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12.07.12Leser-Kommentar

Gerichtsurteil im Streit zwischen tamyca und Sixt: P2P-Carsharing und Autovermietung unterscheiden sich

Das Landgericht München hat im Fall "tamyca gegen Sixt" entschieden: Das Angebot von Carsharingdiensten, bei denen Privatpersonen ihre Fahrzeuge vermieten, ist nicht mit den Leistungen von professionellen Mietwagenfirmen vergleichbar.

Junges Carsharing-Startup gegen etablierten Mietwagenkonzern - so stellte sich die Situation dar, als das Aachener Unternehmen tamyca im April auf eine Abmahnung durch die Sixt AG aufmerksam machte. Die Ende 2010 gegründete Firma, auf deren Plattform Privatpersonen ihre Autos zur Miete anbieten können, hatte ihre Dienstleistung auf der Website mit dem Angebot des Autovermieters aus Pullach bei München verglichen und am Beispiel ausgewählter Fahrzeuge den deutlich günstigeren Preis einer tamya-Miete hervorgehoben. Zu Anfang zeigte sich das tamyca-Team um Gründer Michael Minis noch kampfeslustig und wollte an den prominent positionierten Preisvergleichen festhalten. Doch auf die Abmahnung folgte eine von Sixt erwirkte einstweilige Verfügung, woraufhin sich die Rheinländer vorerst geschlagen geben und den Vergleich entfernen mussten.

Das Landgericht München entscheidet gegen tamyca

Im Mai dann legte das Startup Widerspruch gegen die einstweilige Verfügung ein und signalisierte damit seine Bereitschaft, den Konflikt vor Gericht auszutragen. Dies ist nun geschehen, doch mit einem für tamyca wenig erfreulichen Ergebnis: Das Landgericht München hat dem Widerspruch gegen die einstweilige Verfügung von Sixt nicht stattgegeben. Damit bleibt den Aachenern auch weiterhin untersagt, die Preise der auf der Plattform angebotenen Autos denen von Sixt (und damit letztlich auch denen aller anderer traditioneller Autoverleiher) gegenüberzustellen.

Laut einer Stellungnahme im tamyca-Blog sieht das Gericht ein generelles Problem in der Vergleichbarkeit von P2P-Carsharing-Diensten, denen ein deutschlandweites Stationsnetz fehle und die keine Verfügbarkeitsgarantie abgeben könnten. Wer über tamyca oder die zahlreichen anderen vergleichbaren Services wie Autonetzer, Nachbarschaftsauto oder rent-n-roll einen fahrbaren Untersatz anmieten möchte, muss diesen am mit dem Vermieter vereinbarten Standort abholen. Und wenn dieser das Kfz drei Tage später unbedingt braucht, dann muss sich der Anmieter danach richten.

Die Beurteilung des Urteils ist schwierig. tamyca bezeichnet den Entscheid als ungünstig für alle Anbieter, die mit Hilfe des Internets den kollaborativen Konsum ermöglichen und vorantreiben wollen. "Das Urteil hinterlässt unserer Ansicht nach den Eindruck, als habe die Old Economy noch nicht verstanden, dass neue peer-to-peer-Produkte und –Dienstleistungen, wie wir von tamyca sie anbieten, die alten Produkte ersetzen können und damit vom Verbraucher als etwas Vergleichbares wahrgenommen werden". Und: "Traditionelle Autovermieter fühlen sich durch unser innovatives Mobilitätskonzept wohl bedroht", so das tamyca-Team im Blog.

Nachvollziehbare Argumente auf beiden Seiten

Es ist verlockend, sich auf die Seite des aufstrebenden Startups zu schlagen. Immerhin gab es in der Vergangenheit schon so viele Fälle, in denen sich traditionelle Anbieter allein auf juristischen Wegen gegen neue, durch das Internet ermöglichte Geschäftsmodelle zu wehren wussten. In dieser speziellen Situation geht es aber weniger darum, dass ein etablierter Autovermieter grundsätzlich das Treiben eines P2P-Carsharingdienstes ins Wanken zu bringen versucht, sondern lediglich um den direkten Preisvergleich von zwei sich potenziell ähnlichen Dienstleistungen. Letztlich hat das Landgericht München eigentlich nur festgestellt, dass ein von einer Privatperson gemietetes Fahrzeug nicht die gleichen Qualitätsstandards bieten kann wie das Fahrzeug eines gewerblichen Mietwagenkonzerns, weshalb eine Gegenüberstellung des Preises ein falsches Bild ergeben würde.

Ich verstehe tamyca, das sich als Konkurrenz beziehungsweise Alternative zu Sixt & Co begreift und eine Gegenüberstellung für zulässig hält, kann aber auch die Position von Sixt nachvollziehen, das wie seine Wettbewerber allein durch das niedrige Alter der Fahrzeuge sowie das dichte Servicenetz bestimmte Standards bietet, mit denen kein P2P-Carsharing-Anbeiter mithalten kann.

Kein Genickbruch für tamyca

Als Verlierer des Rechtsstreit wird das Startup aus Nordrhein-Westfalen nun die Gerichtskosten zahlen müssen. Sprecherin Celine Jungbluth konnte die genaue Summe bisher nicht beziffern. Im Gegenzug gibt es jedoch mediale Aufmerksamkeit. Das Wichtigste aber ist, dass tamyca genauso weitermachen kann wie bisher. Nur auf die direkte Gegenüberstellung der eigenen Angebote mit denen von Mietwagenfirmen sollte es verzichten. Sofern sich das Konzept des Vermietens von Autos zwischen Privatpersonen skalieren lässt und wirtschaftlich nachhaltig funktioniert, dann wird das Sixt-Urteil daran auch nichts ändern.

Link: tamyca

Kommentare

  • Werner Thomann

    14.01.14 (14:47:35)

    Ich habe mich Tamyca und Nachbarschaftsauto angeschlossen,weil der Standort zu SIXT mir viel zu weit war.Für einen Theaterbesuch in St.Louis(F) müßte ich mit dem Zug nach Basel.Und dann bin ich auch schon fast in St.Louis.Bei Tamyca und Nachbarschaftsauto habe ich günstige Autos fast nebenan. SIXT ist halt nur in größeren Städten vertreten und berücksichtigt keine User in der Fläche.

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