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15.11.11Leser-Kommentare

Fundamentale Veränderungen: Die Auswirkungen des technischen Fortschritts auf die menschliche Arbeit

Experten streiten sich über die Frage, ob Informationstechnologie mehr Arbeitsplätze zerstört, als sie schafft. Sicher ist eines: Der Bedarf an menschlicher Arbeit wird sich radikal verändern. Das ist ein Grund zur Freude - wenn die notwendigen Voraussetzungen geschaffen werden.

 

Foto: Flickr/ste3ve, CC-LizenzDer technische Fortschritt zerstört unsere Arbeitsplätze - so lautete der Tenor eines Kommentars zu unserem Ende Oktober veröffentlichten Artikel über den Erfolg von myTaxi, einer Smartphone-App, welche die Taxibestellung über Callcenter überflüssig macht. "Wenn die letzten Arbeitsplätze vernichtet sind, dann werdet ihr alle merken, dass man eure iPads nicht essen kann", kritisierte Leser Christoph Eisenmann die Entwicklung und schloss mit einem ironischen "Fortschritt über alles".

Er ist garantiert nicht der einzige, der sich über die Auswirkungen der rasanten technischen Entwicklung auf die Arbeitsplatzsituation Sorgen macht. Dass Betroffene nicht unmittelbar begeistert davon sind, wenn Smartphone-Apps, Algorithmen oder Roboter ihnen ihre Jobs wegnehmen, ist nachvollziehbar.

Wissenschaftler sind sich uneinig darüber, inwieweit Informationstechnik mehr Arbeitsplätze zerstört, als durch sie in neuen Branchen geschaffen werden. Historisch hat zwar jeder strukturelle oder technologische Wandel statt zu einer anfänglich befürchteten Vernichtung lediglich zu einer Verschiebung von Jobs geführt, andererseits war keine Veränderung in der Vergangenheit derartig radikal und weitreichend wie die durch IT, das Internet und die Digitalisierung verursachte. Ein Blick zurück ist deshalb kein zuverlässiges Instrument für eine Prognose.

Die Automatisierung schreitet voran

Die weltweite Vernetzung und die Allgegenwärtigkeit von mobilen Computern, zunehmend leistungsfähige künstliche Intelligenz und selbstlernende Maschinen sorgen dafür, dass in den nächsten Jahren und Jahrzehnten ein signifikanter Teil der heute noch menschliche Arbeit erfordernden Tätigkeiten automatisiert werden kann - und, sofern es mit Kostenersparnissen verbunden ist, auch wird. Und während die Welt zum zweiten Mal innerhalb von drei Jahren vor einer Wirtschaftskrise steht und in den meisten Ländern (mit seltener Ausnahme von Deutschland) die Arbeitslosigkeit steigt, freuen sich IT-Experten über Rekordlöhne und die enorme Nachfrage nach ihrer Kompetenz.

Wie sich die Zahl klassischer Arbeitsplätze entwickeln wird, ist schwer zu prognostizieren. Sicher erscheint aber eines: Der Bedarf an menschlicher Arbeit wird sich in den kommenden Dekaden radikal und auf bisher nicht erlebte Art verändern. Jede Tätigkeit, die sich durch regelmäßig wiederholende Handgriffe oder Interaktionsschritte auszeichnet und wenig Kreativität und Empathie erfordert, wird eines Tages von Computern/Maschinen ausgeführt werden können.

Computer übernehmen lästige Tätigkeiten - wir können es aber nicht genießen

Unser Problem: Aufgrund der Gestaltung unseres gesellschaftlichen und volkswirtschaftlichen Systems können wir diese Tatsache nicht als das betrachten, was sie eigentlich ist: ein Grund zum Feiern.

Für die meisten Menschen ist ihre Arbeit keine Freude, sondern ein notwendiges Übel. Es herrscht Konsens darüber, dass ein ungeliebter Job besser ist als gar keine Anstellung. Die Zahl derjenigen, die tatsächlich ihren Traumjob gefunden haben, dürfte weltweit im niedrigen einstelligen Prozentbereich oder gar nahe null liegen. Hunderte Millionen Arbeiter schuften unter widrigsten Umständen und mit minimaler Entlohnung. In der westlichen Welt sind derart unmenschliche Arbeitsverhältnisse zwar glücklicherweise weitgehend verschwunden, doch eine wirkliche Erfüllung bieten auch hier nur wenige Stellen.

Das Problem der Arbeitslosigkeit ist nicht die Tatsache, dass Menschen auf einen Schlag nicht mehr mit den Dingen arbeiten können, die sie ohnehin als frustrierend und demotivierend empfunden haben, sondern dass daraus im aktuellen System eine Existenzbedrohung resultiert.

Die Angestellten in der Taxizentrale, deren Tätigkeit durch myTaxi bedroht wird, sorgen sich nicht über die Tatsache, dass sie dann nicht mehr für die nächsten 35 Jahre tagtäglich acht Stunden Taxibestellungen vermitteln können, sondern über die Auswirkungen auf ihre finanzielle Lage und ihren sozialen Status.

Der technische Fortschritt erzwingt eine neue Sicht auf Arbeit

Informationstechnologie und der damit verbundenen, sich multiplizierende technische Fortschritt zwingen uns dazu, eine neue Sicht auf Arbeitslosigkeit sowie ein neues System zur monetären Existenzsicherung der Menschen zu entwickeln. Technologie ermöglicht es uns erstmals, all die Arbeiten nicht mehr verrichten zu müssen, die in den vergangenen tausenden von Jahren die Lebensqualität verringert haben. Technologie ermöglicht es Menschen, nicht mehr 40 Stunden pro Woche mit Dingen verbringen zu müssen, die sie krank machen, ihnen nachts Albträume bereiten und die dafür sorgen, dass sie nur (maximal) zwei von sieben Wochentagen wirklich genießen können.

