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06.04.09Leser-Kommentare

GEMA und Internet: Es fährt ein Zug nach nirgendwo..

Die Gebühren der GEMA für On-Demand-Streaming gehen an den ökonomischen Realitäten im Netz vorbei.

Geradewegs ins NichtsAnm. d. Red.: Dieser Gastbeitrag stammt von Petar Djekic. Petar Djekic beschäftigt sich als Director Marketing bei der Musikentdeckungsmaschine mufin mit allem, was das Web 2.0 an Musik hergibt. Er ist am besten über Xing erreichbar.

Dieser Artikel spiegelt die persönliche Meinung des Autors wieder und muss nicht mit der Einstellung von mufin übereinstimmen.

Der geplatzte Deal zwischen YouTube und GEMA hat wieder eine Diskussion um Musik im Netz, tragfähige Geschäftsmodelle und die Situation von Musikstartups in Deutschland angefacht. Der Zeitpunkt des Scheiterns des YouTube/GEMA-Deals ist interessant, da letzte Woche wieder einiges im Musikweb passiert ist. Nicht nur steht mit steereo ein neues Holtzbrinck-Musikstartup in Deutschland in den Startlöchern, sondern auch Google hat mit Google Music China seine 'alles-umsonst-und-legal-und-saug-oder-hör-so-viel-du-willst'-Musikplattform aus der Beta geholt. Derzeit hat die Plattform 350.000 Songs, anvisiertes Ziel sind aber 1,1 Millionen - mit voller Unterstützung der Major-Labels versteht sich. Der Chef von Warner Music Asia Lachie Rutherford kann kaum an sich halten: "I can't overestimate how important this is". Leider fehlte der Nebensatz "and I can't wait to bring this to the U.S. and European markets". Während so knapp 20% der Weltbevölkerung in den Genuss eines werbefinanzierten On-Demand-(und MP3-Download!-)Musikservices kommt, strauchelt die Musikplattform Imeem in den USA und SeeqPod hat vorsichtshalber direkt Insolvenz angemeldet.

Doch wie sieht es in Deutschland mit (On-Demand-) Musikservices aus, jetzt wo YouTubes Musikangebot vorläufig auf Eis liegt? Die Anzahl der deutschen Musikstartups ist überschaubarer als in den USA, ganz zu schweigen von denen, die auch On-Demand-Streaming ganzer Musiktitel anbieten.

Die Gebühren der GEMA sind schuld, oder etwa nicht? Ein kurzer Blick in die Gebührenordnung der GEMA für Musikangebote lässt einem in der Tat die Haare zu Berge stehen:

Für jeden per On-Demand abgerufenen Song fallen 13 Cent an, 0,1278€ um genau zu sein. 19 Cent fallen an, wenn die Einnahmen des Musikservice nicht nur aus dem Streaming der Musik stammen. Produktdiversifizierung ist als Musik-Startup in Deutschland nicht zu empfehlen.

Wer sein Kapital noch schneller verbrennen möchte, sollte einen On-Demand-Streaming-Service für Musik in Überlänge aufmachen: Wenn ein gestreamter Titel über 5 Minuten dauert, fällt für jede weitere Minute ein zusätzliches Entgelt an. Wenn selbst YouTube, beziehungsweise YouTube-Besitzer Google, bei einem Preis von einem Cent pro gestreamten Titel ins Schleudern kommt, ist es nicht verwunderlich, dass sich die deutsche Musikstartup-Landschaft weitgehend auf Radio-Modelle beschränkt. Zum Vergleich: Imeem zahlt angeblich $0,004 pro Stream in den USA. Wenn tausend Seitenabrufe mit etwa einem Euro (Tendenz fallend) im Werbemarkt abgegolten werden, braucht es kein BWL-Studium, um sich auszumalen, dass sich ein rein werbefinanzierter Musikservice nicht dauerhaft halten kann.

