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16.09.08

Geschäftsmodelle im Netz: Man muss nicht an jedem Nutzer verdienen

Die spezifischen Vorteile des Webs zu nutzen, hilft, um im Netz erfolgreich Geld zu verdienen. Das kann auch bedeuten, nicht Jeden abzukassieren, der das eigene Produkt nutzt.

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Das meiner Meinung nach vielversprechendste Prinzip eines Geschäftsmodells im Web ist unter dem Namen Freemium bekannt. Was bedeutet Freemium? Definitionen findet man auf der englischsprachigen Wikipedia und in diesem Artikel von VC Fred Wilson, mit dem der Begriff seinerzeit seinen Anfang nahm.

Bei Freemium bietet der Webdienst-Anbieter einen kostenlosen Basisaccount für die meisten User und einen kostenpflichtigen Premiumaccount für die Poweruser an.

Erst letztens hatte ich in einem Gespräch den Eindruck wie schon öfter zuvor, dass manche Gründer dieses Vorgehen als Verschenken von Leistungen ansehen. Dabei ist das Gegenteil der Fall. Mike Masnick vom populären Blog Techdirt fasst die Sichtweise, warum ganz grundsätzlich kostenloses Anbieten im Netz sinnvoll sein kann, zusammen:

  • Die Mehrheit der eigenen User/Nutzer/Konsumenten müssen nicht zahlende Kunden sein
  • Viel wichtiger ist es, das eigene Publikum aufzubauen, so dass es groß genug ist, dass wenn man ein knappes Gut zum Verkauf anbietet, genug Leute dafür bezahlen (Kevin Kellys "1000 True Fans"-Prinzip beschreibt im Grunde das Gleiche)
  • Die Trittbrettfahrer oder Schmarotzer oder wie auch immer man die Nutzer nennen will, welche nur die kostenlosen Angebote nutzen, sind aus dieser Sicht kein Problem. Im Gegenteil: Sie machen für den Anbieter kostenlos Werbung.

Zusätzlich zur Bekanntmachung des Angebotes/Produktes durch Mundpropaganda der Nutzer in vorher nie gekannter Geschwindigkeit (über Blogs, Twitter, etc.), kommt im Netz zumindest bei einigen Diensten noch der Netzwerkeffekt hinzu: Je mehr Nutzer Service XY nutzen, desto nützlicher wird er für alle Beteiligte. Social Networks sind hier die typischen Vertreter. Die verschiedenen Aspekte (Individual-, Sozial-, System- und Gesellschaftswert) hatte Markus seinerzeit auf seinem privaten Blog sehr gut und ausführlich erläutert.

Ist man Anbieter eines Social-Web-Dienstes und will die positiven Netzwerkeffekte im Freemium-Kontext für sich nutzen, stellt sich die Frage, wo man die Grenze zwischen Kostenlos- und Bezahlaccount zieht. Dazu hatte ich auf meinem eigenen Blog Anfang des Jahres versucht anhand von Xing eine Entscheidungshilfe aufzustellen, die man auf die folgende Frage herunterbrechen kann:

Würde die eigene Seite auch eine lebhafte Community anziehen, wenn es nur die Funktionen gäbe, die für die kostenlosen Basisaccounts freigeschaltet sind?

und zur Antwort:

Falls die Antwort darauf ja ist, kann man die weiteren Funktionen je nach Konkurrenzsituation entweder ebenfalls ein stückweit in die Schlacht werfen oder für die Monetarisierung als Premium anbieten.

Falls die Antwort nein lautet, zurück auf Los und keine 4000 Euro einziehen.

Nochmal: Vorausgesetzt man hat ein qualitativ gutes Produkt an der Hand, kann es im Netz ökonomisch ausgesprochen sinnvoll sein, Teile des eigenen Angebots zu "verschenken". Das gilt auch zum Beispiel für Musiker (kostenlose MP3s an Musikblogger verteilen), Onlineangebote von traditionellen Publikationen (u.A. New York Times gibt Bezahlcontent auf) und Experten, die sich über ihre Fachblogs einen Ruf ('Personal Brand') aufbauen. Um nur drei Beispiele zu nennen.

Man nehme auch den gestrigen Fall Spore. ElectronicArts wäre nicht nur gut beraten, das DRM zu lockern oder gar fallen zu lassen. Wie ich in einem Kommentar schrieb:

Geschäftsmodell für Spore liegt doch auf der Hand: Du kassierst bei der Anmeldung am offiziellen Server zum Onlinespielen ab. Soweit ich weiß, ist World of Warcraft das erfolgreichste Spiel aller Zeiten. Spore ist prädestiniert für diese Art von Geschäftsmodell. Es würde sogar Sinn ergeben, die einzelnen Spiel-Kopien zu einem möglichst niedrigen Preis oder sogar kostenlos abzugeben. Sozusagen als Einstiegsdroge.

Es gibt nur einen Grund, warum Unternehmen gar nicht oder nur zögerlich die hier beschriebenen Möglichkeiten wahrnehmen und oft sogar konträr handeln (siehe EA): Es ist nicht intuitiv.

(Pic von jenn jenn)

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