05.03.13 08:13, von Martin Weigert

Google Glass: Eine egoistische Technologie

Googles sagenumwobene Cyberbrille Google Glass ist eine egoistische Technologie, weil die zusätzliche Freiheit des Trägers auf Kosten der Freiheit anderer Personen geht. In der Vergangenheit hat ein solches Merkmal Produktneuheiten nicht unbedingt am Erfolg gehindert, aber es verändert die Vorzeichen.


In den letzten Wochen dachte ich mehrmals, dass mit mir etwas nicht stimmt: Während in Kreisen von Netzapologeten und Geeks die Vorfreude auf Google Glass zunimmt, vermisse ich bei mir das Gefühl der Begeisterung im Bezug auf die revolutionäre Cyberbrille des Internetkonzerns. Dabei würde ich liebend gerne die gleiche Euphorie verspüren, die ich etwa bei der Einführung des iPhone oder iPad erlebte. Bedenkt man, dass Glass noch einen deutlich größeren technischen Evolutionsschritt darstellt, müsste meine Spannung eigentlich sogar noch ausgeprägter sein. Doch Fehlanzeige. Es dauerte einige Zeit, bis mir der Grund für meine distanzierte Haltung klar wurde. Das Lesen dieses Artikels half mir dabei, den von mir ausgemachten Schwachpunkt genauer vor mir zu sehen. Für Träger bietet Glass viel Potenzial

Für den aktiven Einsatz dürfte Google Glass, sofern es die von Google versprochenen Funktionen mitbringt, ein großer und auch nützlicher Spaß werden. Google-Gründer Sergey Brin hat nicht unrecht, wenn er den stetigen Zwang zum Blick auf das Smartphone für verbesserungswürdig hält, auch wenn seine Beschreibung dafür mit dem Attribut "entmannend" etwas unglücklich war. Als Brillenträger bin ich mit den Konzept eines Gestells in meinem Sichtfeld ohnehin schon vertraut. Selbst wenn die frühen Versionen von Glass noch etwas sehr nerdig aussehen, so dürfte es nicht lange dauern, bis sich auch ansehnliche Designergestelle mit Glass-Komponente erwerben lassen. Irgendwann gäbe es Glass dann vielleicht auch als Aufsatz für jede beliebige Brille.

Neue Freiheit auf Kosten anderer

Problematisch an Glass ist jedoch, dass jeder Mensch in der Umgebung eines Glass-Nutzers automatisch in der persönlichen Freiheit eingeschränkt wird. Nur wenige für Endanwender gedachte Produkte und Technologien weisen derartig egoistische Züge auf, werden also dadurch charakterisiert, dem Nutzer eine neue Freiheit einzuräumen, die deutlich auf Kosten anderer Individuen geht. Dies galt weder bei der Einführung des Internets noch des iPhones - zwei im Vorfeld jeweils unterschätzte und belächelte Ereignisse.

Grundsätzlich müssen alle Personen in der Nähe eines Glass-Trägers davon ausgehen, dass sie gefilmt werden, und dass diese Aufnahmen daraufhin auf Googles Servern landen. Dabei spielt es keine Rolle, ob sich jemand nur zufällig im Sichtfeld der Glass-Kamera befindet oder ein Gespräch mit dem Träger der Cyberbrille führt: Ein Glass reicht aus, um an einem Ort eine temporäre "Kameraüberwachung" zu errichten - die anders als beim Filmen mit dem Smartphone oder einer Kompaktkamera nicht als solche zu erkennen ist, und die sich durch den Always-on-Status sowie Googles immense Rechenpower im Hintergrund von klassischen Touristen-Schnappschüssen unterscheidet.

Der Gedanke, selbst Google Glass zu tragen, erscheint zweifellos reizvoll. Doch der, sich mit einer Gruppe zu unterhalten, in der eine Person eine Cyberbrille trägt und damit eventuell die gesamte Konversation aufzeichnet, hat für mich weit weniger Attraktivität - von der Frage, ob der Gesprächspartner mir tatsächlich zuhört oder in Wirklichkeit Katzenfotos bei Google+ betrachtet, einmal abgesehen. Letzteres ist ein Aspekt, der wahrscheinlich weit weniger Einfluss auf die öffentliche Akzeptanz des Geräts haben wird.

