Lösung für mehrere Teilnehmer. Die Anwendungsfelder sind groß. Man kann live von Events berichten, Diskussionsrunden im Netz veranstalten oder beispielsweise eine Pressekonferenz abhalten.

Fazit

Google tut gut daran, dieses Feature so sehr zu fördern und hervorzuheben. Es hat das Potenzial, viele Nutzer auf die Seite zu bringen und Google+ im Gespräch zu halten. Die Programmierschnittstelle und das Livestreaming machen aus dem einstigen Spaßfeature ein Werkzeug für den professionellen Einsatz. Es bleibt spannend zu beobachten, was auf Grundlage dieser Plattform in den kommenden Monaten noch entsteht.

Und wie es sich fürs Internet gehört, hat der Google-Videochat natürlich bereits seinen Star hervorgebracht: Die 23-jährige Musikerin Daria Musk aus Connecticut sah die Hangouts als Chance, vor einem internationalen Publikum zu spielen. Ihr erstes Hangout-Konzert im Juli 2011 dauerte sechseinhalb Stunden. Ein Happy End gibt es auch: Sie hat nicht nur 1,1 Millionen Follower auf Google+, sondern inzwischen auch einen Plattenvertrag.

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Kommentare: Google+ Hangouts: Vom Spaßfeature zum Werkzeug

"Das gilt für Firmen mit Büros an unterschiedlichen Standorten und natürlich erst recht für verteilt sitzende Teams." Wie ist es denn um die Sicherheit der Daten bestellt? Kann ich denn darauf vertrauen, daß da niemand anderes mithört oder mitschneidet, auch Google nicht? Das wäre für mich als Homeworker tatsächlich eine praktische Sache für Besprechungen mit den Kollegen am Firmenstandort.

Diese Nachricht wurde von Schnurpsel am 10.04.12 (13:36:25) kommentiert.

Inwiefern man Google und seinen Tools vertraut, steht natürlich immer in Frage. Aber immerhin gehört Google zu den US-Unternehmen, die das "Safe Harbor"-Abkommen unterzeichnet haben. Damit sollte (!) dann schon einmal der Schutz der personenbezogenen Daten weitgehend gesichert sein. Zudem werden die Hangouts allem Anschein nach ebenso wie Google+ als Ganzes per https und damit verschlüsselt übertragen. Ob das beides reicht, damit man guten Gewissens über Firmengeheimnisse plaudern kann? Ich kann das für mich persönlich mit "Ja" beantworten.

Diese Nachricht wurde von Jan Tißler am 10.04.12 (18:29:38) kommentiert.

Gut gut, muß ich nochmal drüber nachdenken. Letztendlich muß dann die Firma entscheiden, ob wir das machen, oder nicht. Ich fänds praktisch.

Diese Nachricht wurde von Schnurpsel am 10.04.12 (19:42:53) kommentiert.

Ich bin hierauf im Zuge von Recherchen zur Sicherheit der neuen Remote-Wartungs-App von Google+ Hangouts gestoßen und lese in deinem Kommentar: "Zudem werden die Hangouts allem Anschein nach ebenso wie Google+ als Ganzes per https und damit verschlüsselt übertragen. Ob das beides reicht, damit man guten Gewissens über Firmengeheimnisse plaudern kann? Ich kann das für mich persönlich mit “Ja” beantworten." Verschlüsselung ist nicht gleich Verschlüsselung. Hangouts sind 128-Bit-SSL-verschlüsselt. Das ist extrem schwach. 128 Bit kann man heutzutage quasi den Hasen geben und ist für Firmengeheimnisse auf keinen Fall ausreichend. Siehe dazu auch diesen Artikel, der bereits aus dem Jahr 2008 stammt: http://www.zdnet.de/39188138/128-bit-verschluesselung-laengst-nicht-mehr-sicher/. Wenn du wirklich deine Firmengeheimnisse bisher über Hangouts im Vertrauen auf Googles Hangout-Verschlüsselung mitgeteilt hast, dann würde ich diese Praxis schnell überdenken.

Diese Nachricht wurde von Alex am 03.05.13 (22:40:38) kommentiert.
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