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05.05.14Leser-Kommentare

Gäste-WLAN ohne Kopfschmerzen: sorglosinternet hebelt Störerhaftung aus

Das Berliner Startup sorglosinternet bietet Betreibern von Gäste-WLANs eine simple Lösung, um sich von den Risiken der Störerhaftung zu befreien.

sorglosinternetWer häufig für einige Tage oder Wochen in Ferien- oder Privatwohnungen Unterschlupf sucht, dem wird vielleicht schon einmal Folgendes passiert sein: Während der Vertragsunterzeichnung oder Schlüsselübergabe präsentiert der Vermieter einen zu unterschreibenden Zettel, auf dem der Mieter zustimmt, über das bereitgestellte WLAN keine illegalen Aktivitäten wie beispielsweise Filesharing urheberrechtlich geschützter Inhalte durchzuführen. Mit einer solchen Lösung versucht sich der Anschlussinhaber von den rechtlichen Folgen der berühmt-berüchtigten Störerhaftung zu befreien. Diese könnte zwar irgendwann abgeschafft werden. Noch aber sorgt sie dafür, dass das Bereitstellen eines für Dritte vorgesehenen Internetzugangs auch ein Risiko für denjenigen darstellt, der als Inhaber des Zugangs registriert ist. Dass das eben beschriebene Verfahren daran in den Augen der Gerichte viel ändert, ist zu bezweifeln. Das Berliner Startup sorglosinternet hat sich ein effektiveres System einfallen lassen. Die drei Gründer Alexander Prokop, Amadeus Scherkenbach und Wolfgang Lauterbach vertreiben mit ihrer sogenannten sorglosbox einen WLAN-Router mit aktivierter VPN-Verbindung, den Vermieter von Ferienwohnungen, Ladenbesitzer oder Gastronomen mit ihrem existierenden Router verbinden. Auf diese Weise erstellen sie ein separates Netz, das sie ihren Kunden beziehungsweise Untermietern zur Nutzung anbieten können. Der dabei aufgebaute VPN-Tunnel sorgt dafür, dass Nutzer über eine IP-Adresse von sorglosinternet anstelle der des Anschlussinhabers surfen. Abmahner erfahren somit gar nicht, wer vertragliche Ansprechpartner von Internetzugängen sind. Für diesen wiederum ändert sich nichts, da sie wie bisher über ihren eigenen Router ins Netz gehen und somit auch keine Bedenken haben müssen, ihre Daten stets über einen zusätzlichen Mittler transportieren zu lassen.

sorglosinternet

Rein technisch gesehen bietet das Trio aus der Hauptstadt nichts Weltbewegendes. Router mit voreingestelltem VPN-Tunnel existieren schon lange, etwa von blackVPN. Auch der sich als Designer-Lampe gebende WLAN-Hotspot von Airfy verspricht, Anwender per eingebautem VPN von der Störerhaftung zu befreien. Was sorglosinternet anders und zumindest mit Blick auf das beschriebene Einsatzszenario besser macht, ist die "Verpackung" des Produkts: Anstatt eine eierlegende Wollmilchsau zu verkaufen, fokussiert sich das Startup auf einen konkreten Use Case, und richtet die gesamte Präsentation auf diesen aus.

Händler, Restaurantbesitzer, Vermieter von Temporär-Unterkünften, die sich dem Name des Startups folgend keine Sorgen über den Internetzugang ihrer Kunden beziehungsweise Mieter sowie über ihre persönliche Rechtssicherheit machen wollen, erwerben die sorglosbox für einmalig 99 Euro zuzüglich MwSt. und zahlen nach dem ersten Inklusivmonat 19 Euro monatlich, ohne Vertragslaufzeit. Wer sich länger bindet, erhalt einen Rabatt. Die Monatspauschale für den VPN liegt über der einschlägiger, in der Regel im Ausland beheimateter VPN-Services. Dafür erhalten Kunden aber auch ein gutes Gewissen, es mit einem in Deutschland ansässigen Anbieter zu tun zu haben, der ihnen bei Problemen mutmaßlich schneller und in deutscher Sprache helfen kann.