Egoistische Technologien können Erfolge werden

Einige wenige Beispiele für an Verbraucher gerichtete Produktneuheiten, die direkt auf Kosten der Allgemeinheit gingen und sich dennoch am Markt durchgesetzt haben, existieren, etwa das Automobil, Zigaretten oder Waffen. Während der Besitzer eines Autos einen Zugewinn an Lebensqualität verspürt, werden Passanten durch Abgase und Motorengeräusche beeinträchtigt. Raucher genießen ihr Nikotin, schädigen dadurch jedoch die Gesundheit von Menschen in ihrer direkten Umgebung. Und Waffenbesitzer empfinden ein Gefühl von Sicherheit und Macht, wogegen diejenigen Personen, die eine Pistole auf sich gerichtet sehen, um ihr Leben bangen müssen. Auch die lange Zeit diskutierte Strahlenbelastung durch elektronische und digitale Gerätschaften wie WLAN-Router oder Mobiltelefone lassen sich als mögliches Beispiel für Errungenschaften anführen, mit denen die breite Masse der Konsumenten Bedürfnisse befriedigen, selbst wenn damit gesundheitliche Risiken für andere Menschen verbunden sein könnten.

Bei sämtlichen dieser Produktkategorien sind die möglichen negativen Konsequenzen für die Umgebung gesundheitlicher Natur, und jedes der genannten Segmente wird stark durch Behörden und Staaten reguliert, um unerfreulichen Auswirkungen auf Individuen oder die Gemeinschaft zu verhindern - mit Ausnahme der US-amerikanischen Waffengesetze.

Die Folgen des Einsatzes von Google Glass für Dritte betreffen nicht die Gesundheit sondern die persönliche Integrität und Freiheit, weshalb ein Vergleich mit den zuvor genannten Beispielen nur bedingt ratsam ist. Dass sich das Automobil oder Mobiltelefone trotz eventueller Nachteile durchsetzen konnten, heißt nicht, dass dies für Google Glass ebenfalls gilt. Es zeigt lediglich, dass, sofern der wahrgenommene, übergeordnete individuelle oder gesamtgesellschaftliche Zugewinn für groß genug eingeschätzt wird, einzelne Risiken und Gefahren in Kauf genommen werden.

Werte beeinflussen Akzeptanz

Inwieweit man Google Glass überhaupt als Limitierung der Freiheit anderer ansieht, hängt von den persönlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Werten ab. Diese wiederum verändern sich im Zeitverlauf und variieren von Land zu Land. Es ist gut möglich, dass wir in zehn oder 20 Jahren selbst in Deutschland zu dem Schluss kommen, dass die Allgegenwärtigkeit von stetig filmenden Nutzerkameras außerhalb des staatlichen Überwachungskontextes für alle mehr Vorteile als Nachteile bringt (beispielsweise durch massiv abnehmende Kriminalität). Derzeit aber ist Deutschland das Land von Verpixelung und Datenschutzhysterie. Dass hier in den nächsten Jahren Menschen mit Google Glass ungehindert auf der Straße herumspazieren werden und auf Akzeptanz und Toleranz durch die Öffentlichkeit stößen, würde an ein Wunder grenzen. Und ganz ehrlich bin ich momentan darüber in diesem ganz speziellen Fall froh. Ich sehe den durch die Digitalisierung ausgelösten Kontrollverlust als unaufhaltsam an, glaube aber, dass das Tempo dieser Entwicklung darüber entscheidet, inwieweit wir die Veränderungen zu unser aller Vorteil nutzen können.