Arbeit ist für viele zu einem Selbstzweck geworden, ohne dass wir noch darüber nachdenken, was wir da machen und welchen nachhaltigen Effekt die Tätigkeiten eigentlich haben.

Der unumkehrbare technische Fortschritt, die unausweichliche Automatisierung und der nicht mehr zu stoppende Wegfall von monotoner, keinen tieferen Sinn beinhaltender menschlicher Arbeit ist ein Segen, kein Fluch. Wenn wir es zulassen!

Bedingungsloses Grundeinkommen als Antwort auf die Entwicklung

Voraussetzung ist ein völlig neues System der Existenzsicherung, das partiell von der menschlichen Arbeitsleistung losgekoppelt ist. Nur so wird es möglich sein, Millionen von Menschen die sie sonst zerfressende Furcht vor den bevorstehenden, tiefgreifenden Veränderungen zu nehmen. Das Bedingungslose Grundeinkommen ist mehr als ein utopischer Gedanke von Sozialromantikern. Ohne an dieser Stelle auf dessen Für und Wider eingehen zu wollen: Kritiker des Bedingungslosen Grundeinkommens müssen alternative Lösungsvorschläge für die Abläufe in einer automatisierten Welt liefern, in der menschliche Arbeit im traditionellen Sinn und das daraus resultierende Einkommen nicht mehr länger den gesellschaftlichen Zusammenhalt sichern.

Technologie wird es der Menschheit zum ersten Mal ermöglichen, ihre Zeit mit den Dingen zu verbringen, die ihnen wichtig sind, für die sie eine Leidenschaft mitbringen und die es ihnen erlauben, sich selbst zu verwirklichen - während ihre Grundbedürfnisse durch intelligente Maschinen gesichert werden. Besteht die Gefahr, dass Menschen faul werden und verkümmern, wenn sie niemand mehr um 6:00 Uhr früh dazu zwingt, zu ihrer mitunter gehassten Arbeit zu fahren? Vielleicht ja, vielleicht nein. Ob dies so kommt, liegt in unserer Hand und hängt von der Gestaltung der neuen Strukturen ab.

Wo wir ansetzen sollten

  • Wir sollten uns verinnerlichen, dass der technologische Fortschritt primär die Arbeit überflüssig macht, die Menschen wenig Stimulation und Selbstverwirklichung bietet.
  • Wir sollten erkennen, dass der technologische Fortschritt uns dazu zwingt, unsere Sichtweise auf den Stellenwert von zum Selbstzweck gewordener herkömmlicher Arbeit zu überdenken und zu erneuern.
  • Wir sollten damit beginnen, den Begriff der Arbeitslosigkeit zu neutralisieren. Das ist schwierig, wird lange Zeit in Anspruch nehmen und kann nur funktionieren, wenn Arbeitslosigkeit nicht mehr mit einer existenzbedrohenden Situation verbunden ist
  • Wir sollten uns von sämtlichen Ideologien befreien, die uns an diesem unausweichlichen Umbau hindern.

Wir stehen für die nächsten 50 Jahren vor gewaltigen Herausforderungen, um den Planet Erde für nachfolgenden Generationen als attraktiven Ort zum Leben beizubehalten. Bisher jedoch fehlte den meisten Menschen die Zeit und Energie, sich um die wirklich wichtigen Themen zu kümmern - sei es Umwelt- und Naturschutz, Entwicklungshilfe, Forschung und Lehre, soziales Engagement etc. Die Automatisierung von Tätigkeiten, die allein einem Selbstzweck oder der Erfüllung menschlicher Grundbedürfnisse dienen, setzt die Ressourcen frei, die wir als Gesellschaft benötigen, um den Problemen der Zukunft begegnen zu können.

(Foto: Flickr/ste3ve, CC-Lizenz)

Kommentare

  • martin lindner

    15.11.11 (09:30:24)

    vgl. dazu auch das neue e-book von Brynjolfsson und McAfee: http://www.amazon.de/Race-Against-Machine-Accelerating-ebook/dp/B005WTR4ZI/ref=sr_1_1?s=digital-text&ie=UTF8&qid=1321349390&sr=1-1 (für € 3,24)

  • schrotie

    15.11.11 (09:35:16)

    Falsche Annahmen, falsche Schlussfolgerungen Es ist definitiv nicht so, dass nur monotone Jobs automatisiert werden. Langfristig sind alle betroffen, aber schon kurzfristig, schon jetzt erwischt es auch die ersten Hochqualifizierten, z.B. Pharmazeuten. Hier gibt es eine längere Artikel-Serie darüber, die ich hier kurz zusammengefasst habe. Das bedingungslose Grundeinkommen zementiert mittelfristig die Klassengesellschaft, es schafft Umverteilung und damit Unzufriedenheit in großem Maßstab und es schafft riesige Machtkonzentrationen und somit Missbrauchs-Gefahr auf staatlicher Seite. Das alles entspringt einer überholten gefährlichen Ideologie. Wir leben heute in einer völlig anderen Welt. Das Netz erlaubt uns dezentrale Organisation und hierarchielose Effizienz. Kurz- und mittelfristig wäre das BGE ein (zugegebener Maßen) bessere Almosen-Veranstaltung. Viele Menschen wollen aber keine Almosen, sie wollen Partizipation. Das heißt wir sollten Arbeit statt Almosen verteilen. Ich stimme voll zu, dass wir davon abkommen müssen, uns über unsere Arbeit zu definieren. Doch meine ich, dass der Weg dahin nicht darin bestehen darf, mehr und mehr Menschen vom Erwerbsleben auszuschließen und sie somit zunächst einem subjektiven Gefühl der Nutzlosigkeit auszuliefern. Dieser Weg kann unsere Gesellschaft durchaus zerreißen. Vielmehr sollten wir versuchen, alle, die wollen, in Arbeit zu halten, jedoch die durchschnittliche Arbeitszeit herunter zu fahren. Dieser Durchschnitt muss langfristig gebildet werden, sodass auch Sabbat-Jahre eingerechnet werden können, denn eine Reduzierung der Wochenarbeitszeit ist aus Effizienzgründen oft nicht sinnvoll. Das geht meiner Ansicht nach - dezentral, selbstorganisiert, effizient. Und es hätte zahlreiche Vorteile über eine fairere Einkommensverteilung hinaus. Wie das gehen könnte habe ich z.B. hier und hier beschrieben.

