<< Themensammlung Netzwertig

Unter netzwertig veröffentlichen wir in unserem Blog Einschätzungen zu aktuellen digitalen Geschäftsmodellen und IT-Trends, Meldungen, Analysen, Reviews und Specials.

08.07.09Leser-Kommentare

Google Chrome Operating System: Betriebssystem für die Cloud

Google will ein eigenes, eng mit dem Web verbundenes Betriebssystem entwickeln. In der zweiten Hälfte 2010 sollen die ersten Netbooks mit der Software ausgerüstet werden.

Als ich gerade die Neuigkeit hörte , war ich im ersten Augenblick verwundert: Google plant ein eigenes Betriebssystem?! Aber ging der Trend nicht immer stärker in Richtung eines Web-OS, wie es z.B. Facebook anstrebt?

Nachdem ich jedoch Googles offiziellen Blogpost zum "Google Chrome Operating System" gelesen hatte, konnte ich den Vorstoß des Internetriesen besser nachvollziehen: Die Software soll primär auf Netbooks abzielen, also auf solche kleinen, tragbaren Computer, die vorrangig zum Surfen im Web gedacht und nur mit abgespeckter Hardware ausgestattet sind. Google nennt für sein Chrome OS die drei Grundprinzipien Geschwindigkeit, Einfachheit und Sicherheit.

Innerhalb von wenigen Sekunden soll man den Rechner hochfahren und im Internet surfen können. Die Oberfläche wird sich nach den Worten von Google minimal präsentieren, viele Prozesse werden direkt im Web, also in der Cloud ablaufen. Der Verkaufsstart ist für die zweite Hälfte 2010 angesetzt.

Netbooks sind der derzeit einzige Wachstumsbereich im angeschlagenen Computermarkt, dürften aber in Zukunft mit den immer leistungsfähigeren Smartphones in Konkurrenz treten. Google unterstreicht, dass sein mobiles Betriebssystem Android in keiner Weise mit dem Chrome OS verbunden ist.

Ob letztlich beide Systeme ihre jeweilige Nische finden oder am Ende - in guter alter Google-Tradition - der schwächere Kandidat eliminiert wird, bleibt abzuwarten. In jedem Fall kommt Google dem Erzfeind Microsoft nun auch im lukrativen Software-Sektor in die Quere.

Die Entwicklung auf dem Markt für leichtere, weniger ressourcenintensive Betriebssysteme speziell für Netbooks gewinnt mit der heutigen Ankündigung an Fahrt. Werden die meisten Minirechner derzeit noch mit Linux und Windows XP ausgeliefert, stehen mit Windows 7 und Jolicloud zwei moderne Lösungen in den Startlöchern. Auch von Netbooks mit Googles Android-System ist die Rede.

Marcel bezeichnete Googles Browser Chrome zu dessen Start im Oktober 2008 als "Anfang von etwas Großem". Sieht man das Chrome OS als die natürliche Evolution des Chrome Browsers, lag er mit seiner Vermutung sehr richtig.

Kommentare

  • Philipp

    08.07.09 (09:29:16)

    Verkaufsstart ist es ja nicht wirklich. Trotzdem, das ist eine willkommene Abwechslung, der Netbook-Drops ist noch nicht gelutscht. Vielleicht will Google auch einfach ein bißchen rumstänkern - durch Chrome und Android ist ja eine Basis geschaffen, die jetzigen Portierungen sind ja eher lächerlich. Meiner Meinung nach sind Netbooks eine gute Sache in einem Formfaktor, der absolut nicht überflüssig ist. Genau die Features Geschwindigkeit und Instant on vermißt man jedoch heute noch.

  • Stefan Nievelstein

    09.07.09 (09:45:32)

    Nun kann ich auch Microsofts eigentlich sehr überflüssigen Schritt Richtung "bing" nachvollziehen. Wenn dein Erzfeind auf deinem Gebiet rumwildert, lenke ihn ab, in dem du auf seinem Gebiet rumwilderst. Bin ja mal gespannt was da noch kommt.

  • Markus Drubba

    09.07.09 (14:20:38)

    Ich denke das Google sicherlich auch Microsoft ein wenig angreifen möchte, allerdings glaube ich eher, dass das Google Crome OS ein Angriff auf Michael Arringtons CrunchPad (mehr Infos hier: http://www.crunchpad-news.de) sein soll. Sie wollen in diesen Bereich einfach nicht das Nachsehen haben.

  • Martin Weigert

    09.07.09 (14:29:25)

    Na ging es dir nicht hauptsächlich darum, den Link zur Site anzubringen? ;) Das CrunchPad hat sicher Potenzial, aber ist als Hardware-Produkt ja erst einmal keine Konkurrenz für ein Betriebssystem. Und wer weiß, vielleicht wird es ja auch mit Chrome OS bestückt...