Ich stimme dem Autor dieses lesenswerten und unterhaltsamen Beitrags zu: Allgegenwärtige Augmented Reality wird kommen, wenn die Zeit reif dafür ist. Momentan deutet meines Erachtens nach wenig darauf hin, dass dies außerhalb des Silicon Valleys der Fall ist. Und selbst wenn Google derzeit aufgrund seines enormen Datenschatzes wahrscheinlich die beste Augmented-Reality-Experience liefern kann, glaube ich nicht, dass das ohnehin überlegene Unternehmen der gesellschaftlich wünschenswerte Akteure ist, das Thema der omnipräsenten Kameraaufzeichnung zu etablieren - Stichwort "Single Point of Failure". Ein besserer Akzeptanztest sind da meines Erachtens nach die unabhängigen Startups, die momentan kleine Always-on-Kameras zum Umhängen entwickeln. /mw

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Kommentare: Google Glass: Eine egoistische Technologie

Ich denke ein Kompromiss wäre es, wenn Google in Glass einfach eine LED einbaut, die einem gegenüber anzeigt, wann gefilmt wird. So wie bei Fernsehkameras. Kann bestimmt auch gehackt oder unbrauchbar gemacht werden, aber wenn ich unbedingt jemanden heimlich Filmen möchte kann ich mir auch jetzt schon bei Peal eine Mini-Spionkamera bestellen.

Diese Nachricht wurde von Alexander Kops am 05.03.13 (08:53:34) kommentiert.

Genau, ich hänge mir ne Kamera um den Hals! Super lustige Idee :D

Diese Nachricht wurde von Felix Weber am 05.03.13 (08:55:40) kommentiert.

Stimmt, pragmatische Lösung und gut für den Gesprächspartner. Dann entsteht jedoch der Konflikt, dass Glass User ständig darüber nachdenken müssen, ob sie ihre Kamera jetzt einschalten oder nicht. Und sobald die Lampe leuchtet, würden sich alle Leute von ihnen abwenden ;)

Diese Nachricht wurde von Martin Weigert am 05.03.13 (09:01:33) kommentiert.

Kann man denn Glass nicht benutzen ohne das die Umgebung gefilmt wird? Kann ich nicht Beispielsweise einfach nur meine Emails lesen, ohne Video?

Diese Nachricht wurde von Felix Weber am 05.03.13 (09:07:03) kommentiert.

Hier, HD-Kamera in Autoschlüssel-Look, für den ambitionierten Hobbyspion! http://www.pearl.de/a-PX8191-1122.shtml

Diese Nachricht wurde von Alexander Kops am 05.03.13 (09:22:56) kommentiert.

Sehe ich auch so Google Glass, ist eine Arschloch Technologie. Die allerdings solche sehr gut für die Umwelt erkennbar macht. Somit kann man diesen Nutzern großräumig aus dem Weg gehen. Bin allerdings nicht sicher was ich von Google halten soll. Denn denen muss das ja klar sein.

Diese Nachricht wurde von mark am 05.03.13 (09:31:09) kommentiert.

Ich denke das wird in der finalen Version auf jeden Fall gehen. Aber das wird wohl den Kaufpreis nicht rechtfertigen, selbst wenn dieser vermutlich noch unter die derzeitigen 1500 Dollar sinken wird.

Diese Nachricht wurde von Martin Weigert am 05.03.13 (10:00:57) kommentiert.

Brillenträger, bitte testen: rote LED montieren und in Gesprächen einschalten. Wie wird reagiert?

Diese Nachricht wurde von slowtiger am 05.03.13 (10:48:35) kommentiert.

Es ist bereits eine LED eingebaut die leuchtet, wenn ein fotografiert bzw. gefilmt wird. Einer Diskussion würde es gut tun, wenn diese auf Basis der Fakten geführt würde. Außerdem ändern sich die Schlussfolderungen des Artikels deutlich, wenn AR Brillen nicht von einer Minderheit sondern von der Mehrheit genutzt werden. Und falls AR Brillen einen tatsächlichen Nutzen bieten (so wie es Smartphones tun) ist nach einer Übergangszeit eine weite Verbreitung anzunehmen.

Diese Nachricht wurde von Peter am 05.03.13 (13:20:28) kommentiert.

Kontrollverlust - das ist mein Albtraum schlechthin. Google Glass bedeutet, wie Martin richtig bemerkt, einen noch größeren Verlust meiner Privatsspähre. Das Netz entwickelt sich weiter. Ob diese Entwicklung positv oder negativ von der Allgemeinheit bewertet wird stellt sich erst später heraus. Was passiert wenn diese Technologie so weit schrumpft das es in einer Kontaktlinse Platz findet? Niemand wird sich mehr sicher sein können unbehelligt durch die Straßen zu gehen. Dann wird mein Albtraum doch noch wahr ... Schöne neue Welt.