  • Michael

    15.11.11 (09:40:44)

    Schöne Worte und grundsätzlich begrüßenswert, dass das Thema überhaupt irgendwer wieder mal anfasst. Wenn IT-Technik immer mehr Arbeitsplätze aufhebt und nicht in gleichem Maße neue entstehen, tritt damit vor allem die Notwendigkeit der Neuorganisation der Finanzströme auf den Plan. Die Disparitäten von riesigen Milliarden- und Millionenvermögen auf der einen Seite und der insbesondere unter der Sozialstaats-Verschuldung ächzenden westlichen Industriestaaten flankiert von Billigkonkurrenz aus Fernost scheinen mir diese komplexe Problemlage und Notwendigkeit besonders zu verdeutlichen. Es geht schlicht darum, wie die durch die IT-Technologien erzielten Produktivitätsgewinne und Arbeitsplatzeinsparungen finanziell unters Volk gebracht werden. Eine strukturelle Mammutaufgabe für Volkswirtschaftler und Politik.

  • Lari Syrota

    15.11.11 (09:41:12)

    Grundsätzlich hast du mit deinen Beobachtungen ja absolut recht, ich sehe das ähnlich. Mit deiner Forderung nach einem bedingungslosen Grundeinkommen kann ich mich trotzdem nicht anfreunden. Ja, es ist wichtig, auch über den Tellerrand hinauszuschauen – aber gewisse ökonomische Gesetzmäßigkeiten werden sich auch in der nächsten Ära des Arbeitens nicht ausschalten lassen. Primär ist da der Zusammenhang zwischen Arbeitsleistung, BIP und Lebensqualität. Klingt spießig, aber ist halt so. Muss man die Sichtweise auf Arbeit in Zukunft grundlegend verändern? Ja. Muss man akzeptieren, dass viele Jobs wegfallen werden und für viele Menschen auf dem klassischen Arbeitsmarkt kein Bedarf sein wird? Ja, das auch. Arbeitslosigkeit neutralisieren, in dem Sinne, dass man es als gegeben ansieht, dass man nicht alle und auch nicht fast alle Menschen beschäftigen kann? Okay. Deswegen Arbeit rein optional machen? Stopp. Andere Lösungen zu finden ist ganz sicher nicht einfacher und liest sich auch nicht so fortschrittlich wie der Ruf nach einem bedingungslosen Grundeinkommen – ist aber die weitaus bessere Möglichkeit, in einer vollends globalisierten Welt nicht unterzugehen.

  • Peter

    15.11.11 (10:09:11)

    Grundeinkommen? Eine lustige Idee. Da verweise ich immer auf diesen schönen Text: http://tinyurl.com/36bz2st

  • Basar Seven

    15.11.11 (10:29:20)

    Hallo erstmal an alle, ich denke, dass in der Tat das die Sichtweise auf die Arbeit sich ändern muss und damit insbesondere die Politik Ihre Einstellung und Taten ebenfalls anpassen muss. Wissensgesellschaft!!! Genau das ist die Lösung. Wissensgesellschaft bedeutet nicht, dass wir in Zukunft ausschließlich Akademiker haben werden oder gar müssen. Ich denke, dass das bedeutet, dass die Arbeit, die wir verrichten müssen wissensintensiver geworden ist. Jeder Mensch, der dies nicht sieht oder sehen kann, ist zum Scheiter verurteilt und wird früher oder später ein Langzeitarbeitsloser. Der Taxifahrer musste früher lediglich Auto fahren. heute müsste er mit einer Technik umgehen, die Ihm durch mobile Apps Mitteilungen versendet und Standorte seiner Kunden bestimmt. Er wird arbeitslos, wenn er die Notwendigkeit der persönlichen Entwicklung nicht erkennt. Und genau hier muss die Politik eingreifen und endlich Begriffe "Bildungskosten" aus dem Wörterbuch streichen. Wenn, dann sind dies Investitionen. Also muss die Politik mit aller Macht dafür sorgen, dass die Menschen in seiner Gesellschaft in die Lage versetzt wird Wissensarbeit zu verrichten. BILDUNG BILDUNG BILDUNG BILDUNG Das ist die Antwort auf 90% der gesellschaftlichen Probleme!!!!!!!!!

  • Martin Weigert

    15.11.11 (10:41:59)

