<< Themensammlung Netzwertig

Unter netzwertig veröffentlichen wir in unserem Blog Einschätzungen zu aktuellen digitalen Geschäftsmodellen und IT-Trends, Meldungen, Analysen, Reviews und Specials.

24.01.11Leser-Kommentare

GEMA feiert Lizenzabkommen mit Omnifone: Jetzt ist Spotify am Zug

Die GEMA hat mit dem britischen Anbieter von On-Demand-Lösungen für Musikstreaming Omnifone einen "richtungsweisenden" Lizenzvertrag für Deutschland abgeschlossen. Spotify muss sich nun fragen, wie sehr es an einem Deutschlandstart interessiert ist.

 

Der schwedische Musikdienst Spotify hat eine besondere Eigenschaft: Wer ihn einmal auf dem Rechner oder Smartphone von Freunden in Aktion erlebt hat, den lässt der Wunsch nach einem Konto nicht mehr los: Zu überzeugend ist der Service darin, seinem cloudbasierten Streamingangebot den Anschein zu geben, sämtliche über den Desktop-Client (oder die in der kostenpflichtigen Premium-Version enthaltenen mobilen Apps) abgespielten Titel befänden sich lokal auf der Festplatte.

Wer jedoch nicht in einem der sieben bisher von Spotify angegangenen Länder (Schweden, Norwegen, Finnland, Großbritannien, Frankreich, Spanien, Niederlande) lebt, der kann offiziell nicht auf den Dienst zugreifen (inoffiziell gibt es Wege). Da Spotify seinen Service auf ein solides legales Fundament stellen will, muss es in jedem Land aufs neue Lizenzvereinbarungen mit den Rechteinhabern und/oder nationalen Verwertungsgesellschaften abschließen.

In Deutschland ist dies bisher nicht erfolgt. Eine Hauptursache dafür ist, dass sich Spotify nicht mit der hiesigen Musik-Verwertungsgesellschaft GEMA auf ein Lizenzmodell einigen konnte. Während die Details zu den Verhandlungspositionen rar gesät sind, ist es ein offenes Geheimnis, dass Spotify sich bisher weigert, Lizenzgebühren pro gestreamtem Titel und User an die GEMA abzuführen.

Aus Sicht des Stockholmer Startups (das mittlerweile große Teile seines Geschäfts aus London steuert) wäre dieses Modell kaum vereinbar mit Spotifys Freemium-Ansatz, bei dem etwa 750.000 der über zehn Millionen Nutzer für einen Premium-Zugang zahlen. Für diesen werden zwischen fünf und zehn Euro pro Monat fällig. Stattdessen schlug Spotify der GEMA eine pauschale monatliche Lizenzabgabe vor, was von der deutschen Verwertungsgesellschaft abgelehnt wurde.

simfy, ein Spotify ähnlicher On-Demand-Dienst für kostenloses Musikstreaming aus Köln, hat im Gegensatz zu Spotify die Vergütungsstruktur der GEMA akzeptiert, weshalb simfy in Deutschland anbieten kann, was Spotify bisher verwehrt blieb (seit einigen Monaten ist simfy auch in der Schweiz verfügbar).

Eine aktuelle Nachricht von der Lizensierungsfront lässt nun aber hoffen, dass frischer Wind in die Verhandlungen zwischen Spotify und der GEMA kommt: Die Verwertungsgesellschaft gab am Wochenende den Abschluss eines Lizenzvertrags mit dem britischen Anbieter von cloudbasierten Musiklösungen Omnifone bekannt.

Omnifone steht hinter den On-Demand-Marken verschiedener Mobilfunkprovider und Elektronikhersteller und bekommt durch den Segen der GEMA grünes Licht, um Sonys über verschiedene netzwerkfähige Systeme des japanischen Herstellers (PlayStation 3, Blu-ray, VAIO-Notebooks) angebotenen Abo-Dienst Qriocity in Deutschland zu launchen.