Diese Nachricht wurde von _heiko am 05.03.13 (13:58:21) kommentiert.

Zu den Leuchten: Ich glaube, am Ende ist es egal. Wer ein Glass hat, wird die Kamera nicht nicht nutzen wollen. Wer einem Glass-Träger gegenübersteht, wird nicht daran glauben, dass er NICHT aufgenommen wird. Hacks werden dafür sorgen, dass ohne LED-Indikation gefilmt werden kann. Zu deinem Mehrheite-Argument: Klar ist das so. Mit allem, nicht nur mit Glass. Fahr in ein anderes Land, wo ein kultureller Unterschied eine Gepflogenheit salonfähig gemacht hat, die in deinem Land nicht existiert. In dem fremden Land finden es alle völlig normal, trotzdem erscheint es unwahrscheinlich, dass es in deiner Heimat dazu käme. Ergo: Das Argument taugt nichts, weil es von einem fiktivem Zustand ausgeht.

Diese Nachricht wurde von Martin Weigert am 05.03.13 (14:02:55) kommentiert.

Wer ohne LED einfach filmt/fotografiert wird genauso wie heute sozial sanktioniert werden. Hier ändert sich gar nichts (ob gehackt oder nicht). Auch heute werden Nutzer von Smartphones oder anderen Kameras die entgegen der Wünsche der Anderen genutzt, werden sanktioniert. Die Glasses sind im Gegensatz zu heute verfügbaren Kameras zumindest direkt sichtbar. Wenn jemand mit einer gehackten AR Brille im persönlichen ungewollt Gespräch aufnimmt, dann redet man mit ihm eben nicht mehr. Es werden sich soziale Lernprozesse (genauso wie bei dem Umgang mit dem Internet, sozialen Netzwerken und Smartphones) vollziehen. Wie bereits von dir als kulturelle Entwicklung beschrieben. Unabhängig davon gehen alle aktuellen Beiträge zu glasses von zukünftigen fiktiven Zustände aus. Wenn das ein Kriterium seien soll, taugt gar keine Diskussion. Die gesamte Diskussion um Googles glaases reduziert sich am Ende doch auf eine Stellvertreterkritik/Stellvertreterdiskussion um Google als solches. Dies wurde ja auch am Ende deines Beitrags dargestellt.

Diese Nachricht wurde von Peter am 05.03.13 (14:22:06) kommentiert.

"Die gesamte Diskussion um Googles glaases reduziert sich am Ende doch auf eine Stellvertreterkritik/Stellvertreterdiskussion um Google als solches. Dies wurde ja auch am Ende deines Beitrags dargestellt." Wenn du dir den im angesprochenen Ende verlinkten Beitrag anschaust, wirst du schnell feststellen, dass ich kein populistischer Google-Kritiker bin. Was nicht heißt, dass ich nicht Google kritisiere, wo notwendig. Es geht hier um beides. Um die Technologie und ihre Konsequenzen für Nicht-Nutzer der Technologie ebenso wie um die Tatsache, welches Unternehmen es ist, das diese Technologie zu etablieren versucht. Das eine lässt sich vom anderen nicht lösen. Und nur weil man nicht in den Chor der monotonen Pauschal-Kritiker von Google einstimmen möchte - was ist verstehe - halte ich es für falsch, deshalb außen vorzulassen, welche Folgen es hätte, wenn eben dieses Unternehmen diese Technologie etabliert. Zum Thema Smartphones/Brille: Ein Smartphone wird deutlich in der Hand gehalten, wenn es filmt. Was niemand länger als ein paar Minuten macht. Eine Brille sitzt den ganzen Tag auf dem Kopf und kann im Prinzip ununterbrochen aufnehmen - ohne dass die Gefilmten das unbedingt mitbekommen - LED hin oder her (wer 20 Meter entfernt steht, wird die LED nicht sehen). Wenn jetzt an einem Ort einige Leute filmen und das ganze Zeug in Echtzeit auf den Servern eines Webunternehmens landet, welches die Ressourcen für alle möglichen Analysen und Prozesse rund um dieses Material hat, dann sehe ich hier kaum, wie man Smartphone-Aufnahmen und das Filmen in Glass in einen Topf werfen kann.

