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10.02.11Leser-Kommentare

Geschäftsnetzwerke: LinkedIn wird zum Identitätsanbieter - Xing schaut zu

Immer mehr User identifizieren sich auf externen Websites mit ihren LinkedIn-Benutzerdaten. Konkurrent Xing hat dem nichts entgegenzusetzen.

 

Nicht nur Facebook, Twitter und Google fungieren auf immer mehr Websites von Drittanbietern als zusätzliche (oder einzige) Login-Option, sondern auch Xing-Wettbewerber LinkedIn. Gigya, ein Dienstleister rund um Social-Sharing-Tools und -Widgets, hat eine optisch recht unansehnliche Infografik veröffentlicht, die in diesem Kontext jedoch mit einer interessanten Erkenntnis aufwartet:

20 Prozent der Besucher von B2B-Websites, die sich mit Hilfe der Benutzerdaten eines externen Anbieters authentifizieren, nutzten dafür im Januar 2011 ihr LinkedIn-Konto. Im Juli 2010 betrug der Anteil lediglich drei Prozent. Die entsprechende Schnittstelle existiert seit Ende 2009.

Einmal außer Acht gelassen, dass diese von Gigya erhobenen Daten nicht unbedingt repräsentativ sein müssen und dass auch nicht hundertprozentig eindeutig ist, wo Gigya die Grenze zwischen B2B (Business to Business) und B2C (Business to Consumer) zieht, illustriert dies dennoch eine bemerkenswerte Entwicklung und stellt eine erfreuliche Nachricht für LinkedIn dar.

Und was LinkedIn entzückt, wird fast automatisch zu einer unerfreulichen Botschaft für Xing. Das Hamburger Geschäftsnetzwerk schlägt sich zwar im deutschsprachigen Raum weiter wacker und ist klarer Marktführer, aber bietet im Gegensatz zu LinkedIn keine offenen Schnittstellen. Website-Betreiber rund um den Globus können also ihren Besuchern einen Login via LinkedIn anbieten, aber keinen via Xing.

Die fehlenden Drittanbieter-Verknüpfungen von Xing haben wir schon einmal moniert, aus aktuellem Anlass aber nochmals bei dem Dienst nachgefragt, inwieweit das Fehlen von offenen APIs angesichts der LinkedIn-Konkurrenz eine Gefahr für das zukünftige Potenzial des deutschen Business Networks sei. Ein Xing-Sprecher ließ uns wissen, dass sich Xing intensiv mit dem Thema auseinandersetze. Er wies aber in diesem Zusammenhang auch auf die große Bedeutung des Datenschutzes hin und unterstrich, dass Xing den entscheidenden Mehrwert für die Kunden in der Vernetzungsmöglichkeit sehe.

Meine Interpretation der Aussagen: Xing würde sehr gerne entsprechende APIs anbieten, der Datenschutz in Deutschland macht dieses Vorhaben jedoch zu einem komplizierten Balanceakt. Und so lange sich neue und bestehende Nutzer weiter bei Xing vernetzen, besteht kein Grund, zu viele Ressourcen in die Schaffung von Implementierungswegen für Drittanbieter zu stecken.

Passend dazu äußerte Xing-CEO Stefan Groß-Selbeck gestern in einem Kommentar in der FTD ebenfalls Kritik am derzeitigen Datenschutzrecht, welches nicht den Anforderungen gerecht werde, Innovation zu ermöglichen und gleichzeitig einen klaren Rahmen zu setzen. Meine Übersetzung: Der deutsche Datenschutz hindert Xing daran, die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um die Stellung des Dienstes im Wettbewerb zu stärken. Ähnliche Aussagen kennt man von VZ-Chef Clemens Riedl.

Sei also einmal dahingestellt, was die tatsächliche Ursache für das Fehlen einer "Einloggen mit Xing"-Option ist, so besteht für mich kein Zweifel daran, dass - sofern vermehrt deutschsprachige Websites eine "Einloggen mit LinkedIn"-Alternative anbieten (Beispiele aus dem englischsprachigen Raum hier und hier), sich dies mittelfristig äußerst positiv auf die hiesige Verbreitung von LinkedIn auswirken würde - mit entsprechend negativen Folgen für Xing.