Die Preispolitik der GEMA lässt sich nur dadurch herleiten, dass bei der Berechnung, die aufgrund der Angabe bis vier Stellen nach dem Komma zweifelsfrei stattgefunden hat, der klassische Vertrieb physischer Tonträger zugrunde gelegt wurde. Dieses Modell geht aber an der wirtschaftlichen Realität vorbei. Genau wie die meisten Künstler heutzutage kleinere Brötchen backen müssen, so werden sich auch die Strukturen der Musikindustrie an einen generell kleineren Kuchen anpassen müssen - shift happens. Insgesamt ist die aktuelle Marktsituation einem Ökonomie-Lehrbuch entnommen. Die GEMA kann einen Monopolpreis setzen, wodurch das Angebot (Anzahl der On-Demand-Streamingangebote) aufgrund des überhöhten Preises unter der gesellschaftlich gewünschten Anzahl bleibt. Das diese besteht, zeigt nicht zuletzt die Berichterstattung über den YouTube/GEMA-Deal in der Tagesschau.

Auch wenn Verwertungsgesellschaften wie die GEMA eine wichtige Aufgabe für ihre Künstler erfüllen, sollten sie sich genau überlegen, ob sie mit der aktuellen Preispolitik nicht genau diesen einen Bärendienst erweisen. Denn die Kids wissen, wie sie Musik im Netz bekommen - mit oder ohne GEMA.

(Foto: Nesher Guy; CC-Lizenz)

Kommentare

  • Oliver Springer

    06.04.09 (17:07:21)

    Das Internetzeitalter benötigt völlig eine völlig neue Preisgestaltung. Die Lizenzgebühren müssen sich an den Einnahme-Möglichkeiten der Websites wie YouTube, die Musik auf ihren Seiten nutzen, orientieren. 13 Cent sind da sicher viel zu viel. Aber: Die Schlussfolgerung muss nicht sein, dass die GEMA bzw. die Künstler ihre Musik im Grunde verschenken müssen, weil Websites wie YouTube noch kein profitables Geschäftsmodell gefunden haben. Die im Artikel genannten $0,004 pro Stream erscheinen mir keine vernünftige Marke zu sein. Das Problem sind nicht allein die überhöhten Gebühren. Zu der Problematik gehört meiner Meinung nach auch, dass die Preise für Onlinewerbung dermaßen niedrig liegen. Würden online TKPs wie in anderen Massenmedien realisiert werden, hätte dies vielfältige positive Effekte, die Möglichkeit für gekauften / gemieteten / ... Content angemessene Preise zu zahlen, wäre nur einer davon.

  • Stefan Johne

    06.04.09 (17:31:59)

    @Oliver Wasm einst du mit: "Würden online TKPs wie in anderen Massenmedien realisiert werden, "...? Das TKP Konzept ist im Internet nur zu Vergleichszwecken zu gebrauchen. Würde man das TKP Modell wiederholen (so wie es früher mehr oder weniger auch war) könnten sich die meisten Leute die im oder um das Internet arbeiten eine Kugel geben. Die Realität sieht doch so aus, dass kaum noch TKP Preise über 3€ bezahlt werden, aber durch alternative Monetarisierungsmodelle locker TKPs von 25 bis mehreren Hundert Euro rausgeholt werden können. Ansonsten sollen die nicht so rummoschen. Von wegen Künstler müssen kleinere Brötchen backen! Glaube schon das bei 25 Mio Views auf YouTube und iTunes Affiliate Link genug hängenbleibt ;-). Künstler sollten vielleicht eher andere Monetarisierungsmodelle anstreben.

  • Petar

    06.04.09 (17:44:58)

    @Stefan: TKPs sind nur ein Beispiel, das Problem von Affiliatelinks (also einem Cost-per-Lead orientierten Modell) ist die fast nicht vorhandene Conversion. Deshalb denke ich das der Kuchen insgesamt kleiner werden wird - im Vergleich zu Umsätzen Ende der Neunziger.

