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02.08.11

Gmails VoIP-Funktion wird international: Google stellt Skype bloß

Google hat angekündigt, seine Gmail-Funktion zum Führen von VoIP-Telefonaten jetzt international verfügbar zu machen. Während für ein Skype-Gespräch auf ein deutsches Handy fast 24 Cent pro Minute anfallen, kostet dies bei Google nur 8 Cent plus Mehrwertsteuer.

 

Aktualisiert

Vor fast genau einem Jahr präsentierte Google für Nutzer seines E-Mail-Dienstes Gmail (Google Mail) in den USA und Kanada eine Funktion, um direkt aus der E-Mail-Oberfläche im Browser VoIP-Telefonate auf Festnetz- und Mobiltelefone zu führen. Eine separate Software ist dazu nicht notwendig, lediglich ein Plugin.

Damals merkte ich an, dass es sich bei der Neuerung spätestens zum internationalen Launch um eine handfeste Bedrohung für den führenden VoIP-Client Skype handeln würde, da dadurch eine Umsatz generierende Kernfunktion von Skype innerhalb eines existierenden, weit verbreiteten Konkurrenzproduktes angeboten wird - und das noch dazu zu geringeren Kosten.

Gut elf Monate konnte sich Skype auf die bevorstehende Ausweitung des Features auf weitere Länder vorbereiten. Nun jedoch hat diese Gnadenfrist ein Ende: Wie im Gmail-Blog zu lesen ist, beginnt Google dieser Tage mit der Verfügbarmachung der Funktion für User außerhalb Nordamerikas. Insgesamt 38 neue Sprachen sollen in Kürze unterstützt werden (eine etwas verwirrende Formulierung). Dass der deutschsprachige Raum dabei ist, davon ist auszugehen.

Gmail-Nutzer (sowie alle anderen Anwendern mit einem Google-Konto) können Skype für VoIP-Telefonate auf Festnetz- oder Handyanschlüsse somit zukünftig links liegen lassen und die Gespräche direkt vom Gmail-Interface aus führen.

Google wäre nicht Google, würde es diese Neuheit nicht noch mit einem zusätzlichen Highlight in den Fokus der Anwenderschaft rücken: Die Internationalisierung der Option wird von recht deutlichen Preisnachlässen begleitet. Wer von einem beliebigen Ort dieser Welt aus via Gmail auf eine deutsche, französische oder britische Handynummer anruft, zahlt dafür laut Blogeintrag lediglich 0,08 Euro seines Prepaid-Gesprächsguthabens pro Minute (Update: zuzüglich Mehrwertsteuer, die beim Aufladen des Gesprächsguthabens hinzukommt). Für Details verweist Google auf diese Tarifseite.

Mit dieser aggressiven Preisgestaltung bietet Google einen der günstigsten Wege überhaupt an, deutsche Mobilfunknummern anzurufen. Skype verlangt für Telefonate in das deutsche Handynetz mit 0,236 Euro pro Minute (inkl. Mehrwertsteuer) gar fast das Dreifache mehr als doppelt so viel. Der deutsche Skype-Konkurrent FriendCaller hingegen scheint jüngst ebenfalls seine Gebühren stark gesenkt zu haben , liegt aber mit 0,085 Euro minimal über dem Google-Tarif  und liegt mit 0,085 Euro inklusive Mehrwertsteuer sogar unter dem Google-Tarif. Bei Sipgate fallen im Basis-Tarif knapp 0,15 Euro/Minute an.

Wenn kleinere Skype-Wettbewerber von Usern deutlich weniger für ausgehende Gespräche verlangen, dann offenbart dies zwar Skypes Gier, führt aber augenscheinlich nicht automatisch zu Veränderungsdruck. Dass Gmail nun aber Telefonate auf deutsche Handys für acht Cent anbietet, wird Skype nicht ignorieren können. Sollte es auch nicht.

Auch wenn Googles spezifischer Telefonservice Google Voice weiterhin nur US-Amerikanern vorbehalten bleibt, wird der jüngste Schritt den VoIP-Markt umkrempeln und Skype-Neubesitzer Microsoft an der Schaffung einer Cashcow hindern, noch bevor sich diese beweisen konnte. Und wer bisher einen Bogen um Gmail gemacht hat, dem wird dies zukünftig noch schwerer fallen.

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