Die GEMA bezeichnet den Lizenzvertrag mit Omnifone in ihrer Pressemitteilung als "richtungsweisend". Er sei "der erste Lizenzvertrag für einen umfassenden Musik-Abonnementdienst in Deutschland". Auf Nachfrage erklärte uns eine GEMA-Sprecherin, dass der Unterschied zur Vereinbarung mit simfy (oder Napster) in der stark plattformübergreifenden Natur des Omnifone-Angebots liege. Zudem gilt das Abkommen für zukünftige, durch Omnifone in Deutschland betriebene Streamingdienste. Auch HP, Sony Ericsson, Vodafone und Hutchison sind Partner des britischen Unternehmens.

Während die GEMA auf Anfrage keine Einzelheiten zu den Modalitäten des Lizenzvertrags mit Omnifone machen wollte, signalisiert der Deal, dass cloudbasierte, plattformübergreifende Abodienste in nächster Zeit verstärkt in Deutschland auftauchen werden. Mit simfy, Napster (das allerdings nur vom Rechner und einigen MP3-Playern aus genutzt werden kann) sowie Omnifone haben mittlerweile mindestens drei Anbieter die Genehmigung der GEMA, entsprechende Leistungen bereitzustellen.

Für Spotify bedeutet dies, dass auf einem der größten Musikmärkte der Welt Konkurrenten den Kuchen unter sich aufteilen. Indem mit Omnifone ein global ausgerichteter Wettbewerber mit zahlreichen internationalen Kooperationen dabei mitmischt (auch Spotify versucht, seine Reichweite über Hardware-Partnerschaften zu erweitern), bekommt die Frage nach dem Deutschlandlaunch für Spotify eine neue Dringlichkeit. Je nach dem, welche strategische Bedeutung der hiesige Markt für Spotify hat, könnte dies den Musikdienst am Verhandlungstisch mit der GEMA zu mehr Kompromissbereitschaft zwingen.

Die GEMA erklärt sich prinzipiell offen für Gespräche mit Spotify: "Von unserer Seite aus war diese Tür nie zu", ließ uns eine Sprecherin wissen.

Kommentare

  • Andreas

    24.01.11 (16:08:17)

    "simfy, ein Spotify ähnlicher On-Demand-Dienst für kostenloses Musikstreaming aus Köln, hat im Gegensatz zu Spotify die Vergütungsstruktur der GEMA akzeptiert, weshalb simfy in Deutschland anbieten kann, was Spotify bisher verwehrt blieb". Woher wollt ihr wissen, das simfy statt der nicht kalkulierbaren übertriebenen "Vergütungsstruktur", die man Spotify auf's Auge drücken wollte, nicht einen speziellen DE-Pauschal-Deal mit der GEMA ausgehandelt hat? Und nur deshalb im Gegensatz zu Spotify hier in Deutschland mit seinem erweiterten Streaming-Service starten konnte?

  • Martin Weigert

    24.01.11 (16:12:24)

    Von der GEMA erhielten wir folgendes Zitat: Wir haben mit Simfy im Jahr 2008 eine Pilotvereinbarung abgeschlossen. Simfy hat sich grundsätzlich mit der von uns vorgeschlagenen Vergütungsstruktur einverstanden erklärt, Spotify lehnt diese ab. Würde sich Spotify auch auf unsere Vergütungsstruktur einlassen, könnten wir ihnen ebenfalls eine Pilotvereinbarung anbieten.

  • Andreas

    24.01.11 (16:38:22)

    Naja, das könnte man zwischen den Zeilen aber eventuell auch so lesen: "Wir haben mit Simfy im Jahr 2008 eine Pilotvereinbarung abgeschlossen. Simfy hat sich grundsätzlich mit der von uns vorgeschlagenen SIMFY-Vergütungsstruktur einverstanden erklärt, Spotify lehnt diese ab. Würde sich Spotify auch auf unsere SPOTIFY-Vergütungsstruktur einlassen, könnten wir ihnen ebenfalls eine Pilotvereinbarung anbieten." Was da genau hinter den Kulissen gelaufen ist, geht aus diesen paar Zeilen leider überhaupt nicht hervor. Just my 2 cents... ;)

  • Jan

    25.01.11 (10:38:23)

    @Andreas: Ja, möglicherweise sind zwischendurch auch Aliens gelandet, nur kann man das aus den paar Zeilen natürlich nicht herauslesen ;-) Ich weiß ja, dass die GEMA generell böse und doof ist. Eventuell ist Spotify aber auch einfach zu geizig oder Simfy hat einfach mehr Geld, um im deutschen Markt Fuß zu fassen und sich deshalb darauf eingelassen. So ist das eben mit Konkurrenz.