  • Mathias

    09.07.09 (16:47:19)

    Wenn googles Betriebssystem Cloud Computing und damit eine Form oder Vorstufe des Gridcomputings auf hohem Niveau ermöglicht, dann ist das sowohl ein Angriff auf die Software- als auch auf die Hardwarewelt. Denn wo Rechenprozesse ausgelagert werden und in NetBooks nur noch kostengünstige Hardware verbaut wird bedarf es insgesamt weniger hochwertige Hardware. Nicht zuletzt weil vorhandene Hardware im kommerziellen Interesse effizienter und effektiver ausgenutzt wird. vgl. Grundlagen des Gridcomputings... ;)

  • Stefan Nievelstein

    09.07.09 (21:12:36)

    Ich denke, dass Entwicklungen im Smartphone-Bereich, besonders Iphone, werden den Ansatz des Crunchpads ziemlich bald obsolet machen, oder aber integrieren. Man geht ja eigentlich eher zu Multifunktionalität. Ob das gut ist oder nicht, entscheidet letztendlich jeder für sich. Ob sich dagegen ein Markt für das Crunchpad entwickeln wird, man weiß ja nie. Und spätestens wenn es stark genug ist, kommt Mister Gates vorbei. Aber mal zurück zu Thema. Cloudcomputing ist ja momentan auch so ein Modebegriff. In wie weit sich dieses allerdings im Businessalltag durchsetzen wird ist meiner Ansicht nach momentan noch nicht abzusehen. Ich sehe noch nicht DIE Resonanz für Cloudcomputing im Business-Alltag. Im privaten Bereich sieht das vermutlich anders aus. Sicherlich wird hier Google was bewirken können.

  • Martin Weigert

    10.07.09 (09:02:27)

    Ich glaube einfach, das Thema Cloudcomputing braucht einige Zeit, um sich durchzusetzen. Die Veränderung, plötzlich statt einer eigenen Serverstruktur alles auszulagern und damit zumindest subjektiv auch ein Sicherheitsrisiko einzugehen, ist tiefgehend. CIOs und CTOs müssen nicht nur selbst überzeugt werden, sondern auch das Management überzeugen. Dieser Prozess dauert natürlich eine Weile.

  • Stefan Nievelstein

    10.07.09 (09:36:16)

    Sie haben völlig recht, wenn Sie sagen, dass Cloudcomputing noch einige Zeit dauert. Und vermutlich ist diese Entwicklung auch nicht aufzuhalten. Sicherheitsbedürfnisse sind in den Chefetagen sehr verbreitet. Bedeutet dies jedoch nicht, dass sich Chrome quasi erst einmal selbst ausbremst? Oder ist Chrome in erste Linie erst einmal für Privatanwender konzipiert?

  • Martin Weigert

    10.07.09 (09:39:31)

    Ich glaube, Privatanwender sind schon sehr viel mehr an Cloud-Computing gewöhnt - ohne sich dessen bewusst zu sein. YouTube, studiVZ, Facebook, Flickr & Co sind ja letztlich nichts anderes als Dienste in der Cloud, bei denen Nutzer Videos, Fotos und andere Inhalte ablegen. Da Chrome offenbar auf den Endanwender abzielt, sehe ich persönlich hier keinen Konflikt.

  • Brainiac

    11.07.09 (22:59:36)

    Das gemeine Volk hat das eigenständige Denken längst abgelegt. Was nicht unendlich Ressourcen frisst, minutenlang bootet und teuer ist wird abgelehnt. Kartellamt und EU Wettbewerbshüter sind auch schon bezahlt worden damit nichts anderes als Windows in den Läden steht. Chrome OS wird sich in die Nischenprodukte einreihen, weils eben nicht Windows ist. Unabhängig davon wie gut und fantastisch es letztlich sein wird.

  • Malte Landwehr

    13.07.09 (20:06:36)

    Brainiac, gerade das EU Kartellamt ist doch extrem Windows feindlich. Man denke nur an die kastrierten EU-Versionen von Windows, denen (nach Klage von Opera) kein IE mehr beiliegen darf, was dazu führt, dass Nutzer sich erstmal offline einen Browser besorgen müssen, bevor sie im Internet surfen können.

Diesen Beitrag kommentieren:

Die Kommentare können nur zwischen 9 und 16 Uhr
freigeschaltet werden. Wir bitten um Verständnis.

Um Spam zu vermeiden, schreiben Sie bitte die Buchstaben aus diesem Bild in das nebenstehende Formularfeld:

Das könnte Sie auch interessieren

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer