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04.12.08

Google Friend Connect und Facebook Connect: Den Social Graph immer dabei

Ein halbes Jahr nach den ersten Ankündigungen machen Google und Facebook ernst: Beide Unternehmen lassen ihre Initiativen, mit denen User den Social Graph überall dabei haben, im großen Stil auf das Web los. Ein ähnliches, viel älteres System könnte der große Verlierer sein.

Überall im Web dabeiMai 2008 war ein besonderer Monat. Nach vielen Jahren mit so genannten "Walled Gardens", also umzäunten Bereichen im Web, gaben die führenden Anbieter sozialer Netzwerke der Reihe nach Pläne bekannt, Usern das Mitnehmen ihrer Webidentität an andere Stellen im Netz zu erlauben. MySpace machte mit der Meldung zu Data Availability den Anfang. Nur einen Tag später präsentierte Facebook sein Äquivalent Facebook Connect, und auch Google ließ sich nicht lange bitten und stellte  Friend Connect vor.

Alle drei Initiativen haben gemeinsam, dass sie Betreibern von Websites Tools zur Verfügung stellen, um Social-Network-Funktionen des entsprechenden Anbieters zu integrieren. Um Data Availablity von MySpace ist es ruhig geworden, aber bei Facebok und Google tut sich einiges.

Ein halbes Jahr nach den ersten Ankündigungen, auf die bisher lediglich einige Testläufe folgten, scheinen sowohl Google als auch Facebook ihre Vorbereitungen abgeschlossen zu haben und stehen nun in den Startlöchern für einen großflächigen Einsatz von Friend Connect bzw. Facebook Connect.

Beide Unternehmen begannen in dieser Woche damit, ihre Vorhaben stärker zu promoten und ihnen die notwendige Aufmerksamkeit zu verschaffen, die für eine schnelle Verbreitung unter Betreibern von Websites und Blogs notwendig ist.

Inside Facebook liefert eine handliche Gegenüberstellung der Grundfunktionalität von Friend Connect und Facebook Connect.

Friend ConnectGoogles Variante besteht aus einer Reihe von Widgets (bei Google Gadgets genannt) zur einfachen Integration in Blogs und Webangebote. Besucher können sich mit ihrem Google-Konto einloggen und je nach Widget z.B. Kommentare hinterlassen, andere Nutzer der jeweiligen Site sehen und sie als Kontakte hinzufügen. Dafür kann man die Profildaten seines Kontos von verschiedenen Social Networks anzeigen lassen - unterstützt werden bisher Google, Orkut und Plaxo.

Mit dem baldigen Hinzukommen anderer OpenSocial-Teilnehmer wie Yahoo oder MySpace (das damit gar nicht auf sein eigenes System Data Availability angewiesen ist) ist zu rechnen. Ein Beispiel für eine Integration von Friend Connect findet ihr hier in der rechten Widget-Leiste.

Während Friend Connect vorerst in Form von Widgets auftritt und damit nur eine begrenzte Integration in den bestehenden Funktionsrahmen einer Site zulässt, geht Facebook Connect einen Schritt weiter. Die Community-Features von Facebook können erheblich stärker mit der Struktur einer Site oder eines Blogs verzahnt werden, erfordern dafür anders als bei Friend Connect aber gewissen Programmieraufwand.

Facebook Connect beschränkt sich nicht nur darauf, seine Facebook-Identitiät an anderer Stelle im Netz einzusetzen, sondern erlaubt auch das Veröffentlichen durchgeführter Aktionen im Facebook-Newsfeed - um ein Debakel wie beim Launch des Werbeprogrammes Beacon zu vermeiden, allerdings jeweils nur auf expliziten Wunsch des Users und ohne Einfluss der externen Site.

Das bekannte US-Blog TechCrunch war ( wieder einmal ) fix mit der Integration einer solchen technischen Neuerung: Wer einen TechCrunch-Artikel kommentieren möchte, kann sich nun über den entsprechenden Button neben dem Kommentarfeld bei Facebook anmelden und anschließend unter Einsatz seiner Facebook-Identität bei TechCrunch kommentieren.

Facebook Connect bei TechCrunch

Der Kommentar erscheint zusammen mit allen anderen, auf "herkömmliche" Weise hinterlassenen Leser-Meinungen, aber flankiert vom Facebook-Profilbild. Zudem kann ein Nutzer wählen, ob er die durchgeführte Aktion auf seinem Profil bei Facebook veröffentlichen möchte oder nicht. Laut Inside Facebok ist bereits ein Wordpress-Plugin für Facebook Connect in Planung.

Eintrag im Facebook-Newsfeed

In seiner derzeitigen Form macht Facebooks Initiative einen erheblich besseren Eindruck als Googles Friend Connect. Lose zusammengewürfelte, mit dem restlichen Content nicht verbundene Widgets gibt es sowieso schon zu viele im Web. Mir als Anwender erschließt sich nicht, welchen Nutzen ich habe, dem Widget mitzuteilen, wer ich bin, um anschließend andere Leser zu meinen Google-Kontakten hinzufügen zu können.

Andererseits erleben wir hier erst die Anfänge einer tiefgreifenden Veränderung der Social-Network-Landschaft, und auch Google wird irgendwann eine engere Verknüpfung von Friend Connect mit externen Sites zulassen. Spätestens wenn die hunderte Millionen Mitglieder von MySpace und Yahoo ihre Profile über Friend Connect auf die Reise durchs Web mitnehmen können, dürfte die Google-Initiative zu der von Facebook aufschließen.

Offen bleibt, was die von kommerziellen Anbietern getriebene, langsame Öffnung ihrer Dienste für das OpenID-System bedeutet. Mittlerweile beteiligen sich zwar viele relevante Internetanbieter in gewissem Grad an diesem dezentralen Single-Sing-On-Verfahren, das ultimativ einen einheitlichen Login bei allen teilnehmenden Services ermöglichen soll. Trotz zahlreicher Teilerfolge haftet OpenID aber nach wie vor ein stark technisches Image an. Außerhalb internetaffiner Kreise hält sich die Kenntnis über die Existenz von OpenID ähnlich wie im Falle von RSS sehr in Grenzen.

Ich habe meine Zweifel, dass es OpenID gelingt, gegen die Markt- und Marketingmacht von Google und Facebook anzukommen und sein System in den Mainstream zu drücken, noch bevor die großen Social Networks dies erreicht haben. Nein, diese sind ja bereits dort.

Fotoquelle: Flickr/Podknox

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