  • GS

    25.01.11 (14:52:23)

    Ein Wunder das die GEMA es überhaupt zu Stande bringt für beide Seiten annehmbare Lizenzverträge zu gestalten. Bisher war das ja immer in die Richtung pro Gema gegen alle. Ich hoffe da kommt viel Bewegung in diesen Markt. Die Kosten müssen runter um Bezahlangebote im Vergleich zu last.fm und co. konkurrenzfähig zu machen. Ich nutze last.fm mit einer Mobile-Flat und habe so überall Zugriff auf meine "Musik". Wenn ich mal einen bestimmten Titel hören möchte - Das meiste habe ich ohnehin auf CD und LPs im Regal und dafür bin ich auch weiterhin bereit Geld zu bezahlen. Für einen Streaming Dienst nur sehr bedingt...

  • Uli

    23.09.11 (12:58:47)

    Nach einem Jahr in Schweden bin ich nun zurück in Deutschland und nvermisse Spotify schmerzlich. In typisch kleindeutscher Manier hat die GEMA m.E. einfach nicht verstanden, welceh Chance in dem Spotify Modell steckt: durch das Freemium Angebot von Spotify wird der Gesamtkonsum von Musik stark erhöht. Ich persönlich habe nie so viel Musik gehört, wie in dem letzten Jahr, denn der Zugang zur Musik wurde revolutionär einfach. Ich meine dabei nicht den Zugang zu irgendwelchen Songs, sondern zu genau denen, die ich gerne hören will - aber vielleicht noch gar nicht kannte, oder in meiner CD / MP3 Sammlung immer wieder übersehe. Die sozialen Funktionen sind super: gemeinsame Playlists mit der gesamten Abteilung auf der Arbeit zu bestimmten Themen erstellen ist z.B. ein Riesenspaß. Playlists von Freunden einzusehen und abzurufen, deren Musikgschmack man schätzt; usw. Solange Spotify für jeden geworbenen Interessenten eine Strafe an die GEMA bezahlen muss, können sie ihr Modell nicht finanzieren. Die GEMA würde den von ihr vertretenen Künstlern sicherlich einen Gefallen tun, wenn sie Spotify in einem Modell mit Gebühren belegen würde, das sich an den erzielten Einnahmen orientiert. Dadurch behält Spotify die Motivation, neue Kunden zu gewinnen und möglichst vielen Menschen Musik zugänglich zu machen.

  • Andreas

    23.09.11 (14:17:34)

    Ich würde es auch begrüßen, wenn Spotify endlich auch in DE offiziell Fuß fassen könnte, aber die GEMA gibt ihre Position (bzw. Blockadehaltung) der Abgabe per Stream statt per User nicht auf. Vielleicht bringt die neue Facebook Integration hier ja ein Vorankommen. Bis dahin oder als Alternative kannst du simfy hier in DE verwenden, die sind sehr ähnlich aufgestellt wie Spotify.

  • Uli

    23.09.11 (14:52:54)

    Simfy ist für mich keine ALternative, denn ich möchte mein soziales Musik-Netzwerk mit meinen schwedischen Kollegen nicht aufgeben. Gleichzeitig möchte ich auch Simfy nicht unterstützen, die ihren Dienst augenscheinlich bei Spotify abgekupfert haben.

Diesen Beitrag kommentieren:

Die Kommentare können nur zwischen 9 und 16 Uhr
freigeschaltet werden. Wir bitten um Verständnis.

Um Spam zu vermeiden, schreiben Sie bitte die Buchstaben aus diesem Bild in das nebenstehende Formularfeld:

Das könnte Sie auch interessieren

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer