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25.04.12

Google Drive: Eine neue Chance für das persönliche Büro in der Cloud

Der aus Google Docs hervorgegangene Speicher- und Kollaborationsdienst Google Drive hat das Potenzial, endlich mehr Anwender von der Nutzung lokaler Office-Software abzubringen.

Nach dem Start von Google Drive sind die Technologie-Spalten der meisten Nachrichtenangebote mit Berichten zu dem Dienst gefüllt. Zumeist wird das neue Angebot aus der Perspektive des Konkurrenzkampfes im Cloudspeichermarkt betrachtet. Dieser Ansatz ist natürlich nicht falsch, denn in vielen Punkten positioniert Google das neue Produkt direkt gegen Wettbewerber wie Dropbox oder Microsoft Skydrive. Bei ReadWriteWeb gibt es eine gute Zusammenfassung der Funktionalität . Doch für einen überzeugten und langjährigen Google-Docs-Anhänger wie mich hat die Entwicklung noch eine andere signifikante Implikation: Der Internetkonzern besitzt jetzt die Chance, das persönliche Büro im Netz endlich massentauglich zu machen.

Nutzungszahlen zu Google Docs, ehemals Google Text & Tabellen, sind schwer zu bekommen. In einer Umfrage zeigte sich Ende 2008, dass Google Docs zu den am wenigsten eingesetzten Google-Diensten gehörte. Nun sind zwar seitdem einige Jahre vergangen, dennoch deutet wenig darauf hin, dass die Cloudoffice-Suite mittlerweile bei Durchschnittsnutzern die Aufmerksamkeit bekommt, die sie eigentlich verdient. Ich für meinen Teil arbeite ausschließlich mit Google Docs. Seit Jahren weist mein Rechner keine Spuren von Microsofts Office mehr auf, und Open Office ist nur für Notfälle installiert.

"Google Drive war irgendwie schon immer da, hieß bloß Google Docs", beschreibt Carsten Knobloch die Wurzeln des neuen Google-Produkts. Dieses ersetzt Google Docs, erweitert dessen Speichervolumen und ergänzt das Angebot um Desktop-Clients und mobile Apps (vorerst nur Android). Genau genommen ist der Launch von Google Drive also ein Relaunch von Google Docs in neuer Marketingverpackung. Sämtliche Funktionen von Google Docs, um Dokumente, Tabellen und Präsentationen anzufertigen, zu verändern und gemeinsam mit anderen zu bearbeiten, bleiben bestehen.

5,8 Milliarden Dollar hat Microsoft im abgelaufenen Quartal mit der Business Division erwirtschaftet, zu der auch die Office-Anwendungen gehören. Im Sommer vergangenen Jahres gab der Softwarekonzern bekannt, über 100 Millionen Lizenzen von Office 2010 verkauft zu haben - heute dürften es noch deutlich mehr sein. Noch immer greifen also Millionen Menschen im privaten und beruflichen Kontext auf lokale Office-Software zu, statt die Online-Alternativen von Google, Microsoft (Office Web Apps) oder Zoho zu verwenden. In einigen Fällen kann dies mit funktionalen Beschränkungen der Cloudangebote zu tun haben. Häufig aber wird mangelnde Kenntnis sowie Bequemlichkeit der Grund für das Festhalten an lokaler Office-Software sein. Wer aber alle paar Monate ein Kündigungsschreiben oder einen Rundbrief an die Verwandtschaft verfasst, der benötigt dafür eigentlich keine 100-Euro-Officesuite mehr.

Sofern Google Drive auf ähnliche Weise in den Mainstream vordringen kann, wie es Dropbox mit seinem Speicher- und Synchronisationsdienst gelungen ist, werden hundertausende Nutzer ganz nebenbei mit den Möglichkeiten von Online-Office-Tools bekannt gemacht. Sowohl Googles eigene, als auch die der zum Start mit Google Drive integrierten Drittanbieter. Sukzessive werden immer mehr Microsoft-Office-Dateien ihren Weg in Google Drive finden, von wo aus Anwender sie nach einer Konvertierung in Googles .gdocs-Format direkt bearbeitet können. Dies funktioniert auch über den neuen Google-Drive-Desktop-Client für Windows und Mac, wobei sich der Editor bei einem Klick auf ein Google Doc jeweils im Browser öffnet.

Laut einer Forrester-Studie planen weltweit 57 Prozent der Unternehmen den Einsatz von Alternativsystemen zu Microsoft Office. Eine Bereitschaft der IT-Abteilungen für Experimente existiert also. Google Drive ist auch Teil von Googles Enterprise-Suite Google Apps, die damit für kostenbewusste Firmen weiter an Attraktivität gewinnt. Der Schritt, sich teure Lizenzen für Microsoft Office ganz zu sparen, könnte dank des aufgebohrten Google Docs und dessen Desktop-Integration (die sich bisher nur über Lösungen von Dritten realisieren ließ) nun leichter fallen. Sofern Unternehmen nicht Microsofts Konkurrenzangebot Office 365 bevorzugen.

Je häufiger Menschen ihren Alltag über das Netz organisieren, desto geringer ist ihr Bedarf an klassischer Office-Arbeit. Für viele Situationen, in denen wir in der Vergangenheit Word, Excel oder PowerPoint anschmissen, existieren heutzutage spezialisierte, leistungsfähigere Onlinetools. Bis sich das traditionelle Konzept von Office-Software jedoch ganz aus unserem Leben und aus der Realität von Unternehmen verabschiedet, werden noch viele Jahre vergehen. Google Drive kann einen entscheidenden Teil zur Evolution und Modernisierung von Office beitragen. Reif ist die Zeit dafür schon lange.

Google Drive ist auch ein Angriff auf Microsoft Office.

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