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29.09.10

Genieo: Eine wirklich persönliche Empfehlungsmaschine für Nachrichten

Personalisierte Nachrichten auf Basis des eigenen Surfverhaltens und ohne, dass Daten dafür den eigenen Rechner verlassen - das verspricht Genieo. Es funktioniert richtig gut!

 

Es ist eine simple wie bestechende Idee: Ein Dienst, der auf Basis des eigenen Surfverhaltens eine dynamische, personalisierte Startseite mit aktuellen, relevanten Nachrichtenmeldungen präsentieren. Ohne öffentliche Profile, zwischengeschalteten Server oder Social-Web-Schnickschnack.

Das isrealische Startup Genieo hat einen solchen Service entwickelt. Um dem Anspruch einer die Privatsphäre berücksichtigenden persönlichen Empfehlungsmaschine gerecht zu werden, hat Genieo seinen Dienst als Desktop-Client (vorerst nur für Windows) und nicht als Webanwendung veröffentlicht: Denn so kann der Empfehlungsalgorithmus des Dienstes komplett lokal auf den Rechnern der Nutzer arbeiten. Informationen über das Surfverhalten erhalten die Macher des Tools damit nicht (im Gegensatz z.B. zu dem serverbasierten Last.fm, das im Prinzip einen ähnlichen Ansatz hat wie Genieo, nur für Musik).

Nach der Installation verschafft sich Genieo einmalig einen Überblick über die bisherige Surfhistorik aus dem Browserverlauf, um darauf aufbauend eine erste personalisierte Startseite zu erstellen. Anschließend analysiert Genieo über die im Rahmen der Installation hinterlassenen Browsererweiterungen, welche Sites besucht werden, und verfeinert auf Basis dieser Informationen die Genieo-Page mit einer stetig aktualisierten, individuellen Artikelauswahl.

Meine erste Genieo-Startseite (klicken zum Vergrößern)

Die erste mir von Genieo präsentierte Startseite enthielt eine ganze Reihe von Beiträgen, die für mich tatsächlich von großem Interesse waren. Artikel können als interessant oder nicht interessant markiert werden - ähnlich wie bei der Priority Inbox von Gmail wird das System auf diese Weise trainiert, was für bessere Empfehlungen sorgt. Jede auf der Genieo-Startseite angerissene Quelle lässt sich für immer verbannen.

Wer möchte, kann Genieo auf Smartphones auch über eine mobile Website nutzen oder einen RSS-Feed mit allen empfohlenen Beiträgen abonnieren. Dies setzt allerdings eine (sonst nicht notwendige) Registrierung sowie eine Synchronisation mit den Genieo-Servern voraus, wodurch zumindest Teile der eigenen Surfpräferenzen an Genieo geschickt werden.

Vorgestellt wurde Genieo kürzlich bei ReadWriteWeb , und wenn man den Kommentaren dort gauben darf, so liefert die App nicht nur in höchstem Maße relevanten Content, sondern scheint sogar Potenzial zu besitzen, Aufmerksamkeit von Googles RSS-Tool Google Reader zu stehlen. Mehrere Leser des Blogs berichten, wie sich Genieo für sie zur wichtigsten Informationsquelle im Netz gemausert und zum Teil den Google Reader ersetzt hat.

Ein Kommentator stellte die Frage, was geschieht, wenn die eigenen Interessen nicht in vollem Maße durch die eigene Internetnutzung reflektiert werden - beispielsweise, wenn man viel beruflich surft und wenig Zeit dafür hat, privat Websites anzusteuern. Yaron Fishman von Genieo antwortete, dass die Applikation einen "Langzeit-Interessen-Filter" besitzt, der sehr sensibel auf Elemente reagiert, die nicht häufig auftauchen, aber dennoch thematisch einen roten Faden erkennen lassen.

Genieo sorgt für erfrischende Abwechslung im umkämpften Markt für Newsreader und Empfehlungsdienste (Flipboard, paper.li, Twitter Tim.es, Rivva Social und my6sense sind einige der in diesem Sektor agierenden Services). Einerseits teillt Genieo die eigenen Surfgewohnheiten nicht mit anderen, andererseits kümmert es sich auch nicht um den Geschmack bzw. die Weisheit der Masse. Das lässt den Service sehr bodenständig und unabhängig erscheinen. Egal, wie klein oder groß das digitale Kontaktnetzwerk auch ist - für die Qualität der Genieo-Empfehlungen spielt es keine Rolle. Das einzige, was zählt, sind die eigenen Präferenzen. Mehr benötigt der isrealische Service nicht. Irgendwie eine sehr nette Abwechslung!

Link: Genieo

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