    @ schrotie Ich glaube, hier liegt ein Missverständnis vor (bzw. evtl habe ich mich undeutlich ausgedrückt): Ich behaupte nicht, dass nicht auch die Jobs von Hochqualifizierten betroffen wären. Wie im Artikel dargelegt: Vor allem NICHT betroffen sind die Tätigkeiten, die viel Kreativität und Empathie erfordern. In diesen wird der Mensch dem Rechner noch lange überlegen sein (ob für immer, keine Ahnung). Ob dann das Grundeinkommen die beste Lösung ist, weiß ich nicht. Darauf will ich mich auch gar nicht versteifen. Es ist allerdings die Lösung, die mir am plausibelsten bzw. am ehesten erstrebenswert erscheint. @ Lari Syrota Primär ist da der Zusammenhang zwischen Arbeitsleistung, BIP und Lebensqualität. Da die Arbeitsleistung dann von Maschinen und Computern übernommen wird, erübrigt sich dies doch eigentlich oder? ;) Arbeit optional zu machen, heißt ja nicht, Arbeit abzuschaffen. Es heißt, dass Leuten die Möglichkeit gegeben wird, mit den Dingen zu arbeiten, die ihnen liegen, oder bei denen sie eine Erfüllung verspüren. Das kann Kreativ- oder Künstlerarbeit sein, oder Entwicklungshilfe in einem anderen Land, oder die Arbeit mit Kindern, oder das Vermitteln von Bildung (außerhalb des klassischen akademischen Systemes)... All die Tätigkeiten also, für die heute kein oder zu wenig Geld gezahlt wird, als dass die vorhandene Nachfrage nach diesen Aktivitäten gestillt werden kann. Das Grundeinkommen ist der einzige mir bisher bekannte Ansatz, der dies ermöglichen würde. Eventuell gibt es bessere.

  • hannibal

    15.11.11 (10:51:20)

    hye ist doch einfach und logisch genauso wie der computer die mini variante des industrie zeitalters darstellt, als bedienelemnt für alle technischen produzierbarkeiten so rückt der mensch und seine aufgabe ins licht des geschehens. irgendwann ist alles erledigt (könnte es sein , wenn wir nicht am ideal festhalten) und das ware zeil scheint uns vor augen . DER AUFBRUCH INS ALL , die natur und alles andere welches wir auf dem planeten für gut und wahr erkannten sollten von uns als DIE INFO ins universum transportiert werden. damit hätten auch 12milliarden menschen beim heutigen stand der dinge genug zu tun, wir können aber auch versuchen mit autos zum mond zu fahren und eine dada autobahn bauen, was wahrscheinlicher ist, weil bp sie sponsoren :) lert s go space, arbeit für alle

  • schrotie

    15.11.11 (11:04:05)

    @Martin Weigert Ja, Du hast geschrieben, dass Jobs, die Kreativität und/oder Empathie erfordern sicherer sind. Wenn die verlinkte Artikel-Serie recht hat, stimmt das aber nicht: Da ist auch von Ärzten die Rede (Empathie) und von Journalisten und Wissenschaftlern (Kreativität).

  • Moe

    15.11.11 (11:08:53)

    Es ist gut und richtig, dass Jobs überflüssig werden. Das tun sie nämlich schon (mindestens) seit der industriellen Revolution. Komischerweise ist der Großteil der Bevölkerung immer noch beschäftigt. Denn es sind durch den Fortschritt auch neue Jobs entstanden - wer hätte das gedacht?

  • Martin Weigert

    15.11.11 (11:21:12)

    Mh also der Tag, an dem Ärzte, Journalisten und Wissenschaftler überflüssig werden, liegt meines Erachtens nach aber noch in seeeehr weit in der Zukunft. Aber who knows... "sicherer" sind sie zumindest ;)

  • Martin Giese

    15.11.11 (12:12:05)

    Viele richtige Fragen, nur: ist die Gefahr der Arbeitslosigkeit in ihrer existenzbedrohenden Art nicht einer der Garanten dafür, dass "wir" bereit sind, für andere zu arbeiten, die sich daran eine goldene Nase verdienen. Warum sollten sie freiwillig darauf verzichten? Müssen wir nicht Arbeit und Eigentum neu denken?

  • Marco

    15.11.11 (12:17:34)

    Kleindenker Sarrazin, offensichtlich schafft sich die Menschheit ab :) Dejenigen, die auf mehr Bildung pochen, auf steigende Anforderungen in der Berufswelt verweisen oder den Trend mit der Industralisierung vergleichen, sehen wohl die Tragweite der IT Revolution nicht... (oder ich bewerte sie über) Race against the machine (sehr zu empfehlen im übrigen, zumindest die ersten 50% und nur ca. 4 EUR im Kindle Shop), zieht öffters die Diskrepanz zwischen Wirtschaftswachstum, Konzern Gewinne und (kleineres) Job Wachstum in den letzten Jahre zur Stützung der These heran. Spätestens wenn es Obama nicht hinkriegt in naher Zukunft mehr Jobs zu schaffen, kann ich mir gut vorstellen diese Thematik vermehrt (endlich) auch in breiteren Medien zu finden. Noch ein wenig Buchkritik "Race against the machine". Wer die versprochen Lösung zur Problematik im Buch zu finden hofft, wird entäuscht. Der "Mit, anstatt gegen die Maschinen" propagierte Weg wird durch lächerliche Beispiele untermauert. Wie z.B. dass ein Team von Menschen und Maschinen in den sogenanten "free fight" Schachturnieren reine Maschinen Teams schlagen. Ziemlich naheliegend, dass dies nicht mehr lange so sein wird. Falls es so weiter geht, müssen wir uns wohl mit einer Zukunft a la Wall-E abfinden :)

  • schrotie

    15.11.11 (12:20:23)

    Da steht auch nicht, dass sie überflüssig werden, da steht ganz konkret, wie sie schon heute sehr viel effizienter werden. Das ist keine Spinnerei, das sind ganz konkrete Beispiele, die Du selbst nachprüfen kannst. Das Wissenschaftler-Beispiel kannte ich persönlich. Und das heißt natürlich auch, dass mehr oder weniger von ihnen überflüssig werden. Nicht alle. Es arbeiten auch heute noch Menschen in der Landwirtschaft. Es werden immer noch Landwirte gebraucht, die sind nicht überflüssig. Ein winziger Bruchteil der Leute, die da mal gearbeitet haben. Und der gleiche Prozess setzt nun scheinbar überall ein. Nicht seeeehr weit in der Zukunft. Jetzt. Das ist qualitativ völlig neu. Und sicherer sind sie keineswegs. Ein Arzt verdient soviel wie ein Dutzend Unqualifizierte. Da lohnt sich Automatisierung. Der verlinkte Artikel argumentiert - meiner Ansicht nach korrekt - dass die relative Sicherheit eines Jobs davon abhängt, wie repetitiv die Arbeit ist - egal ob die Repetition im Lesen und Schreiben anspruchsvoller Texte liegt, im Kontakt mit Menschen, oder in scheinbar einfacheren Verrichtungen - und wie viel man verdient.

