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21.11.13Kommentieren

Google, der Finanzdienstleister: Wallet-Nutzer erhalten kostenfreie Debitkarte

US-Nutzer von Google Wallet können künftig mit einer direkt an ihre virtuelle Brieftasche angeschlossenen Debitkarte einkaufen oder Geld abheben. Der Internetkonzern betätigt sich verstärkt als Finanzdienstleister.

Wallet CardDerzeit vergeht kaum eine Woche, ohne dass es Neuigkeiten von Anbietern an der Schnittstelle von Finanz-/Bezahlwesen sowie Technologie gibt - dem so genannten FinTech-Segment. Am Dienstag skizzierten wir einige der aktuellen, technologiegetriebenen Veränderungen im Bezug auf die Handhabung und Verwendung von Geld. Heute unterstreicht Google, dass es in diesem Metier unbedingt ganz vorne mitspielen möchte: In den USA beheimatete Nutzer von Googles "virtueller Brieftasche" Wallet können sich von dem Internetriesen nun kostenlos eine gebührenfreie, an ihr Wallet angeschlossene Debitkarte zuschicken lassen. Debitkarte für Käufe und Barabhebungen

Bei der Google Wallet Card handelt es sich um eine MasterCard ohne Kreditrahmen, die sowohl Barabhebungen vom Geldautomaten als auch Käufe in MasterCard akzeptierenden Geschäften erlaubt. Ganz genau so wie von Banken ausgestellte Karten. Um die Wallet Card einsetzen zu können, müssen Nutzer entweder ihr Wallet per Banküberweisung oder (gebührenpflichtiger) Kreditkartenzahlung mit Guthaben befüllen oder sich von ebenfalls Wallet verwendenden Freunden Geld zuschicken lassen.

Smarte Übergangslösung

Googles Vorstoß mag auf den ersten Blick widersinnig wirken, will das Unternehmen Wallet-Nutzer doch eigentlich dazu bringen, Android-Smartphones mit NFC-Chip zum mobilen Bezahlen mittels der "Tap & pay"-Funktion von Wallet einzusetzen. Eine eigene Plastikkarte zu lancieren, scheint dieses Ziel zu konterkarieren. Doch in Wirklichkeit dürfte Google damit rechnen, Wallet durch eine direkt mit der virtuellen Brieftasche verbundene Debitkarte deutlich attraktiver und vielseitiger einsetzbar zu machen. Denn noch besitzen viele Verbraucher Mobiltelefone ohne NFC. Auch iPhones fallen in diesen Kategorie. Zudem mangelt es den meisten Händlern und Gastronomen bislang an der notwendigen Ausrüstung, um Zahlungen per NFC entgegennehmen zu können. Die Verbreitung von MasterCard-Terminals hingegen ist in den USA massiv. Nicht zuletzt stellt auch der Direktzugriff auf Wallet-Guthaben per Barabhebung einen Vorzug der Karte dar.

Insofern ist die Lancierung der Wallet Card eine Übergangslösung, um Wallet als digitales Portemonnai einer breiten Masse schmackhaft zu machen. Nach und nach kann Google die Kartennutzer dann dazu bringen, zum mobilen Bezahlen überzugehen, parallel zu einem wachsenden Händlernetz und einer zunehmenden Zahl an Smartphones, die entsprechende Fähigkeiten besitzen.

PayPals Debitkarte ist teuer

Google zieht auch mit dem großen Wallet-Konkurrenten PayPal gleich. Dieser stellt seinen Anwendern in den USA ebenfalls eine Debitkarte zur Verfügung. Allerdings verlangt der zu eBay gehörende Zahlungsanbieter für den Einsatz seiner Karte eine monatliche Pauschale von 4,95 Dollar, was der Grund für die geringe Bekanntheit dieser Karte sein dürfte. Jährlich schlägt sie immerhin mit 60 Dollar zu Buche, im Gegensatz zur Google Wallet Card, die keine Gebühren nach sich zieht.

Das Tempo im Sektor des digitalen Finanzmanagements und Bezahlens erhöht sich mit der heutige Nachricht abermals. Google nähert sich ähnlich wie sein Wettbewerber PayPal immer mehr Dienstleistungen an, die traditionell von Banken angeboten wurden. Nicht zuletzt seit der Beteiligung an der Kreditbörse Lending Club im Frühjahr scheint nicht mehr ausgeschlossen, dass der Konzern in Zukunft noch viele weitere Finanzservices lanciert. Beobachtet wird er dabei nicht nur von den Banken selbst, sondern auch von diversen Startups, die ihrerseits eine Schlüsselrolle im FinTech-Markt einnehmen wollen, wie Square (mit Square Cash), die "zweinullige" Bank Simple, der Geldtransfer- und Paymentdienst Dwolla und zahlreiche deutsche Jungfirmen. Ein harter Konkurrenzkampf und die ein oder andere Akquisitionen sind garantiert. /mw

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