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25.05.12

Garantieunterlagen und Kassenzettel digitalisieren: Reposito und garanbo geben Lageberichte

Die zwei deutschen Onlinedienste Reposito und garanbo erlauben es Verbrauchern, Kassenzettel und Garantieunterlagen in eingescannter Form online zu verwalten. Jetzt verraten beide Zahlen.

Wie jüngst in diesem Beitrag zusammengefasst, versucht eine wachsende Zahl an Startups aus Deutschland, das private und berufliche Büro zu digitalisieren und das Papier aus unserem Alltag zu verbannen. Zwei junge Webangebote hatte ich in dem Artikel aufgrund ihrer speziellen Fokussierung auf einen Aspekt digitaler Dokumente nicht erwähnt, gewisserweise gehören sie jedoch auch zur derzeit emporstrebenden Gattung von Startups, die Papierdokumente zur Archivierung und Verwaltung in digitale Form bringen wollen.

Die Rede ist von Reposito und garanbo, zwei Onlineangebote aus Deutschland, die Konsumenten dabei helfen, ihre Kassenzettel und Garantieunterlagen sicher aufzubewahren und einfach wiederzufinden. Im Sommer vergangenen Jahres hatten wir beide Services kurz vorgestellt. Über mobile Apps fotografieren Anwender ihre Kaufbelege und Garantiezettel, ergänzen diese mit den wichtigsten Angaben zu den angeschafften Produkten und zeigen Quittungen auf ihrem Smartphone beim Händler vor, sofern sie eine Garantie in Anspruch nehmen wollen. Zwar sind sie dabei auch immer ein wenig auf das Entgegenkommen der Geschäfte angewiesen, aber ein von den Reposito-Machern in Auftrag gegebenes Rechtsgutachten kam immerhin zu dem Schluss, dass digitalisierte Kassenzettel zur Inanspruchnahme von Gewährleistung oder Garantie rechtsgültig sind.

Reposito mit frischem Geld und 120.000 App-Downloads

Von beiden Unternehmen hörten wir in diesen Tagen Neues und einige Zahlen zur Entwicklung der Angebote. So gab Reposito nach einer ersten Finanzierungsrunde im mittleren sechsstelligen Bereich im Juli vergangenen Jahres gestern eine erneute Kapitalspritze bekannt: Mehrere Business Angels versorgen das 2011 von Philipp Hartmann und Adrian Runte gegründete Startup aus Karlsruhe mit frischem Geld , der Betrag wurde jedoch nicht genannt. Nebenbei lieferte die Pressemitteilung einige Details zur Verbreitung von Reposito: 120.000 Mal wurde die mittlerweile für iPhone und Android angebotene kostenlose App bisher heruntergeladen, über 400.000 Kassenzettel haben Anwender über diese mittlerweile digital gesichert. Seit einiger Zeit kann auf die Funktionen von Reposito auch über eine Weboberfläche zugegriffen werden. Neben dem Herzstück der Verwaltung von Kassenzetteln bietet Reposito eine Reihe verwandter Features wie mehr als eine Million Handbücher und Bedienungsanleitungen sowie einen Benachrichtigungsdienst über Produktrückrufe. Zum Umsatz macht das Startup bisher keine Angaben. Die Monetarisierung erfolgt über den Verkauf von Garantieverlängerungen und Schutzbriefen.

garanbo ist der kleinere Konkurrent

garanbo ist trotz eines früheren Starts bereits im Januar 2010 und eines zu Beginn größeren Funktionsumfanges der kleinere der zwei Dienste. Zwar bietet das vom Radolfzeller IT-Beratungshaus Sybit lancierte Angebote ebenfalls Gratis-Apps für iPhone und Android, hebt aber seit jeher die Webkomponente stark hervor, während diese Reposito zu Anfang komplett fehlte. 4.000 Mal wurde die garanbo-App bisher von Nutzern installiert. 35.000 Seitenaufrufe verzeichnete die Website im April 2012. Die Zahl aktiver Anwender gibt das garanbo-Team mit 5.000 an, diese haben durchschnittlich drei Produkte eingetragen. Ähnlich wie Reposito bietet auch garanbo eine Funktion, um vor Ablauf der Garantie oder bei Produktrückrufen benachrichtigt zu werden. Auf der Roadmap stehen der Launch einer Universal-App für iPhone und iPad, eine Erweiterung der Android-Applikation sowie Kooperationen zur Verlängerung von Garantien.

Wie groß ist die Zielgruppe wirklich?

Als ich mir beide Anbieter erstmals anschaute, konnte ich mich gegen das Aufkommen einer gewissen Skepsis nicht wehren. Sicherlich sind Reposito und garanbo für manche gut organisierten, strukturierten Vielkäufer interessant. Doch wie groß ist deren Zahl wirklich? Ist nicht für das digitale Aufbewahren von Kassenzetteln eine gewisse Affinität für den Online-Lifestyle erforderlich, die automatisch zu verstärkten Einkäufen im Netz statt im stationären Handel führt? Wer Bestellbestätigung und Rechnung per Mail erhält, hat deutlich weniger Anreize, Reposit und Garanbo zu verwenden. Hinzukommt die enorme Konkurrenz durch die zahlreichen anderen Dienste zur Verwaltung von Dokumenten sowie einschlägige Cloudspeicherangebote. Denen fehlen zwar die optimierten Features zum smarten Archivieren und Wiederfinden von Kassenzetteln, aber solange sich die Zahl gespeicherter Quittungen und Garantiezettel in Grenzen hält, sollten diese Lösungen für die meisten Verbraucher trotzdem ausreichen. Erst recht, wenn Nutzer im Durchschnitt nur eine Handvoll Produkte über die Services verwalten.

Sich in einer Nische niederzulassen, muss für Startups nicht unattraktiv sein. Doch um als Plattform für das Verwalten von Kassenzetteln und Garantieunterlagen groß rauszukommen, reicht es meines Erachtens nach nicht, Anwender lediglich das Einscannen von Quittungen aus dem Offline-Handel anzubieten. Webshops sollten nicht außen vorgelassen werden. Das Berliner Startup ItemBase bastelt gerade an einer Lösung, bei der sämtliche Unterlagen zu Transaktionen im Netz automatisch archiviert und später einfach wiedergefunden werden können. Eine Kombination aus diesem Prinzip und dem Einscannen von Kassenzetteln hätte die größte theoretische Zielgruppe. Irgendjemand wird versuchen, diese einzufangen.

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