Diese Nachricht wurde von Martin Weigert am 05.03.13 (14:58:57) kommentiert.

Ich hoffe darauf, dass Glass kaum sichtbar in Brillen eingebaut wird. Ich kann im öffentlichen Raum fotografieren und knipsen und aufnehmen, was und wen ich will; merkt doch keiner. Die Frage ist, ob es für mich als Privatmensch irgendeinen Nutzen hat. Alles andere ist doch schon immer gesetzlich geregelt.

Diese Nachricht wurde von mingu am 06.03.13 (07:13:46) kommentiert.

[Zweimal der gleiche Link am Anfang und Ende versteckt hinter einer blauen Paraphrase nervt] Diese ethischen Bedenken sind vollkommen überflüssig. Die Kameras guter Qualität werden in 10 Jahren mit dem bloßen Auge gar nicht mehr erkennbar sein und spätestens dann wird sich ein Verhalten herausbilden, das einem ähnelt, dass uns besonders natürlich ist: Nämlich wenn sich zwei Blicke treffen - ganz ohne vermeintliche Google Glass. Das hat sich über die Jahrtausende eingespielt und dem wird sich Google Glass unterordnen.

Diese Nachricht wurde von Stefan am 06.03.13 (07:29:56) kommentiert.

Ich finde es immer beachtlich, wenn Leute bei eindeutig schwer zu prognostizierenden Sachverhalten ganz genau wissen wollen, was in 10 Jahren ist.

Diese Nachricht wurde von Martin Weigert am 06.03.13 (07:47:58) kommentiert.

Übrigens auch immer wieder schön zu dem Thema ist dieser Kurzfilm der zeigt, wie es auch kommen könnte... http://vimeo.com/46304267

Diese Nachricht wurde von Alexander Kops am 07.03.13 (07:54:07) kommentiert.

Hi Martin, sorry, es ist zu spät für deine Bedenken, so ehrenhaft die auch sein mögen. Du schreibst: "Zum Thema Smartphones/Brille: Ein Smartphone wird deutlich in der Hand gehalten, wenn es filmt. Was niemand länger als ein paar Minuten macht. Eine Brille sitzt den ganzen Tag auf dem Kopf und kann im Prinzip ununterbrochen aufnehmen..." Das passiert doch sowieso schon, und das immer schneller und immer umfassender: man nennt das Big Data, wenn man damit das maschinelle Sammeln und Auswerten von Daten meint. Da ist Google Glass ein kleiner Fisch. Das wirklich Neue an der Brille ist vielmehr, dass sie den Einstieg in die maschinelle Erweiterung der menschlichen Sinne darstellt. Auf diesem Gebiet ist sie ein echter Pionier. Beste Grüße Ralf

Diese Nachricht wurde von Ralf Wienken am 07.03.13 (12:54:26) kommentiert.

Ralf, ich bin bei dir, dass es zu spät ist, die generelle technische Entwicklung aufzuhalten. Predige ich ja selbst. Heißt aber imo nicht, dass man Bedenken deshalb ignorieren muss/sollte. Oder zumindest Themen durchgesprochen haben muss/sollte. Und am Ende sind es trotzdem die Konsumenten, die entscheiden. Kauft niemand außer ein paar Geeks Glass, wird es fünf Jahre lang dauern, bis wieder jemand sowas macht. Dann anders und erfolgreich.

Diese Nachricht wurde von Martin Weigert am 07.03.13 (15:23:50) kommentiert.