  • Marcel Weiss

    06.04.09 (18:04:45)

    @Petar: Der Kuchen für die direkte Verwertung von Musik wird kleiner, für den Musikmarkt insgesamt gilt das ja nicht. Ein Problem ist doch, dass von GEMA bis hin zu den Labels und Musikern, viele noch nicht begriffen haben, dass online vermehrt indirekt mit Musik Geld verdient wird oder verdient werden muss. Ich finde es ja auch erstaunlich, dass kaum jemand zu erkennen scheint, dass YouTube-Videos und co. in erster Linie Werbung für die Musiker ist. Dass sie von deren Abspielen auch noch etwas ausgezahlt bekommen (so denn diese Aussschüttungen überhaupt bei ihnen ankommen) ist eine nette Dreingabe aber doch nichts worauf man sich ausschließlich konzentrieren sollte. Machen sie aber, GEMA (als Vertreter der Rechteinhaber) und alle anderen. Und schneiden sich damit in's eigene Fleisch, weil sie sich die Möglichkeiten kostenloser Werbung abschneiden. Wenn man das erstmal begriffen hat, setzt man die Lizenzen doch so an, dass zumindest die größten Startups durch die Zahlungen nicht in Schwierigkeiten kommen.

  • Petar

    06.04.09 (18:22:34)

    @Martin: Ein mangeldes Verständniss für die Möglichkeiten die einem das Netz bietet ist auf jeden Fall vorhanden. Kaum verwunderlich, schließlich wird seit Jahren propagiert das die Musik im Netz "geklaut" wird. Erfolgsstories wie Arctic Monkeys oder innovative Modelle wie sie NIN oder Radiohead fahren sind eher nur dem technik-affinen Künstlerpublikum bekannt.

  • Marcel Weiss

    06.04.09 (18:35:16)

    @Petar: Du meintest sicher mich und nicht Martin. ;)

  • Petar

    06.04.09 (18:43:14)

    Tatsache, das war dann wohl ein freudscher Verkommentierer ;)

  • DieterK

    06.04.09 (19:51:03)

    "Die Gebühren der GEMA sind schuld" YouTube hat bislang (viel) weniger als 0,5 Cent pro Abspielvorgang (Schätzwert) gezahlt. Wieviel Geld erhalten die Labels/Interpreten von YouTube pro Abspielvorgang? "Die Gema kann einen Monopolpreis setzen" Aber immerhin MUSS die GEMA ihr Repertoire lizenzieren (Abschlusszwang). Dagegen können die Labels frei entscheiden, ob sie ihre Rechte für On-Demand-Dienste vergeben. Und es gibt - im Unterschied zur staatlich kontrollierten GEMA - keine Instanz, die die Bedingungen der Lizenzvergabe überprüft. "Die GEMA kann einen Monopolpreis setzen, wodurch das Angebot (Anzahl der On-Demand-Streamingangebote) aufgrund des überhöhten Preises unter der gesellschaftlich gewünschten Anzahl bleibt." Wie hoch ist denn die "gesellschaftlich erwünschte Anzahl" von On-Demand-Streamingdiensten? Wer hat die ermittelt? Warum wird die Rolle der Labels ausgeblendet? Die Labels haben viel mehr Macht als die GEMA. Welches Interesse haben die Majorlabels an On-Demand-Streamingangeboten? Welche Bedingungen knüpfen die Majorlabels an die Lizenzvergabe? Google Music China: "Während so knapp 20% der Weltbevölkerung in den Genuss eines werbefinanzierten On-Demand-(und MP3-Download!-)Musikservices kommt" Wie kann man das "Monopol" der GEMA kritisieren und gleichzeitig ein gemeinsames Angebot von Google und den Musikkonzernen bejubeln? Haben unabhängige Musiker/Labels Zugang zu diesem Monopol? Falls ja, zu welchen Bedingungen? @Marcel (4): "indirekte Verwertung wird wichtiger" Richtig. Und offenbar hat die GEMA genau dies begriffen. Deshalb versucht sie ja, höhere Gebühren durchzusetzen. Die "kostenlose Werbung" (von der ohnehin nur ein kleiner Teil der Interpreten/Autoren profitiert), ist ein Nebeneffekt. Und kein Grund, kommerziellen Anbietern die Rechte unter Marktwert/kostenlos zu überlassen. Wenn kommerzielle On-Demand-Dienste nicht funktionieren, sollten die Firmen mal ihr Geschäftsmodell überprüfen, anstatt die Schuld auf die Rechteinhaber abzuwälzen. Wenn Google viel zu viel Geld für YouTube gezahlt hat, dann ist daran nicht die GEMA schuld.

