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09.07.08Kommentieren

Global integriert: BBC baut um

Die britische Rundfunkanstalt BBC bündelt internationale Angebote in einem globalen Sendezentrum. Nachrichten kommen nun multimedial aus dem "central world news hub" in London.

BBC Television Centre in London (Bild soapbeard, Creative-Commons-Lizenz)Der Fernsehsender BBC World News, Mitarbeiter des Radiosenders BBC World Service sowie die internationalen Nachrichtenteams der BBC und Mitarbeiter der verschiedenen Online-Plattformen arbeiten von nun an enger zusammen. Damit entstehe, lobt sich die BBC, ein einzigartiges, multimediales und globales Nachrichtenunternehmen. Bei der medien- und redaktionsübergreifenden Konzentration auf das Produkt "News" treffen nicht nur Fernsehmacher und Online-Redakteure aufeinander: Während der Hörfunksender BBC World Service, der in 33 Sprachen auf Kurzwelle und Satellit Nachrichten verbreitet, staatlich gefördert wird, finanziert sich die BBC aus Gebührengeldern.

 

News als Auftrag, nicht Fernsehen

Außerdem wird BBC World News, der internationale 24-Stunden-Nachrichten- und -Informationsfernsehsender der BBC, ab Montag aus einem neuen Studio im BBC Television Centre in London senden. Anfang des Jahres waren bereits der Name des Senders und das visuelle Erscheinungsbild geändert worden. Das größere Studio soll ein flexibleres Umfeld sowohl für die "Breaking News" also auch für längere Nachrichtensendungen bieten und den Moderatoren erlauben, ungezwungener vor dem großen Bildschirm aufzutreten.

BBC World News Today: Moderatorin Mishal Husain (Bild BBC)Gleichzeitig wird BBC World News mit der einstündigen Nachrichtensendung World News Today, die von Mishal Husain moderiert werden wird, zur Hauptabendsendezeit in der Asien-Pazifik-Region auf Sendung gehen. Außerdem wird die Nachrichtensendung um 11 Uhr deutscher Sendezeit von 30 Minuten auf nun eine Stunde erweitert. Die Liveberichterstattung und "Breaking News"-Berichte bekommen in diesem Zusammenhang mehr Sendezeit.

Richard Porter, Nachrichtenchef bei BBC World News, zu den Veränderungen:

Wir haben in diesem Jahr schon einige bedeutende Veränderungen mit dem neuen Namen BBC World News und dem Rebranding des Senders umgesetzt. Nachdem jetzt unsere gesamte internationale Nachrichtenkompetenz an einem Ort gebündelt wird, können wir unsere Fernseh-, Online- und Radioberichterstattung weiter ausbauen. All diese Veränderungen, einschließlich des neuen Studios und der Nachrichtensendungen, sollen unsere Überzeugung betonen, dass wir unseren Zuschauern nur die besten internationalen Nachrichten und Informationen liefern wollen.

Schon 2004 wagte die BBC den Schritt und begann, ihre Audio- und Videoarchive nach und nach der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Das Archivmaterial kann unbegrenzt genutzt werden, nur die kommerzielle Nutzung ist untersagt. Die Qualität der Clips kann mit dem hochauflösendem Stream der ZDF Mediathek allerdings nicht mithalten.

Im Großbritannien hat die BBC, die weltweit größte gebührenfinanzierte und öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt, immer noch eine nicht zu unterschätzende Medienmacht. Trotz eines dualen Rundfunksystems belegt sie immer noch den Hauptteil der Sendefrequenzen. Im Vergleich zu Deutschland sind nur relativ wenige private Rundfunk- und Fernsehprogramme lizenziert. Die Situation in Großbritannien entspricht vielmehr jener in Österreich, wo der öffentlich-rechtliche ORF großen Einfluss ausübt.

Öffentlich-Rechtliches Gewinnstreben

Aus medienpolitischer Sicht problematisch ist, dass BBC Worldwide, die kommerzielle Tochter der BBC, zunehmend in Joint Ventures Rechte und Inhalte der eigentlich öffentlich-rechtlichen BBC nutzt. Der Umsatzanteil außerhalb Großbritanniens verzehntfachte sich von 2006 bis 2007 sogar fast 46 Prozent. Insgesamt lag die Gewinnsteigerung bei 24% (auf 810 Millionen Pfund).

BBC World News, der internationale, durch Werbeeinnahmen finanzierte, Nachrichten- und Informationsfernsender der BBC, wird von BBC World Ltd., einem der kommerziellen Unternehmensbereiche der BBC betrieben. BBC World News ist täglich 24 Stunden auf Sendung, zieht wöchentlich 78 Millionen Zuschauer an und kann in mehr als 200 Ländern und Regionen weltweit empfangen werden und erreicht 283 Millionen Haushalte. In Deutschland hat BBC World News mit mehr als 2,5 Millionen pro Monat und 1,2 Millionen Zuschauern pro Woche eine Rekordmarke erreicht.

Aus Deutschland sendet die BBC allerdings nicht mehr. Das deutsche Programm wurde nach über sechzig Jahren aus Kostengründen am 26. März 1999 eingestellt. Der damalige Strategie-Beauftragte des World Service, Fritz Groothues, erklärt, man gebe Deutschland nicht als Zielgebiet auf, sondern nur die deutsche Sprache. Auch eine Form der Integration.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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