Nur weil eine Kamera da ist und theoretisch auch ständig aufnehmen könnten, heißt das ja nicht, dass das auch geschieht. Von daher ist dein Beitrag auch schon fiktiv. Prinzipiell geht doch ähnliches bereits jetzt für Audio: Goolge, Apple, Microsoft könnten uns höchstwahrscheinlich ohne Probleme an unserer Stimme erkennen. Dank Adressbuch und Telefonat-Mitschnitten wüssten sie wie sich jeder anhört. Andererseits könnten die Mikros vom Smartphone auch ständig mitlaufen und die Daten an XY senden. Das würde heute auch keiner merken. Ich glaube ich sollte das als Patent anmelden ^^ Das wäre genau deine Schreckensvision ohne Glass nur mit Smartphones und trotzdem ist mir nichts dergleichen bekannt. Ähnlich wird es wohl auch bei Glass laufen.

Diese Nachricht wurde von Stefan S am 10.03.13 (17:10:57) kommentiert.

Das man es derzeit nicht sieht heist ja nicht das es nicht gemacht wird. Es gibt Apps und Tools, die genau das von dier Beschriebene machen. Aber der Vorgang erzeugt bei jedem, zumindest in unserer Geselschaft, eine Abneigung. Es werden dafür Begriffe verwendet wie Bespitzelung, Ausspionieren, Lauschangriff... und jeder würde diesen Eingriff in seine privatsphäre als inakzeptabel bezeichnen. Mittels Glass wird dieses Eindringen in die Privatsphäre aber "bagatellisiert" bzw. die Hemschwelle zur Duchführung stark herabgesetzt. Ich würde mich auch weniger daran Stören, wenn z.B. diese Anwendungen ihre Daten nicht grundsätzlich mit einem großem Unternehmen (sei es Google, Microsoft, Apple oder sonst eines) austauschen würden. Das mag jetzt zwar blöd klingen, aber den "privaten" Spanner gab es schon immer. Der hatte aber nicht die Möglichkeiten inerhalb weniger Augenblicke ein Profil - sei es bewegungstechnisch oder auch sozial - zu erstellen, so dass die Auswirkungen, wenn auch für den/die Betroffene/n sicherlich unangenehm bis schlim, von begrenztem Umfang sind. Es wird suggeriert, dass es nicht ohne große Server geht. Es wird als selbstverständlich erachtet das SIRI und co. die Spracherkennung über Server fahren. Die Leistungsfähigkeit der Smartphoones sollte das aber doch heute schon hergeben ohne Server. Meinem i486 konnte ich schon Texte diktieren. Die Semantische Analyse sollte doch da mit heutigen Rechenleistungen lokal möglich sein.

Diese Nachricht wurde von Olaf K. am 11.03.13 (11:01:48) kommentiert.

Ist doch kein Problem, Herr Weigert: Google verkauft das ganze an Apple und schon können Sie über diese bahnbrechende Technologie wieder jubilieren.

Diese Nachricht wurde von Gast am 11.03.13 (19:52:57) kommentiert.

Kaum zu glauben, das wir so schätzungweise in der Steinzeit bei der Erfindung von Waffen nicht über den Datenschutz nachgedacht haben ;) Auch von Fahrzeugen profitiere ich als Radfahrer überhaupt nicht, schließlich wächst alles was ich zum Leben brauche im Garten meines nahe gelegenen Aldi Marktes.

Diese Nachricht wurde von Max am 12.03.13 (00:05:05) kommentiert.

Natürlich gibt es so was bereits für's Smartphone und wird dort auch ganz explizit als Spionage Software vermarktet. http://www.mspy.eu/

Diese Nachricht wurde von Struppi am 12.03.13 (14:21:34) kommentiert.