  • Marcel Weiss

    06.04.09 (20:43:21)

    @DieterK: GEMA-Gebühren sind direkte Einnahmen. Song/Video wird abgespielt -> Bezahlung an GEMA -> Ausschüttung. Direkter ist nur der Verkauf von Aufnahmen. Indirekt ist beispielsweise(!): YouTubemusikvideos -> mehr Aufmerksamkeit und mehr Fans -> ausverkaufte Konzerte. Wenn die kostenlose Werbung der Musikvideos auf YouTube nur ein Nebeneffekt ist, also vernachlässigbar, dürfte es die Labels und Musiker ja nicht schmerzen, wenn ihre Videos von dort verschwinden. Sollten wirklich einige so denken, werden sie ihre Meinung diesbezüglich bald ändern.

  • wolfgang

    07.04.09 (00:11:06)

    wenn ich in solchen dikussionen noch einmal die namen arctic monkeys, nin, radio head und clap your hands say yeah lese, werde ich das internet abschalten:) wie wärs mal mit neuen beispielen? oh - die gibts nicht...?

  • Marcel Weiss

    07.04.09 (00:20:47)

    @wolfgang: Bitte sehr.

  • Daniel Niklaus

    07.04.09 (00:45:31)

    Aha Marcel die Komponisten und Textdichter treten dann auch am Konzert mit auf. Bestimmt wird sich auch Courtney schon bald deiner Meinung anschliessen, wenn Youtube keine Nirvana Songs mehr spielt und kein Schwein die Nirvana Konzerte mehr besucht. (ja, nirvana ist nicht aus D, aber daran kann man es besser verdeutlichen)

  • Marcel Weiss

    07.04.09 (01:11:06)

    Daniel, Deine Sichtweise in Ehren, aber Du suchst wirklich die immer für Dich unvorteilhaftesten Beispiele heraus. Warum ist es gesellschaftlich wünschenswert, dass Courtney Love an der Tatsache verdient, dass ihr verstorbener Mann vor 15+ Jahren Lieder geschrieben hat? Warum ist es generell gesellschaftlich wünschenswert, dass nach dem Tod der Urheber, Rechteinhaber weiter an den Werken verdienen, ohne einen Mehrwert zu schaffen? Wo ist hier die Anreizgrundlage, die ursprünglich der Grund für das Einführen von Urheberrecht und Copyright war? Davon abgesehen habe ich das tatsächlich aus der Sicht der noch lebenden Musiker gesehen, hast mich erwischt. Man sollte die Grundlage des Urheberrechts nicht so wörtlich nehmen, meine Schuld. In der GEMA dürften allerdings (noch) mehr lebende Künstler sein, als Rechteverwerter von Material von Toten. Von daher.. Davon abgesehen ist deine Prämisse bei der Frage nach den Komponisten und Textdichtern die, dass bei weiter Verbreitung und indirekten Einnahmen immer weniger abfällt als beim Ausquetschen und Zerstören der Musikstartups. Das sehe ich anders. Der auftretende Künstler kann, entsprechend hohe Einkünfte vorausgesetzt, die Komponisten bezahlen. Ob die Bezahlung aus Tonträgern, Lizenzen, Konzerteinnahmen oder anderen Einnahmen kommt, ist eine Detailfrage. Btw. habe ich das Ausrufezeichen nicht ohne Grund hinter "beispielsweise" gesetzt. Da Du hier immer kommentierst, wenn es um Musik im Netz geht, weißt Du sicher, dass ich Konzerte immer nur als _einen_ von vielen Wegen beschrieben habe.