Und wie kann sorglosinternet einen derartigen Service überhaupt anbieten, wenn es sich damit dem Risiko einer Flut an Abmahnungen aussetzt? Das Startup folgt einer ähnlichen Philosophie wie der Berliner Nachbar ZenMate: Ein sorglos-Server handhabt die Verbindungen einer Vielzahl von Kunden, gleichzeitig verzichtet das Unternehmen auf das Tracking sowie die Aufzeichnung der Nutzeraktivitäten. Eine spätere Zuordnung sei deshalb technisch und faktisch nicht möglich. Wenn Anfragen kommen - die laut Co-Founder Wolfgang Lauterberg derzeit vor allem von US-Rechteinhabern stammen - dann kläre man diese über den Sachverhalt auf.

Finanziert wurde der Start von sorglosinternet über eine kleine Crowdfundingkampagne  sowie eigene Mittel der Gründer. Mittlerweile arbeitet die Firma laut Angaben der Macher profitabel.

Dienste wie sorglosinternet sind dadurch nicht nur potenziell nützlich für Anwender, die ohne Kopfschmerzen ein Gäste-WLAN einrichten wollen, sondern helfen auch, die Absurdität der Störerhaftung im digitalen Bereich hervorzuheben. Das könnte am Ende ihre Abschaffung beschleunigen. Selbst wenn das bedeuten würde, dass sich sorglosinternet ein neues Produktversprechen einfallen lassen muss. /mw

Link: sorglosinternet

Kommentare

  • Jan

    05.05.14 (14:09:56)

    Ganz nett, aber es geht auch kostenfrei. Zumindest mit dem Projekt Freifunk (bei mir Kiel) ist auch direkt ein VPN dabei, welches kostenlos zur Verfügung gestellt wird. Einzig die Anschaffungskosten von ~20 Euro kommen auf einen zu.

  • DJ Nameless

    05.05.14 (16:59:21)

    So etwas ähnliches hatte vor Jahren mal eine schwedische Firma versucht: Eine Versicherung für Filesharer, die einen Monatsbeitrag zahlen, und die Gerichtskosten übernehmen, falls jemand erwischt wird. Was aus dem Anbieter geworden ist, ist mir nicht bekannt (ich weiß auch den Namen nicht mehr). Ich frage mich aber auch bei Sorglos-Internet, ob dieser Service legal ist. Wenn man damit tatsächlich 100% sicher gegen Abmahnungen wäre, würde sich das System ja nicht nur für Leitungs-Vermieter, sondern auch für den ganz normalen Heim-Nutzer, der fleißig raubkopiert, eignen und lohnen.

  • bischowski

    05.05.14 (21:02:35)

    "Ein sorglos-Server handhabt die Verbindungen einer Vielzahl von Kunden, gleichzeitig verzichtet das Unternehmen auf das Tracking sowie die Aufzeichnung der Nutzeraktivitäten. Eine spätere Zuordnung sei deshalb technisch und faktisch nicht möglich." Auch ich zeichne keinerlei Nutzaktivitäten an meinem Router auf, bin also technisch und faktisch nicht zu einer Zuordnung in der Lage. Warum soll das also sorglosinternet vor einer Störerhaftung schützen, mich aber nicht?

  • Martin Weigert

    06.05.14 (08:35:53)

    Wahrscheinlich weil du keine unternehmerische Dienstleistung anbietest, die beinhaltet, dass viele verschiedene Kunden über deine Leitung surfen, wodurch es dir nicht möglich ist, Onlineaktivität unter deiner IP eindeutig zu den Verantwortlichen Personen zuzordnen. Und weil du keinen Bock darauf hast, dir Rechteinhaber und Abmahnanwälte mit dieser Argumentation vom Leib zu halten, mit dem Risiko, dass es doch zu einem langwierigen Prozess kommt ;)

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