  • Martin Weigert

    15.11.11 (12:38:15)

    Und sicherer sind sie keineswegs. Ein Arzt verdient soviel wie ein Dutzend Unqualifizierte. Da lohnt sich Automatisierung. Klar. Aber zwischen der Automatisierung von Kassen- oder Callcenter-Personal (sehr repetitive Prozesse) und der von Fachärzten oder Wissenschaflern liegen Welten. Zumal hier auch die Frage nach der Verantwortung eine Rolle spielt: Bis zu dem Tag, an dem Patienten ihr Leben vollständig in die Hände von Robotern legen, werden wir noch lange warten müssen. Nicht, weil Roboter schlechtere Arbeit leisten - sondern weil dann niemand die Verantwortung für Fehlentscheidungen übernehmen kann. Schwieriges Thema. Anyway: Je mehr Arbeit uns abgenommen wird, desto mehr neue Tätigkeitsfelder werden sich auftun, für die zuvor weder Zeit noch Ressourcen vorhanden waren.

  • Marco

    15.11.11 (12:42:45)

    "desto mehr neue Tätigkeitsfelder werden sich auftun" Die Frage ist doch nicht, ob sich neue "Tätigkeitsfelder" auftun, wie dies bis anhin der Fall war. Die Frage ist vielmehr, tun sich neue Tätigkeitsfelder auf, die nicht gleich vorneweg von Maschinen "besser" bearbeitet werden können.

  • Martin Weigert

    15.11.11 (12:52:39)

    Ja das meinte ich. Ich blicke da besonders auf den sozialen Bereich. Roboter bleiben auf absehbare Zeit gefühlskalt. Am Ende hängt unsere Diskussion aber immer davon ab, welchen Zeithorizont wir im Auge haben. Je länger dieser ist, desto mehr Alltagsbereiche werden von der Automatisierung erfasst.

  • Schaeferblick

    15.11.11 (14:38:28)

    In eine ähnliche Richtung gehen auch die Thesen von N.Carr (2008) in "The Big Switch" (Zusammenfassung aus meinem Blog): Während Elektrizität und Industrialisierung maßgeblich zum Entstehen einer breiten, wohlhabenden Mittelschicht in der Bevölkerung beigetragen haben, bewirkt die Informationstechnologie eher einen gegenteiligen Effekt. Wesentliche Gründe hierfür sind: (1) digitale Güter lassen sich nahezu kostenlos beliebig oft vervielfältigen und verteilen, was im Gegensatz zur physikalischen Welt weltweit unbegrenzt zunehmende Skalenerträge ermöglicht (Je mehr Nutzer einen Service nutzen, desto profitabler wird er) sowie (2) ein nie da gewesener Umfang freiwilliger unbezahlter Arbeit (User Generated Content, Crowdsourcing). Dies reduziert einerseits generell die Nachfrage nach qualifizierten Arbeitskräften und erweitert andererseits durch ihre örtliche Unabhängigkeit das Angebot, wer diese Arbeit ausführen kann. Bezahlte Arbeitsplätze werden nicht nur von Maschinen übernommen, sondern auch von einem Heer unentgeltlicher Freiwilliger. Dies legt die Vermutung nahe, dass der World Wide Computer die Einkommensschere eher weiter öffnet denn für eine Gleichverteilung sorgt. In der YouTube-Economy kann sich jeder einbringen, wie er möchte, aber nur sehr wenige werden finanziell davon profitieren.

  • Chris Förster

    15.11.11 (16:10:42)

    Wenn die klassische Erwerbsarbeit wirklich so verschwindend gering werden sollte wie einige befürchten, wird an ihre Stelle ganz sicher eine andere Arbeitsform treten. Menschen wollen immer produktiv sein und gebraucht werden!

  • Lari Syrota

    15.11.11 (16:46:01)

    Och, so einfach ist das auch wieder nicht. Arbeitsleistung ist ja kein Behälter, der irgendwann einfach voll ist – ganz im Gegenteil, wir sind ja sogar auf ein wachsendes Volumen angewiesen, um das mit den Schulden irgendwann in den Griff zu bekommen. Bei Tätigkeiten, bei denen eine Arbeitskraft weniger Nutzen bringt als sie kostet, ist die Sache eh klar. Aber bei allem, was darüber hinausgeht, hätte ein bedingungsloses Grundeinkommen zur Folge, dass unterm Strich weniger herauskommt. Und dieses Weniger ließe sich wohl kaum durch die eigenmotivierte Selbstverwirklichung kompensieren. Also selbst wenn man irgendwann für 90% der Tätigkeiten keine Menschen mehr bräuchte, würde das immer noch sehr ernsthafte Probleme erzeugen. Ich würde bei einem bedingungslosen Grundeinkommen wohl auch den Großteil meiner Zeit mit Musikproduktion und DJing verbringen, obwohl ich beruflich etwas Kreatives mache, wo ich nicht einfach durch eine Maschine kompensiert werden kann. So sehr ich Musik auch liebe, der gesellschaftliche und wirtschaftliche Nutzen davon wäre trotzdem nicht annähernd so hoch wie bei meiner normalen Arbeit. Ganz zu schweigen davon, dass ich alternativ auch einfach ins grundeinkommensfreie Ausland ziehen könnte, wo meine steuerliche Belastung für Konsum dann deutlich geringer wäre. Ist alles nicht so einfach.