  • Daniel Niklaus

    07.04.09 (01:37:27)

    Suche ich mir wirklich immer die unvorteilhaftesten Beispiele heraus oder zeige ich dir auf, dass du die Realität ausblendest? Natürlich kannst du verlangen, das tote Künstler kein Geld mehr erhalten sollen. Aber das hat dann nichts, aber auch gar nichts mehr mit dem Internet zu tun. Das ist eine ganz andere Baustelle. Du darfst dabei gleichzeitig das gesamte Erbrecht infrage stellen. Denn warum sollte ein Urheberrecht beim Tod verfallen, während eine Aktie ganz normal weitervererbt werden kann? Sicher hast du auch auf folgende Frage eine Antwort, wie stellst du sicher, dass die auftretende Künstler dem Komponisten und den Textern auch wirklich Geld abgeben? Machst du da neue Gesetze oder sind die Komponisten und Texter auf gütige Musiker angewiesen? Wie schon öfters gesagt, ich bin wie du für Änderungen im System. Bei vielen sind wir wahrscheinlich nicht einmal so weit weg, aber sie sollten schon etwas durchdacht sein.

  • Marcel Weiss

    07.04.09 (02:02:20)

    Du argumentierst immer, dass es gesellschaftlich notwendig ist, dass das Urheberrecht so ist wie es ist und dass die Musiker so bezahlt werden, wie sie bezahlt werden und kommst dann mit solchen Beispielen, das finde ich einfach lustig. :) Der Vergleich mit dem Erbrecht und der Aktie hinkt. Du nimmst den Begriff des geistigen Eigentums zu wörtlich. Es ist eine rechtliche Erfindung, um Anreize zum Erschaffen von Musik etc. zu schaffen. Was genau spricht dagegen, diesen rechtlichen Schutz mit dem Tod des Urhebers auslaufen zu lassen? Er kann ja tot schlecht weitere Werke erschaffen. "Natürlich kannst du verlangen, das tote Künstler kein Geld mehr erhalten sollen." Ja, ich bin eindeutig dagegen, Geld an Leichname auszuzahlen. "Sicher hast du auch auf folgende Frage eine Antwort, wie stellst du sicher, dass die auftretende Künstler dem Komponisten und den Textern auch wirklich Geld abgeben? Machst du da neue Gesetze oder sind die Komponisten und Texter auf gütige Musiker angewiesen?" Ernsthaft? Hast Du schonmal von der Erfindung des Vertrags gehört?

  • Daniel Niklaus

    07.04.09 (05:54:06)

    Marcel, ich glaube nicht, dass wir beide auf einen grünen Zweig kommen. Dafür bist du zu weit von der Realität entfernt. Du nimmst den Begriff des geistigen Eigentums zu wörtlich. Es ist egal, wie ich den Begriff nehme. Entscheidend ist, wie er von der Gesellschaft genommen wird und wie er heute vom Rechtsstandpunkt umgesetzt wird. Ich bin zuwenig Autorität, um dir dies begreiflich zu machen. Nutz doch deine "Journalisten-Position" und sprich mal mit einem Till Kreutzer. Nicht als Marcel Weiss der "ich weiss wie die Welt funktioniert", sondern als Marcel Weiss "ich möchte gerne verstehen, wie das aktuelle Recht funktioniert". Öffne deine Gedankenwelt und erweitere deinen Horizont. Wenn du verstehst, wie es aktuell funktioniert, kannst du immer noch auf deine alten Ziele zurück kommen. Dann wirst du aber auch in der Sache mit Substanz argumentieren.

  • Petar

    07.04.09 (09:50:42)

    @DieterK "Wenn kommerzielle On-Demand-Dienste nicht funktionieren, sollten die Firmen mal ihr Geschäftsmodell überprüfen, anstatt die Schuld auf die Rechteinhaber abzuwälzen. Wenn Google viel zu viel Geld für YouTube gezahlt hat, dann ist daran nicht die GEMA schuld." Klar lässt sich so argumentieren, aber das ist genau das Problem. Es besteht Bedarf an solchen Services wie YouTube (aka On-Demand Streaming), und wenn diese Services aus wirtschaftlichen Gründen nicht legal angeboten werden, werden die Nutzer auf andere Quellen ausweichen. Bei diesen illegalen Services sehen die Rechteinhaber dann keinen Cent, ob das für die betroffenen Künstler besser ist? Genau wie bei DRM wird hier auf einem toten Pferd geritten bis es nicht mehr kann anstatt rechtzeitig Lizensierungsmodelle und -preise auf das digitale Zeitalter anzupassen.