Diesen Kommentar habe ich an anderer Stelle hinerlassen, noch bevor ich diesen Artikel gefunden habe: TL;DR: Es gibt Menschen, denen die innerliche Grundlage eines gemeinwohl-orientiertes Denkens, Fühlens und Handelns fehlt, weshalb man überhaupt erst Gesetze benötigt. Das hat etwas mit Ethik und Moral zu tun. Zwei Dinge, die man nicht mal eben so vermitteln kann. Jeder von uns spürt, dass es bei solchen Themen neben der Sonnen- auch eine Schattenseite gibt und manche Teilnehmer in dieser Diskussion sehen (mangels Lebenserfahrung?) nur die Sonnenseite. Wir können hier in Deutschland - wie fast überall auf der Welt - das Shutter-Geräusch unserer Digital-/Handy-Kameras in den Settings ausschalten. Das macht auch fast jeder und bei vielen Geräten ist das default. In Japan und anderen asiatischen Ländern lässt sich das Geräusch nicht abschalten. Warum? Weil sich japanische Männer nicht beherrschen konnten und so genannte Creep-Shots gemacht haben. Das artete dermassen aus, dass die Gesellschaft vom Gesetzgeber forderte, dass Handy-Kameras ein deutlich hörbares Geräusch von sich geben müssen sobald ein Foto gemacht wird. http://www.wired.com/gadgetlab/2008/07/pervert-alert-j/ Nochmals: die Gesellschaft forderte ein solches Gesetz, weil sich immer mehr Mitglieder dieser Gesellschaft nicht benehmen konnten. Googelt man nach japan camera shutter sound, findet man Artikel wie den da oben, aber auch Unmengen an Tipps, wie man das umgehen kann. Das Argument, dass man jede Regel auch mit genügend krimineller Energie (mangelhafter Ethik/Moral) brechen kann, machen die Regeln selbst nicht ungültig. Als sich immer mehr Mitglieder unserer Gesellschaft ein Auto leisten konnten, erkannte man, dass man Regeln für den Umgang dieser neuen, revolutionären Technologie benötigt. Am Anfang des automobilen Zeitalters (digitales Zeitalter, anyone?) gab es keine Regeln. Man konnte fahren, wie man wollte. Manche waren der Meinung, das Automobil wäre Teufelszeug und jene, die eines besassen wollten sich nichts vorschreiben lassen. Letztendlich kam dann doch eine StVO zustande, die nicht nur jene schützt, die kein Auto haben, sondern auch die Autofahrer selbst. Auch wenn heute kaum mehr jemand beim Abbiegen den Blinker setzt, ärgert sich jeder Autofahrer darüber, wenn der andere Verkehrsteilnehmer das nicht tut. Man sieht: mit der Einführung neuer Technologien werden Regeln im Umgang mit diesen Technologien notwendig. Nicht etwa, weil es einzelne Menschen gibt, die einem die Freiheit rauben wollen, sondern weil es Menschen gibt, die sich anderen Mitgliedern der Gesellschaft gegenüber rücksichtslos verhalten. Der common sense, Gemeinsinn, der gesunde Menschenverstand musste schon immer in Gesetze gegossen werden, damit man eine Handhabe gegenüber jene hat, die über keinen gesunden Menschenverstand verfügen. "[Der Gemeinsinn] kann zum einen im Rahmen einer (philosophischen) Psychologie als ein Vermögen verstanden werden, dass den einzelnen Sinnen eine reflektierte Einheit bietet, als Synonym zu gesunder Menschenverstand oder als Bezeichnung für die innerliche Grundlage eines gemeinwohl-orientiertes Denkens, Fühlens und Handelns." http://de.wikipedia.org/wiki/Gemeinsinn Kaum jemand wird mit Google Glass am FKK-Strand herumlaufen, weil das eine Frage des Gemeinsinns ist. Einzelne werden das jedoch tun, weil sie behaupten, sie würden ja nur Mails lesen wollen.

Diese Nachricht wurde von Andreas Roedl am 17.03.13 (00:50:09) kommentiert.

SChön beschrieben! Die Top-App im japanischen App Store ist übrigens gerade eine, mit der man ohne Geräusche Fotos machen kann. Heißt Ninja App oder so. Die globale Vernetzung macht das mit den nationalen Regeln immer schwieriger.

Diese Nachricht wurde von Martin Weigert am 17.03.13 (01:29:45) kommentiert.

Von der Slashdot-Crowd könnte man nicht behaupten, sie wären rückständig oder gar technophob. Die Kommentare dort sind überaus lesenswert: http://tech.slashdot.org/story/13/04/26/2316211/eric-schmidt-google-glass-critics-afraid-of-change-society-will-adapt

Diese Nachricht wurde von Andreas Roedl am 27.04.13 (13:17:07) kommentiert.
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