  • Daniel Schultz

    15.11.11 (19:18:19)

    @Martin Weigert Die Medizin ist ein weites Feld und wenn man die Tätigkeit von Radiologen anschaut, dann hat ihre Aufgabe viel mit Bilderkennung zu tun. Ansonsten wollte ich hier noch kurz das EPAA-tivitäten-Diagramm zur Diskussion stellen. Dabei geht es im Wesentlichen um eine Tätigkeitskategorisierung.

  • Oliver Springer

    15.11.11 (21:52:18)

    Davon, dass uns die Arbeit ausgeht, kann meiner Meinung nach derzeit überhaupt keine Rede sein. Zu tun gibt es mehr als genug - unser Planet läuft ja nicht gerade rund...mal so global gesehen. Das Problem besteht darin, das viele wichtige Aufgaben noch nicht entsprechend in das Wirtschaftssystem einbezogen worden sind - oder es keine ausreichende Zahlungsbereitschaft gibt. Ist man optimistisch, kann man sich über die beschriebenen Veränderungen freuen, weil die Menschen bald genug Zeit haben, sich um diese Dinge zu kümmern. Aus dem Kommentar von hannibal werde ich zwar nicht ganz schlau, aber der "Aufbruch ins All" hat das Potenzial für sehr lange Zeit für Vollbeschäftigung zu sorgen. Näher liegen allerdings Felder wie Unterstützung älterer Menschen und Kindererziehung. Wofür sind wir bereit, Geld auszugeben? Diese Frage stellt sich dem Einzelnen, aber auch der Gesellschaft. Statt ein bedingungsloses Grundeinkommen zu zahlen, sollte man erst einmal Arbeitsplätze schaffen, bei denen es einen Bedarf gibt.

  • Basti

    15.11.11 (22:16:17)

    Sehr spannender Artikel. Dazu einige Anmerkungen/Fragen: 1. Du schreibts "...andererseits war keine Veränderung in der Vergangenheit derartig radikal und weitreichend wie die durch IT, das Internet und die Digitalisierung verursachte..." Hast Du hierfür irgendwelche Belege, Quellen, Studien die über rein subjektive Einschätzungen hinausgehen? Ich will es gar nicht ausschließen, bin mir aber spontan nicht sicher, ob die Einführung der Dampfmaschine, Elektrizität... nicht zumindest ähnlich radikal waren. Laut einem meiner früheren Professoren wächst die Produktivität seit Beginn der industriellen Revolution mit knapp 2% pro Jahr und das erschreckend konstant. Sollte es jetzt wirklich anders sein (wie vor 12 Jahren bei der "New Economy")? 2. Ich begrüße den Trend, dass immer mehr Jobs der Automatisierung zum Opfer fallen bedeutet dies doch, dass die Menschheit, wie Du es ja auch beschreibst, theoretisch mehr Zeit für spannendere Dinge hat. In dem Zusammenhang ist mir der Ruf nach "Mehr Arbeit" übrigens völlig fremd, geht es den Leuten doch in der Regel "nur" um mehr Geld/Wohlstand. Auf Arbeit kann ich zur Not verzichten... So oder so ist in der Vergangenheit die Arbeitszeit in der Regel deutlich langsamer zurückgegangen (wenn überhaupt), als es der Produktivitätsfortschritt zugelassen hätte. Grund ist ganz einfach, dass das Bedürfnis mehr zu konsumieren stärker war. Man kann natürlich argumentieren, dass wir inzwischen auf einem Level angekommen sind, der zusätzlichen Konsum weitgehend witzlos macht, aber war das nicht auch vor 20 Jahren schon so (oder vor 50) bzw. geht es oft nicht viel mehr darum relativ wohlhabend zu sein und nicht absolut (die meisten die das hier lesen dürften zu den top 5% Verdienern weltweit gehören, haben wahrscheinlich aber nur selten das Gefühl reich genug zu sein). Insofern könnte es, obwohl technisch längst möglich, noch sehr viel länger dauern als es mir lieb wäre, bis das Prinzip der "optionalen Arbeit" mehrheitsfähig wird.

  • Martin Weigert

    16.11.11 (07:46:14)

    @ Oliver Springer Das Problem besteht darin, das viele wichtige Aufgaben noch nicht entsprechend in das Wirtschaftssystem einbezogen worden sind – oder es keine ausreichende Zahlungsbereitschaft gibt. Jup, deshalb spreche ich im Artikel auf von "herkömmlicher" oder "traditioneller" Arbeit. @ Basti Mir geht es nicht um die Produktivität sondern um das Große Ganze. Dafür habe ich spontan keine Studie, sprich, diese Aussage basiert auf meiner subjektiven Beobachtung.

  • Björn Lefers

    16.11.11 (09:54:24)

    Lieber Martin, Du triffst mit Deiner messerscharfen Analyse den Nagel auf den Kopf. Was Du aber vollkommen außer Acht gelassen hast ist unser Bildungssystem, welches noch aus Zeiten der Industrialisierung stammt und Menschen gar nicht auf diesen Wandel vorbereitet. Im Gegenteil - denn dafür ist ein Nährboden notwendig, welcher es Menschen erst erlaubt, kreativ zu sein und herauszufinden worin sie gut sind und was ihnen Spaß macht. Ein gutes Beispiel bzgl. einer Unternehmenskultur, die Kreativität möglich macht, ist PIXAR ( Buch: Innovate the Pixar Way ) Unser Bildungssystem hat bzgl. der Vorbereitung auf die von Dir skizzierten Veränderungen die größte Hebelkraft. Und es gibt auch Schulen, die das sehr gut tun (wenn auch leider noch viel zu wenige). Hier ein Beispiel: SPIEGEL-Artikel über die Reformschule Berlin . An dieser Stelle auch nochmal ein großes Lob an die hohe Qualität, die ihr (und vor allem Du) mit Euren Artikeln an den Tag legt! :-)

  • sebastian

    16.11.11 (12:51:23)

    Saugut Martin, lass Dich niemals von diesen Technik-Pessimistischen Web-Trollen unterkriegen!! Du denkst absolut richtig! Diese gab es schon immer - auch bei der Erfindung des Buchdrucks, der Dampfmaschnine, des Zuges, des Autos, des Internets und nun auch bei sämtlichen Sub-Inventionen (wie z.B. Taxi-Apps ^^) die daraus geboren wurden. Ich steh hinter Dir! Ein Hoch auf den Fortschritt! Ein Hoch auf Martin!