  • DieterK

    08.04.09 (12:46:26)

    @Peter (17) "Bei diesen illegalen Services sehen die Rechteinhaber dann keinen Cent, ob das für die betroffenen Künstler besser ist?" Laut Marcel bleibt ja dann immer noch der Werbeeffekt :) 15 Prozent der Einnahmen von On-Demand-Diensten für die Urheber (in Deutschland vertreten durch die GEMA) erscheint mir nicht als zu teuer. Warum sagst Du nichts zur Lizenzierungspraxis der Labels: Wieviel verlangen die Labels für die Lizenzierung ihrer Rechte? Welche Bedingungen werden an die Lizenzvergabe geknüpft? Welche Auswirkungen ergeben daraus, dass UMG & Co. Anteile an den neuen Dienstleistern fordern und erhalten? Falls ein "gesellschaftlicher Bedarf" für On-Demand-Dienste besteht, dann nur für Dienste, die allen Künstlern gleiche Chancen bieten - und nicht für konzerneigene PR-Kanäle, über die die Musikindustrie ihre Prioritäts-Produkte in den Markt drücken kann.

  • Petar

    08.04.09 (17:24:28)

    @DieterK (18) Bzgl. Labels: Die Lizensierungspraxis der Labels ist ziemlich verworren :) Im Gegensatz zur GEMA gibt es hier kein einheitliches Preismodell, die Independents sind aber deutlich flexibler als die Majors - sowohl preislich als auch was sonstige Modalitäten angeht. Ein Grund warum es z.B. bei eMusic, die überwiegend Independents anbieten, schon immer MP3s ohne Kopierschutz gab. Im Gegensatz zu Saturn&Co hat jeder Künstler die Chance in die großen Digitalstores wie iTunes zu kommen. Hierzu gibt es spezielle Services wie TuneCore. Natürlich kann auch jeder seine Musik bei YouTube hochladen. ;)

  • Wolfgang Senges

    09.04.09 (00:03:21)

    @wolfgang (10): Weiteres Beispiel dafür, dass Werbeaktionen weiter reichen als Labels denken: Amanda Palmer's Twitter-Aktion (offenbar kennt der "Head of Digital Media" ihres Labels Twitter nicht... spricht für die Kompetenz der Labels). Patrick Wolf finanziert sein 4. Album "The Bachelor" durch Investitionen seiner Fans sowie kommerzieller Investoren via Bandstock. Letzteres Beispiel ist noch in der Mache. Um eine (noch) unbekannte Band zu nennen: Georgia Wonder aus UK. Durch diverse (eigengesteuerte, kein Label-Marketing) Online-Aktionen ist alleine ihre "Hello Stranger EP" gepusht worden; mittlerweile gab's nach guten Online-Verkäufen (die Tracks waren teilweise gleichzeitig kostenfrei UND gegen Geld zu haben) einen ersten Award. Würde ich gerne mit einem Link belegen, aber derzeit ist offensichtlich ihr CMS platt. Julian von Georgia Wonder ist übrigens häufiger in den Kommentaren bei Andrew Dubber's NewMusicStrategies anzutreffen. Zur GEMA: Es ist schon bemerkenswert, wie nun - bei Aufkommen von Alternativen wie CC oder der Lizenz Freie Kunst plötzlich Strategien mit juristischem Rückhalt ausgegraben werden, die doch sehr zweifelhaft sind. Siehe "GEMA-Vermutung". Ist schon haarsträubend - Bearbeitungsgebühren für das Spielen eigener Songs, die nicht von der GEMA verwertet werden.

  • Wolfgang Senges

    09.04.09 (00:08:07)

    Zu meinem Kommentar: Der korrekte Link bei Bandstocks lautet http://www.bandstocks.com/...

