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04.08.10

Geoblocking: Ein Zaun mit Löchern

Geoblocking ist ein Ärgernis für viele Internetnutzer, die gerne Medieninhalte im Netz konsumieren. Doch VPN-Dienste machen den virtuellen Zaun um einzelne Länder löchrig.

 

Wer viel im Netz surft und gerne Medieninhalte online konsumiert, wird früher oder später mit Geoblocking konfrontiert. So nennt sich ein Verfahren, durch das Aussperren spezifischer IP-Adressen User aus bestimmten Ländern den Zugriff auf eine Website zu verweigern. In der Regel kommt Geoblocking auf Sites zum Einsatz, die urheberrechtlich geschütztes Material anbieten, jedoch nur die Rechte für ausgewählte Länder besitzen.

Bekannte und populäre Dienste, die auf Geoblocking setzen und ihre Services nur in einzelnen Märkten verfügbar machen, sind z.B. Hulu, Netflix, Pandora, Spotify, Zattoo (in D-A-CH jedoch verfügbar), nello (nur CH), Voddler, rdio oder bei einzelnen Videos auch YouTube.

Ein zunehmend eingesetzter Weg, Geoblocking zu umgehen und sich Zugang zu im eigenen Land eigentlich nicht verfügbaren Inhalten zu verschaffen, sind kostenpflichtige VPN-Dienste, welche die Internetverbindung über ein externes Netzwerk leiten und Usern eine dazugehörige (ausländische) IP-Adresse spendieren.

Auf diesem Weg können sich beispielsweise Anwender aus Deutschland, Österreich und der Schweiz eine US-IP-Adresse zulegen und somit auf Hulu oder Pandora zugreifen.

Zwar gibt es auch Gratisanbieter, die entsprechende VPN-Lösungen bereitstellen, wie Hotspot Shield oder Free VPN, aber deren Angebote sind in der Regel mit störenden Werbeeinblendungen verbunden und agieren teilweise nur im Schneckentempo, was wenig Spaß bereit und zudem keine gute Voraussetzung ist, um beispielsweise trafficintensive Videostreams anzuschauen.

Kostenpflichtige VPN-Services existieren zwar schon lange, aber zumindest mein subjektiver Eindruck ist, dass diese in letzter Zeit wie Pilze aus dem Boden schießen, was ein deutliches Indiz dafür ist, dass immer mehr User entsprechende Leistungen nachfragen, um sich der virtuellen Grenzziehung im Internet zu widersetzen - zumal die Verbindung via VPN legal ist, selbst wenn betroffene Webanbieter mitunter versuchen, derartige Zugriffe zu unterbinden.

So blockiert der TV-Streaming-Service Zattoo beispielsweise die IP-Adressen des VPN-Dienstes SwissVPN. Dennoch hat mir ein Konto bei dem Schweizer Anbieter im Sommer gute Dienste geleistet, da ich so in Kombination mit der iPhone-Applikation von BlickTV die WM-Spiele auf meinem iPhone und iPad streamen konnte (hier in Schweden gibt es keine entsprechende TV-App).

Häufiger erwähnt wurde in der deutschen Blogwelt jüngst auch BlackVPN ( hier und hier gibt es Rabatt-Codes), das unter anderem britische und US-IPs im Angebot hat und damit Video- bzw. Musikkonsum über Hulu, Netflix oder Pandora genauso möglich macht wie Streaming über den BBC iPlayer.

Neben BlackVPN gibt es mittlerweile Dutzende ähnliche Services, wie eine Google-Suche nach "vpn services" offenbart. Für manche Nutzer von Interesse könnten auch die zwei VPN-Tools Ipredator und relakks sein, die Usern eine schwedische IP-Adresse überstülpen und somit Zugriff auf den Musikdienst Spotify (der auch über britische IPs erreichbar ist) und den Videoservice Voddler erlauben.

Dass Anbieter von Streamingdiensten auf Geoblocking setzen, ist nachvollziehbar, basieren ihre Verträge mit den Rechteinhabern doch darauf, dass das Streaming lediglich in den vereinbarten Märkten erfolgt. Würden sie dem nicht Folge leisten, wären sie vermutlich schnell ihre Rechte los. Dass es aber überhaupt zu einer Begrenzung der Onlinerechte auf bestimmte Länder kommt, ist eine Ärgernis für viele User und widerspricht der globalen Struktur des Internets.

Mit der zunehmenden Verbreitung von VPN-Services erhält der um einzelne Länder gezogene digitale Zaun jedenfalls immer mehr Löcher. Während die Anbieter die IP-Adressen auffällig gewordener VPN-Provider zwar sperren können, vermittelt allein die große Zahl solcher Dienste den Eindruck eines Kampfes gegen Windmühlen.

Der dadurch entstehende Druck auf Rechteinhaber, ihren Content global verfügbar zu machen, ist zu begrüßen. Die Globalisierung macht vor Medieninhalten nicht halt. Was bei klassischen Fernseh- und Radiosendern mit regionaler oder nationaler Beschränkung noch probemlos möglich war, erscheint im digitalen Zeitalter einfach nicht mehr zeitgemäß - und drängt User nicht nur in die Kriminalität (Stichwort illegale Downloads), sondern ist auch eine verpasste Umsatzchance.

Ein Beleg dafür: Vor zwei Wochen verhalf ich zwei Bekannten aus Deutschland zu jeweils einem halben Jahr Spotify-Premium und zahlte dafür 120 Euro, die sie mir überwiesen. Zuvor hatten sie wochenlang vergeblich versucht, die Beschränkung auf Zahlungswege aus den sieben Spotify-Ländern zu umgehen. Im Klartext: Sie wollten jeweils 60 Euro für sechs Monate Musikstreaming bei Spotify zahlen, durften dies aber nicht...

(Foto: stock.xchng)

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