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18.07.11

Google+: Ein Zwischenbericht

Nach kaum mehr als zwei Wochen besitzen zehn Millionen Menschen ein Konto bei Google+. Besser hätte der Start von Googles neuem Hoffnungsträger nicht laufen können. Für User steht nun die Frage im Vordergrund, ob und wie sie den Service in ihren Internetalltag integrieren.

 

 

Etwa zweieinhalb Wochen ist Googles neues soziales Netzwerk Google+ mittlerweile online. Auch wenn der Anfangs zu beobachtende überschwängliche Enthusiasmus der Early Adopters einer teils differenzierteren, weniger durch die rosarote Brille geblickten Sichtweise gewichen ist - auch angefeuert von Google selbst - kann der Launch zweifellos als Erfolg gewertet werden: Immerhin besitzen bereits zehn Millionen Menschen ein Google+-Profil. Auch die Aktivität vieler Mitglieder scheint nach meinem subjektiven Empfinden weiterhin hoch zu sein.Auf die Frage, inwieweit sich Googles Produktneuheit bereits eine feste Position im persönlichen Internetalltag hat erarbeiten können, dürfte es zum jetztigen Zeitpunkt verschiedene Antworten geben. Ich bin noch immer auf der Suche nach dem idealen Einsatzszenario, und auf einen entsprechenden Kommentar bei Google+ pflichteten mir andere User bei.

Im Gegensatz zu den Tagen rund um den Launch des Dienstes, als Google+ bevorzugt als Facebook-Konkurrent bezeichnet wurde, kamen jüngst verstärkt Vergleiche mit Twitter auf. Zumindest hinsichtlich seines asymmetrischen Follower-Prinzips steht das Google-Netzwerk dem Microbloggingdienst tatsächlich näher als Facebook. Bei dem blau-weißen Social Network müssen sich Nutzer gegenseitig als Freunde bestätigen, bevor sie miteinander interagieren und einander Inhalte zugänglich machen können.

Verstärkt wird das Twitter-Gefühl von Google+ durch die momentan noch hohe Dichte an Bloggern, Internet-Vordenkern und Social-Media-Persönlichkeiten, die sich bei dem neuen Service tummeln und ihre in 140 Zeichen nur schwer kommunizierbaren Gedanken und Themen dort ausführlicher zur Debatte stellen.

Doch trotz seiner theoretischen Eignung als Twitter-Ersatz bzw. Twitter-Ergänzung mit angeschlossener Diskussionsmöglichkeit sowie der im Vorfeld prognostizierten, bisher nicht erwiesenen Gefahr für Facebook: Google+ hat bis heute weder Zeit von meinem täglichen Twitter- noch von meinem Facebook-Budget geraubt.

Woher also nahm ich die Minuten, die ich mich bei Googles neuem Hoffnungsträger aufhielt? Von diaspora. Leider. Meine Google+-Probierphase ging eindeutig auf Kosten des dezentralen sozialen Netzwerks aus New York. Am gestrigen Sonntag fiel mir auf, dass ich mich dort seit dem Startschuss für Google+ nicht mehr habe blicken lassen - obwohl ich mir eigentlich fest vorgenommen hatte, mich über einen längeren Zeitraum zu einer Nutzung von diaspora zu zwingen. Doch dann kam Google...

 

Ich staunte nicht schlecht, als ich mich mit schlechtem Gewissen mal wieder bei diaspora anmeldete: Irgendwann innerhalb der vergangenen zwei Wochen wurde die Benutzeroberfläche überarbeitet. Sie sieht der von Google+ jetzt zum Verwechseln ähnlich.

Beschweren kann sich Google darüber aber zumindest nicht. Immerhin setzt Google+ mit Circles auf ein System zur Kontaktverwaltung und -sortierung, das von Anfang an auch bei diaspora implementiert war (dort heißen die einzelnen Kontaktgruppen "Aspects"). Inwieweit der Internetgigant dabei von dem Social-Network-Zwerg abgekupfert hat, lässt sich zwar nur schwer beweisen. Der Verdacht liegt aber nahe. Die Imitation des Designs ist diasporas Retourkutsche.

Langfristig, über einen Zeithorizont von mehreren Jahren gesehen, glaube ich an die Winner-Takes-It-All-Eigenschaft der Social-Networking-Welt. Dass Anwender dauerhaft Präsenzen bei drei oder mehr auf den Mainstream ausgerichteten, nicht miteinander kompatiblen Plattformen pflegen wollen, ist unwahrscheinlich. Kurzfristig jedoch halte ich stabile Wachstumsraten von Google+ bei gleichzeitig ungebrochener Popularität von Facebook (und auch Twitter) für realistisch. Was danach kommt, ist vollkommen offen und hängt maßgeblich davon ab, inwieweit Google+ die breite Masse begeistern kann.

Falls ihr bisher noch keine Einladung zu Google+ erhalten habt: Hier wird euch eventuell geholfen (die Macher der Site haben uns ihre Seriosität versichert, dennoch geschieht die Angabe eurer E-Mail-Adresse dort auf eigene Gefahr).

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