  • DJ Nameless

    16.11.11 (15:07:22)

    Hochinteressante Diskussion! Ich begrüße eigentlich die Sache, dass langweilige, repetitive Arbeiten nun zunehmend von Maschinen und Computern übernommen werden und "traditionelle" Arbeit so obsolet wird. Denn es gibt noch riesige unbeackerte Bereiche, die niemals von Computern übernommen werden könen, z. B. sämtliche Sozial- und Kreativberufe. Das Problem an der ganzen Sache ist: Die Kreativ-Branche ist eine Hochrisiko-Branche, in der fast alle Produkte floppen und ein guter Markterfolg die riesige Ausnahme darstellt. So hat etwa dieses in meinen Augen völlig dämliche Bild - http://teakdoor.com/Gallery/albums/userpics/19593/Rhein_II.jpg - vor wenigen Tagen bei Christies einen Rekordpreis von 3,1 Millionen Euro erzielt. Mit so einem Erfolg rechnet ja keiner, zumal wir uns hier bei Netzwertig wohl einig darüber sind, dass fast jeder Urlaubstourist bessere Bilder macht. Auch in anderen Kulturbereichen ist es genauso. Dass z. B. Schnappi oder der Holzmichel die Charts erobert haben, damit konnte im Vorfeld keiner rechnen. Dass der Erfinder der Vuvuzela auf einmal ein Millionengeschäft macht, nur weil die FIFA beschließt, in Südafrika die Fußball-WM auszutragen. Das sind Kreativberufe, die ein Computer niemals ersetzen können wird. Nur: 99,9 % der Ideen floppen, bzw. spielen ihre Kosten nicht ein. Die alten Branchen mit "sicherem" Markterfolg kann auch ein Computer "sicher" übernehmen. Früher arbeiteten fast alle Leute in einem gleichbleibenden Job mit sicherem Einkommen, in der Kreativindustrie arbeitete kaum jemand; da konnte man auch mal ein paar Flops durchfüttern. Wenn aber alle nur noch im Kreativsektor arbeiten, und fast alle Produkte floppen, ist bei fast allen einfach nicht genügend Geld da, um regelmäßige Kosten wie Lebensmittel, Miete, Stromrechnung usw. zu bezahlen.

  • Björn Lefers

    16.11.11 (17:41:55)

    @DJ Nameless: Du verwendest Kunst und Kreativität synonym. Folgenden Definition von Kreativität von Ken Robinson gefällt mir gut: "Kreativität ist der Prozess, neue (originäre) Ideen hervorzubringen, die einen Wert haben." Kunst ist das Ergebnis eines kreativen Prozesses ( Wikipedia: Kunst ). Wenden wir den kreativen Prozess für die Lösung von Problemen an (wie z. B. denen, die Martin hier beschrieben hat), dann hat das eigentlich nichts mehr mit Kunst zu tun. Die Lösung von Probleme mithilfe des kreativen Prozesses führt zu Ideen, die Umsetzung dieser Ideen zu Innovationen. Damit beschäftigt sich der Bereich Entrepreneurship, welcher allerdings (leider) an Universitäten und sonstigen Bildungseinrichtungen kaum vertreten ist. Auch nähert sich Entrepreneurship diesem Thema sehr wissenschaftlich - man lernt nicht, kreativ zu sein und nur bedingt, wie man Ideen umsetzt. Die Phasen des kreativen Prozesses zu verstehen und tatsächlich etwas Neues zu schaffen sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Aber ich stimme Dir durchaus zu, dass ein Großteil von Ideen floppt. Das liegt aber in der Natur des kreativen Prozesses begründet. Denn wenn man etwas Neues ausprobiert, weiß man logischerweise vorher nicht, ob es auch funktionieren wird (sonst wär' es ja vermutlich nichts Neues). Durch gewisse Strategien kann man aber das Risiko durchaus minimieren. Auch damit beschäftigt sich der Bereich Entrepreneurship, welcher jedoch noch in den Kinderschuhen steckt. Aufgrund der vielen Probleme, die auf uns zukommen, wird Kreativität (Ideen haben) und Entrepreneurship (Ideen erfolgreich umsetzen) immer wichtiger. Wird Zeit, dass sich im Bildungsbereich was tut! Denn wenn man an dieser Stelle ansetzt, kann man die größte Wirkungskraft entfalten.