Den großen Vorteil darin, wenn soziale Netzwerke als Identitätsanbieter auftreten, beschreibt Marcel Weiss bei neunetz treffend am Beispiel von Facebook Connect:

Facebook Connect und Facebooks Like-Buttons sind in weiten Teilen des Webs mittlerweile integriert. Diese Integrationen werden nicht wieder verschwinden, solang es viele Endnutzer gibt. Viele Enduser wiederum ziehen einen Zusatznutzen aus Facebook, weil Facebook neben der Kommunikation mit dem eigenen Social Graph auch diese Funktionalitäten ermöglicht. (Und zwar in der Form und Verbreitung als einziges Social Network weltweit.) Folge: Ein relativ stabiles System.

Wenn ein Social Network sich als Identitätsanbieter etabliert, schafft dies ein stabileres System, weil der Nutzen für die User nicht mehr allein im Networking liegt. LinkedIn arbeitet gerade an dieser Stabilisierung. Xing schaut zu und setzt stattdessen auf Kooperationen.

Kommentare

  • Alex | sprechersprecher.de

    10.02.11 (12:50:49)

    Xing wird in meinen Augen immer unattraktiver. Die fehlenden API's machen es zu einer echten Insellösung. Wenn man sieht, wie cool die Verbindung von z.B. LinkedIn GMail Rapportive und CRM Systemen wie BantamLive funktioniert, hat man eigentlich schon keine Lust mehr auf Xing. Was will will ich mit einem Kommunikationstool, bei dem alle Infos im System gefangen bleiben?

  • Robert Mischke

    12.02.11 (15:46:59)

    Bei Facebook Connect und auch LinkedIn als LoginService geht es doch um OpenId? Aus Nutzerperspektive möchte ich für einen Dienst für den Ich bezahle nicht OpenId verwenden, sondern ein Passwort definieren. Als Dienstanbieter würde ich mich nicht von einem LoginService/OpenId Anbieter, also einer dritten Seite abhängig machen wollen. Interessant zum Thema finde ich die Zahlen von 37 Signals: http://productblog.37signals.com/products/2011/01/well-be-retiring-our-support-of-openid-on-may-1.html Aus Entwicklerperpektive schreibt Rob Conery "OpenId is a nightmare": http://blog.wekeroad.com/thoughts/open-id-is-a-party-that-happened So gesehen verschenkt sich XING erstmal nicht viel, wenn Sie kein OpenId Anbieter sind. Mir als XING Kunde ist auch herzlich egal, wenn da nichts kommt, solange das eigentliche Produkt stimmt.

  • F Schwenke

    14.02.11 (10:19:02)

    Naja, das mit dem Datenschutz in Deutschland ist zum Teil aber auch nur ein Totschlagsargument. Was ist denn genau verboten? Datenweitergabe an Dritte ohne Zustimmung der Betroffenen. Bei Netzwerken sind das genau die Daten, die meine Kontakte betreffen. Bei einer Login-ID geht es hingegen um MEINE Daten, nicht die meiner Kontake, insofern greift das Argument hier m.E. nicht - wohl aber kann ich keine "sozialen" Sachen machen ohne Zustimmung aller meiner Kontakte. Ich würde mich übrigens viel lieber bei Drittdiensten mit meinem seriösen, außengerichteten Xing-Profil anmelden als mit Facebook, was eher in einen geschlossenen (Freundes)Kreis hinein gerichtet ist. Auch nicht mit Linkedin, weil das ein Karrierenetzwerk ist und kein echtes Businessnetzwerk.

  • Martin Weigert

    14.02.11 (16:39:15)

    Als Nicht-Jurist ist es schwierig zu sagen, inwieweit es ein Totschlagsargument ist, finde ich. Dass deutsche Datenschutzgesetz ist im Vergleich zu den US hart. Facebook z.B. hätte bestimmte Praktiken, welche die virale Verbreitung gesteigert haben, niemals durchführen können, wäre es ein deutsches Social Network. Insofern würde ich zumindest nicht generell behaupten wollen, dass hiesige Social-Web-Dienste würden durch den strengeren Datenschutz in Deutschland NICHT in ihrem Innovations- und Wachstumspotenzial eingeschränkt werden.

  • Stephan

    25.02.11 (06:14:50)

    Noch zur Ergänzung lG Stephan

  • Mario Döring

    11.04.11 (10:24:50)

    Guten Tag, da komme ich mit meinem Netzwerk XanXi.de ja genau zum richtigen Zetitpunkt :-) Im Bezug zu den prominenten Netzwerken,möchte ich auf das auf Existenzgründer & Business spezialisierte Social Network http://www.xanxi.de aufmerksam machen. Das soziale Netzwerk XanXi.de erfeut sich einer stetig wachsenen Beliebtheit und wird inzwischen von vielen Existenzgründern, Unternehmern und Entscheidern genutzt und ist komplett kostenlos.

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