  • Johann Dirschl

    09.04.09 (02:14:26)

    Die GEMA ist nur Deutschland! Also kann das im Internet nicht funktionieren. Eigentlich warte ich nur darauf, dass die GEMA insolvent wird, was aber nicht passieren kann, solange sie einen Teil der Einnahmen zum erhalt Ihrerselbst einbehällt. Die einzige Möglichkeit das zu schaffen ist, die GEMA Musiker von Creative commons zu überzeugen. Mit der Sperrung aller GEMA Titel bei YouTube wäre ein wichtiger Schritt erreicht. Ich finde das als CC Musiker super :-) Mach mit, höre GEMA freie Musik. Und das schöne, sie ist umsonst und läuft nicht jeden Tag 1000 mal im Radio. Super wäre eine direkte Zusammenarbeit von Jamendo und YouTube.

  • Stefan Nowicki

    14.04.09 (08:38:35)

    Die Gema ist eine Institution, die sich seit Urzeiten mit undurchsichtigen Abrechnungsmodi und Bestimmungen bereichert. Eine tolle Initiative mit einer Pedition an den deutschen Bundestag zur Erneuerung der Gema ist dabei etwas zu ändern. Unter www.kult-werk.de findet man nicht nur weitere Informationen, sondern auch sehr viele erstaunliche Berichte über die Machenschaften der "Firma".

  • Lucien

    03.05.09 (21:27:30)

    Finde den Artikel ziemlich gut, die GEMA wird zu Recht kritisiert, diese tut wirklich niemandem einen Gefallen mit solchen Mondpreisen. Wichtig finde ich aber auch den letzten Satz, denn die GEMA ist tatsächlich wichtig für die Musiker und einseitiges GEMA-Bashing hilft da auch nicht. @Marcel: ich muss gestehen, Deine Meinung zum Thema Musik und Netz und die einiger anderer Leute überzeugt mich auch immer mehr, aber ich wünschte, dass Du anderen Argumenten ein bisschen mehr Bedeutung beimisst und vielleicht auch mal ein "hm, da ist was dran, da muss ich nochmal drüber nachdenken" loslässt. Das bringt Respekt! Daniel z.B. hat doch einen Punkt mit dem Erbrecht-Vergleich. Schließlich ist auch das Vererben eines Hauses oder von Geld nichts anderes als ein Anreiz, etwas zu schaffen (von dem dann auch die Familie nach dem Tod profitiert). Und: Die GEMA wurde nicht einfach so geschaffen, sondern eben darum, weil es dem einzelnen Komponisten/Textdichter unmöglich ist, seine Rechte durchzusetzen, gerade bei Live-Aufführungen! Vergiss Verträge! Nur ein Beispiel: Eine der wichtigsten Aufgaben des Tourmanagers besteht darin, beim Konzert an der Kasse zu sitzen und dem Kassierer über die Schulter zu schauen, da so gut wie jeder Veranstalter versucht, zu bescheissen (sofern ein Prozente-Deal vereinbart wurde, was sehr häufig vorkommt)! That's the business. Der Komponist sieht ohne GEMA bei Live-Aufführungen keinen müden Cent, genau deshalb gibt es Verwertungsgesellschaften. Das heißt natürlich nicht, dass die in anderen Bereichen wie nun bei youtube so lächerlich agieren sollten.

  • j

    11.05.09 (14:11:10)

    @ Daniel 15% an den Einnahmen wären vl noch i.O. Allerdings hast du dann ja noch das Problem: Einnahme pro Titel: < 1 cent MINDESTabgabe an Gema: 12 cent Es gibt wohl nicht viele Möglichkeiten, dass die 15% die 12 cent überwiegen. Thema: Geschäftsmodell überdenken. Wieso? Es würde ja mit Masse funktionieren. Dann hätte auch der Künstler ordentlich was davon. Bspw. 15% von ganz viel ;) Durch die 12cent wird das Angebot aber nicht umgesetzt, bzw. illegal umschifft und der Künstler sieht gar nix ;) Die Realität aus Sicht des Künstlers sieht einfach so aus: Umstellung von teureCD/wenigKunden auf günstiger/mehr und man verdient wie früher gut daran ODER Durch "teuer" die modernen Konzepte blockieren und nachweislich weniger bis gar nichts verdienen. Wie kann man sich da bitte nicht entscheiden können? ;)

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