  • homepageerfolg

    16.11.11 (18:26:31)

    Hallo, ja es wird so sein, der technische Fortschritt zerstört unsere Arbeitsplätze – wird uns so wie es jetzt aussieht sicherlich Arbeitsplätze kosten. Alles wendet sich dem Thema "Automatisierung" zu, damit Arbeitsplätze eingespart werden können, um gleichzeitig mehr Geld zu verdienen. Beste Grüße Klaus

  • DJ Nameless

    16.11.11 (20:01:17)

    @ Björn Lefers: Du verwendest Kunst und Kreativität synonym. Es sind schon zwei verschiedene Dinge - aber sie haben beide gemeinsam, dass man den Markterfolg in keinster Weise vorher abschätzen kann. Folgenden Definition von Kreativität von Ken Robinson gefällt mir gut: “Kreativität ist der Prozess, neue (originäre) Ideen hervorzubringen, die einen Wert haben.” Kunst ist das Ergebnis eines kreativen Prozesses Wir haben heutzutage unzählige Produkte, die eigentlich kein Mensch wirklich braucht, die nicht direkt Kunst sind, und bei denen der Markterfolg oft Zufall ist: Beispiele sind die schon erwähnte Vuvuzela, aber auch Tamagotchi, Smartphone-Apps oder auch ein neues Kirmes-Karussell. Aber ich stimme Dir durchaus zu, dass ein Großteil von Ideen floppt. Das liegt aber in der Natur des kreativen Prozesses begründet. Denn wenn man etwas Neues ausprobiert, weiß man logischerweise vorher nicht, ob es auch funktionieren wird (sonst wär’ es ja vermutlich nichts Neues). Durch gewisse Strategien kann man aber das Risiko durchaus minimieren. Auch damit beschäftigt sich der Bereich Entrepreneurship, welcher jedoch noch in den Kinderschuhen steckt. Ein guter Bekannter von mir arbeitet u. a. als Existenzgründungsberater in einer Wirtschaftsschule. Er hat mir auch erzählt, dass man in den "Altindustrien" kaum mehr erfolgreich ein Unternehmen gründen kann, weil es praktisch alles "Notwendige" schon im Überfluss gibt. Aber er berichtete mir von einem Mädchen, dass vorhat, in die Hundemode (!!!!!) zu gehen. Und das Abgefahrenste: Die Hundemode-Branche hat 2011 das erfolgreichste Geschäftsjahr in ihrer Geschichte - es wurde noch nie so viel Geld mit Hundemode gemacht wie heute! Nur --- es ist schlicht nicht möglich, hier einen seriösen Businessplan zu schreiben, weil der Markterfolg ausschließlich vom nicht vorhersehbaren Publikumsgeschmack abhängt. DJ Nameless

  • Kinnal

    17.11.11 (14:41:12)

    Verzicht auf Innovationen ist Verzicht auf Wohlstand und damit auf Freiheit von unnötiger Arbeit. Freiheit der Bürger ist auch Freiheit von unnötiger Arbeit, die durch programmierbare Automaten verrichtet werden kann. Das Festhalten am Ziel der Vollbeschäftigung hat zur Folge, daß Bürger - ohne Not - dauerhaft zu Tätigkeiten gezwungen werden, die automatisierbar sind. Automatisierbare Arbeit ist ersetzbare Arbeit; ersetzbare Arbeit kann nicht sinnstiftend sein. Das Festhalten am Ziel der Vollbeschäftigung geht somit für eine steigende Anzahl von Bürgern mit dem Verlust beruflicher Sinnstiftung einher. Quelle: www.freiheitstattvollbeschaeftigung.de

  • Martin Weigert

    17.11.11 (14:42:57)

    Macht Sinn.

  • Ludwig

    17.11.11 (21:37:44)

    Zitat: "Das bedingungslose Grundeinkommen zementiert mittelfristig die Klassengesellschaft, es schafft Umverteilung und damit Unzufriedenheit in großem Maßstab und es schafft riesige Machtkonzentrationen und somit Missbrauchs-Gefahr auf staatlicher Seite. Das alles entspringt einer überholten gefährlichen Ideologie." Inwiefern leben wir in einer Klassengesellschaft? Wo ist die Begründung dafür dass diese "zementiert" wird? Inwiefern verursacht das BG "riesige Machtkonzentrationen"? Und welches ist die angesprochene "überholte gefährliche Ideologie"?

  • Benjamin Siggel

    21.11.11 (13:04:19)

    Vielleicht kann man - oder muss man sogar - noch eine Abstraktionsebene nach oben springen. Konzepte wie das BGE docken weiterhin an die einzige Art zu Wirtschaften an, die wir kennen: Mit Geld. Und das mit Recht, weil Geld sich als das praktikabelste und effizienteste System erwiesen hat, zwei Funktionen zu erfüllen: 1. Ist es eine Belohnung für Verhalten, die aus einer Stärkung des sozialen Status und einer Zuweisung materieller Werte besteht. 2. Ist es ein Kommunikations-, Priorisierungs- und Entscheidungsinstrument, um Ressourcen zu verteilen. Der Geldfluss bestimmt, welche Produkte produziert werden, woran Menschen arbeiten, kurz: Was die Menschheit macht. Inputgeber ist der Konsument (mit all seiner Manipulationsanfälligkeit, Werbung, Zwängen, etc.) und im begrenzten Maße auch die Politik. Mir stellt sich die Frage, in welchem Maße die digitale Revolution hierfür neue Lösung entwickeln kann - und vielleicht sogar schon tut. Kommunikation und Verarbeitung von Informationen sind doch genau das, was sich gerade revolutioniert. Und das Web2.0 als soziale Plattform entwickelt bereits Strukturen sozialer und dem folgend auch materieller Belohnung. Da ist es doch naheliegend anzunehmen, dass sich das irgendwie verbinden ließe...

  • Seaberg

    04.12.11 (21:14:42)

    Ich kann mich noch daran erinnern, wie ein Gewerkschaftler 1993 einen Vortrag hielt, die zunehmende Computerisierung der Gesellschaft (die gerade begonnen hatte) werden den Menschen eine Arbeitsverkürzung und mehr Zeit für soziale Dinge bescherern, weil in Zukunft ja die Computer mehr und mehr seine Arbeit erledigen würden. Was man damals nicht bedachte, war der Konkurrenzaspekt der Wirtschaft. Jede technologische Beschleunigung setzt sich auf allen Konkurrenzseiten fort und erfordert wiederum neue Beschleunigungen, um eine weitere Rationalisierung zu erreichen. Ein Teufelskreislauf, den man nur mit Mindestlöhnen o.Ä. brechen kann.

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