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08.12.14

Girokonto für das mobile Zeitalter: Number26 will Banking ins 21. Jahrhundert bringen

Was Banken ihren Kunden im Netz bieten, erinnert die Macher des Berliner Startups Number26 an das vergangene Jahrhundert. Mit ihrem für das Smartphone-Zeitalter optimierten Girokonto wollen sie es besser machen.

Number26Das FinTech-Segment boomt. Doch bei vielen der neuen Dienste muss man aktuell ein Faible für die Vermählung neuer Technologien mit Finanzdienstleistungen oder zumindest eine gewisse Experimtierfreudigkeit mitbringen. Denn speziell in dieser frühen Phase der Entwicklung werden die Vorteile und Konzepte dem Otto-Normal-Kunden nicht immer sofort klar. Beim Berliner Startup Number26 ist das ein bisschen anders. Denn das 2013 gegründete Unternehmen bietet eine Dienstleistung an, mit der jede und jeder etwas anfangen kann: ein Girokonto; und zwar das laut Unternehmen erste Girokonto, das explizit für das mobile Zeitalter geschaffen wurde.

 

Das Problem ist hinlänglich bekannt: Die Geschäftsmodelle und das Denken der führenden Banken entstanden in einer anderen Ära. Für das Onlinebanking haben sie sich zwar sukzessive geöffnet - in Sachen Usability und Servicelevel merken Bankkunden aber schnell, dass hier die von nativen Onlinefirmen und Apps bekannte Qualität einfach nicht erreicht wird. Nach Ansicht von Number26-Sprecher Niklas Radner gilt das selbst für die Direktbanken, also jene Anbieter, die auf ein teures Filialnetz verzichten und deshalb häufig günstigere Konditionen für gängige Finanzdienstleistungen anbieten. "Die Online-Experience von der Kontoeröffnung bis hin zum Online-Banking stammt aus dem letzten Jahrhundert”, so Radner.

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Number26 will der Branche nun mit einem zeitgemäßen, besonders für den mobilen Einsatz optimierten E-Banking-Service einheizen. Das Startup bietet ein gebührenfreies Konto samt MasterCard-Debitkarte. Bargeld-Abhebungen sind weltweit kostenfrei (zuzüglich eventueller Gebühren des jeweiligen Geldautomaten-Betreibers) und es fallen auch keine Wechselkursgebühren an. Schon damit gehört Number26 zu den Exoten unter den deutschen Kartenherausgebern und eignet sich insbesondere für Vielreisende. Einen Überziehungsrahmen gibt es allerdings nicht. Es kann also mit der Number26-Karte nur bezahlt oder Geld abgehoben werden, wenn das Konto hinreichend gedeckt ist.

Zu den Besonderheiten, mit denen die Berliner ihre Positionierung als “Europas modernstes Girokonto” gerecht werden wollen, zählt eine Echtzeit-Verbindung von Karte und App. Diese ermöglicht unmittelbares Abrufen des aktuellsten Kontostands sowie Push-Nachrichten bei jeder Transaktion. Zu den weiteren Features gehören Statistiken zum Zwecke des besseren Finanzmanagements, die Echtzeitsperrung sowie -entsperrung der Karte, eine selektive Festlegung der Regionen, in der die Karte verwendet werden kann, sowie die Möglichkeit der Überweisung per E-Mail und SMS.

Angesichts der vorteilhaften Gebührenstruktur können Nutzer aus Deutschland eigentlich überhaupt nichts falsch machen, wenn sie bei Number26 ein Girokonto eröffnen. Zumal der Prozess in Deutschland in wenigen Minuten per Webcam-Videoverifizierung erfolgt. Umsätze generieren die Hauptstädter nicht durch die Kontoleistungen. Stattdessen erhalten sie von MasterCard bei jedem Kauf mit einer Number26-Karte einen Anteil der vom Händler abgeführten Transaktionsgebühren. Zudem erhofft sich das Unternehmen um CEO Valentin Stalf Zinseinnahmen aus den Einlagen der User (die über eine deutsche Partnerbank verwaltet werden).

Während es im deutschsprachigen Raum für Number26 meines Erachtens nach auf jeden Fall etwas zu holen gibt, bleibt abzuwarten, ob das Startup tatsächlich auch andere europäische Länder erobern können wird. Denn mitunter existieren Akteure mit ähnlichem Leistungsspektrum dort schon. In Schweden etwa bietet mein dortiges Girokonto bei einer Direktbank im Prinzip exakt die gleichen Funktionen, was mich gar zu regelrechten Lobeshymnen animierte. Auch in der Schweiz investieren Banken derzeit viel in ihrere Online-Systeme und mobilen Apps.

In den USA ging mit Simple bereits im Jahr 2011 ein Startup ins Rennen, das auf eine mit Number26 vergleichbare Art und Weise die eingerostete Bankenlandschaft aufmischen wollte. Anfänglich entstand in Early-Adopter-Kreisen ein ziemlicher Hype um den Dienst. Angesichts der hohen Erwartungen war die Anfang 2014 verkündete Übernahme von Simple durch die zweitgrößte spanische Bank BBVA für 117 Millionen Dollar dann durchaus ernüchternd.

Mit direkten Vergleichen zwischen dem nordamerikanischen und europäischen Bankensektor muss man sicherlich vorsichtig sein. Dennoch zeigt der Fall Simple, dass das Interesse vieler Bankkunden an High-Tech-Girokonten entweder weniger groß ist als von manchen Apologeten vermutet, oder zumindest durch Sicherheitsbedenken, mangelnde Wechselwilligkeit oder allgemeine Skepsis gegenüber Marktneulingen teilweise verringert wird.

Für Number26 ist das schnelle Skalieren deshalb äußerst wichtig: Das Erlösmodell setzt voraus, dass eine große Zahl an Kunden bei Number26 Geld “einlagert” und mit der MasterCard einkaufen geht. Sofern ein unterdurchschnittlicher Exit wie der von Simple nicht von den Gründern und Investoren als akzeptable Lösung angesehen wird, müssen die Hauptstädter beweisen, dass sie mehr erreichen können.

Bislang ist Number26 mit zwei Millionen Euro Seed-Kapital finanziert.

Derzeit läuft die Beta-Phase mit ausgesuchten Testern. Wer im DACH-Raum wohnt und Interesse hat, kann dies auf der Website kenntlich machen. /mw

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