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03.11.08

Fünf Jahre Xing: Eine beachtliche Bilanz, doch wann kommen die Apps?

Jubiläum für Xing: Gründer und CEO Lars Hinrichs schaut zurück auf fünf Jahre des Bestehens, in denen sich der Dienst zum profitablen, führenden Business Network in Europa entwickelt hat. Unerwähnt bleibt, wann die vor über einem Jahr angekündigte Öffnung für Drittanbieter geschehen soll.

Vor exakt fünf Jahren ging Xing unter dem Namen openBC an den Start. Heute ist das Hamburger Unternehmen Europas größtes Social Network für Geschäftskontakte mit über 6,5 Millionen Mitgliedern. Gleichzeitig gehört der Dienst zu den wenigen Web-2.0-Plattformen aus Deutschland, die seit langem profitabel sind und ihr Geschäftsmodell erfolgreich auf verschiedenen Säulen aufgebaut haben.

Anlässlich des fünfjährigen Bestehens lässt Xing-CEO und -Gründer Lars Hinrichs im Unternehmensblog die Entwicklung der Site Revue passieren: angesichts der Vorbildfunktion, die das Netzwerk aufgrund seines wirtschaftlichen Erfolges einnimmt, nützliche und inspirierende Informationen für alle Web-2.0-Freunde und -Entrepreneure.

Zusammenfassen lässt sich der Werdegang von Xing gemäß Hinrichs folgendermaßen:

- Am 1. November 2003 erblickte Xing (damals openBC) das Licht der Internetwelt. "Firmensitz" war Hinrichs' Wohnung.

- Zum Start hatte das Portal 472 Mitglieder, alles Freunde und Kollegen des Gründers.

- Am Ende des Starttages war die Mitgliederzahl auf 1.000 angewachsen.

- Vom ersten Tag an setzte man auf ein Freemium-Modell . Nach 90 Tagen hatte man einen positiven Cash Flow erreicht, d.h., die Einnahmen aus der Premium-Mitgliedschaft deckten die operativen Kosten.

- Seit 2005 existiert die Plattform in 16 Sprachen.

- Anfang 2006 wurde die Marke von einer Million Mitgliedern geknackt.

- Im November 2006 erhielt der Dienst ein neues Design und wechselte seinen Namen. Aus openBC wurde Xing. Der neue Name sollte besser die globale Ausrichtung des Dienstes repräsentieren. Hinrichs beschreibt im Blogeintrag, dass das Wort "open" mit Sicherheitslücken assoziiert wurde. "BC" steht auf Englisch für "vor Christus" - beides war der geplanten Expansion nicht dienlich. "Xing" als Bezeichnung funktioniert in allen Sprachen, wird allerdings je nach Land unterschiedlich ausgesprochen ("Ksing" in Deutschland, "Crossing" in den USA).

- Die Idee zum neuen Namen hatte das Team bereits im Jahr 2004, doch die Sicherung der internationalen Domainrechte dauerte lange.

- Im Dezember 2006 ging Xing als erstes (und bis heute einziges) deutsches Web-2.0-Startup an die Börse.

- Im März bzw. Juni 2007 übernahm Xing die zwei führenden spanischen Business Networks eConozc und Neurona und wurde dadurch zum Marktführer in Spanien.

- Im Mai 2007 ging das Marktplatz-Feature live, welches das Anbieten von Jobs, Dienstleistungen und Immobilien gegen Entgelt ermöglicht.

- Im Januar 2008 übernahmen die Hamburger das türkische Social Network für Professionals cember.net und sind seitdem Marktführer in der Türkei.

- Heute hat Xing mehr als 500.000 Premium-Mitglieder, die monatlich 5,99 Euro zahlen.

Was Hinrichs unerwähnt lässt, ist der Beginn der Vermarktung des Portals im Januar 2008 - angesichts von Mitgliederprotesten und der Notwendigkeit nachträglicher Justierungen wohl ein "Meilenstein", auf den man weniger stolz ist. Dennoch hat sich Werbung neben der Premium-Mitgliedschaft und dem Marktplatz als weitere Einnahmequelle für Xing etabliert (600.000 Euro Umsatz aus Onlinewerbung im dritten Quartal 2008).

Xing braucht sich mit seiner Entwicklung der letzten fünf Jahren nicht verstecken, das ist klar. Während der Dienst auch mir schon oft eine nützliche Hilfe war, gibt es einen Aspekt, in dem ich bisher enttäuscht wurde: die im Herbst 2007 verkündete Teilnahme an Googles OpenSocial-Initiative. Bereits im Juli 2007 gab Xing eine Öffnung für Drittanbieter bekannt (damals stand ich dem Thema noch skeptisch gegenüber). Als Google im November mit OpenSocial sein Gegenstück zu Facebooks Entwicklerplattform vorstellte , war Xing als Startpartner mit dabei. Doch auch heute, ein Jahr später, gibt es für Xing-Mitglieder noch nichts von den OpenSocial-Bemühungen zu sehen.

Hinrichs spricht OpenSocial im Jubiläums-Beitrag an und verweist darauf, dass man noch immer am Testen der OpenSocial SandBox sei. Dies lässt zwar annehmen, dass der Punkt "Öffnung für Drittanbieter" nach wie vor auf der Agenda steht, mit einer hohen Priorität kann er jedoch nicht versehen sein. Denn sonst wäre nicht ein Jahr seit der offiziellen Ankündigung verstrichen, ohne dass etwas geschehen ist.

Xing hat es sich daher selbst zuzuschreiben, dass ihm sein großer Konkurrent LinkedIn zuvorgekommen ist. Das weltweit führende Business Network hat vor wenigen Tagen seine eigene Entwicklerplattform gestartet .

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