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16.12.10Leser-Kommentare

Gesichtserkennung: Facebook identifiziert Freunde auf Fotos

Facebook schlägt Nutzern in den USA ab sofort Namen von Personen vor, die auf Fotos abgebildet sind. Das funktioniert zwar nur für Kontakte, könnte intern aber bereits anderweitig eingesetzt werden.

 

Einer der spannendsten und gleichzeitig brisantesten technologischen Trends der nächsten Jahre ist die Gesichtserkennung. Einerseits eröffnen sich durch Entwicklungen, die Anhand von statischen oder bewegten Bildern Personen erkennen und identifizieren können, faszinierende Möglichkeiten, andererseits sind sie auch ein großer Schritt hin zum gläsernen Menschen. Im Sommer hatte ich die Auswirkungen und Herausforderungen von Technologien zur Gesichtserkennung beleuchtet.

Den aus Endanwendersicht im Jahr 2010 womöglich größten Schritt im Kontext der maschinellen Gesichtserkennung hat in der Nacht Facebook angekündigt: Ein neues, vorerst - wie so oft - nur für US-Nutzer verfügbares Feature verleiht der vor einiger Zeit lancierten automatischen Gruppierung von Fotos mit Abbildungen mutmaßlich identischer Personen ein neues Niveau an Raffinesse:

Denn Facebook zeigt nun nicht mehr nur eine Sammlung von Fotos mit der selben Person, um diese mit einer einzigen Namenseingabe auf allen Bildern zu taggen, sondern schlägt praktischerweise selbst namentlich vor, um wen es sich handeln könnte. Das Social Network vergleicht also die Gesichter der auf hochgeladenen Fotos dargestellten Menschen mit denen, die bereits früher verschlagwortet wurden, und macht auf Basis dessen Vorschläge, wie die jeweilige Person heißen könnte.

Unter der Haube ändert sich wenig - denn der grundsätzliche Prozess des Gesichtsabgleichs fand bei Facebook für die Fotogruppierung bisher schon statt. Man kann nur mutmaßen, dass auch die namentliche Identifizierung bereits intern durchgeführt, jedoch nicht für User zugänglich gemacht wurde. Das ändert sich nun und dürfte zur Folge haben, dass deutlich weniger bei Facebook hochgeladene, Menschen abbildende Schnappschüsse ungetaggt bleiben.

Gesichtserkennung

Wie bei Facebook üblich können Nutzer das automatische Identifizieren ihrer Gesichter auf hochgeladenen Fotos per Opt-Out unterbinden. Eine wichtige Einschränkung ist die Tatsache, dass Vorschläge für Namen nur bestätigte Facebook-Kontakte betreffen. Wer also Bilder von Fremden hochlädt, die nicht zu den eigenen Kontakten zählen, wird nicht einfach wie von Zauberhand deren Namen erfahren, selbst wenn sie auch ein Facebook-Profil besitzen. Noch nicht. Dass Facebook aber bereits weiß, wer auf den Schnappschüssen sonst noch abgebildet ist, davon kann man ausgehen.

Interessant ist die Gesichtserkennung für Facebook unter anderem für das Vorschlagen von Kontakten. Denn so lassen sich auch User einander als eventuelle Bekannte präsentieren, die sonst keinerlei Verbindungen miteinander haben, aber irgendwann einmal auf dem gleichen Foto auftauchten.

Wenn Facebook die Intention hätte, könnte es bereits jetzt bei jedem beliebigen, auf einem Bild gezeigten Gesicht Namensvorschläge machen - davon bin ich überzeugt. Dass dies bisher als Feature nicht angeboten wird, ist leicht mit der damit verbundenen Erosion der Privatsphäre zu erklären. Doch irgendwann wird auch eine solche Funktion kommen. Von Facebook oder einem anderen Dienst. Gesetzeskonform oder nicht. Es ist ratsam, sich bereits jetzt darauf einzustellen, um dann nicht überrascht aus allen Wolken zu fallen.

Kommentare

  • Andreas

    16.12.10 (11:29:12)

    "Wenn Facebook wöllte..." "Wöllte" ist ein furchtbares Wort... ;)

  • Martin Weigert

    16.12.10 (11:32:43)

    Überredet!

  • Raphael

    16.12.10 (12:44:39)

    Naja, das macht Google mit Picasa doch schon lange... Funktioniert auch ziemlich gut. Technisch gesehen. Was nicht heißen soll, dass ich mir das auf Facebook wünsche.

  • Michael

    16.12.10 (13:10:40)

    eben, in Picasa hat Google dieses Feature schon seit gefühlten 2 Jahren integriert. Technisch finde ich es super, aber wie schon im Beitrag geschrieben - der gläserne User wächst!

  • piksieben

    16.12.10 (13:19:18)

    Hmmm..."überrascht aus den Wolken fallen" werden bei dem Planspiel von facebook hinsichtlich einer maschinellen Gesichtserkennung wohl nur die, die facebook nicht kennen. Orson Wells lässt grüßen, sein Film "1984" wird, wenn auch einige Jahrzehnte zeitverzögert - nun doch Wirklichkeit werden. Wehret den Anfängen, aber hierfür ist es wohl zu spät, die Eigendynakik dieser Entwicklung wird wohl leider nicht mehr zu stoppen sein.

