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19.06.14

Geldtransfers zwischen Smartphone-Nutzern: Cringle hofft auf den "WhatsApp-Effekt"

Cringle entwickelt eine Smartphone-App, mit deren Hilfe Anwender per Handynummer Geld an Freunde und Bekannten senden können. Das Berliner Startup ist nicht der erste Dienst mit diesem Ziel. Doch bislang ist es keinem Anbieter gelungen, das Henne-Ei-Problem zu lösen.

CringleIch behaupte, dass sich jeden Tag mindestens einige zehntausend Menschen allein in Deutschland eine komfortablen, einfache Lösung wünschen, um innerhalb weniger Sekunden Geldbeträge an andere Personen zu überweisen. In einer zunehmend bargeldlosen Gesellschaft gewinnt die Möglichkeit, sogenannte Peer-to-Peer-Payments mit dem Smartphone durchführen zu können, ohne dabei auf die meist umständlichen Überweisungsprozesse von Banking-Apps zurückgreifen zu müssen, stetig an Attraktivität. Doch bisher hat kein Startup oder etablierter Anbieter es geschafft, mit einem entsprechenden Dienst eine kritische Masse und damit einen praxistauglichen Status zu erreichen. Trotz zahlreicher Versuche (siehe Spalte "P2P"). Mit Cringle aus Berlin versucht nun abermals ein junges Unternehmen, mit einer mobilen App zum blitzschnellen Geldtransfer eine so große Reichweite zu erzielen, das etwas eintritt, was Cringle-Mitgründer Malte Klussmann als "WhatsApp-Effekt" bezeichnet: Eine Situation, in der alle Personen im Freundes- und Bekanntenkreis Cringle nutzen, um in unterschiedlichsten Lebenslagen kleinere Geldbeträge zu versenden.

Cringles Rezept, um an diesen Punkt zu gelangen, besteht aus mehreren Zutaten: Zum einen wird für einen Geldtransfer neben der Cringle-App lediglich die Handynummer des Empfängers benötigt. Nachdem man einmal die persönlichen Kontodaten bei Cringle hinterlegt hat, kann man fortan Geld versenden oder in Empfang nehmen. Cringle übernimmt dabei die Rolle eines Mittlers, der im Hintergrund eine SEPA-Lastschriftüberweisung in die Wege leitet.

Weiterhin hofft das Startup, durch geplante Kooperationen mit Banken den notwendigen Vertrauensvorschuss zu erhalten, um bei Nutzern eventuelle Zweifel über Sicherheit und Zuverlässigkeit frühzeitig aus dem Weg zu räumen. Eine virale Komponente soll zudem bei der Verbreitung der App helfen: Auch Nutzer, die nicht bei Cringle registriert sind, können in der App als Geldempfänger ausgewählt werden. Sie erhalten dann eine SMS mit Instruktionen zum Download von Cringle.

Noch befindet sich in Cringle im geschlossenen Beta-Test, der Launch ist für die nächsten Monate angesetzt. "Im FinTech-Bereich gibt es kein Minimum Viable Product", beschreibt Malte Klussmann die Ambition und Notwendigkeit im Segment der Finanztechnologie, von Beginn an eine rundum gelungene, mit allen benötigen Merkmalen ausgestattete Anwendung zu präsentieren. Cringles Kernmarkt wird anfänglich Deutschland sein, grundsätzlich aber kann Cringle mit allen Bankkonten des SEPA-Raumes genutzt werden.

Finanziert wird Cringle, das unter dem Dach des Startup Inkubators der Technischen Universität Berlin entsteht, durch das EXIST Gründerstipendium. Mit weiterem Kapitalbedarf ist zu rechen, auch weil sich die Hauptstädter nach dem Debüt auf das Nutzerwachstum konzentrieren wollen. Auf mittlere bis lange Sicht sind Transaktiongebühren vorgesehen. Dazu muss die App aber erst einmal auf Millionen Smartphones installiert sein.

Cringle liefert - wie einige andere ähnliche Dienste auch, etwa Steep (ehemals Paymy) oder Payfriendz - einen handfesten Problemlöser. Doch auch Klussmann und seine drei Mitstreiter stehen vor dem Henne-Ei-Problem. Dies zu lösen, und dabei Giganten wie PayPal (das für eine vom Orignalprodukt "entbündelte" P2P-App prädestiniert wäre) und Facebook zuvorzukommen, ist ihre größte Herausforderung. /mw

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