  • Martin Weigert

    16.12.10 (14:24:31)

    Zum Thema Picasa, das ich persönlich nicht aktiv nutze: Ich dachte bisher, das einzige, was Picasa tut, ist Fotos zu gruppieren, auf denen es die gleiche Person erkannt hat (anschließend lässt sich diese Person mit einer Namenseingabe auf allen Bildern taggen). Geht das Feature noch darüber hinaus? Letztlich ist die Tragweite einer Intergration von automatischer Gesichtsidentifikation bei Facebook als führendes Social Network mit fast 600 Millionen Mitgliedern imo in jedem Fall größer als bei allen anderen Diensten.

  • Jakob

    16.12.10 (15:16:07)

    also ich hatte das hier in Spanien schon bei den Bildern zur Halloweenparty, also vor 5 oder 6 Wochen

  • Raphael

    16.12.10 (15:40:36)

    Aber Facebook macht doch genau das gleiche, oder? Denn Facebook zeigt nun nicht mehr nur eine Sammlung von Fotos mit der selben Person, um diese mit einer einzigen Namenseingabe auf allen Bildern zu taggen, sondern schlägt praktischerweise selbst namentlich vor, um wen es sich handeln könnte. Nur dass man das bei Picasa selbst macht, bei Facebook, gibt's halt schon ein Profilbild, was man(FB) nutzen kann.

  • Michael S

    16.12.10 (17:10:17)

    Hahahaha. Orson Wells? 1984? Film? George Orwell! 1984! Buch! Auf in die Bibliothek!

  • Martin Weigert

    17.12.10 (01:18:16)

    Stimmt, technisch ist der Prozess wohl der selbe. Ich glaube aber, dass es eine besondere "Magie" hat, wenn du Fotos von einer bisher von dir nie getaggten Person hochlädst, und die dann automatisch einen Namensvorschlag erhält. Facebook hat eben den nahezu kompletten Social Graph, Picasa nicht.

  • Martin Weigert

    17.12.10 (01:20:48)

    Dann gehörtest du offenbar zur Testgruppe.

  • Marco

    17.12.10 (11:25:50)

    :D http://dilbert.com/dyn/str_strip/000000000/00000000/0000000/100000/00000/8000/200/108247/108247.strip.gif

  • daniel

    17.12.10 (18:55:12)

    martin, ich könnte mir gut vorstellen daß die sache einen technischen haken hat: bilder miteinander abgleichen kostet viel rechenzeit. under dieser vorraussetzung, wäre es also interessant für facebook wirklich NUR bilder von kontakten untereinander abzugleichen. somit muss ein computer für jedes von mir hochgeladene bild meine 200-1000 kontakte durchgehen. für jedes photo von jedem immer alle x-millionen user durchzugehen (und ja von jedem viele bilder potentiell, nicht nur nen profil photo) erscheint mir ex-orbitant. nichts desto trotz, vor 10 jahren erschienen mir auch dreistellig terrabytes als ex-orbitant, jetzt kosten sie unter 1000 euro. so oder so also vielleicht nur eine frage der zeit ... andersherum betrachtet: wenn ich _jetzt_ ein bild hochlade und _sehr bald_ vorschläge haben will, wird die sache immer knifflig sein, oder? wenn ich ein bild hochlade und später (sehr viel später) emails bekomme die mich auf getaggte personen auf meinen bildern hinweisen, wird die sache schon viel einfacher (also mehr als nur meine direkten 1. kontakte durchzutesten).

  • matu

    18.12.10 (02:00:09)

    Ich erinnere mich gerade beispielsweise an die "Schläger von Kreuzlingen" (für alle, die nicht stolze Blick-Leser sind: http://www.blick.ch/news/schweiz/ostschweiz/schlaeger-trio-lacht-hinten-liegt-das-opfer--120186) Würde mich also nicht überraschen, wenn facebook sich vom netten Statuslieferanten und Beziehungsauskunftsdiensleister zum knallharten Verbrechensaufklärer meistert. Zuckerberg meets CSI. ;)

  • Martin Weigert

    18.12.10 (03:12:02)

    Guter Punkt Daniel. Aber wie du auch selbst erläuterst: Alles nur eine Frage der Zeit und der technischen Entwicklung.

  • Martin Weigert

    18.12.10 (03:15:58)

    So weit hab ich bisher gar nicht gedacht. Aber na klar - früher oder später wird es soweit kommen: Man lädt das Foto von Verdächtigen bei Facebook hoch und Facebook liefert die Namen dazu.... Früher oder später werden die Ermittlungsbehörden damit beginnen, entsprechende Anfragen an Facebook zu stellen.

  • Andreas Hobi

    18.12.10 (14:07:01)

    Falls die Behörden nicht bereits schon in der Vergangenheit solche Anfragen gestellt haben... Bin auf alle Fälle gespannt, wie sich die Sache entwickeln wird! Übrigens: Ich gehöre nicht zu den US-Nutzern und kam trotzdem beim letzten Foto-Upload in den Genuss der neuen Funktion: http://yfrog.com/gzrhgp

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